mini|hochkant|Käthe Kern (1947)

Katharina Kern, genannt Käthe Kern (* 22. Juli 1900 in Darmstadt; † 16. April 1985 in Berlin) war eine deutsche antifaschistische Widerstandskämpferin und Politikerin (SPD, SED/DFD).

Leben mini|Käthe Kern (m.) auf dem Gründungskongress des DFD 1947 mit Nadjeshda Parfjonowa (l.) und Finnie Smolan (r.)Demokratischer Frauenbund Deutschlands (Hrsg.): Geschichte des DFD. Verlag für die Frau, Leipzig 1989, ISBN 3-7304-0223-4, S. 68, 83. mini|hochkant|Urnengrab in der Ringmauer der Gedenkstätte der Sozialisten

Katharina Kern wurde als Tochter von Elisabeth (1880–1944) und Jakob Kern in Darmstadt geboren. Sie besuchte die Mittelschule in ihrer Geburtsstadt Darmstadt und absolvierte dort auch eine Lehre zur kaufmännischen Angestellten. Sie wurde 1919 Mitglied im sozialdemokratischen Jugendverband SAJ und trat 1920 in die SPD ein. Nach ihrer Tätigkeit von 1921 bis 1924 als Angestellte beim Präsidenten der Landesversicherungsanstalt Hessen in ihrer Heimatstadt war sie ab 1925 beim Allgemeinen Freien Angestellten-Bund als Sekretärin von Otto Suhr und als Mitarbeiterin des Reichstagsabgeordneten Siegfried Aufhäuser tätig. Von 1928 bis 1933 war Kern Mitglied des Bezirksvorstandes der SPD in Berlin und leitete dort das Frauensekretariat.

1931 veröffentlichte Kern die Broschüre "Frauen, entscheidet euch!", auf dem Umschlag ist neben einer Hitlerkarikatur die Frage zu lesen "Der soll dein Herr sein?".Frauenmuseum Wiesbaden

Im Juni 1933 wurde sie inhaftiert. Nach ihrer Freilassung im Juli 1933 war sie im Berliner Saarverein, ab 1935 bei den Preußischen Bergwerkshütten wieder als Sekretärin tätig. Sie war als einzige Frau in der Führungsgruppe der antinationalsozialistischen, sozialdemokratisch–gewerkschaftlichen Widerstandsgruppe Wilhelm Leuschners.Ludger Fittkau: „Man lebt ja nicht um seiner selbst willen“. Die Frauenrechtlerin Käthe Kern und der 20. Juli 1944. Lukas, Berlin 2023, ISBN 978-3-86732-435-9, S. 23, 33

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kern Mitglied des Zentralausschusses der SPD in Berlin und Frauensekretärin der SPD. Als Befürworterin der Zwangsvereinigung von SPD und KPD wurde sie im April 1946 auf dem Vereinigungsparteitag in den Parteivorstand der SED gewählt, sie leitete paritätisch mit Elli Schmidt bis 1949 das Frauensekretariat der Partei und wurde Mitglied im FDGB. Sie zählte 1947 zu den Mitbegründerinnen des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands (DFD), in dem sie als eine der fünf ehrenamtlichen stellvertretenden Vorsitzenden bis 1949 tätig war. Gemeinsam mit den anderen Protagonistinnen des Demokratischen Frauenbundes gilt sie aufgrund ihres Wirkens in dessen frauenbewegter Gründerinnenzeit als eine der „Mütter der Gleichberechtigung in der DDR“.Grit Bühler: (Die) Mütter der Gleichberechtigung in der DDR. Die frauenbewegte Gründerinnenzeit des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD) 1945 – 1949. In: Bundeszentrale für Politische Bildung, Deutschland Archiv, 07.11.2023 Bis zu ihrem Tod blieb Kern auch Mitglied des Bundesvorstandes des DFD. Von 1946 bis 1950 war Käthe Kern Mitglied des Landtages in Sachsen-Anhalt. Sie legte ihr Mandat am 27. April 1950 nieder. Nachrückerin wurde Frieda Voß. 1948 und 1949 wurde sie auch Mitglied des Deutschen Volksrates.

Bei den Wahlen 1949 erhielt sie ein Mandat in der Volkskammer. Hier übernahm sie 1957 den Vorsitz der DFD-Fraktion, die sie bis 1984 leitete. 1958 wurde sie Mitglied des Verfassungsausschusses und 1963 Mitglied im Ausschuss für das Gesundheitswesen. Beim Ministerium für Gesundheitswesen war sie von 1949 bis 1970 als Leiterin des Hauptabteilung Mutter und Kind (HA MuK) tätig.

Historische Wirkung Weitgehend vergessen scheint Käthe Kerns Verdienst um die gesetzliche Verankerung der Gleichberechtigung von Frau und Mann. Der Satz „Mann und Frau sind gleichberechtigt“ wurde von ihr über Jahre hinweg verteidigt und schließlich in die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 7. Oktober 1949 gebracht. Ihre Formulierung „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ aus dem Entwurf zur Verfassung der DDR vom 14. November 1946 findet sich in Artikel 3 (2) des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949, dort eingebracht von Elisabeth Selbert. Weil diese die mögliche Inspiration und Quelle nicht angegeben hatte, war der Satz lange Zeit als „Selbert’sche Formulierung“ bekannt. Ehrungen Käthe Kern wurde für ihre Arbeit 1954 mit der Clara-Zetkin-Medaille, in den Jahren 1955, 1958 und 1960 mit dem Vaterländischen Verdienstorden (VVO), 1970 mit der Ehrenspange zum VVO, 1975 mit dem Karl-Marx-Orden und 1980 mit dem Stern der Völkerfreundschaft ausgezeichnet.

Kern starb 1985. Ihre Urne erhielt einen Ehrenplatz in der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde.

Literatur Siegfried Mielke, Peter Rütters: Kern, Käthe (1900–1985). In: Siegfried Mielke (Hrsg.): Gewerkschafterinnen im NS-Staat: Verfolgung, Widerstand, Emigration. Klartext, Essen 2008, ISBN 978-3-89861-914-1, S. 209–218.

Grit Bühler: Eigenmächtig, frauenbewegt, ausgebremst. Der Demokratische Frauenbund Deutschlands und seine Gründerinnen (1945–1949). Diss. Campus, Frankfurt am Main/New York 2022, ISBN 978-3-593-51602-8. Ludger Fittkau: „Man lebt ja nicht um seiner selbst willen“. Die Frauenrechtlerin Käthe Kern und der 20. Juli 1944. Lukas, Berlin 2023, ISBN 978-3-86732-435-9.

Weblinks

Nachlass Bundesarchiv NY 4145

Einzelnachweise

Kategorie:AfA-Funktionär Kategorie:Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus) Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Landtagsabgeordneter (Sachsen-Anhalt 1946–1952) Kategorie:Abgeordneter der Volkskammer Kategorie:Träger des Vaterländischen Verdienstordens (Ehrenspange) Kategorie:Träger des Sterns der Völkerfreundschaft Kategorie:Träger des Karl-Marx-Ordens Kategorie:Trägerin der Clara-Zetkin-Medaille Kategorie:DFD-Funktionärin Kategorie:SPD-Mitglied Kategorie:Mitglied des Parteivorstandes der SED Kategorie:Mitglied des ZK der SED Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1900 Kategorie:Gestorben 1985 Kategorie:Frau