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Die Ahorn AG (ehemals Ahorn-Grieneisen AG, auch bekannt als Ahorn Gruppe) mit Sitz in Berlin ist ein Unternehmen in der Bestattungsbranche und leitet als Dachgesellschaft über 90 Marken und Unternehmen. Darüber hinaus kooperiert das Unternehmen mit über 200 Partnern, die deutschlandweit im Bestattungswesen und verwandten Bereichen tätig sind. Die Gruppe betreibt mit insgesamt über 300 Filialen die meisten im Bestattungswesen in Deutschland und beschäftigt rund 732 Vollzeitbeschäftigte. Zur Ahorn AG gehören unter anderem die Grieneisen Bestattungen Berlin, die Antea Bestattungen in Mitteldeutschland und die Trauerhilfe Denk in Bayern.
Seit Anfang 2024 ist die Ahorn Kultur GmbH Teil der Unternehmensgruppe. Das Unternehmen widmet sich verschiedenen Projekten, welche auf die Weiterentwicklung der Bestattungskultur in Deutschland abzielen.Frank Pasic, Sandra Strauß: Was ist heute im Kontext Tod, Bestattung, Trauer, Erinnern und Endlichkeitsbewusstsein zeitgemäß? In: Drunter und Drüber. Nr. 19, November 2024, S. 59.
Geschichte Gründung und Prosperität im 19. Jahrhundert Die Ahorn AG geht auf die 1830 in Berlin von dem Tischler Friedrich Julius Grieneisen gegründete Sargfabrik Julius Grieneisen zurück, gelegen in der Mauerstraße 57 in Alt-Berlin.Johan Schloemann: Nicht so düster und so bleich. In: Süddeutsche Zeitung. 10. November 2006, S. 14.Grieneisens Gang. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. Mai 2005, S. 29.Daniel Rhee-Piening: Rundum sorglos bis zuletzt. Lebensversicherer Ideal übernimmt den Bestatter Grieneisen und bietet Service aus einer Hand. In: Tagesspiegel. 14. Mai 2003, S. 19. Anfangs wurden nur Särge und Totenwäsche hergestellt. Nach dem Inkrafttreten der Preußischen Gewerbeordnung, in welcher das Amt des vom König berufenen Leichen-Commissarius, der bis dahin in den großen Städten die Organisation von Beerdigungen übernommen hatte, abgeschafft wurde, entstand ein freier und nicht konzessionspflichtiger Gewerbezweig, und Grieneisen begann 1869 mit der Organisation von Beerdigungen.Manuela Heim: Hier wird die Inklusion nicht zu Grabe getragen. In: Die Tageszeitung. 17. Dezember 2019, S. 23.Michael Winter: Service für den letzten Weg. In: Die Welt. 29. November 1991, S. 83. Zu diesem Zweck wurden mehrere speziell angefertigte Pferdekutschen erworben.
Durch die steigende Bevölkerungszahl während der Gründerzeit in Berlin entwickelte sich das Unternehmen gut, sodass Grieneisen 1871 ein erstes Geschäft eröffnen konnte. Bald wurde eine zweite Filiale eingerichtet; neben dem Hauptgeschäft in der Schützenstraße 52 (Mitte) in der Schillstraße 12 (Tiergarten). 1885 starb Friedrich Julius Grieneisen und das Geschäft wurde von seinem Sohn Adolf und seinem Enkel Julius weitergeführt. In den folgenden Jahren erwarb sich das Bestattungsinstitut einen guten Ruf, sodass es zum Hoflieferanten des Kaiserhauses ernannt wurde. 1888, im sogenannten Dreikaiserjahr, wurden ihm die Beisetzungen von Kaiser Wilhelm I. am 9. März und von dem am 15. Juni verstorbenen Friedrich III. übertragen.Tabarz zahlt nur einen Euro. In: Thüringische Landeszeitung. 21. Mai 2016, S. 16.
Wechselnde Geschäftsleitungen und die Auswirkungen von Krieg und deutscher Teilung im 20. Jahrhundert 1902 übernahmen die Gebrüder Andreas und Johannes Bolle (Söhne des Meiereibesitzers und Kommerzienrats Carl Bolle) das Unternehmen und bauten es weiter aus.Tanja Kotlorz: Beerdigungsunternehmen übernahm Pflege der Ehrengrabstätte – Zinkdach für 7000 Mark. Bimmel-Bolle hat einen neuen Paten. In: Die Welt. 3. Juni 2000, S. 41.Barbara Bollwahn de Paez Casanova: Die Paten des Carl Bolle. Das Bestattungsunternehmen Grieneisen übernimmt die Patenschaft für die Grabstätte des Meiereigründers. In: Die Tageszeitung. 2. Juni 2000, S. 22.
miniatur|Eine Grieneisen-Filiale in Friedhofsnähe, 1939; vermutlich in Berlin-Schöneberg, Belziger Straße Es ist nur eine einzige Berliner Adresse genannt; vermutlich die Zentrale.
Im Jahr 1907 betrieb das Bestattungsinstitut Julius Grieneisen in Berlin 12 Filialen und galt als das größte und renommierteste Institut in der Stadt. Im selben Jahr wurde die Unternehmenszentrale in die Potsdamer Straße verlegt. 1911 erfolgte die Einweihung einer neuen Fabrikationsstätte für Särge in der Belziger Straße in Berlin-Schöneberg. Die Fabrik mit neuzeitlichem Maschinenpark galt als modernste Produktionsstätte für Särge in Europa.
Daneben entstand auf dem Gelände die neue Unternehmenszentrale und die Verwaltung des Fuhrparks. 1914 erfolgte die Einführung von Automobilen zum Sargtransport, welche bis 1920 die Pferdekutschen im Fuhrpark verdrängten. Während der Zeit der Weimarer Republik baute das Unternehmen seinen Ruf als Bestatter von Prominenten weiter aus; so wurden unter anderem Walther Rathenau und die ehemalige Kaiserin Auguste Viktoria von Grieneisen beerdigt. Ab 1934 wurde das Bestattungsinstitut in ein modernes Dienstleistungsunternehmen umgebaut. Das Erscheinungsbild der Geschäftsstellen wurde nach den Entwürfen des Architekten Egon Eiermann gestaltet.Andreas Schäfer: Eine klare Linie ins Jenseits. Moderne Grabgestaltung: Ein Friedhofsspaziergang mit dem Architekten Peter Heimer. In: Tagesspiegel. 21. April 2011, S. 26. Es erfolgte eine Angleichung der Fassaden mit dem neu entworfenen Grieneisen-Logo (dreiarmiger Leuchter mit Grieneisen Schriftzug und dem Gründungsjahr) sowie eine Neugestaltung der Inneneinrichtung. Außerdem wurde aktive Außenwerbung über Plakate betrieben und zusätzlich auch Werbung über das Radio verbreitet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren ein Großteil der Verkaufsräume beschädigt oder befanden sich im Ostteil Berlins, sodass der Betrieb nur langsam wieder aufgenommen werden konnte. In den 1950er Jahren wurden alle nun 15 Filialen erneut in ihrem Erscheinungsbild verändert: so wurden unter anderem, mit Rücksicht auf die durch den Krieg traumatisierte Bevölkerung, die Ausstellungssärge aus den Schaufenstern verbannt. 1959 erfolgte die Einführung von speziellen Särgen für Flugzeugüberführungen, welche wiederum von Egon Eiermann entwickelt worden waren. 1960 wurde das Unternehmen, welches nun in 16 Filialen 150 Mitarbeiter beschäftigte, von der Global Handels- und Verwaltungs-GmbH übernommen, die zur IDEAL Versicherungs-Gruppe gehörte.Hendrik Werner: Hoch gestapelte Urnen sollen Bestattungsfirma in ihrem 170. Jahr ins Guinness-Buch bringen. In: Berliner Morgenpost. 14. Juli 2000, S. 32. Die IDEAL war bereits seit 1925 mit der gemeinnützigen Bestattungsgesellschaft mbH (GBG mbH)Die GBG mbh wurde am 11. März 1925 als GmbH gegründet und geht zurück auf den 1913 gegründeten Versicherungsverein Volksfeuer-Bestattung V.V.a.G. und war bis 1929 eine rechtlich unselbständige Abteilung der IDEAL verbunden und somit bereits in der Bestattungsbranche tätig. In der Folgezeit arbeiteten Grieneisen und die GBG mbH eng zusammen. Ab 1978 wurde das Unternehmen auch in Bayern tätig; 1978 wurde die erste Filiale in München eröffnet, 1983 in Augsburg.
Grieneisen ab 1990 und Fusionen Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde das Unternehmen, das in diesem Jahr 25 Filialen in West-Berlin betrieb, auch in Ost-Berlin tätig. Die dort gelegenen ehemaligen Zweigstellen wurden zurückgekauft oder rückübertragen. 1991 war Grieneisen an der Überführung der Särge der Preußenkönige nach Sanssouci beteiligt, ein Jahr später setzte das Unternehmen Marlene Dietrich bei.Bestatter im Schulterschluß. Grieneisen und Ahorn fusionieren. Branche unter Druck. In: Tagesspiegel. 16. Januar 1998, S. 19.Thomas Magenheim-Hörmann: Bestattungsunternehmen fusionieren. In: Stuttgarter Zeitung. 16. Januar 1998, S. 10.
Zum 1. Januar 1998 fusionierten die GBG/Grieneisen-Gruppe und die Münchener Unternehmensgruppe Ahorn zur Ahorn-Grieneisen AG mit Sitz in Berlin. Das neue Unternehmen verfügte über 168 Filialen in 76 Städten Deutschlands und wurde zum Marktführer der Bestattungsbranche in Deutschland.Bestattungsunternehmen Ahorn und Grieneisen kündigen Fusion an. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. Januar 1998, S. 21. Im Herbst 2003 wurde zusätzlich noch die Münchener Trauerhilfe Denk GmbH in Süddeutschland übernommen; die IDEAL Versicherungsgruppe wurde Alleineigentümer der Ahorn-Grieneisen AG.Lebensversicherer übernimmt Bestattungsunternehmen. In: Die Welt. 15. Mai 2003, S. 34.
Am 16. Januar 2004 wurde die neue Zentrale des Unternehmens in Berlin-Charlottenburg in Betrieb genommen – das erste sogenannte Haus der Begegnung. Weitere Häuser der Begegnung wurden in Kiel, Elmshorn, Leipzig und Hannover errichtet. Hier entstanden multifunktionale Kommunikations- und Begegnungsstätten, die durch die offene und helle Gestaltung einen angemessenen Umgang mit den Themen Tod, Trauer und Sterben ermöglichen sollten.Antonia zu Knyphausen: Die teuren Toten. In keiner anderen deutschen Stadt gibt es so viele Bestatter je Einwohner wie in Berlin. In: Berliner Zeitung. 15. November 2012, S. 3.Claudia Fuchs: Bestatter eröffnet Haus der Begegnung. In: Berliner Zeitung. 14. Januar 2004, S. 23.
Im April 2005 gab die IDEAL bekannt, dass sie 45 % an der Ahorn-Grieneisen AG bis 2007 an die Börse bringen wolle.Größter Bestatter Deutschlands geht an die Börse. Handelsblatt online, 1. April 2005Norbert Schwaldt: Ideal bringt Bestatter an die Börse. In: Die Welt. 8. April 2006, S. 16. Die Erlöse seien für den Aufbau von Pflegeheimen vorgesehen. Anfang 2008 gab das Unternehmen jedoch bekannt, dass die Börseneinführung aufgrund des schwierigen Marktumfeldes auf unbestimmte Zeit zurückgestellt werde.Billigbestattungen: So wandelt sich das Geschäft mit dem Tod. In: Hamburger Abendblatt. 26. November 2017.Christian Schnell: Börsengänge noch nicht eingeläutet. In: Handelsblatt. 17. März 2008.Nikolaus Doll: Deutschlands größter Bestatter beerdigt Börsenpläne. In: Die Welt. 28. Januar 2008, S. 12.
Ende 2007 wurde außerdem eine Umfirmierung durchgeführt, wobei aus der Ahorn-Grieneisen AG zum einen die Ahorn AG wurde, außerdem Grieneisen und GBG zur neuen Grieneisen GBG Bestattungen GmbH zusammengeschlossen wurden.
Die im Jahr 2002 gegründete Tochtergesellschaft Horizont – lebensbegleitende Dienste GmbH wurde im Dezember 2009 als Abteilung Horizont unter der Ahorn AG eingegliedert. Diese Abteilung beschäftigt sich ausschließlich mit der Organisation von Überführungen aus dem Ausland und Rückführungen in das Heimat- oder Wunschland des Verstorbenen. Als Partner eines großen und weltweit tätigen Assistancedienstleisters führt das Unternehmen ca. 500 Überführungen im Jahr durch.
Um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse religiöser Natur einzugehen, gründete die Ahorn AG im Jahr 1994 die Abteilung (türkisch: zweiter Frühling, zweite Lebenshälfte)Thomas Loy: Ohne Kruzifix. Der größte deutsche Bestatter, Ahorn-Grieneisen, hat seit zwölf Jahren eine islamische Abteilung. In: Tagesspiegel. 26. September 2006, S. 21. und im Jahr 2004 die Abteilung Tod und Glaube. Diese Abteilungen kümmern sich um die speziellen kulturellen Bedürfnisse, Rituale und die eigene Auseinandersetzung mit Tod, Trauer und Bestattung der Weltreligionen (Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Islam und Christentum).Inga Papst: Wie man Trauer feiert. In: Süddeutsche Zeitung. 25. Oktober 2008, S. 10. Da der Bedarf an multikulturellen Beisetzungen stetig ansteigt, wurde im Januar 2011 eine eigene Gesellschaft gegründet.
Zum 180-jährigen Jubiläum startete das Unternehmen eine Aktion gegen den Trend zur anonymen Bestattung und Beisetzung ohne Abschieds- oder Trauerfeier mit einer Radiokampagne, die auf mehreren Berliner Sendern zu hören war.Anne-Sophie Lang: Wenn die Beerdigung zum Event wird. In: Die Zeit. 4. Oktober 2011. Dazu wurde die Grieneisen Andachtsmelodie komponiert.