Kupferhof oder Kupfermeisterhof ist eine regionale Bezeichnung für frühneuzeitliche Produktionsstätten für Messing, die im 16. und 17. Jahrhundert in Aachen und vom Ende des 16. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts vorwiegend im benachbarten Stolberg von Kupfermeistern betrieben wurden.

Die heute noch erhaltenen Kupferhöfe sind ausschließlich in Stolberg zu finden. Dort liegen sie in den Kernbereichen der Stadt von Oberstolberg und Unterstolberg. Die meisten von ihnen wurden in ihrer Geschichte renoviert, manche mehrmals und etliche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die meisten sind heute denkmalgeschützt, und alle werden privat genutzt.

In Aachen sind keine Kupferhöfe erhalten geblieben. Von den ehemaligen waren die Bedeutendsten die von der Familie Amya betriebene Pletschmühle im Bereich des heutigen Kugelbrunnens sowie der von Johann Gerhard Schervier eingerichtete Kupferhof am Schweinemarkt, dem heutigen Templergraben, in dem 1839 die Tuchfabrik Marx & Auerbach einzog.

Produktion Bei der Produktion wurden 70 % Kupfer mit 30 % Zinkblende verschmolzen, die aus dem vor Ort reichlich vorhandenen Galmei stammte. Da das Galmei Zink nicht in Reinform enthielt, betrug das Mischungsverhältnis zwei Anteile Galmei zu einem Anteil Kupfer, das als einziger Roh- und Brennstoff importiert werden musste. Da Zink noch nicht als Element isoliert war, nannte man Messing zur Unterscheidung vom eigentlichen so genannten „roten“ Kupfer „gelbes Kupfer“. So erklärt sich der Wortbestandteil „Kupfer“ im Namen der Produktionsstätten und ihrer Betreiber.

Erzmühlen (Galmeimühlen), Blasebälge und Hämmer wurden mit der Wasserkraft des Vichtbachs angetrieben, der zu diesem Zweck in Mühlenteichen aufgestaut wurde. Daher rührt die Bezeichnung des heutigen Stolberger Stadtteils Mühle in Unterstolberg, wo noch der ehemalige Ellermühlenteich als Bastinsweiher erhalten ist. Als Reduktionsmittel diente Holzkohle, für welche die umliegenden Wälder gerodet wurden. Die eigentliche Feuerung erfolgte mit Steinkohle, die im Norden von Stolberg abgebaut wurde.

Nur Messing, das aus Altenberger Galmei und Mansfelder Kupfer gewonnen worden war, durfte mit dem Aachener Stadtwappen gestempelt werden. Eine Notariatsurkunde aus dem Jahr 1559 nennt 69 Kupfermeister namentlich. Gleichzeitig gab es 1.000 Kupferknechte. 1581 berichtet eine Quelle von etlichen tausend Personen, die die Messingindustrie in der Stadt ernährte.

Ein Kupferhof mittlerer Größe umfasste fünf Messingöfen, eine Galmeimühle und drei Mühlenbäume mit je drei Hämmern (Hammerwerk sowie Tiefmühle). Auf ihm arbeiteten etwa 40 Hilfskräfte. Für einen Hof mit zwei Öfen werden 17 bis 25 Knechte in den Quellen angegeben. Man schätzt, dass während des 18. Jahrhunderts im Stolberger Messinggewerbe zwischen 600 und 1.200 bis 1.300 Arbeitskräfte (Schlafburschen) beschäftigt waren, die zu einem großen Teil aus der Eifel einpendelten. Für 1726 sind 200 Messingöfen belegt, die pro Jahr insgesamt 60.000 Zentner Messing erzeugten.

Hergestellt wurden Messingplatten. Sie wurden zu Draht weiterverarbeitet, der seiner Menge nach eines der wichtigsten Erzeugnisse war. Er wurde nicht nur nach Frankreich exportiert, sondern fand in der Uhrenherstellung Verwendung und wurde zu Haken, Ringen, Ketten, Pferdezäumen und Nadeln weiterverarbeitet. Kratzen zum Wollekämmen wurden ebenfalls aus Messingdraht hergestellt.

Daneben wurde Messing auch zu Handfeuerwaffen und Pulverflaschen verarbeitet, aber auch zu Haushaltsgegenständen wie Wasserkesseln, Löffeln, Feuerböcken, Kamineinfassungen und Laternen. Stand-, Wand- und Kronleuchter wurden in Aachen hergestellt; liturgisches Gerät wurde aus Aachen und Stolberg ausgeführt.

Der Betrieb eines Kupferhofs erforderte ständig ein Kapital von etwa 20.000 Reichstalern. Der hohe Kapitaleinsatz, die Integration verschiedener Produktionsschritte und die Nutzung der Naturkräfte machen die Messingindustrie der Kupferhöfe zu einer wichtigen wirtschaftsgeschichtlichen Etappe vor der Industrialisierung, deren Maschineneinsatz (Dampfmaschine) und Massenfertigung die Kupferhöfe wie die Reitwerke unrentabel werden ließ. Einige wurden unter den veränderten Bedingungen weiter betrieben. 1852 waren noch zwölf Anlagen in Betrieb, Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch drei metallverarbeitende Fabriken (Prym, Schleicher und von Asten & Lynen), die 1895 zusammen 90.000 bis 100.000 Zentner Messing produzierten.

Architektur und Geschichte Bedingt zum einen durch die Aachener Religionsunruhen, in deren Verlauf evangelische Bürger in Aachen mit der Reichsacht bedroht wurden und zum anderen durch die rigiden Zunftgesetze gemäß dem Aachener Gaffelbrief, entschlossen sich viele Unternehmer, Aachen zu verlassen und sich in liberaleren Nachbarstädten eine neue Existenz aufzubauen. Zu diesen Auswanderern gehörten vor allem die Familien Schleicher, Hoesch, Prym, Peltzer, Lynen und van Asten, wobei es für einige von ihnen die zweite Emigration war, da sie Jahre zuvor bereits vor den katholischen Truppen von Herzog Alba aus den Kupferminen von Flandern und Nordfrankreich nach Aachen geflohen waren.

Im Jahre 1575 war es der Aachener Kupfermeister Leonard Schleicher, der den ersten Kupferhof in Stolberg sowie drei weitere in der Folgezeit erbaute. 1598 waren ein gutes Dutzend in Betrieb, bis 1663 stieg die Zahl auf 90 bis 95 Schmelzöfen in Stolberg. Parallel dazu sank die Zahl der Öfen in Aachen von 100 im Jahre 1603 auf 12 bis 25 im Jahre 1663. Es fand eine Produktionsverlagerung, bei der neben den zuvor beschriebenen Gründen auch der Aachener Stadtbrand von 1656 eine Rolle spielte, jedoch keine Ausweitung statt. Die Gesamtproduktion in beiden Städten dürfte in diesem Zeitraum bei zusammen 30.000 Zentnern Messing jährlich gelegen haben.

Das Messinggewerbe bot für die nächsten mehr als zweihundert Jahren zahlreiche Arbeitsplätze für die Bevölkerung, erst recht, nachdem die Stolberger Kupfermeister im 18. Jahrhundert ein europaweites Messingmonopol erhalten hatten und ihre Marktstellung dadurch weiter ausbauen und festigen konnten. Dies führte zu einer Glanzepoche in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt und zum zunehmenden Wohlstand der Kupfermeister selbst.

Die Kupferhöfe waren nicht nur Produktionsstätten, sondern dienten ihren Besitzern auch als Wohnstätten und in unruhigen Zeiten der Verteidigung. Anstelle wuchtiger Wehrbauten begann man ab der Mitte des 17. Jahrhunderts infolge der Beruhigung der politischen Lage nach dem Dreißigjährigen Krieg barocke Palais zu errichten bzw. alte Bauten umzugestalten. Sie entsprachen dem großbürgerlichen Repräsentationswillen ihrer Eigentümer, deren Wappen noch heute an den Gebäuden zu sehen sind. Ihr Besitz wechselte häufig und war nicht immer unumstritten. Sie breiteten sich von der Altstadt immer weiter im Vichtbachtal nach Norden und Süden aus.

Die frühesten bildlichen Darstellungen von Gebäuden, die zu späterer Zeit als Kupferhöfe dienten, finden sich auf der farbigen Karte des Vichttales, die der Maler und Zeichner Egidius von Walschaple in den Jahren 1546/48 anlässlich eines langjährigen Rechtsstreites um Landbesitz und Wasser- sowie sonstiger Nutzungsrechte zwischen den Herren von Stolberg und den Reichsäbten von Kornelimünster erstellte.

Nach dem Ende der Messingproduktion fanden Kupferhöfe zu verschiedenen wechselnden Zwecken Verwendung. Manche dienten eine Zeit lang anderer Produktion (v. a. Glas- und Textilherstellung) oder waren Sitz von Firmenverwaltungen (Hof Blankenberg, Grünenthal). Andere wurden abgerissen. Die meisten sind bis heute zumindest in Teilen erhalten und werden zu administrativen, kulturellen und privaten Zwecken genutzt.

Die Kupfermeister haben Stolbergs Stadtbild nachhaltig geprägt.

Kupferhöfe in Stolberg Unterstolberg Bei den jüngeren Anlagen weiter im Norden handelt es sich überwiegend um repräsentative Hofanlagen, die weitläufig und alleinstehend ausgeführt sind. Von ehemals mehr als zehn Höfen sind heute nur noch vier erhalten.

Name/Lage Beschreibung BildKupferhof RoderburgmühleDammgasse()Der Kupferhof Roderburgmühle trägt seinen Namen wegen einer vorgelagerten Galmeimühle. In ihm gingen u. a. die benachbarten Feldmühle (Veldtmühle) und die Jan-Ravens-Mühle auf. Er war die Keimzelle weiterer Kupferhöfe in der unmittelbaren Umgebung, so die Kupferhöfe Bierweide, Mommas Hof, Peltzerhof, Stöck, Stürenhof, Unterster Hof, Weide und Wuppermannshof. 1615 errichtete Heinrich Peltzer das neue Herrenhaus. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert beherbergte die Roderburgmühle eine Fabrik für Stecknadeln sowie Haken und Ösen der Firma Schleicher. Der 1983 zusammen mit dem Mühlener Markt renovierte Kupferhof dient heute als Wohnanlage.Kupferhof Roderburgmühle In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 4. August 2020.150px|Roderburgmühle40px|rechtsKupferhof StöckAuf der Mühle()Der Hof Stöck wurde 1727 vom Ehepaar Peltzer-Prym erbaut. Das Allianzwappen des Erbauerehepaares ist noch über dem Eingangstor erhalten. Ebenfalls die Fassade des Herrenhauses blieb in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten, während die übrigen Gebäudeteile im Krieg zerstört wurden. Seit seinem Wiederaufbau dient der Kupferhof als Wohnanlage.150px|Kupferhof Stöckweitere Bilder40px|rechtsKupferhof Unterster HofEisenbahnstraße()Der Unterster Hof, auch Hof Bleibtreu oder Burg Bleibtreu genannt, heißt so, weil er der nördlichste erhaltene Kupferhof ist. Er wurde von Servas von der Weiden und Konrad Östlinger im 17. Jahrhundert erbaut. Seine Wasserräder wurden vom Ellermühlenteichlauf gespeist, der am Ellermühlenweiher (dem heutigen Bastinsweiher) seinen Anfang nahm. Das Mühlengebäude aus dem Jahr 1612 dient heute noch der Messingindustrie. Zu sehen sind Gießsteine zum Vergießen von Messingplatten, die vornehmlich im 17. Jahrhundert verwendet worden sind. Nach und nach gelangte die Familie Schleicher ganz in den Besitz des Kupferhofs. 1848 errichtete Eduard Schleicher das Haupthaus in seiner heutigen Form, das nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg renoviert wurde.Kupferhof Unterster Hof In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 4. August 2020.150px|Unterster Hof (Hof Bleibtreu)weitere Bilder40px|rechtsKupferhof WeideEuropastraße()Der Hof Weide wurde wohl 1615 von Simon Lynen begründet. Der älteste noch erhaltene Gebäudeteil wurde nach 1723 errichtet. Große Teile der Anlage ließ Emil Schleicher 1905 historistisch umgestalten. Das Herrenhaus wurde 1944 durch Kriegseinwirkung zerstört und schlicht in Bruchstein wiederaufgebaut. Heute dient der Kupferhof als privates Wohnhaus.Kupferhof Weide In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 4. August 2020.150px|Kupferhof Weideweitere Bilder

Oberstolberg In der Oberstolberger Altstadt liegen hauptsächlich ältere Kupferhöfe, die noch eine wuchtige, wehrhafte Bauweise aufweisen und sich in die dichte Bebauung der Altstadt einfügen.