Diese Seite stellt Bauwerke in Heilbronn vor, die von besonderem geschichtlichen oder architektonischem Interesse sind. Neben Bauwerken, die als Kulturdenkmäler Aufnahme in die Denkmaltopographie des Landesamts für Denkmalpflege gefunden haben, sind auch solche aufgeführt, die als Landmarken gelten oder aus anderen Gründen vielfach in der Literatur abgehandelt werden.
Ausführliche Einzeldarstellungen zu Brunnen in Heilbronn, Denkmälern in Heilbronn sowie Skulpturen in Heilbronn finden sich in den entsprechenden Artikeln. Bau- und Kulturdenkmäler in den eingemeindeten Stadtteilen werden in den Stadtteilartikeln vorgestellt.
Vorbemerkung mini|Heilbronner Marktplatz mit Rathaus (rechts) und Käthchenhaus (links). (Die Gebäude dahinter stammen alle aus den 1950er und 1960er Jahren.) mini|Das zerstörte Heilbronn 1945
Die Ansiedlung Heilbronn erhielt im 13. Jahrhundert die Stadtrechte und entwickelte sich zur traditionsreichen Patrizier- und Reichsstadt. Das historische Stadtgebiet war fast rechteckig von einer Stadtmauer umschlossen, deren westlicher Teil zwischen dem Götzenturm im Südwesten und dem Bollwerksturm im Nordwesten an den Neckar grenzte, während ungefähr einen halben Kilometer parallel dazu der östliche längs der heutigen Allee verlief. Das heutige Marktplatz-Ensemble aus Rathaus und Kilianskirche besteht in dieser Form seit dem 16. Jahrhundert. Die Bahnhofsvorstadt im Westen jenseits des Neckars entstand wesentlich erst im 19. Jahrhundert, ebenso die Villenviertel im Süden und Osten. Die historische Altstadt besaß Hunderte historischer Bauwerke aus allen Epochen seit dem 13. Jahrhundert, darunter zahlreiche Kirchen und historisch bedeutsame Profangebäude.
Beim Luftangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 wurde die Innenstadt völlig zerstört. Danach rekonstruierte man nur sehr wenige Gebäude den historischen Vorbildern getreu, darunter das Rathaus, die Kilianskirche und den Deutschhof. Neben diesen gibt es in der Kernstadt heute zahlreiche Gebäude, bei denen man den typisch barockisierenden Heimatstils der Stuttgarter Schule von Paul SchmitthennerJulius Fekete, Simon Haag, Adelheid Hanke, Daniela Naumann mit Beiträgen von Gerhard Bauer, Martina Berner-vom Feld, Jörg Biel, Ulrich Frey, Wolfgang Hansch, Joachim Hennze, Markus Numberger, Ulrike Plate, Christhard Schrenk: Denkmaltopographie Baden-Württemberg. Band I.5: Stadtkreis Heilbronn. Edition Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 104. wiederaufnahm. Viele Hinterhöfe und Nebenstraßen der Innenstadt haben noch den Baubestand der Wiederaufbauzeit. Aus den knapp dimensionierten und allmählich in die Jahre gekommenen Gebäuden sind seit den 80er Jahren oft die alteingesessenen Handelsgeschäfte ausgezogen. In den späten 1960er und den 1970er Jahren entstanden in der Heilbronner Innenstadt auch einige Hochhausbauten im schlichten Stil des Brutalismus, wie das Shoppinghaus von 1971 oder das Einkaufszentrum Wollhaus von 1974, die im Stadtbild heute unübersehbar sind.
Da die Villenviertel im Unterschied zur Innenstadt im Krieg nur wenig beschädigt wurden, sind unter den denkmalgeschützten Gebäuden in der Stadt die repräsentativen Bürgerbauten vom Beginn des 20. Jahrhunderts heute sehr stark vertreten. Daneben gibt es bedeutende Zeugnisse der Neckarnutzung und der frühen und starken Industrialisierung der Stadt, wie etwa den Handkran auf der Kraneninsel oder den Alten Bahnhof. Die äußeren Landmarken der Stadt sind Turm und Gaststätte auf dem Wartberg im Osten und das Kraftwerk Heilbronn im Westen.
Die 2007 erschienene Denkmaltopographie führt über 300 historische Baudenkmäler und rund 170 Bodendenkmäler für Heilbronn und seine Stadtteile auf.
Öffentliche Gebäude aus der Vergangenheit Rathaus Das Heilbronner Rathaus am Marktplatz gegenüber der Kilianskirche ist ein Renaissancebau um 1580 von Hans Kurz mit einer markanten astronomischen Kunstuhr von Isaak Habrecht. Das Rathaus wurde mitsamt den umliegenden städtischen Gebäuden (Neue Kanzlei und Syndikatshaus sowie Stadtarchiv) 1944 zerstört. Den Hauptbau rekonstruierte man 1953/54 in der historischen Fassade, und 1957 bis 1959 erweiterte man ihn durch Bauten in modernem Stil. Das ehemalige Stadtarchiv, 1765 von Johann Christoph Keller erbaut und 1944 ausgebrannt, liegt heute im von den modernen Anbauten umschlossenen Rathausinnenhof, hier wurde im Jahr 1963 eine Ehrenhalle für die Opfer des Zweiten Weltkriegs eingerichtet.
Deutschhof Der Deutschhof wurde 1268 als Hauskommende des Deutschen Ordens begründet. Die Anlage, von der auch das Deutschordensmünster St. Peter und Paul ein Teil ist, wurde 1719 von Wilhelm Heinrich Behringer barockisiert. Nach der Säkularisation 1805 diente das Anwesen verschiedenen Zwecken, u. a. als Kaserne und als Sitz des Landgerichts Heilbronn. Nach seiner Zerstörung im Jahr 1944 wurde der Deutschhof von 1957 bis 1974 nach Entwürfen von Richard Scheffler recht originalgetreu wiederaufgebaut. Seine Räumlichkeiten nutzen heute die Städtischen Museen, das Stadtarchiv und die Heilbronner Volkshochschule.
Andere mini|Fleischhaus
Das Fleischhaus ist ein altes Gerichts- und Marktgebäude aus der Zeit um 1600. Auf den damals im Erdgeschoss herrschenden Marktbetrieb weisen die schmuckvollen Arkaden hin. Das Haus war später städtische Botenhalle und ab dem späten 19. Jahrhundert bis 2009 ein naturgeschichtliches Museum. Seine Außenfassade trägt Wasserstandsmarken historischer Hochwasser.
Das Cäcilienbrunnenhaus errichtete 1589 Baumeister Hans Stefan bei der Neufassung des Silchenbrunnens; es versorgte über eine hölzerne Teuchelleitung 30 Zisternen und 6 Brunnen mit Wasser.
Das barocke Schießhaus erbaute 1770 Johann Christoph Keller ebenerdig auf dem damaligen Festgelände Hammelwasen als Saalbau für den Heilbronner Pferdemarkt. Nach der Höherlegung der an der Vorderseite vorbeilaufenden Frankfurter Straße scheint es heute in einer Senke zu stehen.
Kirchen mini|Die Kilianskirche ist die bedeutendste Heilbronner Kirche
Kilianskirche Die evangelische Kilianskirche geht auf eine im 8. Jahrhundert erwähnte Michaelsbasilika zurück und ist damit die älteste Kirche der Stadt. Im 12. Jahrhundert wurde die Kirche vergrößert und dem Heiligen Kilian geweiht. Um 1460 erfolgte ein abermaliger Umbau. In der Kirche steht ein Hochaltar von Hans Seyfer aus dem Jahr 1498. Der 1529 von Hans Schweiner vollendete Westturm mit seinem reichen Bauschmuck ist ein Meisterwerk renaissancezeitlicher Baukunst und das Wahrzeichen der Stadt. Die Kilianskirche wurde 1944 zerstört, jedoch originalgetreu wiederaufgebaut.
Nikolaikirche Die 1351 erstmals erwähnte, heute evangelische Nikolaikirche war ab 1525 die erste Reformationskirche der Stadt. Sie war eine Filialkirche der Kilianskirche, wurde mehrfach profaniert und u. a. als Zeughaus, Waffenlager und Turnhalle genutzt, ist aber seit 1851 wieder eine Kirche, seit 1900/01 mit eigener Pfarrei. Die Nikolaikirche wurde 1944 zerstört und 1949 im Heimatstil wiederaufgebaut.
Deutschordensmünster Das katholische Deutschordensmünster St. Peter und Paul im Deutschhof ist seit dem 13. Jahrhundert als Ordenskirche des Deutschen Ordens belegt, war zeitweilig Wallfahrtskirche und wurde 1720 barockisiert und St. Peter und Paul geweiht. Die Kirche wurde 1944 zerstört und 1951 wiederaufgebaut. Heute ist das inzwischen mehrfach renovierte und 1977 zum Münster erhobene Bauwerk die Hauptkirche der Heilbronner Katholiken. Besondere Verehrung erfährt die in der Turmchorkapelle verwahrte Heilbronner Madonna.
Weitere Kirchen mini|Martin-Luther-Kirche mini|Die Aukirche war die erste einer Reihe moderner Kirchen in Heilbronn.
Die kath. Kirche St. Augustinus liegt südöstlich an der B 39 (Paul-Göbel-Straße) und wurde 1926 als wuchtiges Schiff in Werksteinsicht von Hans Herkommer im expressionistischen Stil entworfen. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg bauten sie in vereinfachter Form Hans Herkommer und sein Sohn Jörg wieder auf. Die Martin-Luther-Kirche (ev.) wurde am 17. Juni 1934 geweiht. Am 28. November 1948 wurde die Kirche nach ihrer teilweisen Zerstörung wieder eingeweiht; es fanden jedoch auch schon im zerstörten Bau bereits wieder Gottesdienste statt. Die Wichernkirche (ev.) wurde 1948 nach Typenentwurf von Otto Bartning im Rahmen des Notkirchen-Programms als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Friedenskirche errichtet. Die Kirche St. Maria Immaculata (kath.) wurde 1947 am Südbahnhof als Filiale der zerstörten und erst 1951 wiederaufgebauten Deutschordenskirche erbaut. Die Aukirche (griech.-orth.) im Industriegebiet wurde anstelle einer 1907 erbauten und 1944 zerstörten evangelischen Kirche 1957 von dem Architekten Gustav Ernst Kistenmacher und dem Ingenieur G. Störzbach in charakteristischer Zeltform erbaut. Bei ihrer Einweihung war die Kirche die nach ihrer Gestalt modernste Kirche der Stadt. Das Gebäude wird inzwischen von der griechisch-orthodoxen Gemeinde genutzt. Die Christuskirche (ev.), für die evangelische Südgemeinde Heilbronn 1962 gebaut, hat einen ähnlichen rechteckigen Kirchturm wie die vorige. Die Kreuzigungsgruppe im Altarraum gestaltete Karl Hemmeter. Die Kreuzkirche (ev.) wurde von R. Krauter und dem Architekten Fritz Holl 1964 am Hohrain erbaut und hat ebenfalls einen modernen, rechteckigen Kirchturm. Die Wartbergkirche (ev.), 1967 nach Plänen von Rudolf Gabel mit einem rechteckigen Turm wie die anderen drei zuvor errichteten neuen evangelischen Kirchen und zeltförmigem Dach wie die Aukirche errichtet, gehört heute zur selben Kirchengemeinde wie diese. Die Pauluskirche (ev.-meth.) in der Karlstraße war Teil eines multifunktionellen mehrstöckigen Geschäftsgebäudes. Es wurde 2017 verkauft und der Kirchenraum abgerissen. Die Mor-Ephräm-Kirche in der John-F.-Kennedy-Straße war die Kirche der einst hier stationierten amerikanischen Truppen und wurde 1995 von der syrisch-orthodoxen Gemeinde erworben. Die Neuapostolische Kirche auf der Pfühlstraße ist die größte der fünf neuapostolischen Kirchengebäude in Heilbronn und die Hauptgemeinde des Kirchenbezirks, der 23 Gemeinden in der Stadtumgebung angehören. Das Gebäude in der Schillerstraße 29 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als evangelisches Gemeindehaus mit zwei Kirchenräumen für 250 Personen errichtet. Nach dem Ende der Nutzung als Notkirche diente es u. a. als städtisches Jugendhaus, heute beherbergt es eine Kindertagesstätte.
Friedhöfe und Grabdenkmäler mini|Krematorium von 1905 im Hauptfriedhof
Auf dem 1530 angelegten und bis 1882 belegten Alten Friedhof sind 225 historische Grabdenkmäler erhalten, darunter viele von bedeutenden Heilbronner Persönlichkeiten. Auf dem 1882 angelegten Heilbronner Hauptfriedhof stehen außer bedeutenden Grabdenkmälern die historistisch mit massiven Säulen-Vorbauten versehenen Hauptgebäude und das von Emil Beutinger 1905 erbaute Krematorium. Der Jüdische Friedhof besteht seit 1867 und wird bis in die Gegenwart belegt. Der Ehrenfriedhof ist Grabanlage für die rund 6500 Opfer des Luftangriffs auf Heilbronn.
Türme Als Goethe die Stadt im 18. Jahrhundert besuchte, soll die Heilbronner Stadtmauer noch von zehn Türmen bewehrt gewesen sein. Von ihnen sind heute nur noch der Bollwerks- und der Götzenturm erhalten, die die Neckarseite der mittelalterlichen Stadt flankierten. Weithin sichtbar ist auch der ehemalige Wachturm auf dem Wartberg über der Stadt. An einem der höchsten Punkte des Stadtgebiets liegt der Schweinsbergturm im Wald versteckt.
Wartbergturm mini|hochkant|Wartbergturm mit Lichtskulptur