Vanille ([] oder [], landschaftsbezogen auch [] bzw. []; botanisch Vanilla) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Die 106 bis 126 Arten sind in den Subtropen bis Tropen verbreitet.
Beschreibung mini|Illustration aus Rumphia, sive, Commentationes botanicæ imprimis de plantis Indiæ Orientalis ..., 1835 von Vanilla albida mini|Illustration aus Martius, Eichler, Urban: Flora Brasiliensis, Band 3, Teil 4, Tafel 32 von Vanilla chamissonis mini|Illustration von Vanilla humblotii
Vegetative Merkmale Bei vielen Vanilla-Arten variieren die vegetativen Merkmale sehr stark und sind deshalb als Bestimmungsmerkmale schlecht geeignet. Die Arten der Gattung Vanilla sind immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Kletterpflanze wachsen direkt im Erdboden wurzelnd (terrestrisch) oder halbepiphytisch. Die dicke, kahle, grüne, monopodiale Sprossachse verzweigt sich manchmal und ist sukkulent. Die grau-grünen Wurzeln entspringen an jedem Knoten der Sprossachse. Ihre Laubblätter sind ledrig dick und fleischig; sie können groß und länglich sein oder schuppenförmig.
Generative Merkmale Der traubige Blütenstand ist kurz und enthält dicht angeordnete resupinaten Blüten. Die relativ kurzlebigen Blüten sind auffällig. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Kelchblätter sind frei.
Die Früchte sind botanisch gesehen längliche Kapselfrüchte oder zylindrische, ledrige Beeren, die sich nicht öffnen. Die Früchte werden auch, wenn sie fermentiert als Gewürz verwendet werden, „Vanilleschoten“ genannt. Die Früchte enthalten, wie bei allen Orchideenarten, sehr viele, sehr kleine Samen. Die Samenschale (Testa) ist hart.
Systematik, botanische Geschichte und Verbreitung Botanische Geschichte und Taxonomie Die ersten Arten, die zur Gattung Vanilla gehören, wurden bereits benannt, bevor das binominale System der Nomenklatur nach Carl von Linné 1753 festgelegt wurde. Die Gattung Vanilla wurde am 28. Januar 1754 durch Philip Miller in The Gardeners Dictionary...Abridged...fourth edition aufgestellt. Als Lectotypusart wurde Vanilla mexicana (Syn.: Epidendrum vanilla ) durch Rudolf Mansfeld in Die Kulturpflanze, Band 2, 1959, Seite 587 festgelegt. Synonyme für Vanilla sind: Myrobroma , Vanillophorum nom. inval.
Wichtige Revisionen der Gattung Vanilla erfolgten durch Klotzsch 1846, Rolfe 1896 und Portères 1954. Nach molekulargenetischen Daten erfolgte eine umfassende Revision durch Miguel Ángel Soto Arenas et al. 2010.
Äußere Systematik Die Gattung Vanilla gehört zur Tribus Vanilleae in der Unterfamilie Vanilloideae innerhalb der Familie Orchidaceae. Nach Arenas 2010 ist die Gattung Vanilla mit den Gattungen Dictyophyllaria , Epistephium und Lecanorchis am nächsten verwandt. Nach Pansarin 2010 gehört die einzige Art der Gattung Dictyophyllaria wieder zur Gattung Vanilla.
Innere Systematik Die Gattung Vanilla wurde durch Arenas et al. 2010 in zwei Untergattungen gegliedert: Untergattung Vanilla subg. Vanilla (Syn.: Vanilla subsect. Membranacea nom. illeg.): Sie enthält etwa 15 neotropische Arten, die meisten davon kommen in Brasilien vor. Untergattung Vanilla subg. Xanata : Sie wurde 2010 aufgestellt und wird in zwei Sektionen gegliedert: Vanilla subg. Xanata sect. Tethya : Sie wurde 2010 aufgestellt. Vanilla subg. Xanata sect. Xanata
mini|Die Verbreitung der Gattung Vanilla auf der Welt
Arten und ihre Verbreitung Das Verbreitungsgebiet der Gattung Vanilla sind die tropischen und subtropischen Gebiete verschiedener Kontinente. Es gibt Areale im südlichen Bereich Nordamerikas, auf den Karibischen Inseln, in Zentralamerika, Südamerika, Zentralafrika, Madagaskar, Südostasien und auf den westlichen Pazifischen Inseln.
Die ursprüngliche Verbreitung der meisten Arten ist Südamerika, wobei auch ein paar Arten, etwa Vanilla imperialis oder Vanilla roscheri, auf dem afrikanischen Kontinent heimisch sind.
mini|Vanilla aphylla mini|Vanilla bahiana mini|Vanilla barbellata mini|Vanilla chamissonis mini|Vanilla imperialis mini|Vanilla ochyrae mini|Vanilla palmarum mini|Vanilla pompona mini|Vanilla roscheri mini|Vanilla somae mini|Tahiti-Vanille (Vanilla ×tahitensis)
Die Gattung Vanilla enthält je nach Autor 106 bis 126 Arten:
Vanilla abundiflora : Sie kommt auf Borneo vor. Vanilla acuminata : Sie kommt in der Republik Kongo sowie Gabun vor. Vanilla acuta : Sie kommt in den Guyanas vor. Vanilla africana : Sie kommt vom tropischen Westafrika bis Gabun vor. Vanilla albida : Sie kommt von den Andamanen sowie Nikobaren bis ins westliche Malesien vor. Vanilla andamanica : Sie kommt nur auf den Andamanen und Nikobaren vor. Sie ist nach POWO ein Synonym von Vanilla albida . Vanilla angustipetala : Sie kommt vom südöstlichen bis südlichen Brasilien und im nordöstlichen Argentinien vor. Vanilla annamica : Sie kommt im südlichen China, in Laos, Thailand und Vietnam vor. Vanilla aphylla : Sie ist von Assam über Myanmar, Thailand, Laos, Vietnam und der Malaiischen Halbinsel bis zu den Inseln Java sowie Luzon verbreitet. Vanilla appendiculata : Sie kommt von Kolumbien bis ins nördliche Peru und von Brasilien bis Guyana vor. Vanilla arcuata : Sie wurde 2016 aus dem brasilianischen Bundesstaat São Paulo erstbeschrieben. Vanilla aspericaulis : Sie wurde 2015 aus Französisch-Guyana erstbeschrieben. Vanilla atropogon : Sie wurde 2013 aus Vietnam erstbeschrieben. Vanilla bahiana : Sie kommt in Brasilien vor. Vanilla barbellata : Sie kommt vom südlichen Florida über die Bahamas und die karibischen Inseln Kuba, Hispaniola, Puerto Rico bis zu den Kleinen Antillen vor. Vanilla barrereana : Sie wurde 1994 aus den Guyanas erstbeschrieben. Vanilla bertoniensis : Sie kommt im südlichen Paraguay sowie südlichen Brasilien vor. Vanilla bicolor : Sie ist von karibischen Inseln bis in tropische Südamerika verbreitet. Vanilla borneensis : Sie kommt in Assam, Thailand, Johor und Borneo vor. Vanilla bradei : Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat São Paulo vor. Vanilla calyculata : Sie kommt in El Salvador, Honduras und Kolumbien vor. Vanilla carinata : Sie wurde 1896 erstbeschrieben und ist in den Orgelbergen im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro beheimatet. Vanilla capixaba : Sie wurde 2017 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Vanilla chalotii : Sie kommt in Äquatorial-Guinea und Gabun vor. Vanilla chamissonis : Sie kommt in nordöstlichen bis östlichen Bolivien, in Französisch-Guyana und im östlichen Brasilien vor. Vanilla claviculata : Sie kommt auf den karibischen Inseln Kuba, Hispaniola, Jamaika, Puerto Rico, auf den Cayman-Inseln und den Kleinen Antillen vor. Vanilla cobanensis : Sie wurde 1999 aus Guatemala erstbeschrieben. Vanilla columbiana : Sie kommt in Kolumbien vor. Vanilla corinnae : Sie wurde 2017 aus Französisch-Guyana erstbeschrieben. Vanilla costaricensis : Sie wurde 2010 aus Costa Rica erstbeschrieben. Vanilla coursii : Sie kommt nur im südwestlichen Madagaskar vor. Vanilla crenulata : Sie ist vom tropischen westlichen-zentralen Afrika bis Westafrika verbreitet. Vanilla cribbiana : Sie wurde 2010 erstbeschrieben. Sie kommt in den mexikanischen Bundesstaaten Oaxaca sowie Chiapas und in Kolumbien vor. Vanilla cristagalli : Sie kommt in Guyana und im nördlichen Brasilien vor. Vanilla cucullata : Sie kommt in der Elfenbeinküste, in Kamerun sowie in Gabun vor. Vanilla decaryana : Sie kommt im nordwestlichen und südlichen Madagaskar vor. Vanilla decesareae : Sie wurde 2013 von den Philippinen erstbeschrieben. Vanilla denshikoira : Sie wurde 2018 aus Kolumbien erstbeschrieben. Vanilla diabolica : Sie wurde 1996 aus Sulawesi erstbeschrieben. Vanilla dietschiana : Sie kommt in den brasilianischen Bundesstaaten Espírito Santo, São Paulo sowie Santa Catarina vor. Sie war 2003 als Dictyophyllaria dietschiana in den monotypische Gattung Dictyophyllaria ausgegliedert worden, aber wurde 2010 durch Pansarin wieder zur Gattung Vanilla gestellt. Vanilla dilloniana : Sie kommt vom südlichen Florida über Kuba, Hispaniola und Puerto Rico bis zu den Kleinen Antillen vor. Vanilla dressleri : Sie wurde 2010 erstbeschrieben. Sie kommt von Costa Rica über Panama bis Kolumbien vor. Vanilla dubia : Sie kommt in den brasilianischen Bundesstaaten Espírito Santo sowie Minas Gerais vor. Vanilla dungsii : Sie wurde 1975 aus dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erstbeschrieben. Vanilla edwallii : Sie kommt in Brasilien und in der argentinischen Provinz Misiones vor. Vanilla espondae : Sie wurde 2010 aus Kolumbien erstbeschrieben. Vanilla esquipulensis : Sie wurde 2012 aus Guatemala erstbeschrieben. Vanilla fimbriata : Sie kommt in Guyana und im brasilianischen Bundesstaat Pará vor. Vanilla francoisii : Sie kommt nur im nordwestlich Madagaskar vor. Vanilla gardneri : Sie kommt in Venezuela und Brasilien vor. Vanilla giulianettii : Sie kommt nur in Papua-Neuguinea vor. Vanilla grandifolia : Sie kommt in Príncipe, Gabun sowie in der Demokratischen Republik Kongo vor. Vanilla griffithii : Sie kommt von der thailändischen Halbinsel bis ins westliche Malesien vor. Vanilla guatemalensis : Sie wurde 1999 aus Guatemala erstbeschrieben. Vanilla guianensis : Sie kommt vom südöstlichen Kolumbien über das nördliche Brasilien bis zu den Guyanas vor. Vanilla hallei : Sie wurde 1998 aus Gabun erstbeschrieben. Vanilla hamata : Dieser Endemit kommt nur im peruanischen Huánuco vor. Vanilla hartii : Sie ist vom südlichen Mexiko über Zentralamerika, die beiden Inseln Dominica sowie Trinidad bis Französisch-Guyana, Guyana und Brasilien verbreitet. Vanilla havilandii : Sie kommt in Borneo vor. Sie wurde 2017 auch in Bangladesch gesammelt.M. Oliur Rahman, Md. Abul Hassan: New angiospermic taxa for the flora of Bangladesh In: Bangladesh Journal of Plant Taxonomy, Volume 24, Issue 2, 2017. Vanilla helleri : Sie kommt im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca, in Costa Rica, Nicaragua und Panama vor. Vanilla heterolopha : Sie kommt in der Republik Kongo und in Gabun vor. Vanilla hostmannii : Sie kommt in Kolumbien, Venezuela, Guyana, Suriname und im nördlichen Brasilien vor. Vanilla humblotii : Sie kommt im nördlichen Madagaskar und auf der Komoren-Insel Njazidja vor. Vanilla imperialis : Sie ist vom südwestlichen Äthiopien sowie Angola bis ins tropische Westafrika verbreitet. Vanilla inodora : Sie kommt von Mexiko über Belize, Guatemala, Honduras, Nicaragua sowie Panama bis Kolumbien vor. Vanilla insignis : Sie kommt vom südlichen Mexiko über Belize sowie Guatemala bis Honduras vor. Vanilla javieri : Sie wurde 2018 aus Kolumbien erstbeschrieben. Vanilla kaniensis : Sie kommt nur in Papua-Neuguinea vor. Vanilla karen-christianae : Sie wurde 2018 aus Costa Rica erstbeschrieben. Vanilla kempteriana : Sie kommt nur in Papua-Neuguinea vor. Vanilla kinabaluensis : Sie kommt auf der Malaiischen Halbinsel und im nördlichen Borneo vor. Vanilla labellopapillata : Sie wurde 2013 aus dem brasilianischen Bundesstaat Pará erstbeschrieben. Vanilla leprieurii : Sie kommt in den Guyanas vor. Vanilla lindmaniana : Sie wurde 1911 erstbeschrieben und kommt in Brasilien, im Bundesstaat Mato Grosso, vor. Vanilla madagascariensis : Sie kommt in Madagaskar vor. Vanilla marowynensis : Sie kommt nur in Suriname vor. Vanilla martinezii : Sie wurde 2010 aus Guatemala erstbeschrieben. Vanilla methonica : Sie kommt in Kolumbien sowie Peru vor. Vanilla mexicana : Sie kommt südlichen Florida über die karibischen Inseln Kuba, Hispaniola, Jamaika bis zu den Kleinen Antillen sowie der Insel Trinidad bis zum nördlichen Südamerika (Venezuela, Kolumbien, Französisch-Guyana, Guyana, Suriname) vor. Vanilla montana : Sie kommt auf der Malaiischen Halbinsel vor. Vanilla moonii : Sie kommt nur in Sri Lanka vor. Vanilla nigerica : Sie kommt im südlichen Nigeria und in Kamerun vor. Vanilla norashikiniana : Sie wurde 2017 von der Malaiischen Halbinsel erstbeschrieben. Vanilla ochyrae : Sie wurde 1998 aus Kamerun erstbeschrieben.