mini|Schloss Kapfenburg aus der Vogelperspektive mini|Schloss Kapfenburg mit Umgebung von Süden mini|Rondell erbaut 1534 mit dem im 20. Jahrhundert angebrachten Wappen des Johann Eustach von Westernach mini|Westernachbau mini|Blick von Lauchheim mini|Blick über die herausgehobene Kapfenburg nach Norden auf einem Stich von 1740. Rechts über ihr die Stadt Lauchheim, links über ihr Westhausen-Westerhofen, dazwischen läuft die obere Jagst als Stufenrandfluss vor dem östlichen Albtrauf
Schloss Kapfenburg ist ein ehemaliges Schloss des Deutschen Ordens im Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Es befindet sich auf dem Felsen einer aus dem Albtrauf frei vortretenden Bergkuppe am Nordrand des Härtsfeldes oberhalb von Lauchheim. Das Schloss besteht aus mehreren Gebäudekomplexen.
Geschichte Im Besitz des Deutschen Ordens Die Geschichte des Deutschen Ordens begann 1190 während des Dritten Kreuzzuges mit der Gründung einer Hospitalgemeinschaft vor der Hafenstadt Akkon in Palästina. Bereits 1198 wurde die Hospitalbruderschaft in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt.
1311 wurde die zum Besitz der Grafen von Öttingen gehörende Kapfenburg erstmals urkundlich erwähnt. 1364 erwarb Marquardt der Zoller von Rottenstein, Komtur des Deutschordenshauses Mergentheim, die Kapfenburg. Sie wurde als zur Ballei Franken gehörende Kommende Verwaltungsmittelpunkt für die auf dem Härtsfeld und im oberen Tal der Jagst liegende Besitzung des Ordens. Den Haupteingang des Schlosses bildet die 1534 erbaute Bastion. Unter Komtur Johann Graf von Hohenlohe entstand 1538 der Hohenlohebau. Unter Komtur Johann Eustach von Westernach (1590–1627) entfaltete sich auf der Kapfenburg eine rege Bautätigkeit. Auf gewaltigen Substruktionen entstand der Haupttrakt des Schlosses, der Westernachbau, mit dem die Kapfenburg vom mittelalterlichen Wehrbau zum repräsentativen Herrschaftsschloss ausgebaut wurde. Die östliche Eingangsfront ist als reiche Schaufassade ausgestaltet. Weitere prächtige Portale führen in die Schlosskapelle und den Rittersaal mit Stuckdekor von Gerhard Schmidt. An den Wänden hängen Porträts verschiedener Hochmeister und Komture, die zusammen mit großen Wappentafeln zum letzten erhaltenen Inventar des Schlosses gehören.
Im Bauernkrieg 1525 wurde die Burg dreimal von aufständischen Bauern angegriffen, konnte sich aber behaupten.
1534/35 wurde die Torbastei der Kapfenburg errichtet. Diese ist ein herausragendes Beispiel für die Architektur einer Frühfestung. Sie sorgte dafür, dass das Tor nicht ins Kreuzfeuer genommen werden konnte. Rondelle dieser Art sollten wohl die besondere Wehrhaftigkeit der Anlage beweisen. Der Torturm des Mittelalters wurde in dieser Zeit in vielen Fällen durch das Rondell ersetzt. In der Nähe der Kapfenburg auf dem Schloss ob Ellwangen findet sich ein ähnliches Rondell aus dieser Zeit.Christian Ottersbach: Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen – früher Festungsbau im Reich, in Europa und der Welt. In: Von der Burg zur Festung. Forschungen zu Burgen und Schlössern, 18, S. 24 f.
Unter den Komturen der Kapfenburg war Johann Eustach von Westernach am bekanntesten, der 1625 zum Hoch- und Deutschmeister ernannt wurde.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde das Schloss geplündert. Erst unter der Regierung des für Bauangelegenheiten aufgeschlossenen Komturs Karl Heinrich Freiherr von Hornstein (1713–1718) begann in der Ballei Franken eine Phase verstärkter baulicher Aktivität. Als Komtur auf der Kapfenburg zog Hornstein ab 1714 Franz Keller, den Baumeister des Deutschen Ordens, heran, um große Teile der alten Burganlage umgestalten zu lassen. Neben Keller konnte Hornstein auch Franz Joseph Roth verpflichten. Zwischen 1715 und 1719 erhielt die Kapfenburg ihr heutiges Aussehen.
Um den hinter der Bastion gelegenen Vorhof errichtete Keller verschiedene Ökonomiegebäude und die Lorenzkapelle, die Roth stuckierte. Die Lorenzkapelle war ursprünglich als Grabkapelle für Hornstein bestimmt. Die beiden Wohngeschosse des Westernachbaus ließ Keller in helle und große Räume umbauen, die dem Bauherrn ein zeitgemäßes Repräsentieren und Wohnen ermöglichten. Unterhalb des Westernachbaus entstand auch ein kleiner Terrassengarten.
In den Räumlichkeiten der Musikakademie (nicht öffentlich zugänglich) finden sich in der ehemaligen Kapelle Epitaphien von Deutschordensrittern.
Liste der Komture auf Kapfenburg Marquart Zoller v. Rotenstein 1364 Johann v. Kötz 1384 Walther v. Kaltenthal 1384 Hans v. Venningen 1396–1428 Simon v. Leonrod 1441 Albrecht v. Venningen 1454 Hans v. Finsterloe 1467 Christian Truchseß v. Höfingen 1481 Georg Diemer 1484 Haimeran v. Stockheim 1499 Hans Nothhaft 1506 Wilhelm v. Neuhausen 1513 Graf Johann v. Hohenlohe 1538 Alexius Diemer 1541 Graf Balthas v. Nassau. 1538 Philipp v. Altdorf gen. Wollenschlag David v. Wasen 1569 David v. Hardt 1579 Johann Eustach v. Westernach 1590 Georg Wilhelm v. Elkershausen gen. Küpel 1628 Graf Ulrich v. Wolkenstein 1635 Johann Conrad v. Liechtenstein 1639 Gustav Adolf v. Traundorf 1656 Johann Adolf Loesch von Hilkerthausen 1657 Philipp v. Grafeneck 1659 Johann Friedrich v. Weingarten 1669 Tiborius Christianus v. Sparr auf Greiffenberg 1676 Johann Adolf Rau v. Holzhausen 1685 Philipp Adolf v. Hohenegg 1691 Maxim. Rudolf v. Westernach 1703 Franz Konrad v. Reinach 1710 (als Hauskomtur) Karl Heinrich von Hornstein 1714 Franz Konrad von Reinach 1718 Georg Daniel v. Buttlar 1725 Philipp Erwin Anton v. Großschlag 1730 Konrad Christoph von Lehrbach 1732 Reinhard Adrian von Hochstetten 1756 Rudolf Heinrich Karl Alois v. Werdenstein 1767 Johann Baptist Christof v. Andlaw 1784
Das Schloss als Teil Württembergs Kurfürst Herzog Friedrich II. von Württemberg erließ 1805 ein Besitzergreifungspatent über Besitzungen des Deutschen Ordens in Württemberg und in den angrenzenden Gebieten, wogegen Bayern militärisch erfolgreich vorging; erst mit der Rheinbundakte von 1806 gingen die Kapfenburg und andere Kommenden an das Königreich Württemberg über. Bis 1807 residierte Friedrichs Sohn Paul auf Schloss Kapfenburg. 1809 erfolgte in den Rheinbundstaaten die durch Napoleon erlassene Aufhebung des Deutschen Ordens, die Hochmeisterresidenz wurde nach Wien verlegt.
Von 1938 bis 1945 war Schloss Kapfenburg die Gauschule der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), Gauamt Württemberg-Hohenzollern, und diente als ideologische Schulungsstätte für Angehörige der NSV. Gauhauptstellenleiter der NSV 1936–1945 und Leiter der Gauschule Schloss Kapfenburg war Ernst Benno Mutschler.
1957–1962 wurden der Rittersaal und die Schlosskapelle restauriert. Im Erdgeschoss des Westernachbaus richtete die Stadt Lauchheim 1986 ein Heimatmuseum ein.
Seit Oktober 1999 beherbergt es die Stiftung Internationale Musikschulakademie Kulturzentrum Schloss Kapfenburg und ist ein Ort für Probenaufenthalte von Musikern. Es finden zudem regelmäßig klassische Konzerte und ein großes Festival im Sommer statt. Mit ihrer Bildungsarbeit setzt sich die Stiftung für Musikergesundheit ein.
Weblinks
Website des Schlosses
Literatur Kurzführer Staatliche Schlösser und Gärten, Oberfinanzdirektion Stuttgart. Winfried Kießling: Das Deutschordensschloss Kapfenburg. 2011, ISBN 978-3-87532-091-6. Erich W. Hacker: Stiftung Schloss Kapfenburg – Innovation in alten Gemäuern. 2016, ISBN 978-3-7392-3242-3. Winfried Kießling: Schloss Kapfenburg – Vom Deutschordensschloss zur Musikschulakademie. 2020, ISBN 978-3-00-064621-8. Wartburg Gesellschaft: Von der Burg zur Festung. Forschungen zu Burgen und Schlössern, 18. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2021, ISBN 978-3-7319-0650-6.
Einzelnachweise
Kapfenburg Kapfenburg Kapfenburg Kategorie:Bauwerk in Lauchheim Kategorie:Ort im Ostalbkreis Kategorie:Aufgelöst 1806 Kategorie:Umgenutztes Bauwerk im Ostalbkreis Kategorie:Ersterwähnung 1311 Kategorie:Musikbildungsstätte (Deutschland) Kategorie:Kulturdenkmal in Lauchheim Kapfenburg