mini|Landkarte mit der Sausenburg aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sausenburg ist die heute übliche Bezeichnung für die Ruine der früheren Burg Sausenberg.siehe Heiduk S. 334zu älteren Schreibweisen wie Susenberg siehe Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden. Band 2, Spalte 799–800; Digitalisat Die Sausenburg war die Stammburg der Markgrafen von Hachberg-Sausenberg. Die Ruine liegt auf der Gemarkung der Stadt Kandern im baden-württembergischen Landkreis Lörrach.
Geografische Lage Die Ruine der Höhenburg liegt etwa 1,3 km östlich des Kanderner Stadtteils Sitzenkirch und 3,3 km nordöstlich des Kanderner Ortskerns,s. Heiduk S. 334 auf dem hohen Sausenberg – einem Ausläufer des Hochblauen. Östlich davon liegt die Gemeinde Malsburg-Marzell, Ortsteil Malsburg. Über das zu Malsburg gehörige Dorf Vogelbach im Nordosten ist die Ruine gut über das LindenbücklePasshöhe zwischen Kander- und Lippisbachtal mit Wanderparkplatz erreichbar. 1,6 Kilometer nordwestlich liegt durch das Lippisbachtal getrennt Schloss Bürgeln und 4,5 Kilometer nordöstlich der Hochblauen.
Geschichte 1125 schenkten die Herren von Kaltenbach (aus dem Ort Kaltenbach bei Malsburg-Marzell) Ländereien an das Kloster St. Blasien. Es wird vermutet, dass auch der Sausenberg zu diesen Ländereien gehörte, was aber nicht nachweisbar ist.siehe Heiduk S. 340 Das Kloster St. Blasien errichtete jedenfalls in unmittelbarer Nähe Propsteien in Bürgeln und Sitzenkirch, sowie in Weitenau. Die Vogtei über diese Propsteien übten die Zähringer aus und ging nach deren Aussterben auf die Markgrafen von Hachberg über.
1232 erwarben sie den Sausenberg vom Kloster St. Blasien,Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 1050–1515. Badische Historische Kommission (Hrsg.), Verlag der Wagnerschen Universitäts-Buchhandlung, Innsbruck (1892 – 1915); Band 1 – Richard Fester (Bearbeiter): Markgrafen von Baden 1050–1431, Markgrafen von Hachberg 1218-1418, Innsbruck 1900, Regest Nr. h12 22. Juni 1232; . Der gesamte Text der Urkunde findet sich bei Johann Wilhelm Braun (Bearb.): Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr 1299. Teil I: Edition; Teil II: Einführung, Verzeichnisse, Register, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-017985-3. (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg: Reihe A, Quellen; Band 23), Nummer 289. Ob der Sausenberg zu diesem Zeitpunkt oder früher bereits bebaut war, bleibt unklar. In der Literatur wurde die Möglichkeit einer frühen Holz-Erdburg erwogensiehe Meyer S. 31 oder ein früher Zufluchtsort in Kriegszeiten vermutet.siehe Naeher S. 61 Eine Urkunde von 1240 nennt den Sausenberg als Ausstellungsort, was allenfalls schon auf eine Burg hinweist – eine Urkunde von 1246 nennt explizit ein castri Susenberk, wobei unklar ist, ob auch der Bergfried schon bestand.siehe Heiduk S. 341 Die Erbauung einer Burg durch die Markgrafen von Hachberg wird auf Basis dieser Kenntnisse in den Jahren 1232 bis 1246 angenommen.
1306 erfolgte zwischen dem dritten Hachberger Markgrafen Heinrich III. (1290–1330) und seinem Bruder Rudolf I. (1290–1313) eine Erbteilung – Hachberg mit der Stadt Emmendingen wurde Heinrich übertragen. Rudolf erhielt die Herrschaft Sausenberg mit der Sausenburg und der Landgrafschaft im Breisgau.Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 1050–1515. Badische Historische Kommission (Hrsg.), Verlag der Wagnerschen Universitäts-Buchhandlung, Innsbruck (1892–1915); Band 1 – Richard Fester (Bearbeiter): Markgrafen von Baden 1050–1431, Markgrafen von Hachberg 1218-1418, Innsbruck 1900, Regest Nr. h576 1306 (zwischen 15. August und 15. September); Rudolf erhielt damit auch die Vogtei über die Propsteien Bürgeln, Sitzenkirch und Weitenau des Klosters St. Blasien.
Rudolf war mit Agnes von Rötteln vermählt, die 1310 zusammen mit ihrem Mann von ihrem Bruder Walter von Rötteln die halbe Herrschaft Rötteln erbte. Rudolf starb 1313, doch sein Sohn Heinrich erhielt 1315 von Lüthold II. von Rötteln – dem Onkel von Agnes und letztem männlichen Vertreter seines Geschlechtes – die andere Hälfte der Röttler Herrschaft geschenkt. Markgraf Heinrich war nun alleiniger Herr der Herrschaft Rötteln und der Landgrafschaft Sausenberg. Für die Sausenberger bedeutete das Röttler Erbe einen deutlichen Machtzuwachs, der ihren Herrschaftsbereich wahrscheinlich verdreifachte.Thomas Simon: Grundherrschaft und Vogtei. Eine Strukturanalyse spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Herrschaftsbildung. Dissertation, Universität Freiburg i. Br. Klostermann, Frankfurt am Main 1995, S. 114. Wohl noch vor 1317 zogen die Sausenberger auf die Burg Rötteln, und der Name der ererbten Burg und Herrschaft fand in die Namensgebung der Markgrafen Eingang.Sven Schomann: Hagen (Lörrach, LÖ): Burg Rötteln. In: Alfons Zettler, Thomas Zotz (Hrsg.): Die Burgen im Mittelalterlichen Breisgau II. Südlicher Teil. Halbband A-K. Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-7366-5, S. 238–239 Volltext als PDF. Nach Heinrichs frühem Tod (1318) übernahmen seine jüngeren Brüder Rudolf und Otto gemeinsam die Regentschaft. Rudolf II. verpfändete 1318 die Landgrafschaft im Breisgau an die Grafen von Freiburg, wobei die Landgrafenrechte über das Gebiet um die Sausenburg ausgenommen wurden. Die Hachberg-Sausenberger Linie und nannte daher das von ihr beherrschte Gebiet Landgrafschaft Sausenberg. Durch eine Schenkung des letzten Grafen von Freiburg, Johann, kam die Herrschaft Badenweiler 1444 an die Markgrafschaft Hachberg-Sausenberg, die damit die drei Bestandteile des später so genannten „Markgräflerlandes“ (Landgrafschaft Sausenberg, Herrschaft Rötteln, Herrschaft Badenweiler) umfasste. Die Sausenburg teilte fortan weitgehend das Schicksal ihrer Schwesterburgen in Rötteln und Badenweiler. Nach dem Tod Rudolf II. übernahm sein Bruder Otto zunächst die Regentschaft für den unmündigen Rudolf III. Später regierten beide gemeinsam, wobei Otto seinen Schwerpunkt auf der Sausenburg hatte in deren Nähe – in der Kirche von Sitzenkirch – er sich auch bestatten ließ. Danach scheint kein Markgraf mehr auf der Sausenburg residiert zu haben.siehe Heiduk S. 342
Aus der Baugeschichte sind nur Fragmente bekannt. Nachdem sein Vater, Markgraf Rudolf III. von Hachberg-Sausenberg Burg Rötteln ausgebaut hatte, widmete sich Wilhelm von Hachberg-Sausenberg dem Ausbau der Sausenburg. Trotz einer großen ererbten Schuldenlast begann Wilhelm noch 1428 – dem Todesjahr seines Vaters – mit der Überdachung des Wehrgangs, dem Bau einer Wächterstube über dem Torturm und dem Bau von zwei weiteren Räumen neben dem Turm.s. Rudolf III. Markgraf von Rötteln und andere (Autoren), Klaus Schubring (Übersetzer): Rötteler Chronik 1376–1432, Waldemar Lutz Verlag, Lörrach 1995, S. 181. Franz Josef Mone (Hrag.): Quellensammlung der badischen Landesgeschichte, Erster Band, S. 299, Macklot, Karlsruhe 1848; Digitalisat der UB Freiburg
Nachdem 1503 mit Markgraf Philipp der letzte sukzessionsfähige männliche Vertreter des Hauses Hachberg-Sausenberg verstorben war, fiel dessen Markgrafschaft – inklusive der Sausenburg – gemäß Erbvertrag („Röttelsches Gemächte“)Johannes Staub: Der Erbvertrag zwischen Markgraf Christoph I. von Baden und Markgraf Philipp von Hachberg vom 31. Aug. 1490. In: Das Markgräflerland, Heft 1/1991. Schopfheim, 1991 an die Hauptlinie der Markgrafen von Baden. Der Antritt der Erbschaft gegen den Willen von Philipps Witwe und Tochter gelang Markgraf Christoph nur durch das entschlossene Auftreten der „Landschaft“. Diese ständischen Vertretung der Bauernschaft hatte die Burgen Rötteln, Sausenburg und Badenweiler besetzt, bevor der von der Witwe eingesetzte neue Landvogt die Burgen übernehmen konnte.
Besetzung im Bauernkrieg 1525 mini|Ruine der Sausenburg um 1844
Die Burg war auch ein Schauplatz des Bauernkrieges. Die Anwälte des Markgrafen Ernst warfen den Untertanen in ihrer Klageschrift auch die Besetzung der Sausenburg und die Entnahme von Vorräten und Gegenständen vor.siehe Klagartikel der Anwälte des Markgrafen Ernst gegen dessen Unterthanen und deren Anhänger. In: Heinrich Schreiber (Hrag.): Urkundenbuch der Stadt Freiburg im Breisgau (Der deutsche Bauernkrieg: 1525; Juli bis Dezember), 1866, S. 68; Digitalisat der UB Freiburg Die Anwälte der Landschaft bestätigten in ihrer Entgegnung die Besetzung der Sausenburg und der anderen markgräflichen Schlösser (Rötteln und Badenweiler) die erfolgt sei um diese vor Beschädigung durch andere Bauernhaufen – insbesondere durch den Schwarzwälder Haufen unter Hans Müller – zu bewahren.siehe Karl Hartfelder: Urkundliche Beiträge zur Geschichte des Bauernkrieges im Breisgau. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 34, 1882, S. 437–438; . Tatsächlich haben die Einungsmeister des Hotzenwalds am 19. April die Stadt Freiburg darauf hingewiesen, dass der Schwarzwälder Haufen den Breisgau und die obere Markgrafschaft mit Krieg überziehen wolle. ebenda S. 414;
Die Burgen wurden von der Bauernschaft nicht nur als markgräfliche Befestigungen, sondern auch als Landesfestungen verstanden. Nach ersten gravierenden Niederlagen benachbarter Bauernhaufen zogen sich die Markgräfler aus dem nördlichen Breisgau zurück und waren am 30. Mai wieder in ihren Dörfern.siehe Seith (Bauernkrieg) S. 63; siehe auch Zu diesem Datum war wohl auch die Besetzung der Schlösser beendet die am 14. oder 15. Mai begonnen hatte.siehe Seith (Bauernkrieg) S. 54
Dreißigjähriger Krieg Im Dreißigjährigen Krieg war die Burg ab 1633 umkämpft. Am war das Schloss Badenweiler von den kaiserlichen Truppen aus der Festung Breisach eingenommen worden und in den folgenden Tagen wurde auch Burg Rötteln und die Sausenburg von den kaiserlichen Truppen des Grafen Montecuccoli und mit Unterstützung des Markgrafen Hermann Fortunat von Baden-Rodemachern genommen.siehe Bogislaw Philipp von Chemnitz: Königlich Schwedischer in Teutschland geführter Krieg. 2. Teil. Johannis Jansson II, Stockholm 1653, S. 125; Google BooksFranz Joseph Mone (Hrsg.): Thomas Mallingers Tagebücher. Von 1611–1660. In: Quellensammlung der Badischen Landesgeschichte, Band 2, S. 539–540; .zu Hermann Fortunat siehe Philipp Ruppert: Die Kriegsereignisse im Breisgau von 1632 bis 1635 und die erste Belagerung Breisachs. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den angrenzenden Landschaften. 6. Band (1883–1887), S. 279; Fußnote 2;
Am kapitulierte die kaiserliche Besatzung von Burg Rötteln vor den schwedischen Truppen des Rheingrafen Otto Ludwig.siehe Bogislaw Philipp von Chemnitz: Königlich Schwedischer in Teutschland geführter Krieg. 2. Teil. Johannis Jansson II, Stockholm 1653, S. 159; Google Books In der Folge nahmen die Schweden auch die Burg in Badenweiler „und andere Orth mit der ganzen Oberen Herrschaft“ ein,Franz Joseph Mone (Hrsg.): Thomas Mallingers Tagebücher. Von 1611–1660. In: Quellensammlung der Badischen Landesgeschichte, Band 2, S. 544; wozu dann auch die Sausenburg gehörte.
Nach den hohen Verlusten in der Schlacht bei Nördlingen im September 1634 zogen die Schweden ihre Besatzungen aus vielen befestigten Plätzen ab. Rheingraf Otto Ludwig sammelte die Verbände bei Straßburg. Das Geschütz aus den geräumten Gebieten wurde in der Hochburg und in Straßburg in Sicherheit gebracht. Die verlassenen Plätze – wie Burg Rötteln – wurden spätestens im Februar 1635 mit kaiserlichen Besatzungen versehen.s. Philipp Ruppert: Die Kriegsereignisse im Breisgau von 1632 bis 1635 und die erste Belagerung Breisachs. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den angrenzenden Landschaften. 6. Band (1883–1887), S. 313;