mini|Westseite des Mausoleums des Theoderich im Theoderich-Park (Parco di Teodorico) von Ravenna. mini|Übersicht der Anlage des Theoderich-Parks (Parco di Teodorico) von Ravenna. Das Mausoleum des Theoderich in Ravenna ist die Grablege des ostgotischen Königs Theoderich, genannt der Große. Das ungewöhnliche Bauwerk, das Theoderich der Große im 6. Jahrhundert vermutlich für sich und die engsten Vertrauten seines Hofstaats hatte errichten lassen, gilt als herausragendste Bauleistung der Ostgoten in Italien.
Forschungsgeschichte Die bis heute wohl umfangreichsten Informationssammlungen zur Baugeschichte des Mausoleums Theoderichs des Großen haben Robert Heidenreich und Heinz JohannesRobert Heidenreich, Heinz Johannes: Das Grabmal Theoderichs zu Ravenna. Steiner, Wiesbaden 1971. sowie Giuseppe BoviniGiuseppe Bovini: Das Grabmal Theoderichs des Großen (Übersetzung aus dem Italienischen). Longo, Ravenna 1977. veröffentlicht. Eine Übersicht des Forschungsstandes bis 1928, in der unter anderem die unterschiedlichen Rekonstruktionsvorschläge von Durm, Schulz und Haupt diskutiert werden, wurde von Jänecke publiziert.Wilhelm Jänecke: Die drei Streitfragen am Grabmal Theoderichs. In: Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Jahrgang 1927/28, 3. Abhandlung. Carl Winters Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1928. Auf diese Darstellungen wird im Folgenden hauptsächlich zurückgegriffen.
Geschichte In dem lateinischen Text Anonymus Valesianus wird beschrieben, dass der Gotenkönig „noch zu seinen Lebzeiten sich selbst ein aus behauenen Blöcken zusammengefügtes Denkmal errichtete, für dessen Abschluss er einen riesigen Stein suchen ließ.“ Um 520 wurde das Grabmal auf Anweisung Theoderichs, der in Ravenna seinen Hof hatte, als zukünftiges Mausoleum auf dem Friedhof der Goten-Vorstadt errichtet. Es war vor seinem Tod offenbar jedoch noch nicht vollständig fertiggestellt. Der Name des Baumeisters ist nicht überliefert.
Theoderich war dem Glaubensbekenntnis nach ein Arianer. Als 540 die Byzantiner unter General Belisar Ravenna eroberten und damit der orthodox-katholische Klerus dort die Oberhand erhielt, wurden die Spuren Theoderichs und des Arianismus nach Möglichkeit beseitigt. Der Kampagne fiel auch der Sarkophag Theoderichs zum Opfer, der als der eines „fluchwürdigen Ketzers“ (weil Arianer) aus dem Mausoleum entfernt wurde.
Hauptsächlich aufgrund von Überschwemmungen war der Gruftraum des Mausoleums lange Zeit halb verschüttet. Er wurde 1918–1919 wieder ganz freigelegt. Bei den Ausgrabungen traten in der näheren Umgebung des Mausoleums antike Mauerreste und andere Relikte zutage, darunter ein goldverzierter Brustharnisch.
Architektur
Das Mausoleum folgt Vorbildern der römischen Architektur, steht zeitlich (inmitten der Völkerwanderung) am Übergang von der Spätantike zur Vorromanik, die besonders im Exarchat von Ravenna auch Parallelen zur zeitgleichen frühen byzantinischen Architektur aufweist. Zugleich stellt das Mausoleum eine bedeutende Eigenleistung der ostgotischen Einwanderer dar.
Es hat einen zehneckigen symmetrischen Grundriss mit einer Kantenlänge von ca. 4,40 Metern und besteht aus zwei Geschossen. Der Innenraum des Untergeschosses fungierte als Grabkammer und wird von einem Kreuzgratgewölbe überwölbt. Der Gruftraum weist innen vier kreuzförmig angeordnete Nischen auf. In einer der Nischen befindet sich die Eingangstür.
Das ebenfalls zehneckige Obergeschoss, das nur über eine Außentreppe und eine Brücke zu erreichen ist, beherbergt einen Kapellenraum mit rundem Grundriss. In der Ostwand befindet sich in einer Nische ein Altar. mini|Das Kreuzgratgewölbe des Gruftraums wurde aus passend behauenen Steinblöcken (Hakensteinen) und ohne Fugmörtel aufgemauert.
Die Zwischendecke ruht auf der Gewölbekonstruktion des Untergeschosses, die aus zahlreichen fugenlos zusammengesetzten Steinblöcken besteht und deren statische Stabilität durch Einsetzen des Schlusssteines gewährleistet wird. In der Literatur sind Zeichnungen des Baus und seiner Querschnitte angegeben worden.Vgl. zum Beispiel Fritz Baumgart: Ober-Italien – Kunst, Kultur und Landschaft zwischen den oberitalienischen Seen und der Adria. 3. Auflage. DuMont, Köln 1979, ISBN 3-7701-0829-9, S. 204.
Erdgeschoss Das Erdgeschoss beherbergt den Gruftraum des Mausoleums, der heute leer ist. Der Gruftraum weist innen drei je ca. 3,50 Meter breite und etwa 2 Meter tiefe Nischen für die Aufnahme von Sarkophagen auf, doch sind keine Sarkophage mehr aufgestellt. Die drei Gruftnischen sind kreuzförmig zueinander angeordnet.
In der Außenmauer befinden sich zehn Bogennischen, die eine Grundfläche von je 2,45 Meter mal 1,75 Meter haben. Die Bögen werden dabei durch Hakensteine gesichert, deren Widerhaken ein Verrutschen verhindern und jedem Stein eine spezifisch definierte Position innerhalb des Verbandes zuweisen. Eine der Nischen enthält die Eingangstür zum Gruftraum, über den Verwendungszweck der restlichen neun Außennischen können nur Mutmaßungen angestellt werden.
Die Architektur des Mausoleums scheint verständlicher zu werden, wenn der Frage nachgegangen wird, wie die bildliche Darstellung der dort beigesetzten Personen erfolgen sollte. Da Theoderich sich zuvor in einem gut sichtbaren (später zerstörten) Mosaik hoch oben an der Südwand seiner Hofkirche S. Apollinare Nuovo hatte abbilden lassen – nach Meinung von Historikern auf einem Pferd sitzend –, ist davon auszugehen, dass er eine entsprechende Darstellung seiner Person auch für das Mausoleum angestrebt hatte.
Während für Innenräume eher Mosaike oder Wandmalereien in Frage kommen, sind für figürliche Darstellungen auf Friedhöfen am ehesten lebensgroße Statuen geeignet. In jeder der drei Gruftnischen hätten drei Sarkophage Platz, wenn sie parallel – mit den Kopfenden zur Innenwand hin – aufgestellt würden, also insgesamt neun Sarkophage. Da an der Außenwand neun Bogennischen zur Verfügung stehen, ist zu vermuten, dass diese ursprünglich für die Aufnahme der Statuen vorgesehen waren. Dachkuppel und Untergeschoss zeigen außen geringere Verwitterungserscheinungen als der Teil des Obergeschosses unterhalb der Dachkuppel. Der Grund hierfür dürfte darin zu suchen sein, dass für den Teil des Obergeschosses unterhalb der Dachkuppel weicheres Gestein verwendet wurde, um leichter allseitig Fenstermuster eingravieren zu können.
Das Untergeschoss weist fünf senkrechte Fensterschlitze auf, die recht hoch angeordnet sind, auf gleicher Höhe liegen und unterhalb der Bögen der Außennischen durch die Außenmauer hindurchführen. Gegenüber der Eingangstür befindet sich unterhalb eines Fensterschlitzes zusätzlich ein etwas breiteres Fenster in normaler Höhe, durch das eine stehende Person auf das Gelände vor dem Grabmal blicken kann.
Obergeschoss Außen mini|Südseite des Obergeschosses. Im Gegensatz zum heutigen Zustand befand sich die Treppe zum Obergeschoss im Urzustand des Mausoleums höchstwahrscheinlich unmittelbar vor der Eingangstür, also an der Westseite. Zum stark zurückliegenden Obergeschoss gelangt man heute über eine Außentreppe, die auf eine um das Gebäude ringsherum verlaufende Veranda führt, von der aus die Eingangstür zum Kapellenraum erreicht werden kann. Die Außentreppe wurde 1927 angebaut. Der um das Obergeschoss herumführende Gang hat eine Breite von etwa 1,30 Metern. Die Eingangstür ist genau über der Eingangstür des Untergeschosses angeordnet.
Der Kapellenraum weist eine Altarnische auf, die der Eingangstür genau gegenüberliegt. Die Altarnische ist etwa 1,20 Meter tief. An der Schwachstelle, an der innen die Altarnische in die Mauer eingelassen ist, wurde an der Außenmauer eine etwa drei Meter breite, zwei Meter hohe und 85 Zentimeter dicke Verstärkungsmauer angebracht, deren seitliche Kanten sorgfältig abgerundet worden sind. Wie Fotografien aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zeigen, hatte die Altarnische früher ein Fenster. Dieses ist heute zugemauert.
Da die früher an der Außenmauer vorhanden gewesenen architektonischen Verkleidungselemente heute fehlen, wirkt dieser Nischenvorbau klobig und unharmonisch. Wie das Mausoleum ursprünglich im Bereich des Nischenvorbaus ausgesehen haben dürfte, hat SchulzBruno Schulz: Das Grabmal Theoderichs zu Ravenna und seine Stellung in der Architekturgeschichte. Würzburg 1911, S. 21, Abbildung 20. in einer – soweit allein der Nischenvorbau betroffen ist – noch heute gültigen Rekonstruktionszeichnung verdeutlicht. Wegen des Nischenvorbaus und auch des darin früher vorhandenen Fensters dürfte der Umgang links und rechts des Nischenvorbaus geendigt haben, d. h., an dieser Stelle dürfte sich auch kein Brüstungsgitter befunden haben.
Das Obergeschoss hatte früher einen Fußboden-Belag aus Verde antico,Theodor Gsell Fels: Oberitalien und Mittelitalien (bis vor die Tore Roms). 8. Auflage. neu bearbeitet von R. Schoener, Leipzig 1907, S. 278. einem olivgrünen Gestein mit grünlichweißen und dunkelgrünen Maserungen und Einschlüssen, das im Altertum für Dekorationszwecke verwendet wurde.
Die Symmetrieachse des Gebäudes ist grob gesehen von Westen nach Osten ausgerichtet; ihre Winkelabweichung von der Ost-West-Achse beträgt rund 10° in nördlicher Richtung. Das Baumaterial ist sogenannter istrianischer Kalkstein, ein Naturstein, der auch in späteren Jahrhunderten in der Region häufiger als Baumaterial verwendet wurde; vermutlich stammt der Kalkstein aus einem Steinbruch in der Nähe der heutigen Ortschaft Vrsar.
Fehlende architektonische Verkleidungen Der Umgang des Obergeschosses wies früher offenbar der Dekoration dienende architektonische Verkleidungen auf. Darauf weisen in die Außenmauer des Obergeschosses eingehauene Vertiefungen für die Aufnahme von Stützeinsätzen und anderen Bauelementen hin. In einer der eingehauenen Vertiefungen steckt noch heute ein gut erhaltener Stützeinsatz. Der Abstand vom Fußboden des Umgangs bis zur Unterkante des Stützeinsatzes beträgt etwa 2,28 Meter.
Skizzen des Mausoleums, die Giuliano Sangallo im 16. Jahrhundert angefertigt hatte,Bovini (1977), S. 62, Abbildung 13, und S. 63, Abbildung 14.Jänecke (1928), S. 12, Abbildung 6. zeigen, dass auf diesen Stützeinsätzen konsolenartige, von der Außenwand um etwa 30 Zentimeter abstehende Dekorationselemente gelastet hatten, die die an den Außenwänden des Obergeschosses angedeuteten blinden Türen im Bereich der Lünetten überwölbten. Es ist auch die Meinung vertreten worden, dass sich auf den beiden Ganghälften links und rechts neben der Eingangstür, bis zu dem Altarnischen-Vorbau hin, je eine Loggia befunden haben könnte, die an der Außenseite jeweils auf Stützpfeilern ruhte. Gegen derartige Rekonstruktionsvorschläge, die eine ganze oder teilweise Überbauung in Gestalt einer Arkade oder Loggia beinhalten, hat Jänecke geltend gemacht, dass in Anbetracht der relativ geringen Tiefe der in der Außenwand vorgefundenen künstlichen Einbuchtungen den Baumeistern dann zusätzliche bautechnische Hilfsmittel angewandt haben müssten, über die sie zur damaligen Zeit noch gar nicht verfügen konnten. Da der nur etwa 1,30 Meter breite Umgang auch nicht für den Daueraufenthalt von Personen gedacht ist, kann eine frühere Überdachung in Form eines Bogengangs oder einer Loggia ausgeschlossen werden.
Haupt hat Rekonstruktionszeichnungen angegeben,Vgl. Jänecke (1928), S. 6 ff.; Heidenreich und Johannes (1971), S. 121. die den Umgang mit einem Brüstungsgitter zeigt. Er vertrat die Meinung, dass die 4,20 Meter langen Bronzegitter, die Karl der Große zusammen mit anderen historischen Bauteilen (Marmorsäulen, zwei Statuen Theoderichs und einem Reiterstandbild, wahrscheinlich des Vorgängers Theoderichs) mit Genehmigung des Papstes Hadrian I. für den Bau der Aachener Pfalzkapelle aus Ravenna mitgebracht hatte, die früheren Brüstungsgitter des Mausoleums sein dürften. Dies wird durch die bemerkenswerte Übereinstimmung mit der Seitenlänge des Zehnecks des Erdgeschosses nahegelegt, die etwa 4,40 Meter beträgt.