mini|hochkant=1.3|Blick auf Möckern

Möckern ist ein Stadtteil und zugleich Ortsteil im Stadtbezirk Nordwest von Leipzig.

Lage Möckern grenzt im Osten an Gohlis, im Norden an Lindenthal, im Westen an Wahren. Im Süden liegt die Auenlandschaft der Weißen Elster, der Luppe und der Nahle. Dazwischen ist ein deutlicher Höhensprung auszumachen. Möckern gehört „der Perlenschnur kleiner Altsiedlungen an, die am Terrassenrand des Elsterlaufs von Leipzig bis zur Mündung (der Elster) in etwa 750 Metern Abstand aufgereiht liegen (27 Ortschaften auf 20 Kilometern).“ Auf dem Plan von Leipzig mit seinen Vorstädten von 1808Plan von Leipzig mit seinen Vorstädten 1808, Stadtarchiv Leipzig, RRA (F) Nr. 40 sind in dieser Perlenschnur von Leipzig aus der Reihe nach Gohlis, Möckern, Wahren, Stahmeln, Lützschena, Quesitz und Hänichen zu erkennen, bevor der Plan endet.

Der Stadtteil liegt an der Radroute Kohle-Dampf-Licht-Seen.Bürgerverein Möckern-Wahren: Das grüne Tor im Nordwesten, abgerufen am 25. August 2025

Geschichte mini|Möckern auf einer Karte von 1863 mini|Alte Dorflage von Möckern um 1900 (mit Gefängnisturm)

Der Name Möckern ist wahrscheinlich von Mokrina für „Siedlung im feuchten, nassen Gelände“ (altsorbisch von „mokry“ für nass, feucht) abgeleitet. Hier siedelten Sorben möglicherweise seit dem 7./8. Jahrhundert an einer Furt über die Elster (in Höhe der heutigen Wettiner Brücke) in einem Sackgassendorf (Sackgasse östlich der heutigen Slevogtstraße). Nach 1136 wurde der Ort durch Zusiedlung deutscher Bauern zum Doppelsackgassendorf. 1355: erste urkundliche Erwähnung des Ortsnamens „mokeren“ in einem sogenannten Beteverzeichnis (Steuerliste) der Ämter Leipzig und Naunhof 1637: Im Dreißigjährigen Krieg wird Möckern von schwedischen Soldaten in Brand gesteckt. 1640: Erneute Heimsuchung durch schwedische Truppen. Die Bewohner flüchten. 1668/69: Der Sattelhof brennt ab und wird als Rittergut wieder aufgebaut. 1684: Möckern richtet eine eigene Schule mit einem eigenen Lehrer ein (bisher Schulbesuch in Eutritzsch). ab 1721: August der Starke lässt steinerne Postmeilensäulen setzen. Vor dem Dorf Möckern wird auf der Poststraße Leipzig-Halle (jetzige Kirschbergstraße) eine Halbmeilensäule errichtet. 1756 bis 1763: Im Siebenjährigen Krieg Besetzung durch preußische Truppen. Es mussten Kontributionen in erheblicher Höhe gezahlt werden. mini|hochkant=0.5|Ein Apelstein markiert die Stellung der Franzosen 1813 16. Oktober 1813: In und um Möckern liegt das nördliche Schlachtfeld der Völkerschlacht von Leipzig. Die Preußen unter Blücher können die Franzosen unter Marmont besiegen und das Dorf schließlich erstürmen. Die meisten Häuser Möckerns werden dabei zerstört oder stark beschädigt. Daran erinnern das Kugeldenkmal vor der Kirche sowie Straßennamen wie Blücherstraße und Yorckstraße. 1848: In der Reuningstraße (am Anger) gründen Rödiger & Quarch eine Rauchwarenzurichterei,Rechnung Rödiger & Quarch mit Gründungsdatum. Vorläufer des späteren DDR-Betriebs VEB Edelpelz Schkeuditz. Später Eisfabrik (Lipsia-Eis?). 1850: Das Kugeldenkmal zur Erinnerung an die Völkerschlacht wird auf freiem Feld am Großwiederitzscher Weg vor Möckern aufgestellt. 1852: Der Leipziger Kaufmann August Thärigen erwirbt das Rittergut. 1852: Die Leipziger Ökonomische Sozietät unter Wilhelm Crusius begründet die erste landwirtschaftliche Versuchsanstalt in Deutschland an der Bucksdorffstraße. Erster Direktor war Prof. Emil von Wolff (1851 bis 1854). 1856: Möckern gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 60 f. 1856 kam der Ort zum Gerichtsamt Leipzig II. 1858: Das Kugeldenkmal wird an der Hallischen Straße aufgestellt. 1861: Gründung des Möckernschen Turnvereins 1867: Bau der Bergbrauerei durch Eduard Rohland in der Braustraße (heutige Seelenbinderstraße). Ab dem 1. Januar 1918 war die Bergbrauerei im Besitz der Sternburgschen Brauerei. 1868: Die Freiwillige Feuerwehr Möckern wird gegründet. 1873: Errichtung des Gasthofs „Goldener Anker“ durch August Wehse 1875: Möckern gehört zur Amtshauptmannschaft Leipzig. 1875: Umverlegung der Thüringer Eisenbahn. Der Einschnitt in den Kirschberg entsteht. 1878: An der Hallischen Straße wird das Hotel „Goldener Löwe“ errichtet. 1885: Neubau der Schule an der Renftstraße (jetzt Heisenberg-Gymnasium). Mehrfache Erweiterungen bis 1913. 1891: Möckern wird an die Leipziger Pferdebahn angeschlossen. Die Elektrifizierung erfolgt 1897. 1895: Erste Bestattung auf dem Möckernschen Friedhof. Er ist heute der kleinste kommunale Friedhof Leipzigs. mini|Bebauungsplan, trat nach der Eingemeindung nach Leipzig 1911 in Kraft 1885 bis 1902: Auf beiden Seiten der speziell dafür angelegten heutigen Olbrichtstraße, die genau auf der heutigen Gemarkungsgrenze zwischen Gohlis und Möckern verläuft, entstehen große Kasernenkomplexe.Kasernen in Gohlis, abgerufen am 25. August 2025 1. Juli 1907: Der Straßenbahnhof Möckern mit einer viergleisigen und 56 m langen Halle und Werkstattanbau geht nach ca. zweijähriger Bauzeit in Betrieb. Auf dem Gelände des Bahnhofs wird ein Wohnhaus für sieben Straßenbahnerfamilien errichtet. 1909: Der Straßenbahnhof bekommt eine weitere viergleisige, ca. 60 m lange Halle und ein Dienstgebäude. 1. Januar 1910: Die bis dahin selbstständige Gemeinde wird mit ihren damals ca. 15.500 Einwohnern nach Leipzig eingemeindet. 1933–1935 Bau der „Sternsiedlung“ 13.04.1945: Erschießung von 32 Hitlergegnern in der Kaserne an der heutigen Georg-Schumann-Straße durch ein Erschießungskommando der Wehrmacht, 6 Tage vor Einnahme der Kaserne durch amerikanische Truppen. mini|Mauer und Wachtürme der zuletzt sowjetischen Kaserne 1945–1992 nutzt die Sowjetarmee die westlich der Olbrichtstraße (also in Möckern gelegenen) Teile der Gohliser Kasernen. mini|Erweiterung Möckerns nach Norden in den 1960er Jahren 1961–1964 Errichtung eines neuen Wohngebiets zwischen Georg-Schumann-Straße und Bahnstrecke Leipzig-Halle auf bisher unbebautem Acker- und Gartenland (→ Plattenbauten in Leipzig). 19. März 1972: Beide Hallen des Straßenbahnhofs fallen einem Brand zum Opfer. Der Schaden betrug 1,25 Mio. DDR-Mark. 15. Oktober 1972: Der Straßenbahnhof Möckern geht wieder in Betrieb. 1976: Beide Hallen des Straßenbahnhofs werden durch eine Halle mit sieben Gleisen ersetzt. 1992: Gründung des Bürgervereins Möckern-Wahren e. V.moeckern-wahren.info, Website des Bürgervereins Möckern-Wahren e. V. mini|1993 auf der Georg-Schumann-Straße 1992–1994: Bau des Büro- und Einkaufszentrums Axis-PassageEngelbert Lütke Daldrup (Hrsg.): Leipzig. Bauten 1989-1999 / Leipzig. Buildings 1989-1999, Birkhäuser Verlag Basel / Berlin / Boston 1999, S. 234, ISBN 3-7643-5957-9 1995–1998: das Sozialversicherungszentrums Leipzig-Möckern wird errichtet, teils in ehemaligen Kasernengebäuden, teils in Neubauten. 17. Mai 1998: Eröffnung des Historischen Straßenbahnhofs Möckern 5. Dezember 2004: Die S-Bahn Leipzig-Halle nimmt auf der neu gestalteten Bahntrasse ihren Betrieb auf und hat 2 Haltepunkte in Möckern. 2010: neue Sporthalle des Heisenberg-Gymnasius fertig gestellt 17. Dezember 2014: Eröffnung des umgestalteten Möckernschen Marktes 15. Juni 2015: Abriss des Hotels „Goldener Löwe“ Januar 2017: auf dem Kasernengelände westlich der Olbrichtstraße wird eine sächsische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge eröffnet. 1. Juni 2018: Eröffnung des umgestalteten Renftplatzes vor dem Werner-Heisenberg-Gymnasium 2017–2020: Umbau der Alten Heeresbäckerei westlich der Olbrichtstraße zum Wohnstandorthomuth-architekten.de

Bevölkerung Jahr Einwohner 2000 12.268 2005 12.067 2010 12.357 2015 13.877 2020 16.591 2025 17.913

Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres

Politik Bei den Wahlen zum Sächsischen Landtag gehört Möckern zum Wahlkreis Leipzig 7, bei Bundestagswahlen zum Bundestagswahlkreis Leipzig I (Wahlkreis 152).

Die Bundestagswahl 2025 führte bei einer Wahlbeteiligung von 79,0 % zu folgendem Zweitstimmenergebnis:

Partei Möckern2021 Möckern2025 Stadt Leipzig2025 AfD 16,5 % 27,3 % 21,9 % CDU 14,9 % 18,0 % 16,6 % Die Linke 9,7 % 17,0 % 22,5 % SPD 23,2 % 10,9 % 10,7 % Bündnis 90/Die Grünen 13,1 % 9,3 % 13,6 % BSW – 9,0 % 7,4 % FDP 11,2 % 3,5 % 3,2 % Sonstige 11,5 % 5,1 % 4,1 %

Sehenswürdigkeiten

Von der alten dörflichen Bebauung des 1355 erstmals erwähnten Möckerns mit einem Sattelhof (später Rittergut) und 23 Bauerngütern ist wenig erhalten. Der Ortskern befand sich rings um die Kreuzung von Slevogt- und Bucksdorffstraße nahe der Weißen Elster. 1819 erhielt die Chaussee Halle-Leipzig im Bereich der Flur Möckern eine neue Trasse, die jetzige Georg-Schumann-Straße. 1840 wurden die über Möckernsche Flur verlaufende Eisenbahnlinie Leipzig-Halle, 1856 die Linie Leipzig-Corbetha (Thüringer Bahn) in Betrieb genommen. Einen großen baulichen Aufschwung nahm Möckern Ende des 19. Jahrhunderts als stadtnaher Wohnort vor allem für Arbeiter und als Militärstandort. Der Verlauf der Georg-Schumann-Straße und einiger Parallelstraßen wurde mit einfachen gründerzeitlichen Häusern bebaut. Nach dem Bau einer Kaserne an der heutigen Georg-Schumann-Straße entstand von 1895 bis 1902 eine ganze Militärstadt Gohlis-Möckern nördlich der Bahnlinie Leipzig-Halle. Diese ist in ihrer Größenordnung in Sachsen nur noch mit der Albertstadt in Dresden vergleichbar.

mini|hochkant=0.7|Auferstehungskirche Der Friedhof wurde in den Nordosten verlagert. Dort in der Nähe, an der heutigen Max-Liebermann-Straße, befindet sich das Areal des Bausparvereins zur Beschaffung preiswerten Wohnraums, das in wirtschaftlich schwerer Zeit von 1915 bis 1939 nur sehr langsam bebaut wurde. Ganz am nordwestlichen Rand Möckerns liegt die Sternsiedlung, eine 1933 bis 1935 errichtete Einfamilienhaussiedlung. In den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts kam zwischen Bahnlinie und Georg-Schumann-Straße ein Gebiet mit DDR-Wohnungsbau hinzu. 1989 war vor allem die Bebauung aus der Gründerzeit (1870–1914) in einem sehr schlechten Zustand. Die Sanierung dauerte Jahrzehnte. Von 2004 bis 2010 wurde entlang der Bahn die Travniker Straße neu gebaut und mit der Max-Liebermann-Straße verbunden, die als neue Bundesstraße 6 die Georg-Schumann-Straße verkehrlich entlastet.(Teilabschnitt des Mittleren Rings)

Die 1900/01 als Notkirche erbaute Auferstehungskirche an der Georg-Schumann-Straße dient der 1888 selbstständig gewordenen evangelisch-lutherischen Gemeinde seit über 100 Jahren als Pfarrkirche. Die Kirche beherbergt die älteste Kirchenorgel Leipzigs, 1766 von Johann Emanuel Schweinefleisch erbaut und mehrfach umgebaut, die 1841 von Felix Mendelssohn Bartholdy geprüft worden war und schließlich 1901 von der Stadt Leipzig, in deren Besitz die alte, zum Abbruch vorgesehene, reformierte Kirche übergegangen war, an die Kirchgemeinde Möckern verkauft wurde.

Unweit der Kirche befindet sich der Anker, früher ein Lokal mit Veranstaltungssaal, das heute als Stadtteilzentrum und Jugendclub dient. Im Anker treten zahlreiche Bands auf. Weiter südlich schon in der Elsteraue gelegen befindet sich der Sportplatz Wettinbrücke, der im Besitz der Universität Leipzig ist. Zum Ortsteil gehört auch noch der aus der Elsteraue aufragende Nahleberg westlich der Neuen Luppe (ehemalige Deponie Möckern mit einer Höhe von etwa 35 Metern, jetzt begrünt und begehbar). Vom Leipziger Auwald, der ursprünglichen Vegetationsform, ist in der Elsteraue in Möckern nichts mehr erhalten. Ausgedehnte Kleingärten sind an seine Stelle getreten.

Einstiges Kasernengelände an der Georg-Schumann-Straße