Josef Rödl (* 1949 in Darshofen) ist ein deutscher Regisseur und Drehbuchautor. Seit seinem Abschluss an der Hochschule für Fernsehen und Film München ist in den Bereichen Film, Fernsehen, Oper und Theater tätig. Mit seinem Abschlussfilm an der Hochschule Albert – warum?, der mit Laiendarstellern gedreht wurde, sorgte er 1978 für Aufsehen. Mit der Regie für die Serien Tatort und Anwalt Abel war er mehrmals im Fernsehen vertreten. Von 2001 bis 2016 lehrte er als Professor an der Hochschule für Fernsehen und Film München.

Beruflicher Werdegang Von 1964 bis 1968 arbeitete Rödl als Kraftfahrzeugmechaniker. Parallel dazu besuchte er die Abendschule.Josef Rödl im Gespräch mit Annamaria Percavassi: Che cos'è lo Heimatfilm? Conversazione con Josef Rödl. In: La Capella Underground. A cura di Annamaria Percavassi, Leonardo Quaresima, Elfi Reiter: Il villaggio negato. La Baviera e il cinema tedesco degli anni ottanta. La Casa Usher Firenze 1988, S. 97 (italienisch). 1972 machte er in Nürnberg über den Zweiten Bildungsweg Abitur, dann ein Jahr Zivildienst., www.poenack.de, Oktober 1986, abgerufen am 5. Dezember 2015. Von 1973 bis 1976 studierte er an der Hochschule für Film und Fernsehen München, Abteilung III. In seiner Jugend hatte Rödl Texte als Ausdrucksmittel gewählt, erst während seines Studiums entdeckte er sein Interesse dafür, mit Bildern Geschichten zu erzählen.

Rödl setzte zahlreiche eigene Spielfilm-, Fernseh-, Kurzfilm- und Opernprojekte um. Bei einer ganzen Reihe von eigenen Filmen übernahm Rödl auch über die Rübezahl-Filmproduktion GmbH und J.-Rödl-Filmproduktion die Produktion oder Koproduktion. Damit sicherte er sich ein Mitspracherecht beim Einsatz von finanziellen Mitteln und Menschen in der deutschen Produktionslandschaft, die Rödl „halbprofessionell“ nennt:Josef Rödl, zitiert nach: Joseph Berlinger: Die Seele beginnt ganz woanders...Die Arbeit des Regisseurs Josef Rödl mit Laien und Professionellen., in: Der wilde Clown: ein Film, mit Beiträgen von Joseph Berlinger, Michael Kuttan und Sigi Zimmerschied, Andreas-Haller-Verlag, Passau 1986, ISBN 3-88849-014-6, S. 177. „In Deutschland ist zu wenig Geld für den relativ hohen Anspruch da.“

Im Jahr 2000 wurde er als Professor im Bereich Szenenbild (Dramaturgie des Raumes im Film / in der Fotografie) an die Hochschule Rosenheim berufen, um die Verantwortung für den neu geschaffenen Bereich Szenografie zu übernehmen. 2001 wurde dieser Bereich in die Hochschule für Film und Fernsehen München integriert, wo Rödl bis 2016 den Lehrstuhl Filmischer Raum / Szenenbild innehatte. Für Rödl ist der Raum der „Schnittpunkt der Illusion“, „der Hauptdarsteller.“, www.oberpfalznet.de, 10. November 2002, abgerufen am 6. Dezember 2015.

Josef Rödl gehörte 2003 zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Filmakademie.

Werkverzeichnis Spielfilme (Regie) 1976: Am Wege stehen und nicht wissen, wohin sich drehn., (auch Drehbuchautor und Koproduzent), Übungsfilm im Rahmen des Studiums an der Hochschule für Fernsehen und Film München, 1977 vom Bayerischen Fernsehen gesendet 1978: Albert – warum?, (auch Drehbuchautor und Koproduzent), Abschlussfilm an der Hochschule, 108 Minuten 1982: Grenzenlos (dänischer Spielfilm, auch Drehbuchautor und Produzent), 107 Minuten, dänischer Spielfilm, Darsteller (Auswahl): Therese Affolter, Sigi Zimmerschied, Antonia Rödl, Ursula Strätz 1986: Der wilde Clown (auch Drehbuchautor und Koproduzent)

Fernsehfilme (Regie) 1977: Neues aus Uhlenbusch, Episoden Jürgen will raus und Eierdiebe (auch Drehbuchautor und Produktion) 1980: Franz – Der leise Weg, ZDF, 90 Minuten, (auch Drehbuchautor) 1993: Tatort: Alles Palermo (auch Drehbuchautor), Bayerisches Fernsehen, 29. August 1993, mit den Kommissaren Batic, Leitmayr und Menzinger 1993: Alarm auf Station 2 1996: Anwalt Abel: Ihre Zeugin, Herr Abel. (Drehbuchautor: Fred Breinersdorfer) 1996: Anwalt Abel: Ein Richter in Angst. (Drehbuchautor: Fred Breinersdorfer) 1996: Tatort: Schattenwelt (auch Drehbuchkoautor und Nebenrolle), Bayerisches Fernsehen, 22. September 1996, mit den Kommissaren Batic, Leitmayr und Menzinger 1997: Anwalt Abel: Das schmutzige Dutzend. (Drehbuchautor: Fred Breinersdorfer) 1997: Anwalt Abel: Erpresserspiel. 1998: Schalom, meine Liebe, zweiteiliger Fernsehfilm, je Teil 90 Minuten, (auch Drehbuchautor) 1999: Hurenmord – Ein Priester schweigt, Thriller, Sat.1, 92 Minuten (Drehbuchautoren: Christiane Sadlo, Hermann Kirchmann) 2000: Tatort: Nach eigenen Gesetzen (auch Drehbuchautor), Hessischer Rundfunk, gesendet am 16. Januar 2000, mit Kommissar Brinkmann

Fernseh-Studioregie 2000: Rauschzustand München: ein zwiefach Hoch samt Föhn und allem anderen., Fernsehstudioproduktion, Aufführung im Theater im Schlachthof, München mit Rolf P. Parchwitz (Theaterregie), Christiane Blumhoff (Darstellerin), Luise Kinseher (Darstellerin), Michaela Stögbauer (Darstellerin), Günter Knoll (Drehbuch), Dick Städtler (Filmmusik), Bayerischer Rundfunk. 2006: Spezlwirtschaft (Produktion: Bayerischer Rundfunk)

Kinderfilme (Regie) 1982: Jürgen will raus, Episode 38 der ZDF-Serie Neues aus Uhlenbusch (auch Drehbuchautor und Produzent) 1982: Eierdiebe, Episode 39 der ZDF-Serie Neues aus Uhlenbusch (auch Drehbuchautor und Produzent)

Dokumentarfilm (Regie) 2010: Kabarett, Kabarett (auch Drehbuchautor), Uraufführung am 9. Mai 2010 beim 25. Internationalen Dokumentarfilmfestival München, 90 Minuten, im Auftrag des Bayerischen Rundfunks, mit Sigi Zimmerschied, Dieter Hildebrandt, Luise Kinseher, Josef Hader, Georg Schramm, Frank-Markus Barwasser, Ottfried Fischer, Simone Solga, Django Asül, Urban Priol, Gerhard Polt, Bruno Jonas, Henning Venske, Jochen Busse, Matthias Deutschmann, Martin Puntigam, Josef Pretterer, Peter Sodann, Ernst Röhl, Werner Finck. Filmmusik: Golly

Kurzfilme 2003: Mein Mörder, Mein Mann (Regie und Drehbuch), Filmmusik: Golly 2008: Tage wie Jahre (Darsteller des Nikolaus Hasselvander; Regie: Konstantin Ferstl)

Videofilm (Regie) 1986: Betondeppn (Video-Produktion mit Sigi Zimmerschied)

Kammeropern (Regie) 1999 Albert – warum?, nach dem gleichnamigen Film (Regie und Libretto), Komponist: Enjott Schneider, Theater Regensburg. An der schönen blauen Donau (Regie und Co-Autor), Komponist: Franz Hummel, Theater Regensburg. Fräulein Julie (Regie), Komponist: Antonio Bibalo, Theater Regensburg.

Theater (Regie) 2000/2011: Alkaid – Pelzig hat den Staat im Bett. von Frank-Markus Barwasser, Residenztheater München 2009: Tage wie Nächte (auch Autor), Metropoltheater, München 2020: Angst essen Seele auf, Zentraltheater, München

Kameraführung 1994: Schartl (Regie, Drehbuchautor, Produzent und Musik: Sigi Zimmerschied), www.regieverband.de, abgerufen am 4. Dezember 2015.

Texte 1986: Der wilde Clown: ein Film, mit Beiträgen von Joseph Berlinger, Michael Kuttan und Sigi Zimmerschied, Andreas-Haller-Verlag, Passau, ISBN 3-88849-014-6. 1986: Auf der Suche nach der verlorenen Heimat (1986). In: Hans Helmut Prinzler, Eric Rentschler (Hrsg.): 100 Texte zum westdeutschen Film 1962 – 1987., Verlag der Autoren, Frankfurt (Main), 2001, S. 319–322, ISBN 3-88661-232-5. Erstmals erschienen in: Hans Helmut Prinzler, Eric Rentschler (Hrsg.): Augenzeugen. 100 Texte neuer deutscher Filmemacher. Verlag der Autoren, Frankfurt 1987. 1988: Josef Rödl im Gespräch mit Annamaria Percavassi: Che cos’è lo Heimatfilm? Conversazione con Josef Rödl. In: La Capella Underground. A cura di Annamaria Percavassi, Leonardo Quaresima, Elfi Reiter: Il villaggio negato. La Baviera e il cinema tedesco degli anni ottanta. La Casa Usher Firenze 1988, S. 97–101 (italienisch). 2013: Eine allein macht allein (Janis Joplin), in: Thomas Kraft (Hrsg.): The Beat goes on!, Langen Müller Verlag München, S. 97–109, ISBN 978-3-7844-3317-2, S. 97–109.

Auszeichnungen und Nominierungen 1978 Deutscher Kritikerpreis 1978 Förderpreis der Abendzeitung, München, wwwold.hff-muenchen.de, abgerufen am 5. Dezember 2015. 1979 Deutscher Filmpreis, (damals: Bundesfilmpreis in Gold) für die beste Nachwuchsregie für Albert – warum? 1979 FIPRESCI-Preis und Otto-Dibelius-Preis der Internationalen Evangelischen Jury auf der 29. Berlinale für Albert – warum?, www.fipresci.org, abgerufen am 5. Dezember 2015. 1979 Nominierung für den Gold Hugo/Best Feature auf dem Chicago International Film Festival für Albert – warum?Mitteilung zur Teilnahme am Chicago International Film Festival, www.imdb.com, abgerufen am 5. Dezember 2015. 1983 Internationale Filmfestspiele von Cannes, Reihe Quinzaine des Réalisateurs, mit Grenzenlos, http://www.quinzaine-realisateurs.com, abgerufen am 5. Dezember 2015. 1983 Special Mention auf dem Internationalen Filmfestival von Locarno für GrenzenlosPreisträger des Festivals von Locarno, www. pardolive.ch, abgerufen am 19. März 2016. 1989 Filmpreis der Stadt Hof auf den 12 Hofer FilmtagenMitteilung zu den Preisträgern, www.hofer-filmtage.com, abgerufen am 5. Dezember 2015.

Teilnahme an Festivals 1976 Hofer Filmtage: Am Wege steh’n und nicht wissen, wohin sich dreh’n, abgerufen am 6. Dezember 2015. 1980: Hofer Filmtage: Franz – Der leise Weg. 1986: Hofer Filmtage: Der wilde Clown. 1995: Hofer Filmtage: Anwalt Abel – Ein Richter in Angst. 2010: Wasserburger Theatertage: Tage wie NächteMitteilung zur Teilnahme an den Wasserburger Theatertagen, abgerufen am 5. Dezember 2015.

Einflüsse Vorbilder Rödls frühe Spielfilme sind in Stil und Intention vom italienischen Neorealismus beeinflusst.

In Grenzenlos finden sich Verweise auf Rainer Werner Fassbinder, den Rödl als zentrale Persönlichkeit des Neuen Deutschen Films würdigt: Es wird dessen Film Angst essen Seele auf erwähnt, später ist in einer Szene im Hintergrund das Plakat zu diesem Film zu sehen.

Abgrenzungen Rödl wendet sich gegen die „Möchtegern-Hollywoodianer“, gegen die Nachahmung des amerikanischen Films, wie sie in den 1980er Jahren auf den Filmhochschulen gelehrt wurde.Josef Rödl: Auf der Suche nach der verlorenen Heimat (1986)., in: Hans Helmut Prinzler, Eric Rentschler (Hrsg.): 100 Texte zum westdeutschen Film 1962 – 1987., Verlag der Autoren, Frankfurt (Main), 2001, S. 320, ISBN 3-88661-232-5. Erstmals erschienen in: Hans Helmut Prinzler, Eric Rentschler (Hrsg.): Augenzeugen. 100 Texte neuer deutscher Filmemacher., Verlag der Autoren, Frankfurt (Main), 1987. Zwar bewundert Rödl Amerika, stellt aber fest, dass junge deutsche Filmemacher Identität suchen, und diese sich nicht im Ausland, sondern nur in Deutschland selbst finden lässt.

Vielfach wurde Rödl mit dem Heimatfilm in Verbindung gebracht. Während der deutsche Heimatfilm der 50er Jahre aber eine verklärte Heimat zeigt, sieht Rödl im Film die Möglichkeit, die Realität, den Alltag auf die Leinwand zu bringen. Seine Idealvorstellung vom Kino ist es zuzulassen, dass die Menschen ihren Alltag erzählen und sich so zeigen, wie sie sind. Wenn dann solch ein Film im Fernsehen gezeigt wird, wird das Medium zum Mittel, um eine Geschichte zu transportieren; und die Zuschauer aus dem ländlichen Raum fühlen sich respektiert, weil die Geschichte sie unmittelbar angeht.Josef Rödl im Gespräch mit Annamaria Percavassi: Che cos'è lo Heimatfilm? Conversazione con Josef Rödl. In: La Capella Underground. A cura di Annamaria Percavassi, Leonardo Quaresima, Elfi Reiter: Il villaggio negato. La Baviera e il cinema tedesco degli anni ottanta. La Casa Usher Firenze 1988, S. 98 (italienisch).

Einzelne Werke Albert – warum? (1978)