Die Volvo Group (von ) ist ein börsennotierter schwedischer Hersteller von Nutzfahrzeugen, der Omnibusse und Fahrwerke unter den Marken Volvo, Prevost, Nova Bus und MASA (Volvo Buses), Lastkraftwagen unter den Marken Volvo (Volvo Trucks), Renault und Mack sowie Baumaschinen und Motoren (Volvo Penta) herstellt.
Volvo wurde 1927 ursprünglich als Pkw-Hersteller gegründet, verkaufte den Geschäftsbereich Volvo Car Corporation jedoch Anfang 1999 an Ford, das diesen 2010 wiederum an die chinesische Geely-Gruppe verkaufte. Die Marke Volvo und das Markenzeichen wurden 1999 auf die Volvo Trade Mark Holding übertragen; sie werden von der Volvo Group und der Volvo Car Corporation gemeinsam genutzt. Im Dezember 2017 wurde der Eigner von Volvo Cars, der chinesische Fahrzeugkonzern Zhejiang Geely Holding Group, mit 8,2 % größter Anteilseigner der Volvo Group.Chinesischer Autobauer Geely steigt bei Lkw-Hersteller Volvo ein. In: Die Presse, 27. Dezember 2017.
Geschichte mini|hochkant|Assar Gabrielsson, 1960 mini|hochkant|Gustav Larson, 1962 Volvo wurde 1915 vom schwedischen Kugellager-Hersteller SKF als Versuchsabteilung gegründet. Ziel war zunächst nur, Versuchsautos zur Erprobung der damals neuen Wälzlager zu bauen. 1926/1927 wurde Volvo von Assar Gabrielsson und Gustaf Larson als eigenständige Firma ausgegründet. SKF hielt noch bis 1935 Anteile an Volvo. Aus diesem Umstand ergeben sich die oft unterschiedlich genannten Gründungsjahre. Von 1936 bis in die späten 1950er Jahre gab es in Brasilien eine eigene Gesellschaft Volvo do Brasil Ltda. für den lateinamerikanischen Markt. Erst 1977 erfolgte die Neugründung von Volvo do Brasil in Curitiba.
1959 führte Volvo als erster Pkw-Hersteller den Dreipunktgurt serienmäßig ein, den der schwedische Ingenieur Nils Bohlin für den Konzern erfunden hatte. Nachdem 1967 in Schweden die Umstellung auf Rechtsverkehr stattfand, stieg der Absatz an Pkw- und Lkw-Modellen, zumal gerade neue Modelltypen wie der Pkw Volvo 140 und der Lkw Volvo F88/F89 eingeführt wurden. Die Linienbusse mussten allerdings bereits zum Umstellungstermin mit Türen auf der rechten Seite bereitstehen, so dass kurz vorher eine große Nachfrage entstand. Durch die schlagartige Verjüngung der Wagenflotte bei den Busbetrieben sank anschließend der Absatz an Omnibussen im Inland drastisch, und es waren für die nächsten zehn bis zwölf Jahre keine nennenswerten Verkaufszahlen im Hauptabsatzgebiet von Volvo (damals fand kaum Export statt) zu erwarten. So wollte die Geschäftsleitung den Omnibusbau eigentlich einstellen, zumal die Busmodelle des zweiten schwedischen Herstellers Scania-Vabis damals größere Verbreitung fanden. Stattdessen fand der Plan des Volvo-Busfachmannes Stig-Arne Olson 1968 Anwendung und es wurde die Volvo Bus-Division als eigenverantwortliche Abteilung im Volvo-Konzern gegründet. Hier konnten auch aufgrund kürzerer Entscheidungswege größere Exporterfolge durch Lieferungen insbesondere in die Schweiz, nach Großbritannien und Frankreich, aber auch nach Übersee erzielt werden. 1969 erfolgte nach gleichem Muster die Bildung der Volvo Lkw-Division und der Volvo Pkw-Division. Durch die großen (Export-)Erfolge der Lkw-Reihe F88/F89 und deren Nachfolger F10 und F12 mussten die Fertigungskapazitäten erhöht werden. Deshalb wurde in Belgien der Bau von Volvo-Modellen in einem neuen Werk aufgenommen. Des Weiteren wurde die Bus-Division in ein neu entstandenes Montagewerk für den Bau von Omnibus-Chassis in Viared bei Borås verlagert.
Bis 1973 war Volvo ein reiner Fahrzeugkonzern. Danach jedoch folgten Beteiligungen und Übernahmen auch in anderen Segmenten. Der damalige Vorstandsvorsitzende Pehr G. Gyllenhammar entwickelte Volvo im Laufe der Jahre zu einem Multikonzern.
Am 30. März 1988 kaufte Volvo das britische Unternehmen Leyland Buses mit der Fabrik in Workington, wo neben dem Doppeldeckbus(-Chassis) Olympian und dem Eindecker-Linienbus Lynx ab 1990 auch Busse des Mittelmotortyps B10M produziert werden. Ab dem 1. Januar 1989 gab es die Verkaufsorganisation VL Bus & Coach, bevor am 1. Juli 1991 Volvo Bus Ltd. vollständig übernahm. 1993 wurde die Fabrik in Workington stillgelegt, die Busproduktion in Großbritannien erfolgte nun im schottischen Irvine.
In den 1990er Jahren kaufte Volvo die Omnibussparte/Omnibusproduktion in Form der Marke Steyr vom österreichischen Steyr-Daimler-Puch-Konzern.
Auf der Aktionärsversammlung im April 1994 stellte der damalige Vorstandsvorsitzende Sören Gyll das Ende der Diversifikation vor. Unter seinem Nachfolger Leif Johansson konzentrierte sich Volvo fortan wieder fast vollständig auf das Kerngeschäft und verkaufte nach und nach – mit Ausnahme der genannten Volvo Financial – alle anderen ehemaligen Volvo-Tochterunternehmen außerhalb des Fahrzeugsegments.
1998 verkaufte Volvo die Fertigung von Lkw-Hinterachsen an Meritor.Verkauf Lkw-Achsfertigung 1998; abgerufen am 4. April 2013 Das ursprüngliche Kerngeschäft des Konzerns, die Pkw-Sparte, wurde Anfang 1999 an Ford verkauft. Volvo wollte Mitte 1999 durch den Kauf von Aktien an Scania von der Wallenberg-Gruppe die Mehrheit an diesem anderen schwedischen LKW-Hersteller übernehmen,Volvo schluckt Scania. In: Hamburger Abendblatt vom 7. August 1999, S. 22 was aber durch Einspruch der Kartellbehörden nicht gelang.
Im Januar 2001 übernahm Volvo Renaults Nutzfahrzeugsparte Renault Véhicules Industriels (RVI) inklusive der Marke Mack Trucks, jedoch ohne Renaults Anteil an Irisbus. RVI wurde 2002 in Renault Trucks umbenannt. Im Gegenzug erhielt Renault etwa 20 % der Aktien an AB Volvo. 2006 erlangte Renault Trucks Defense (RTD) eine Mehrheitsbeteiligung an dem Militärfahrzeughersteller ACMAT. Im Oktober 2010 verkaufte Renault alle Volvo-B-Aktienhttps://www.volvogroup.com/en/investors/the-volvo-share.html und 3,8 % der A-Aktien, so dass es noch 17,5 % der A-Aktien besaß.Renault.com: 2012 übernahm RTD die ebenfalls im Bereich Rüstung tätige Panhard General Defense und benannte sich in Arquus um, Anfang Juli 2024 wurde die Gesellschaft an die John Cockerill Group verkauft.https://www.ouest-france.fr/politique/defense/le-fabricant-de-vehicules-militaires-arquus-installe-a-saint-nazaire-passe-sous-pavillon-belge-4fdbc85a-3946-11ef-9f2b-c38da737f062
Volvo Trade Mark Holding Damit der Name Volvo in der Öffentlichkeit weiterhin als eine Einheit angesehen wird und nicht das Image des einen Herstellers mit dem des anderen differiert, gibt es die Volvo Trade Mark Holding. Diese wurde zeitgleich mit dem Verkauf der Volvo Car Corporation (Volvo Personvagnar) an Ford von Volvo-Chef Leif Johannson und dem damaligen Ford-Vorstandsvorsitzenden Jacques Nasser gegründet. Dieses Unternehmen verwaltet den Namen „Volvo“ und führt somit in wichtigen marketingstrategischen Aspekten beide Kraftfahrzeughersteller wieder zusammen: Jeweils 50 % der Anteile der Volvo Trade Mark Holding gehören der Volvo Personvagnar, die anderen 50 % gehören der Volvo Group. Vorstandsvorsitzende des Unternehmens sind zu gleichberechtigten Teilen die jeweils amtierenden Vorstandsvorsitzenden der Volvo Personvagnar und der Volvo Group. Die Gremien der Volvo Trade Mark Holding, die aus Mitarbeitern der Volvo Personvagnar und der Volvo Group bestehen, treffen sich regelmäßig und besprechen gemeinsame Sponsoringaktivitäten, wie z. B. das Volvo Ocean Race, verwalten Logos und Schriftzüge der Marke und sorgen dafür, dass die Marke in der Öffentlichkeit weiterhin einen einheitlichen Status pflegt.
Im Oktober 2012 wurde bei der Einführung des Volvo V40-Pkws ein überarbeitetes Logo präsentiert.
Konzernstruktur Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Göteborg, Schweden. Die Volvo-Unternehmensgruppe beschäftigt weltweit knapp 100.000 Mitarbeiter (2020). Die Aktien des Mutterunternehmens Aktiebolaget Volvo werden an der Börse gehandelt. Per 31. Dezember 2020 sind die größten Aktionäre bezogen auf den Stimmrechtsanteil AB Industrivärden mit 27,5 % und Geely Holding mit 15,9 %.
Seit Gründung der Volvo-Unternehmensgruppe gehören Lastkraftwagen (Volvo Trucks, sowie heute Renault Trucks und Mack Trucks), Baumaschinen (Volvo Construction Equipment) und Omnibusse (Volvo Buses) zur Produktpalette. Der Geschäftsbereich Lastkraftwagen war mit 61 % Umsatzanteil 2020 der Größte. Einen bedeutenden Umsatzanteil trugen die Baumaschinen mit 24 % bei. Der Geschäftsbereich Omnibusse setzte 6 % der Gesamtverkäufe um. Zur Unternehmensgruppe gehören außerdem Volvo Penta (Industrie- und Schiffsmotoren, 3 % Umsatzanteil). Die Volvo Group besitzt auch die Volvo Financial Services (4 % Umsatzanteil). Der von Renault gekommene Rüstungsbereich firmiert mittlerweile als Arquus.
Mit 40 % Umsatzanteil ist die Volvo-Gruppe insbesondere in Westeuropa tätig. In Nordamerika und Asien werden je 24 % Umsatz erwirtschaftet. Mit 6 % Umsatzanteil ist Südamerika zu erwähnen. Der Rest verteilt sich auf die übrigen Regionen der Welt.
Produkte
Lastkraftwagen Volvo Trucks ist weltweit der zweitgrößte Hersteller schwerer Lastwagen. Der Großteil des Umsatzes konzentriert sich auf Westeuropa, Nord- und Südamerika sowie Asien.
Renault Trucks zählt zu den großen Lkw-Herstellern Europas. Das Unternehmen bietet alle Typen von Nutzfahrzeugen an: von leichten Lkw für städtische Verteilertransporte bis hin zu Spezialfahrzeugen und schweren Lkw für den Güterfernverkehr. Bereits in den 1970er Jahren gehörten Volvo und Renault (als „Saviem“) zum sogenannten „Vierer-Club“, der gemeinsam Lkw entwickelte.
1981 wurde die White-Lastwagenfertigung mit der Tochtergesellschaft Autocar, aber ohne Western Star Trucks, von Volvo übernommen und in Volvo White Truck Corp. umbenannt. Konzernmarken waren Volvo, White und Autocar. 1988 kam es zu einem weiteren Zusammenschluss als Volvo Trucks ein Joint Venture mit General Motors (GM) einging. GM brachte dabei den Schwerlastwagenbereich von GMC ein. Das Unternehmen wurde zur Volvo GM Heavy Truck Corporation mit den Marken WHITEGMC und Autocar. 1995 wurde aus WHITEGMC Volvo. 1997 übernahm Volvo den Anteil von GM am Unternehmen und änderte erneut den Namen in Volvo Trucks North America. 2001 wurden die Markenrechte an Autocar sowie einige Lkw-Modelle an die Grand Vehicle Works Holdings LLC (GVW) verkauft. Seitdem werden alle Lkw des Konzerns in Nordamerika als Volvo verkauft.https://web.archive.org/web/20220117111118/https://www.volvotrucks.com/en-en/about-us/who-we-are/history.html
Mack Trucks ist einer der größten Hersteller schwerer Lkw und Lkw-Komponenten in Nordamerika. Die Firma war seit 1991 vollständig im Besitz von Renault. Im Jahr 2000 erwarb die Volvo AB die Firma Renault Véhicules Industriels (RVI) (heute Renault Trucks) einschließlich Mack Trucks in Nordamerika.
UD Nissan Diesel wurde im Jahr 2007 von Volvo fast vollständig übernommen. 2020 verkaufte Volvo die Sparte UD Trucks an Isuzu Motors. Nissan-Diesel stellt in Japan Lkw und Busse her.
Omnibusse Beginn 1928 mini|Frontmotor-Fahrgestell Volvo B57 mit Überlandbus-Aufbau von Wiima mini|Volvo „Setcar“ als Zubringer-Bus der Tunisair auf dem Flughafen von Monastir (Tunesien) mini|Volvo/Hess B10L der Verkehrsbetriebe Luzern 1928 wurde der erste Omnibus auf der Basis eines Lkw-Fahrwerkes gefertigt. In den 1940er Jahren entstanden zunehmend eigene Fahrgestelle speziell für Busse, zunächst mit in den Wagenkasten integriertem Frontmotor. Der erste Dieselmotor von Volvo (VDA) entstand 1945, er ersetzte den „Hesselman“-Motor, der ein umkonstruierter Benzinmotor mit niedriger Verdichtung zum Betrieb mit steuerbegünstigtem Schweröl und Zündung mit Hochleistungszündkerzen war. 1950/1951 entstanden auf unterschiedliche Kundenwünsche hin die jeweils ersten Volvo-Linienbus-Chassis mit Heckmotor (B645 für Stockholm) und mit Mittelmotor (B655 für Odense).