mini|Constantin Floros, 2014 Constantin Floros (, Konstantinos Floros; * 4. Januar 1930 in Thessaloniki, Griechenland; † 4. September 2026 in Hamburg, Deutschland) war ein griechisch-deutscher Musikwissenschaftler und Professor für Musikwissenschaft in Hamburg. Er befasste sich insbesondere mit der Entzifferung der paläobyzantinischen und altslawischen Neumenschrift.
Leben Constantin Floros studierte an der Wiener Universität Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie und an der Wiener Hochschule für Musik Komposition (bei Alfred Uhl) und Dirigieren (bei Hans Swarowsky). 1953 erhielt er sein Diplom in Komposition und Dirigieren. Es folgte in Wien 1955 über das Thema Antonio Campioni als Instrumentalkomponist die Promotion zum Doktor der Philosophie und 1961 an der Universität Hamburg die Habilitation. In Hamburg begann er im selben Jahr seine Lehrtätigkeit. 1967 wurde er dort außerplanmäßiger Professor. Von 1972 bis 1995 hatte er eine ordentliche Professur für Musikwissenschaft an der Universität Hamburg. Dort war er zudem stellvertretender Direktor des Musikwissenschaftlichen Instituts. Er wurde mit der Ehrendoktorwürde der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen und der Aristoteles-Universität Thessaloniki ausgezeichnet. Im Sommer 2005 wurde ihm das Goldene Doktordiplom der Universität Wien verliehen. Im März 2010 verlieh ihm die Internationale Gustav Mahler Gesellschaft in Würdigung seiner Verdienste um das Werk Gustav Mahlers die Goldene Gustav-Mahler-Medaille.
Constantin Floros entzifferte die ältesten byzantinischen und slawischen Notationen, wies den byzantinischen Ursprung der gregorianischen Choralnotation nach und entwickelte eine Methode musiksemantischer Analyse, die er an zahlreichen Werken verschiedener Komponisten exemplifizierte. Sein wichtigstes Forschungsgebiet war die Semantik der Musik. Er arbeitete interdisziplinär und forderte die interdisziplinäre Öffnung der Musikwissenschaft. In seinen Schriften finden sich kulturgeschichtliche, biographische, ästhetische, philologische, analytische, philosophische und psychologische Erörterungen.
Die Schwerpunkte seiner Forschungen lagen in der Musik des Mittelalters und des 18. bis 20. Jahrhunderts. Unter den von ihm publizierten 30 Büchern finden sich Monographien über Beethovens Eroica, über Johannes Brahms (drei Bände), Anton Bruckner, Peter Tschaikowsky, Gustav Mahler (vier Bände), Alban Berg (zwei Bände) und György Ligeti.
Zu seinen Veröffentlichungen gehören weiterhin die dreibändige Universale Neumenkunde (Kassel 1970) sowie unter anderem die Bücher Musik als Botschaft (Wiesbaden 1989), Der Mensch, die Liebe und die Musik (2000), Neue Ohren für neue Musik (Mainz 2006) und Hören und verstehen. Die Sprache der Musik und ihre Deutung (Mainz 2008).
23 Bände von Constantin Floros sind in englischer Übersetzung zugänglich. Geplant ist eine Edition seiner gesammelten Schriften in spanischer Sprache. 5 Bücher liegen bereits vor. Das Buch Der Mensch, die Liebe und die Musik liegt in deutscher, englischer, griechischer, französischer, spanischer und polnischer Sprache vor. Vereinzelte weitere Übersetzungen auch in griechischer, französischer, polnischer, bulgarischer, japanischer und chinesischer Sprache.
Er war Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Erfurt, der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Ehrenpräsident der Gustav Mahler Vereinigung Hamburg, Ehrenmitglied mehrerer Institutionen und mehrfacher Ehrendoktor.
Constantin Floros heiratete 1962 Edeltraut Steinbacher und lebte in Hamburg. Sein Sohn Marc Aurel Floros wurde 1971 in Hamburg geboren und arbeitet als Komponist, Pianist und Arrangeur. Über seine Tochter findet man keine Informationen.
Schriften Universale Neumenkunde. 3 Bände. Bärenreiter, Kassel 1970. Band 1: Entzifferung der ältesten byzantinischen Neumenschriften und der altslavischen sematischen Notation. Bärenreiter, Kassel 1970. Das modale System der byzantinischen Kirchenmusik. Beiträge zur Geschichte der byzantinischen Kirchendichtung. Band 2: Ursprung und Deutung der lateinischen Neumen. Bärenreiter, Kassel 1970. Beiträge zur Figurenlehre und Rhythmik des gregorianischen Chorals. Die byzantinische Herkunft des lateinischen Dodekaechos. Band 3: Die byzantinischen, slavischen und gregorianischen Tonfiguren und Formeln. Bärenreiter, Kassel 1970. Dokumentation. Gustav Mahler. 3 Bände. Breitkopf, Wiesbaden 1977–1985. Band 1: Die geistige Welt Gustav Mahlers in systematischer Darstellung. 1977; 4., ergänzte Auflage 2016. Band 2: Mahler und die Symphonik des 19. Jahrhunderts in neuer Deutung. Zur Grundlegung einer zeitgemäßen musikalischen Exegetik. 1977; 2., ergänzte Auflage, 2019. Band 3: Die Symphonien. 1985; 2. Auflage: Breitkopf, 2019. Beethovens Eroica und Prometheus-Musik. Sujet-Studien. Heinrichshofen, Wilhelmshaven 1978; 2., erweiterte Auflage: 2008. Mozart-Studien I. Zu Mozarts Sinfonik, Opern- und Kirchenmusik. Breitkopf, Wiesbaden 1979. Brahms und Bruckner. Studien zur musikalischen Exegetik. Breitkopf, Wiesbaden 1980. Einführung in die Neumenkunde. Heinrichshofen, Wilhelmshaven 1980; 2., erweiterte Auflage 2000. Brahms und Bruckner. 1980. Johannes Brahms. Sinfonie Nr. 2 D-Dur, op. 73. Taschenpartitur. Einführung und Analyse. Originalausgabe, München / Mainz: Goldmann / Schott 1984; Neudruck der Einführung und Analyse in: G. Schubert, C. Floros, C. M. Schmidt (Hrsg.): Johannes Brahms. Die Sinfonien. Schott, Mainz 1999, S. 75–138. Musik als Botschaft. Breitkopf, Wiesbaden 1989. Englische Ausgabe: Music as Message. An Introduction to Musical Semantics. Peter Lang, New York 2016. Spanische Ausgabe: La Música como Mensaje. Ediciones Universidad de Salamanca, Dezember 2020 (Musica viva). Alban Berg. Musik als Autobiographie. Breitkopf, Wiesbaden / Leipzig / Paris 1992. Englische Ausgabe: Alban Berg. Music as Autobiography. Peter Lang, New York 2014. Alban Berg und Hanna Fuchs. Briefe und Studien. Erstveröffentlichungen (Österreichische Musikzeitschrift Special), UE, Wien 1995. György Ligeti. Jenseits von Avantgarde und Postmoderne. Lafite, Wien 1996. Englische Ausgabe: György Ligeti. Beyond Avant-garde and Postmodernism. Peter Lang: Frankfurt am Main 2014. mit Giselher Schubert, Christian Martin Schmidt: Johannes Brahms – die Sinfonien. Einführung, Kommentar, Analyse. Schott, Mainz 1998, ISBN 3-7957-8711-4. Johannes Brahms. „Frei, aber einsam“. Ein Leben für eine poetische Musik. Arche, Zürich / Hamburg 1997, ISBN 3-7160-3900-4. Englische Ausgabe: Frankfurt am Main 2010. Gustav Mahler. Visionär und Despot. Porträt einer Persönlichkeit. Arche, Zürich / Hamburg 1998. Englische Ausgabe: Gustav Mahler. Visionary and Despot. Portrait of a Personality. Peter Lang, Frankfurt am Main 2012. Spanische Ausgabe: Gustav Mahler. Visionario y Déspota, UCLK Madrid 2023. Griechische Ausgabe: Athen 2010. Der Mensch, die Liebe und die Musik. Arche, Zürich / Hamburg 2000. Griechische Ausgabe: Athen 2003; 2. Auflage: Athen 2006; Englische Ausgabe: Humanism, Love and Music. Peter Lang, New York 2011. Französische Ausgabe: L’homme, l’amour et la musique. Editions des archives contemporaines, Paris 2017. Spanische Ausgabe: El hombre, el amor y la música. Ediciones Universidad de Salamanca, Salamanca 2020. Polnische Ausgabe: Człowiek, miłość i muzyka, PWM -Edition Krakau 2022 Alban Berg und Hanna Fuchs. Die Geschichte einer Liebe in Briefen. Arche, Zürich / Hamburg 2001 Anton Bruckner. Persönlichkeit und Werk. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2004. Spanische Ausgabe: Anton Bruckner. Personalidad y Obra, UCKL Madrid 2022 Gustav Mahler und die Oper. Herausgeber. Gustav Mahler-Vereinigung, Hamburg 2005, Band 2 ISBN 978-3-7160-3904-5. Neue Ohren für neue Musik. Streifzüge in die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Schott, Mainz 2006. Peter I. Tschaikowsky. Rowohlt, Reinbek 2006; 2. Auflage: Rowohlt, 2019. Hören und Verstehen. Die Sprache der Musik und ihre Deutung. Schott, Mainz 2008. The Origins of Russian music. Introduction to the Kondakarian notation. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009. Gustav Mahler. C. H. Beck, München 2010. The Origins of Western Notation. Peter Lang, New York 2011. Beethoven’s Eroica. Thematic Studies, Peter Lang, Frankfurt am Main 2013. New Ears for new Music. Peter Lang, New York 2013. Gustav Mahler and the Symphony of 19th Century. Peter Lang, New York 2014. Brahms and Bruckner as Artistic Antipodes. Studies in Musical Semantics. Peter Lang, New York 2015. Gustav Mahler‘ Intellectual World: A Systematic Representation. Peter Lang, Frankfurt am Main / New York 2016. Gustav Mahler’s Mental World: A Systematic Representation. Peter Lang, Frankfurt am Main / New York 2016. Listening and Understanding and how to interpret It. Peter Lang, Frankfurt am Main / New York 2017. Passion Musik. Eine wissenschaftliche Autobiographie. Mainz, Schott 2017. Griechische Ausgabe: Pathos gia Musiki. Panas-Verlag Athen 2021 Pyotr Ilyich Tchaikovsky. A Critical Biography. Peter Lang: Berlin / New York 2018. Wolfgang Amadé Mozart. Undeserved Gift to Humanity. Peter Lang, Bern 2020. Gustav Mahler. Die Symphonien: www.nightingale.org.tw, Taipeh, Taiwan 2022 (in chinesischer Sprache)
Aufsätze (Auswahl) Die Musik der Ostkirche. In: E. Benz, H. Thurn, C. Floros (Hrsg.): Das Buch der heiligen Gesänge der Ostkirche. Hamburg 1962, S. 143–174. Das „Programm“ in Mozarts Meisterouvertüren. In: Studien zur Musikwissenschaft, 26, 1964, S. 140–186. Die Entzifferung der Kondakarien-Notation. In: Musik des Ostens, III, Kassel 1965, S. 7–71, und IV, Kassel 1967, S. 12–44. Literarische Ideen in der Musik des 19. Jahrhunderts. In: Hamburger Jahrbuch für Musikwissenschaft, Band 2, Hamburg 1977, S. 7–62 Das esoterische Programm der Lyrischen Suite von Alban Berg. Eine semantische Analyse. In: Alban Berg. Kammermusik, I. text + kritik, München 1978, S. 5–48 (= Musik-Konzepte, 4). italienisch in: Com’ era dolce il profumo del Tiglio. La musica a Vienna nell’età di Freud. Monfalcone 1988, S. 233–277. Die Faust-Symphonie von Franz Liszt. Eine semantische Analyse. In: Franz Liszt. text + kritik, München 1980, S. 42–87 (= Musik-Konzepte, 12). Richard Strauss und die Programmusik. In: D. Altenburg (Hrsg.): Ars musica, musica scientia. Festschrift Heinrich Hüschen zum 65. Geburtstag am 2. März 1980. Köln 1980, S. 143–150. Weltanschauung und Symphonik bei Mahler. In: R. Klein (Hrsg.): Gustav Mahler Kolloquium Wien 1979. Ein Bericht. Bärenreiter, Kassel u. a. 1981, S. 29–39. Nachdruck in: H. Danuser (Hrsg.): Gustav Mahler. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992, S. 344–361. Russisch in: Muzikalnaja Akademija, 1, 1994, S. 152–157. Schumanns musikalische Poetik. In: Robert Schumann, I. text + kritik, München 1981, S. 90–104 (= Musik-Konzepte, Sonderband für 1981). Studien zur Parsifal-Rezeption. In: Richard Wagner. Parsifal. text + kritik, München 1982, S. 14–57 (= Musik-Konzepte, 25). Carl Maria von Weber. Grundsätzliches über sein Schaffen. In: J. Schläder, R. Quandt (Hrsg.): Festschrift Heinz Becker zum 60. Geburtstag am 26. Juni 1982. Laaber, 1982, S. 116–130. Nachdruck in: Carl Maria von Weber. München 1986, S. 5–21 (= Musik-Konzepte, 52). Bruckner und Mahler. Gemeinsamkeiten und Unterschiede. In: Uwe Harten (Hrsg.): Bruckner-Symposion „Die österreichische Symphonie nach Bruckner“. Linz 1981, Bericht. Graz 1983, S. 21–29. Über den Motivbegriff in der Musikwissenschaft. In: Studien zur Systematischen Musikwissenschaft. Laaber 1986, S. 209–221 (= Hamburger Jahrbuch für Musikwissenschaft, Band 9). Nachdruck in: M. Vanhelleputte, L. Somville (Hrsg.): Proceedings of a Symposium held on 8th December 1984 at the Vrije Universiteit Brussel. Leuven 1987, S. 61–75. Probleme der Amalgamierung von Dichtung und Musik in der Kunst des 20. Jahrhunderts. In: O. Kolleritsch (Hrsg.): Zum Verhältnis von zeitgenössischer Musik und zeitgenössischer Dichtung. Wien / Graz 1988, S. 35–50 (= Studien zur Wertungsforschung, Band 20).