Karl Linder war ein deutscher Ingenieur, der zur Zeit des Nationalsozialismus in leitender Stellung bei den Messerschmitt-Flugzeugwerken in Regensburg tätig war.

Wirken bei Messerschmitt Über Linders Leben vor seiner Anstellung bei Messerschmitt – insbesondere über seine Herkunft und seinen Ausbildungsweg – sind keine Informationen öffentlich dokumentiert. Im Einwohnerbuch der Stadt Regensburg wird Karl Linder erstmals in der Ausgabe 1939/1940 mit der Berufsbezeichnung „Ingenieur“ an der Adresse Bischof-von-Senestrey-Straße 13 geführt.Einwohnerbuch der Stadt Regensburg 1939/1940. Pustet, Regensburg, S. 92.

1939 wurde er Chef der Technischen Abteilung der Regensburger Messerschmitt GmbH. Zahlreiche Fotos aus den Jahren 1940 bis 1942, die Karl Linder gemeinsam mit dem Luftfahrtfunktionär Theo Croneiß bei Betriebsveranstaltungen, mit prominenten Besuchern wie Erhard Milch oder Ernst Udet sowie beim Empfang ausländischer Delegationen im Messerschmitt-Werk zeigen, finden sich heute im Nachlass von Theo Croneiß in der Staatlichen Bibliothek Regensburg.

Zwischen November 1942 und Mai 1943 war er Betriebsführer des Unternehmens, ehe er in dieser Funktion vorübergehend von Flieger-Generalstabsingenieur Lucht abgelöst wurde. Direktor Linder übernahm die Betriebsführung im April 1944 erneut von Lucht, als dieser zum Beauftragten für Sonderaufgaben des Jägerstabes wurde.

Ab Ende 1944 galt Linder innerhalb der Messerschmitt-Konzernleitung und des Rüstungsstabes als Hauptverantwortlicher für die Ausbringung von Messerschmitt-Me-262-Strahljägern. Er war mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet und als „Produktionsleiter“ auch für die Einrichtung der Fließbandfertigung sowie für die Bereitstellung ausreichender Betriebsmittel und von Fachpersonal in den großen geheimen unterirdischen Flugzeug-Fabrikationsanlagen wie B8 Bergkristall in Österreich zuständig.

Nach 1945 mini|Das Schwimmbad auf dem Gelände der Messerschmitt-Werke in Regensburg; fotografiert von Karl Linder (um 1940) Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Karl Linder im Rahmen des sogenannten Milch-Prozesses (Nürnberger Nachfolgeprozesse) befragt. Am 6. November 1946 gab er vor dem US-amerikanischen Militärgericht eine eidesstattliche Erklärung ab, in der er die Einziehung von Zwangsarbeitern und deren Verwendung als Arbeitskräfte für die Flugzeugproduktion in der deutschen Kriegswirtschaft unter Generalfeldmarschall Erhard Milch darlegte. Dieses und weitere Dokumente sind als Volltexte auf der Website des Nuremberg Trials Project der Harvard Law School einsehbar.

Über Linders weiteres Leben nach dem Zweiten Weltkrieg sind bislang keine gesicherten Informationen veröffentlicht worden. Sein Sterbeort und -datum sind nicht bekannt. Zu Linders Nachlass gehören von ihm gefertigte Fotografien, die in einer von dem Regensburger Sachbuchautor Peter Schmoll betreuten Fotosammlung mit dem Herkunftsvermerk „Fotosammlung Peter Schmoll aus Nachlass Karl Linder“ bewahrt werden.Foto mit Vermerk abgebildet in: Hans-Jürgen Bauer: Jagdflugzeug Messerschmitt ME 109. E-Book, 2025, ISBN 9783818769376 online.

Literatur Peter Schmoll: Die Messerschmitt-Werke im Zweiten Weltkrieg: die Flugzeugproduktion der Messerschmitt GmbH Regensburg von 1938 bis 1945. Mittelbayerisches Druck- und Verlags-Gesellschaft mbH. Regensburg 1998. ISBN 3-931904-38-5.

Einzelnachweise

Kategorie:Person (Messerschmitt) Kategorie:Person (Regensburg) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren im 19. oder 20. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann