Sontheim ist mit knapp 12.000 Einwohnern der drittgrößte Stadtteil von Heilbronn (nach der Kernstadt und Böckingen).

Geographie mini|Der von Weinbergen bedeckte Staufenberg von Sontheim aus gesehen. Im Hintergrund der Schweinsberg

Sontheim liegt im Neckarbecken südwestlich der Altstadt von Heilbronn am rechten Ufer des Neckars. Hier mündet von Süden kommend die Schozach in ihn, nachdem sie hundert Meter zuvor noch von rechts den aus Richtung Flein heranziehenden Deinenbach aufgenommen hat. Der historische Ortskern Sontheims liegt auf einem Hügel am Deinenbach, der den Ort durchfließt. Im Westen schließt sich der Heilbronner Stadtteil Horkheim an, im Süden stößt die hier leicht ansteigende Sontheimer Gemarkung auf die Gemeinden Talheim und Flein. Im Osten reicht die Gemarkung bis zu den Heilbronner Bergen und stößt bei dem Weiler Donnbronn an die der Gemeinde Untergruppenbach. Neben einem Teil des bewaldeten Schweinsbergs umfasst sie auch den von Weinbergen bedeckten Staufenberg, den „Hausberg“ Sontheims.

Geschichte Frühe Besiedlung und erste Erwähnung Die ältesten Funde auf der Markung von Sontheim datieren auf die frühe fränkische Landnahme in Südwestdeutschland zur Zeit der Merowinger. Sontheim ist vermutlich eine vom fränkischen Königshof in Heilbronn aus erfolgte Ausbausiedlung. Sont- bezeichnet die von Heilbronn aus gesehen südliche Lage des Ortes, die Nachsilbe -heim ist typisch für fränkische Gründungen. Der historische Ortskern liegt bei der katholischen Kirche St. Martinus, an die nördlich angrenzend sich vermutlich jeher ein Herrenhof befand.

Erstmals erwähnt wurde der Ort in dem am 23. April 1188 in Seligenstadt abgeschlossenen Heiratsvertrag zwischen Konrad von Rothenburg und Berenguela von Kastilien, worin ein Allod in Sontheim zur Morgengabe des Bräutigams zählte.Peter Wanner: Der staufisch-kastilische Ehepakt des Jahres 1188. Erkenntnisse aus Anlass einiger "kleiner" Stadtteils- und Gemeindejubiläen 2013. In: Christhard Schrenk/Peter Wanner (Hrsg.): heilbronnica 6. Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte. Heilbronn 2016, S. 453–460, hier: S. 458–459. PDF 366 kB. Wegen der Erwähnung weiteren staufischen Besitzes in der Umgebung ist die Identifikation des Ortes trotz der Existenz gleichnamiger Orte unzweifelhaft.

Sontheim im Besitz des Deutschen Ordens mini|Sontheimer Grenzstein zu Heilbronn mit dem Deutschordenskreuz

Bereits 1427 war der Ort größtenteils in Besitz des Deutschen Ordens, dessen Heilbronner Kommende 1225 gegründet wurde und im Deutschhof zu Heilbronn residierte. Der Orden hatte möglicherweise schon bald nach Gründung der Heilbronner Kommende die Ortsherrschaft in Sontheim ausgeübt, da die Sontheimer Ländereien den größten geschlossenen Teil des Kommendebesitzes ausmachten. Weitere Besitzanteile lagen zunächst noch bei Niederadligen aus der Umgebung und bei Heilbronner Patriziern, wegen deren Pflichten es zu Streit gekommen war, der 1434 geschlichtet wurde. 1439 wurde die etwa 1600 Meter lange Sontheimer Landwehr als Grenzgraben zwischen Sontheim und Heilbronn errichtet.

Der Ort lag als Haufendorf um den Sontheimer Ordenshof des Deutschen Ordens. Während im 15. Jahrhundert die politische Gemeinde noch eine gewisse Bedeutung gehabt zu haben scheint, war alsbald der bestimmende Faktor des Ortes der Deutsche Orden, bei dem auch die hohe und niedere Gerichtsbarkeit lag. Der Orden erwarb den gesamten Ort bis auf die Gült des Heilbronner Spitals und einige Grundzinse der Herren von Gemmingen in Talheim. Der Orden hatte außerdem auch das Patronatsrecht der Sontheimer Kirche.

Im Bauernkrieg 1525 schlossen sich die Sontheimer Bauern den Böckinger Bauern an, die die Heilbronner Deutschordenskommende plünderten, so dass Sontheim nach Niederschlagung des Aufstands zur Strafe durch Truchsess Georg von Waldburg-Zeil niedergebrannt wurde. Der Deutsche Orden baute den Ordenshof nach dem Bauernkrieg in der heute noch nachvollziehbaren Form aus und ließ die Anlage ummauern. Die Einwohnerschaft Sontheims war bäuerlich geprägt und blieb wegen der Ordenszugehörigkeit auch nach der Zeit der Reformation rein katholisch.

Als im Dreißigjährigen Krieg das protestantische Lager die Oberhand in der Gegend um Heilbronn gewann, zog König Gustav II. Adolf den Ordensbesitz ein und schenkte Sontheim an die protestantisch gesinnte Stadt Heilbronn. Als sich der Kriegsverlauf wendete, bezog der katholische König Ferdinand II. Quartier in Sontheim und der Orden erlangte seinen Besitz zurück. Der Ort hatte unter den Einwirkungen des Krieges sehr zu leiden. Nach Kriegsende siedelte der Deutsche Orden auch Juden im Ort an, 1672 wurde eine Synagoge errichtet. mini|Das Landhaus der Familie Bianchi in Sontheim (später das Schreiberische Landhaus) auf einem Stahlstich von Theodor Rausche (1845)

1688 ließ Deutschordenskomtur Georg Adolf von Speth eine große Sommerresidenz östlich des Ortes errichten, die in der Folgezeit zum Quartier mehrerer Feldherren wurde. 1693 war Sontheim Quartier des Markgrafen Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth, blieb jedoch trotz französischen Beschusses von Kriegsschäden des Pfälzischen Erbfolgekriegs verschont. Während des polnischen Thronfolgekriegs in den 1730er Jahren war Prinz Eugen von Savoyen zu Gast im Sommerhaus, 1746 gastierte dort der kaiserliche Feldmarschall Fürst Lobkowiß. Um 1760 entstand in Sontheim außerdem noch das Landgut des italienischen Kaufmanns und Tabakfabrikanten Francesco Antonio Bianchi, vormals Diener bei der italienischen Kaufmannsfamilie Venino.

Im 18. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl bedeutend an. Um 1700 gab es 88 Untertanen, 1746 wurden bereits 148 Untertanen und Schutzverwandte gezählt. Auf jeden Untertanen kamen etwa 5–6 Familienangehörige.

Übergang an Württemberg und Industrialisierung mini|Foto des Dorfes von Südosten, vor 1882

Bei der Mediatisierung des Deutschordensbesitzes kam das bäuerliche Dorf Sontheim im November 1805 als selbständige Gemeinde an Württemberg. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Sontheim etwa 1000 Einwohner und war noch ein reines Weingärtner- und Bauerndorf. Die Sontheimer Juden wanderten im 19. Jahrhundert verstärkt ins benachbarte Heilbronn ab, wo sie sich ab 1805 wieder niederlassen durften. Die Größe der jüdischen Gemeinde ging von 129 Personen 1818 auf 46 Personen im Jahr 1870 zurück.

Die Industrialisierung in den späten 1860er Jahren führte zu einem raschen Wachstum, durch Industrieansiedlungen längs der Sontheimer Landwehr wuchsen Sontheim und Heilbronn praktisch zusammen. Es entstanden zahlreiche Industriebetriebe in Sontheim. Um 1900 erhielt Sontheim mit dem Bahnhof Sontheim Anschluss an die schmalspurige Bottwartalbahn Marbach am Neckar–Heilbronn Süd. Der Ort wurde außerdem auch durch eine Linie der Straßenbahn Heilbronn an die Nachbarstadt Heilbronn angeschlossen, diese wiederum wurde 1951 durch den bis 1960 verkehrenden Oberleitungsbus Heilbronn ersetzt.

mini|300px|Sontheim am Neckar um 1900

Im Jahr 1900 hatte Sontheim bereits 2164 Einwohner. Durch die Zuwanderung während der Industrialisierung waren auch zahlreiche protestantische Einwohner in den ehemals römisch-katholisch geprägten Ort gekommen. 1899 wurde die Evangelische Pfarrkirche (seit 1949: Matthäuskirche) erbaut, 1906 wurde die evangelische Kirchengemeinde (heute: Matthäuskirchengemeinde Heilbronn-Sontheim) gegründet. Das Wachstum der Gemeinde führte zum Bau zahlreicher für die Gemeinde wichtiger Bauten, darunter das Postamt (1904), das Rathaus (1905), das Israelitische Landesasyl (1907), das Ackermannstift (1908) sowie das katholische Schwesternheim (1909). Das Wachstum der Gemeinde setzte sich unvermindert fort. 1910 hatte Sontheim bereits 2900 Einwohner, 1924 waren es 3300 Einwohner. Die beiden größten Betriebe des Ortes, Ackermann und Wolko, boten zusammen über 2000 Arbeitsplätze.

Eingemeindung nach Heilbronn 1938 Am 1. Oktober 1938 erfolgte die Eingemeindung des damals rund 4000 Einwohner zählenden Ortes nach Heilbronn. Zwar hatte Sontheim eine gute wirtschaftliche Situation vorzuweisen und wäre aus dieser Sicht keine Eingemeindung in die größere Nachbarstadt nötig gewesen, doch hatte Heilbronn zu jener Zeit die verschuldeten Gemeinden Böckingen und Neckargartach aus wirtschaftlicher Not heraus eingemeindet und bedingte die Eingemeindung von Sontheim als finanziellen Ausgleich.

Bei den Luftangriffen auf Heilbronn blieb Sontheim im Zweiten Weltkrieg vor größeren Zerstörungen verschont.

1965 zog die 1961 gegründete Hochschule Heilbronn an einen Standort in Sontheim um. Mit dem Bildungscampus am Heilbronner Europaplatz sowie den Außenstellen in Künzelsau und in Schwäbisch Hall beheimatet die Hochschule Stand 2014/2015 fast 8500 Studierende.

Mit der Sanierung des Ortskerns in den 1970er- und 1980er-Jahren, der Erschließung des Wohngebiets Sontheim-Ost in den 1980er-Jahren und der Bebauung ehemaliger Industrie- und Bahnbrachen mit Wohngebäuden seit 1990 ist Sontheim zum drittgrößten Stadtteil Heilbronns mit über 11.000 Einwohnern gewachsen.

Religionen Konfessionsstatistik Mit Stand Ende 2020 waren von den Einwohnern 28 % evangelisch, 24 % katholisch und 48 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Stadt Heilbronn Stadtteilprofil zum 31.12.2020 für den Stadtteil: Sontheim, abgerufen am 6. November 2021

Protestanten Für die Protestanten in Sontheim gibt es die evangelische Matthäuskirche und im Osten Sontheims die 1988 eingeweihte Kirche im Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum.

Katholiken Für die Katholiken in Sontheim stehen die katholische Kirche St. Martinus und das katholische Pfarrhaus (1800) auf dem Hochgerichtsareal zur Verfügung. Im Sontheimer Osten am Jörg-Ratgeb-Platz befindet sich außerdem das 1997 eröffnete Gemeindezentrum Maximilian Kolbe, das auch die Kirche St. Maximilian Kolbe enthält.

Juden mini|300px|Die Familie Israel 1902

Die Jüdische Gemeinde Sontheim war bedeutend. Die Sontheimer Synagoge befand sich seit 1773 am Deinenbach, wurde 1827 erneuert und 1984 abgerissen. Seit 1989 erinnert ein Gedenkstein an die Synagoge. In den Schozachwiesen ist der 1841 angelegte jüdische Friedhof Sontheim. Die ehemalige jüdische Schule ist ein Haus an der Hauptstraße 25 mit Mansardenwalmdach und Zwerchgiebel sowie großem Torbogen. Das ehemalige israelitische Frauenbad ist an der Hauptstraße 39. Zu den ehemaligen jüdischen Einrichtungen in Sontheim zählen die heutige Alice-Salomon-Schule (Erzieherschule), die 1907 als jüdisches Altersheim Wilhelmsruhe eingeweiht wurde. Wohnhäuser von Sontheimer Juden waren unter anderem das mit Laden im Erdgeschoss und Eckerker versehene Haus Mändle von 1896 beim Rathaus sowie die 1903/04 im barockisierenden Jugendstil erbaute Villa Wolf des Schuhfabrikanten Hermann Wolf.

Politik Wappen alternativtext=|mini|109x109px|Wappen Sontheims

Das Wappen von Sontheim ist erstmals 1559 nachgewiesen. Es zeigt in einem halbgeteilten und gespaltenen Schild links oben ein durchgehendes Kreuz, darunter drei Lindenblätter, die rechte Hälfte zeigt eine halbe Sonne mit einem Gesicht. Das Kreuz steht für den Deutschen Orden, die Lindenblätter sind das Familienwappen des Deutschmeisters Dietrich von Cleen, die Sonne nimmt Bezug auf den Ortsnamen und macht das Wappen zum sprechenden Wappen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Altes Rathaus mini|Deutschhof mit Alter Kelter und Zehntscheune

Das Alte Rathaus mit Fachwerkaufbau auf Backsteinsockel wurde 1896 an der Hauptstraße errichtet und ist heute Bürgeramt.

Der Deutschhof bei der Martinuskirche ist die ehemalige Hofanlage des Deutschen Ordens. Zu der Anlage zählen die Zehntscheuer von 1563 (heute Feuerwehrhaus), die Obere Kelter aus dem 16. Jahrhundert (heute Gemeindehaus), das Amtshaus des Deutschordens und die Untere Kelter, die heute als Alte Kelter für Veranstaltungen genutzt wird. Die Anlage war einst mit der Kirche ummauert und bildete die historische Ortsmitte.