mini|hochkant|Der Webb Ellis Cup

Die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2011 (; ) fand vom 9. September bis zum 23. Oktober 2011 in Neuseeland statt. Es war die siebente Weltmeisterschaft im vierjährlichen Turnierzyklus, der vom Weltverband International Rugby Board (IRB; jetzt World Rugby) organisiert wird, und die vierte in der südlichen Hemisphäre. Neuseeland war mit Australien gemeinsam Gastgeber der ersten Weltmeisterschaft 1987. Für die Austragung der Weltmeisterschaft hatten sich neben Neuseeland auch Japan und Südafrika beworben.

Das Turnierformat von 2003 und 2007 blieb unverändert und 20 Rugby-Union-Nationalmannschaften nahmen an der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2011 teil: die zwölf direkt qualifizierten Mannschaften der Weltmeisterschaft 2007 (Argentinien, Australien, England, Fidschi, Frankreich, Irland, Italien, Neuseeland, Schottland, Südafrika, Tonga und Wales), zusammen mit den acht besten Mannschaften der Qualifikation (Georgien, Japan, Kanada, Namibia, Rumänien, Russland, Samoa und die Vereinigten Staaten). Russland nahm erstmals an einer Weltmeisterschaft teil.

Während der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2011 wurden 48 Spiele absolviert, darunter 40 in der Vorrunde und acht in der Finalrunde, einschließlich des Finales. Die Mannschaften wurden in vier Gruppen zu je fünf Teams eingeteilt, wobei jedes einmal gegen die anderen der Gruppe antrat. Die beiden besten Mannschaften jeder Gruppe erreichten hiernach das Viertelfinale, während sich die besten drei Mannschaften jeder Gruppe – insgesamt zwölf Mannschaften – direkt für die darauf folgende Weltmeisterschaft 2015 in England und Wales qualifizierten.

Vor Beginn der Weltmeisterschaft galten Neuseeland, Australien, Südafrika, England und Frankreich als Favoriten auf den Titelgewinn. Weltmeister wurden die neuseeländischen All Blacks, die sich im Finale im Eden Park in Auckland mit 8:7 gegen Frankreich durchsetzten und somit zum zweiten Mal nach der Weltmeisterschaft 1987 den Webb Ellis Cup in Empfang nehmen konnten. Der Eden Park wurde das erste Rugbystadion, das mehr als ein Finale – nach 1987 – austrug. Es war das dritte Mal, dass der Gastgeber eine Weltmeisterschaft gewann, nach Neuseeland 1987 und Südafrika 1995. Außerdem wurde Neuseeland das erste Rugbyland, das den Weltmeistertitel für sowohl Männer als auch Frauen zum selben Zeitpunkt trug, nachdem die Frauen-Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft 2010 gewonnen hatte. Australien wurde Dritter und Wales Vierter. Interessanterweise wurden die letzten vier Spiele – das Spiel um Platz 3 und das Finale – zwischen denselben vier Ländern ausgespielt wie bei der ersten Weltmeisterschaft 1987, die ebenfalls in Neuseeland ausgetragen wurden. Der Titelverteidiger Südafrika schied im Viertelfinale gegen Australien mit 9:11 aus.

Die Rugby-Union-WM 2011 war die bisher größte Sportveranstaltung in Neuseeland, größer als die Weltmeisterschaft 1987, die Commonwealth Games 1990, der Cricket World Cup 1992, der America’s Cup 2003 und die Tour der British and Irish Lions nach Neuseeland 2005. Die Organisatoren erwarteten bis zu 95.000 Besucher aus Übersee. Nach dem Turnier wurde geschätzt, dass etwa 133.200 Touristen Neuseeland für die Weltmeisterschaft besucht hatten. Mit etwa 3,9 Milliarden Fernsehzuschauern weltweit war die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2011 eine der meistgesehenen Rugbyweltmeisterschaften bisher. Insgesamt wurden fast 1,5 Millionen Eintrittskarten für die 48 Spiele verkauft, was einem Zuschauerschnitt von 30.777 entspricht; die Stadionausnutzung lag bei 87 %.

Das Turnier begann am 9. September 2011 und dauerte sieben Wochen. Das Datum des Endspiels war so gewählt worden, dass er mit dem nachfolgenden Labour Day am 24. Oktober zusammenfällt und sich dadurch ein verlängertes Wochenende ergab. Im deutschen Fernsehen wurden einige Spiele von Sport 1 übertragen.

Vergabe mini|400px|Bewerbungen für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2011 mini|Flaggen in den Straßen Neuseelands während der Weltmeisterschaft 2011. V. l. n. r.: Die Flagge Schottlands, eine Silberfarn-Flagge (Symbol der neuseeländischen Nationalmannschaft), die Flagge Australiens und die Flagge der irischen Nationalmannschaft Der Weltverband International Rugby Board wünschte, dass alle interessierten Verbände bis zum 31. Januar 2005 ihre Absicht für die Ausrichtung der Weltmeisterschaften 2011 bekanntgaben. Erforderlich war zu diesem Zeitpunkt lediglich eine Absichtserklärung ohne detaillierte Planungen. Die Ausschreibungsunterlagen für den Bewerbungsprozess 2011 mussten bis zum 13. Mai 2005 eingereicht worden sein. Drei Länder bewarben sich um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2011: Neuseeland, Japan und Südafrika.

Neuseeland war gemeinsam mit Australien Gastgeber der ersten Weltmeisterschaft 1987 gewesen und war anfangs zusammen mit Australien zum Mitgastgeber der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2003 bestimmt worden, nach Rechtsstreitigkeiten über die Bodenbeschilderung zwischen dem neuseeländischen Verband und dem Weltverband Neuseeland seine Gastgeberrechte jedoch wieder und Australien wurde zum alleinigen Gastgeber ernannt. Neuseeland sollte ursprünglich 23 der 48 Spiele anbieten, Neuseelands Forderungen nach einer Änderung der Bestimmungen zur Stadionwerbung waren jedoch nicht akzeptabel für den IRB. Die New Zealand Rugby Football Union reichte 2005 die Bewerbung zusammen mit der neuseeländischen Regierung ein und unterstrich unter anderem, dass Neuseeland eines der wenigen Länder weltweit sei, in dem Rugby der Hauptsport ist. Neuseelands Bewerbung für die WM 2011 beinhaltete Pläne, wonach Stadien wie Eden Park ausgebaut werden sollten, um die wirtschaftliche Rentabilität des Turnieres zu erhöhen. Bei der Renovierung des Eden Parks wurden auch Anlagen eingeplant für eine mögliche zukünftige Commonwealth-Games-Bewerbung Aucklands.

Japan wollte das erste asiatische Land und damit außerhalb der „traditionellen Rugbyländer“ werden, das eine Weltmeisterschaft austrug. Alle vorhergehenden Weltmeisterschaften wurden abwechselnd in Ländern der Tri Nations (jetzt The Rugby Championship) bzw. der Six Nations ausgetragen. Japan verfügte über all die nötige Infrastruktur, nachdem es gemeinsam mit Südkorea Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 gewesen war. In seiner Bewerbung verwies die Japan Rugby Football Union auch auf Japans Erfahrung als Gastgeber großer Turniere wie der Olympischen Sommerspiele 1964, Olympischen Winterspiele 1972 und Olympischen Winterspiele 1998. Das International Rugby Board war jedoch der Ansicht, dass Japan keine vollen Stadien garantieren könne. Acht Jahre später durfte Japan schließlich die Weltmeisterschaft 2019 ausrichten und erreichte eine Stadionausnutzung von 99 %, die höchste in der Turniergeschichte.

Südafrika war Gastgeber der Weltmeisterschaft 1995 gewesen und hatte vor Bewerbungsabgabe den Cricket World Cup 2003 ausgetragen. Die südafrikanische Bewerbung für 2011, unter Schirmherrschaft des früheren Kapitäns der Springsboks Francois Pienaar, genoss große Unterstützung der dortigen Regierung. In der Zwischenzeit war die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 nach Südafrika vergeben worden. Während eines Parlamentsausschusses am 19. Januar 2005 gab die South African Rugby Union ihre Absicht bekannt, Stadien der Fußball-WM auch für die Rugby-WM ein Jahr später verwenden zu wollen.

Auf einer Sitzung des International Rugby Board (IRB) in Dublin war Neuseeland am 17. November 2005, nach Inspektion aller drei Bewerberländer durch das IRB im Juni und Juli 2005, als Austragungsland bestimmt worden, das sich dabei gegen Japan und Südafrika durchsetzte. Damit war es nach der Weltmeisterschaft 1991 in Südafrika und der Weltmeisterschaft 2003 in Australien das dritte Turnier, das von einem Gastgeber ausgetragen wurde. Außerdem wurde Neuseeland bezüglich Bevölkerung das kleinste Land bisher, das eine Weltmeisterschaft ausrichtete. Die Durchführung der Weltmeisterschaft verursachte Kosten von 310 Millionen NZD (ca. 170 Millionen Euro). Erwartet wurden Einnahmen von 280 Millionen NZD (ca. 154 Millionen Euro), wobei die neuseeländische Regierung und der neuseeländische Verband den Fehlbetrag übernahmen.

Qualifikation

Der IRB hatte zunächst erwogen, das Teilnehmerfeld wie zuletzt 1995 auf 16 Mannschaften (und somit 32 Spiele) zu reduzieren. Hauptgrund war die Vermeidung des großen Leistungsunterschiedes zwischen den Mannschaften mit professionellen und denen mit Amateurspielern, von denen einige Teams ihre Spieler nicht bezahlen konnten. Der Weltverband wollte nach der Weltmeisterschaft 2007 in dieser Frage beraten und kündigte eine gründliche Untersuchung des Turnieres an. Im November 2008 fiel jedoch die Entscheidung für 20 Teams. Die Vertreter des IRB befanden, dass gerade viele der anfangs als „Lückenfüller“ betrachteten Teams bei der WM 2007 die meiste Begeisterung bei den Zuschauern ausgelöst hatten und viele Spiele doch nicht so klar ausgegangen waren wie befürchtet.

Zwanzig Mannschaften hatten sich für die Weltmeisterschaft 2011 qualifiziert. Neben Gastgeber Neuseeland, das sich auch sportlich durch das Erreichen des Viertelfinales der Weltmeisterschaft 2007 für die Endrunde qualifiziert hatte, waren die sieben weiteren Viertelfinalteilnehmer der letzten WM-Endrunde sowie die vier Drittplatzierten der Vorrunde für das Turnier qualifiziert. Diese Teams waren Argentinien, Australien, England, Fidschi, Frankreich, Irland, Italien, Neuseeland, Schottland, Südafrika, Tonga und Wales. Damit waren noch acht Plätze für das insgesamt 20 Nationen umfassende Turnier in der Qualifikation zu vergeben. Die Qualifikation bestand aus fünf kontinentalen Gruppen: Afrika, Nordamerika zusammen mit Südamerika, Asien, Europa und Ozeanien. Jeweils zwei Plätze waren für amerikanische und europäische Mannschaften reserviert und je einer für Afrika, Asien und Ozeanien. Der übrige Platz wurde in der interkontinentalen Qualifikationsrunde ausgespielt. Zusammen mit den automatischen Qualifikanten nahmen 92 Nationalmannschaften an der Qualifikation zur Endrunde in Neuseeland teil.

Durch einen Sieg über die Vereinigten Staaten am 11. Juli 2009 qualifizierte sich Kanada als erste Mannschaft für das WM-Turnier. Eine Woche darauf gelang Samoa nach dem zweiten Sieg über Papua-Neuguinea ebenfalls die Qualifikation. Die Vereinigten Staaten qualifizierten sich im November 2009 mit zwei Siegen über Uruguay. Im selben Monat sicherte sich Namibia durch zwei Erfolge über Tunesien die vierte WM-Teilnahme hintereinander. Im März 2010 qualifizierten sich Georgien als Europa 1 und Russland als Europa 2. Zwei Monate später wurde Japan der einzige asiatische Qualifikant. Rumänien qualifizierte sich in der Barrage-Runde mit zwei Siege gegen Uruguay. Die teilnehmenden Nationen waren fast dieselben wie bei der WM vier Jahre zuvor: Anstelle von Portugal hatte sich diesmal Russland qualifiziert.

mini|400px|An der Qualifikation beteiligte Länder nach Kontinentalverbänden; insgesamt 92 Teams nahmen teil. mini|400px|Teilnehmende Länder der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2011: