Hoven (Dürener Platt Hoave) ist ein Stadtteil der Kreisstadt Düren in Nordrhein-Westfalen. Der im Nordwesten liegende Stadtteil gehört seit 1972 zur Stadt Düren.
Lage Im Süden grenzt Hoven an Mariaweiler, im Osten an Birkesdorf, im Norden an Merken, im Westen an Echtz. Die Rur bildet die Grenze zu Birkesdorf. Durch den Ort fließt der Lendersdorfer Mühlenteich.
Allgemeines miniatur|Die Hovener Mitte
Im Ort gibt es eine Grundschule und einen Kindergarten sowie fast alle Geschäfte des täglichen Bedarfs. Zentraler Treffpunkt des Stadtteils ist die sogenannte Hovener Mitte am Arnold-Decker-Platz. Die Mitte des Kreisverkehrs krönt ein Modell der alten Hovener Kapelle, welche im Jahre 1977 im Rahmen des Kirchenneubaues abgerissen wurde.
Auf dem Arnold-Decker-Platz befinden sich neben der Gefallenen-Gedenktafel der beiden Weltkriege ein Boule-Platz und ein öffentlicher Bücherschrank. Dieser ist in einer ehemaligen britischen Telefonzelle untergebracht.
Der Platz wurde nach Arnold Decker benannt, der Bürgermeister und später Ehrenbürger der Gemeinde Mariaweiler-Hoven war. Ein Gedenkstein erinnert an sein Wirken.
Nach dem Erfinder der Lithografie Alois Senefelder wurde 1973 die Senefelder Straße benannt.
Geschichte Es wird vermutet, dass Hoven von den Sunukern besiedelt wurde. Dieser westgermanische Stamm besiedelte vor allem das Rheinland im 1. und 2. Jahrhundert. Die These, dass die Sunuker in Hoven lebten, stützt sich auf den Fund eines geweihten Steins der Gottheit „Dea Summuxal“. Diese Gottheit wird den Sunukern zugeordnet.
Hoven war schon zu römischer Zeit besiedelt. Zwischen Mariaweiler und Hoven befand sich ein römischer Vicus (dörfliche Siedlung), der bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts bestand. Auf dem Gelände wurden außerdem fränkische Bestattungen nachgewiesen.
Auf dem Priesberg am nördlichen Ortsrand der Ruraue wurde bereits 1879 die Heidenburg ausgegraben, ein römischer Tempel mit den Grundmaßen 21 × 19 m.
Im Jahre 1359 wird Hoven das erste Mal erwähnt. Der damalige Herzog Wilhelm von Jülich überträgt Emond von Hoven die Fischerei im Teich vor dessen Haus zu Hoven.
Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich Hoven entlang des Lendersdorfer Mühlenteichs zu einem Standort von Mühlen- und Industriebetrieben. Im Bereich Mühlhoven errichtete der Papiermacher Johann Adam van Auw im Jahr 1760 eine Papiermühle. Am Mühlenteich bestanden später unter anderem eine Papiermühle in Hoven-Mühlhoven sowie eine Drahtmühle, die anschließend als Nagelfabrik der Familie Deutgen und später als Papierfabrik Stettner genutzt wurde.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigte die Papierfabrik der Gebrüder Stettner rund 100 Arbeiter. An die industrielle Entwicklung des Ortes erinnert heute der denkmalgeschützte Industrieschornstein auf dem Gelände der Julius Hoesch GmbH & Co. KG.
Die Gemeinde Mariaweiler-Hoven kam im Zuge der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1972 zur Stadt Düren.
Kirche
mini|Herz-Jesu-Kirche mit freistehendem Glockenturm Die am 29. April 1972 eingeweihte Herz-Jesu-Kirche wurde vom Dürener Architekten Helmut Lüttgen geplant, hat für annähernd 500 Personen Platz und steht seit 2024 unter Denkmalschutz. Die Kirche mit ihrem stützenlosen Innenraum besteht aus einem Sichtbeton-Skelett mit Ausfachungen in rotem Backstein-Mauerwerk und hat einen freistehenden Glockenturm.
Der Ursprungsbau der heutigen Kirche war eine Andachtskapelle, die 1832 auf dem jetzigen Arnold-Decker-Platz errichtet wurde und bis 1909 der Pfarrei Mariaweiler unterstellt war. Der 1909 gegründete Kapellenverein errichtete nach den Plänen des Kölner Architekten Forthmann eine neue Kapelle, die 1912 eingeweiht wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Kapelle so stark beschädigt, dass man beschloss, 1948–1949 einen Neubau zu errichten. Vom 11. bis 18. März 1977 wurde diese dritte Kapelle wegen statischer Probleme abgerissen.
Die Pfarreien St. Peter in Merken, Herz-Jesu in Hoven, St. Mariae Himmelfahrt in Mariaweiler, St. Martin in Derichsweiler und St. Michael in Echtz schlossen sich 2004 zur Gemeinschaft der Gemeinden Düren-Nordwest zusammen.
Am 24. Februar 2024 wurde die Herz-Jesu-Kirche profaniert und am 14. Mai 2024 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Düren eingetragen. Das Kirchengebäude wird seitdem zu Wohnraum umgebaut, dabei sollen rund zehn Wohnungen entstehen. Ein Teil des Gebäudes bleibt weiterhin für kirchliche Zwecke erhalten und soll künftig als Sakralraum genutzt werden.
Baudenkmäler Zu den Baudenkmälern in Hoven zählt außer der ehemaligen Pfarrkirche Herz Jesu auch der Industrieschornstein auf dem Gelände der Julius Hoesch GmbH & Co. KG. Der sechseckige Schornstein aus Feldbrandsteinen stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde am 21. Juni 1985 in die Denkmalliste eingetragen.
Wirtschaft Am Ortseingang aus Richtung Birkesdorf liegt das Werk der Julius Hoesch GmbH & Co. KG. Der Standort geht auf ein historisches Industrieareal zurück, auf dem zuvor papierverarbeitende Betriebe ansässig waren.
Verkehr Am 1. Januar 1901 wurde Hoven durch die Dürener Eisenbahn mit ihrer meterspurigen Bahnstrecke von Düren nach Merken erschlossen, die später nach Pier und Inden verlängert wurde. Der Verkehr wurde am 30. Juni 1965 eingestellt.
Heute wird der Personennahverkehr durch den Rurtalbus, bis 31. Dezember 2019 durch die Dürener Kreisbahn, auf der Straße sichergestellt. Die Linien 206 und 216 verbinden Hoven alle 15 bis 60 Minuten mit Birkesdorf und Düren.
Linie Verlauf
Vereine Kirchenchor Herz Jesu Hoven KV „Aezebaer“ Hoven 1993 e. V. (Karnevalsverein) MGV „Liederkranz“ Hoven / Zusammenschluss mit MGV Merken (Männergesangverein) R.T.C. Staubwolke Hoven (Radtouristikclub) TTC Hoven (Tischtennisclub) Verband Deutscher Rassehundefreunde e. V. CSV Düren e. V. (Christlicher Sportverein)
Persönlichkeiten Bruno Hauser (1907–1965), Bildhauer, gestorben in Hoven
Weblinks
Stadtteilfilm auf der Website der Stadt Düren
Einzelnachweise
Kategorie:Stadtteil von Düren Kategorie:Ersterwähnung 1359