Die römischen Kastelle von Neckarburken befinden sich auf dem Gebiet der gleichnamigen Ortschaft Neckarburken, einem Ortsteil der Gemeinde Elztal im Neckar-Odenwald-Kreis. Auch wenn in der Literatur und auf diversen Webseiten des Öfteren von dem (einen) Kastell Neckarburken die Rede ist, handelt es sich gleichwohl um zwei verschiedene und räumlich getrennte Kastelle derselben Zeitstellung, das Westkastell und das Ostkastell.Die Koordinate im Kopf des Artikels bezieht sich auf das Westkastell. Beide gehören zur älteren Odenwaldlinie des Neckar-Odenwald-Limes und waren von etwa dem Jahr 100 unserer Zeitrechnung bis spätestens 159 belegt, das Ostkastell möglicherweise etwas länger.

Ein Vicus befand sich zwischen den zwei Kastellen bzw. westlich des Kohortenkastells. Von ihm ist heute nichts mehr zu sehen. Die Gräberfelder konnten bislang nicht sicher lokalisiert werden.

Forschungsgeschichte mini|Lageplan der Kastelle(Ausgrabungen 1892–1894) mini|Votivstein der Kohortenschreiber an Minerva Die Pioniere der Archäologie und Altertumsforschung wie Karl Wilhelmi hatten schon früh ein Kastell in Neckarburken vermutet. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts war eine überdurchschnittliche Häufung von Oberflächenfunden römischer Provenienz im Bereich des Ortes Neckarburken aufgefallen. 1808 waren ein von den Schreibern der Kohorte für Minerva und den Kaiser errichteter Weihestein: Minervae / pro salute / Imp(eratoris) n(ostri) / librari(i). sowie silberne Münzen gefunden worden. 1810 war umfangreiches römisches Mauerwerk zu Tage getreten, von der unwissenden Bevölkerung in Stücke zerschlagen und in der Elz „entsorgt“ worden. 1850 wurde ein Relief mit einer geflügelten, nackten Figur gefunden, bei dem es sich möglicherweise um einen Grabstein mit der Darstellung Amors handelt.Francisca Feraudi-Gruénais, Renate Ludwig: Die Heidelberger Römersteine. Bildwerke, Architekturteile und Inschriften im Kurpfälzischen Museum Heidelberg. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2017, ISBN 978-3-8253-6693-3, S. 100. Erste Ausgrabungen wurden 1881 am Ostkastell durch den Mannheimer AltertumsvereinOffizielle Webpräsenz des Mannheimer Altertumsvereins durchgeführt. Systematische Untersuchungen beider Kastelle erfolgten durch die Reichs-Limeskommission zwischen 1892 und 1894.ORL B 5, Kastelle Nr. 53 und 53.1, S. 1f. Weitere archäologische Aktivitäten fanden, oft als Notgrabungen im Zusammenhang mit städte- oder straßenbaulichen Maßnahmen, im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt.

Westkastell (Kohortenkastell) Das Westkastell liegt unmittelbar südlich der Bundesstraße 27 im Bereich des südöstlichen OrtskernsDie heutige Sulzbacher Straße und die Schillerstraße verlaufen ungefähr dort, wo sich West- und Südmauer befunden haben, die Bürgstraße geht also, leicht südlich versetzt, mitten durch den Kastellbereich. von Neckarburken. Bei diesem Lager handelt es sich um ein rechteckiges Kohortenkastell von etwa 20.800 m² Größe, das von einem etwa 5 m breiten und gut 1,60 m tiefen Graben umgeben war. Insgesamt gelten eine Holz-Erde-Bauphase und ein Steinkastell als gesichert. Die Porta praetoria des insgesamt viertorigen Bauwerks war gut doppelt so breit wie die anderen Tore und nach Osten, zu dem in rund 300 m entfernt verlaufenden Limes hin ausgerichtet. Von den Innenbauten konnten die Principia (Stabsgebäude) mit dem Fahnenheiligtum (Aedes) sowie ein als Geschützplattform gedeuteter Bau und ein vermutlich zum Praetorium (Kommandantenwohnhaus) gehörendes kleines Badegebäude nachgewiesen werden. Möglicherweise wurden die beiden letztgenannten Gebäude aber auch erst nach der Auflassung des Kastells errichtet und dienten zivilen Zwecken. Das Kastellareal ist weitgehend überbaut, so dass keine Spuren im Gelände mehr sichtbar sind.

Truppe Von welcher Kohorte (Einheit von etwa 480 Mann) das Kastell errichtet und in der ersten Zeit genutzt worden war, ist nicht bekannt. Für die spätere Zeit ist eine Cohors III Aquitanorum equitata civium Romanorum (3. teilberittene Aquitanerkohorte römischen Bürgerrechts) belegt. In der deutschen Fachliteratur wird ihre Anwesenheit schon zur Frühzeit des Lagers Neckarburken ausgeschlossen, da sie in trajanischer Zeit noch im Kastell Stockstadt stationiert gewesen sei.Dietwulf Baatz: Zur Datierung des Bades am Limeskastell Stockstadt. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter. 34, 1969, S. 63–75.

Kastellbad Etwa 40 m östlich der NO-Ecke des Kastells, direkt an der B 27, befindet sich das Kastellbad, das vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg in den Jahren 1974 und 1975 eingehend nachuntersucht werden konnte. Alle typischen Gebäudeteile eines römischen Bades wurden dabei nachgewiesen, ferner bleierne Wasserleitungen und ein Abwasserkanalisationssystem. Der nördliche Teil des Bades ist durch den Verlauf der Bundesstraße gestört, der südliche Bereich wurde restauriert und kann besichtigt werden.

Ostkastell (Numeruskastell)

Beim Ostkastell von Neckarburken handelt es sich um ein etwa 6400 m² großes, dreitoriges Numeruskastell in Form eines unregelmäßigen Vierecks. Die Porta Praetoria war nach Norden auf die Elz hin ausgerichtet.Karl Schumacher geht 1898 noch davon aus, dass es sich bei dem Osttor um die Porta Praetoria handelt (ORL, Abt. B, Nr. 53/53,1. Die Kastelle bei Neckarburken. K. Schumacher (1898).), Baatz widerspricht ihm diesbezüglich. Die ältesten Befunde sprechen für eine Erbauung des Kastells in trajanischer Zeit. Es dürfte alle für die Numeruslager des Odenwaldlimes typischen Bauphasen durchlaufen haben, wie sie beispielsweise auch für die Kastelle Würzberg und Hesselbach nachgewiesen wurden. Auf die Zeit zwischen 145 und 161 n. Chr. datierbarEpigraphische Datenbank Heidelberg. ist eine Bauinschrift: Imp(eratori) Caes(ari) Tit(o) Ael(io) Had(riano) Ant(onino) Aug(usto) / Pio pon(tifici) max(imo) trib(unicia) pot(estate) co(n)s(uli) IIII / p(atri) p(atriae) n(umerus) Brit(tonum) Elant(iensium). Übersetzung: „Dem Imperator Caesar Titus Aelius Hadrianus Antoninus Pius Augustus, höchster Priester, ausgestattet mit tribunizischer Gewalt, viermal Konsul, Vater des Vaterlandes, vom Numerus der Elzbrittonen.“ die von der Porta principalis sinistra (Osttor) stammt. Durch diese Inschrift ist ein dort stationierter Numerus, der Numerus Brittonum Elantiensium (Numerus der Elzbrittonen) sicher nachgewiesen.

Unmittelbar vor der Porta Praetoria im Norden wurde das vermutliche Grabrelief mit Amordarstellung gefunden, sodass vermutet wurde, dass sich ein Gräberfeld von Neckarburken in diesem Bereich befunden haben könnte.

Ende Möglicherweise war auch nach der Verschiebung des Limes um das Jahr 159 das Numeruskastell Neckarburken noch einige Zeit weiter belegt. Der nächste Standort des Numerus Brittonum Elantiensium war höchstwahrscheinlich der Annex des Kohortenkastells Osterburken. Dieser entstand in den Jahren zwischen 185 und 192Philipp Filtzinger, Dieter Planck, Bernhard Cämmerer: Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 470. Siehe auch: , , . und erfüllte logistische Funktionen im Hinterland der Grenze. Nach der Auflassung des Ostkastells von Neckarburken wurde ein Zivilgebäude, wohl eine Villa rustica, in das Areal gesetzt.

Das Westtor des Neckarburkener Ostkastells ist konserviert und kann, unmittelbar an der B 27 liegend, besichtigt werden.

Kastellbad mini|(Wiederherstellungs-)Bauinschrift der Thermen des Numeruskastells. AO: Römermuseum Osterburken Etwa 70 m nordwestlich der NW-Ecke des Numeruskastells befindet sich das zugehörige Kastellbad. Es wurde erst 1982 bei Kanalbauarbeiten entdeckt. Das Bad erfuhr unter der Bauaufsicht des damaligen Centurios der Elzbrittonen, Veranius Saturninus, noch im Jahre 158 eine erhebliche Erweiterung, was für eine militärische Nutzung des Kastells über das Jahr 159 hinaus sprechen könnte. Von dem Badegebäude ist nichts mehr im Gelände zu erkennen.

Zusammenhang Die Kombination von zwei Lagern, einem größeren mit einer Kohorte oder Ala und einem kleineren mit einem Numerus oder einer Exploratio, ist kein Einzelfall am deutschen Limes. Ähnliche Kombinationen gibt es beispielsweise in Murrhardt und Osterburken. Während die größeren Auxiliareinheiten ja auch Bestandteil des römischen Bewegungsheeres waren und sich somit während der Dauer von Feldzügen gegebenenfalls anderenorts aufhielten, standen die kleineren Numeruseinheiten dauerhaft vor Ort, so dass auch in Kriegszeiten eine permanente Überwachung des Limes gewährleistet war.

Vicus Siedlungsfunde gab es zwischen den Kastellen und südwestlich des Kohortenkastells. Die Heerstraße bildete wahrscheinlich die Hauptachse des Vicus. Parallel und vertikal davon verliefen kleinere Nebenstraßen. An einer dieser parallelen Seitenstraßen wurde ein langgestrecktes Haus mit einer Größe von 18,6 m × 6,6 m aufgedeckt.

Museum am Odenwaldlimes Im ehemaligen Rathaus von Neckarburken ist das Museum am Odenwaldlimes bei netmuseum.de untergebracht. Neben Informationen und Fundstücken zur allgemeinen Geschichte des Odenwaldlimes sind hier natürlich auch die Neckarburkener Kastelle präsentiert. Das kleine Museum ist nur zwischen April und Oktober, sonntäglich nachmittags geöffnet. Besucher des Museums haben auch die Möglichkeit, die benachbarte Kirche zu besichtigen.

Limesverlauf zwischen den Kastellen von Neckarburken und dem Kleinkastell Duttenberg Südlich von Neckarburken zieht sich der Limes, ohne auf topographische Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen, als schnurgerade Linie in Richtung Bad Wimpfen bis zum Kleinkastell Duttenberg.

Spuren der Limesbauwerke zwischen den Kastellen von Neckarburken und dem Kleinkastell Duttenberg: ORLORL = Nummerierung der Limesbauwerke gemäß der Publikation der Reichs-Limeskommission zum Obergermanisch-Rätischen-Limes Name/Ort Beschreibung/Zustand ORL 53ORL XY = fortlaufende Nummerierung der Kastelle des ORL Kastelle von Neckarburken siehe oben Wp 10/62Wp = Wachposten, Wachturm. Die Ziffer vor dem Schrägstrich bezeichnet den Limesabschnitt, die Ziffer hinter dem Schrägstrich in fortlaufender Nummerierung den jeweiligen Wachturm. „Auf dem Masseldorn“ mini|Lage des Wp 10/62 Der Steinturm war bereits vor 1893 von einem Bauern aus Neckarburken ausgebrochen worden. Durch eine Sondierung konnte die Reichs-Limeskommission noch Mauersteine, Mörtel und Keramikscherben feststellen.ORL A 5, Strecke 10, S. 112.

Die Lage war so gewählt worden, dass von hier aus das Elztal und der in nördliche Richtung verlaufende Limesabschnitt bis zum Wachturm Wp 10/56 eingesehen werden konnten.

Eine heute noch im Gelände zu beobachtende Bodenwelle steht möglicherweise in Zusammenhang mit der ehemaligen Turmstelle.Egon Schallmayer: Der Odenwaldlimes. Entlang der römischen Grenze zwischen Main und Neckar. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2309-5, S. 139. Wp 10/62a „Eulberg“ mini|Lage und Mauerschnitt des Wp 10/62a Vom Grundstückseigentümer zum Teil ausgebrochene Steinturmstelle. Es konnte an der Nordseite noch 70 cm hoch aufgehendes, 95 cm mächtiges Mauerwerk festgestellt werden. Die südliche Hälfte des Turmes liegt vermutlich noch unter dem Erdhügel verborgen.

Die Aussicht von dieser Turmstelle muss in nördliche Richtung bis zum Wp 10/49 gereicht haben.ORL A 5, Strecke 10, S. 112f. Wp 10/63 „In den Straßenäckern“ mini|Lage und Grundriss des Wp 10/63 Der Steinturm wurde 1894 von der Reichs-Limeskommission ausgegraben. Erhalten waren nur noch die unteren Lagen des Fundaments. Es hatte mit 5,50 m mal 5,56 m einen nahezu quadratischen Grundriss, seine Stärke schwankte zwischen 0,93 m und 1,15 m. Bei einer Geländebegehung im Jahr 1982 wurden eine Randscherbe, ein stilus (eiserner Schreibgriffel) sowie Bruchstücke verziegelten Lehms gefunden.