Le Creusot ist eine französische Gemeinde im Département Saône-et-Loire in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Sie gehört zum Arrondissement Autun und ist Hauptort der Kantone Le Creusot-1 und Le Creusot-2. Mit Einwohnern (Stand ) ist sie nach Chalon-sur-Saône und Mâcon die drittgrößte Stadt des Départements. mini|hochkant|Örtliches Wahrzeichen (siehe Wappen): Dampfhammer, Fa. Schneider, 1876 Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert war Creusot ein kleiner Weiler im Burgund. Es verdankt seine Gründung als Industriestadt einem Zufall. Eigentlich wollten Ignace de Wendel und William Wilkinson die geplante Fabrik für Kanonen in Mesvrin, einem kleinen Ort ca. 10 km nordwestlich von Le Creusot, errichten, wo sich bereits eine Schmiede befand. Die Kohle wurde in Montcenis, genannt La Charbonnière (Köhlerei), einem kleinen Ort ganz in der Nähe von Le Creusot, abgebaut. Dort fand man Kohle, die sich zur Verarbeitung in Koks eignete. Die Einwohner von Mesvrin weigerten sich, Grund für den Ausbau bereitzustellen. Der Eigentümer der Schmiede ließ die Anlage abbauen und in Montcenis wieder aufbauen, daraus entstand die Stadt Le Creusot.

Die örtliche Wirtschaft ist bis heute vorwiegend von der metallverarbeitenden Industrie wie Industeel, SIAG France (Schaaf Industrie) und Snecma geprägt. Schneider-Creusot bzw. Schneider & Cie, heute Schneider Electric, war ein Pionier auf diesem Gebiet. Der Ursprung dieses Industriezweigs und der in der Stadt vertretenen Rüstungsindustrie war die Gründung der Königlichen Gießerei durch François Ignace de Wendel und William Wilkinson im Jahr 1781. Die Steinkohle-Vorkommen der Umgebung ließen das damals kleine Dorf zum hervorragenden Standort zur Herstellung von Kanonen für die Marine werden: Bereits um 1820 befand sich hier im Besitz von Aaron Manby Frankreichs größte Eisengießerei. 1870 beschäftigte Schneider 12.500 Menschen, dies war fast die Hälfte aller Einwohner von Le Creusot.

Am 26. März 1870 erklärte sich der Bürgermeister Jean-Baptiste Dumay solidarisch mit der Pariser Kommune und ernannte seinerseits den Stadtrat zur Commune, angesichts des Anrückens einer Kürassier-Einheit endete der Versuch. In den Jahren 1899–1900 streikten die Arbeiter. Der Streik wurde, wie der Historiker Gérard Noiriel schreibt, mit „unerbittlicher Grausamkeit“ niedergeschlagen. Die Unternehmer verstärkten darauf ihre soziale Kontrolle unter der Losung „contrôle total“, ebenso wie ihre paternalistischen Arbeitervereine. Unter der Führung des Direktors Émile Cheysson bemühten sie sich, die Erinnerung an den Arbeitskampf zu tilgen, etwa indem sie unter dem Vorwand der Stadtentwicklung den Musikpavillon abreißen ließen, der den Streikenden als Versammlungsort gedient hatte. Im Kriegsjahr 1917 waren in den Werken von Schneider & Cie rund 20.000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, ein Zuwachs von 38 % gegenüber dem Jahr 1914. Nach dem Russischen Bürgerkrieg kamen rund 400 Exilrussen ins Département, von denen fast alle bei Schneider & Cie beschäftigt waren.

Die Reaktorindustrie der Creusot Forge wurde Gegenstand öffentlicher Diskussionen, insbesondere Anfang 2016 aufgrund manipulierter Prüfberichte global gelieferter Kernreaktorteile.Bärbel Nückles: Reaktorschmiede in Le Creusot – Mängel bei Akw-Lieferungen?. In: Badische Zeitung, 11. Mai 2016.Bärbel Nückles: Block zwei ist vom Netz. In: Badische Zeitung, 18. Juni 2016.Bärbel Nückles: Gereiztes Klima in der Fessenheim-Kommission. In: Badische Zeitung, 11. Oktober 2016. Gemeinsam mit Montceau-les-Mines bildet Le Creusot ein kleines Industrierevier. Jahr 1793 1831 1872 1901 1954 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2011 2016 2022 Einwohner 1.545 1.334 22.890 30.584 28.663 33.737 34.102 33.366 32.149 28.909 26.283 23.813 22.620 21.752 20.536 Quellen: Cassini und INSEE

Verkehr Seit 1981 wird der nahegelegene Ort Écuisses vom französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV angefahren: Der Bahnhof Le Creusot TGV liegt rund acht Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Der Bahnhof Le Creusot Ville liegt an der Bahnstrecke Nevers–Chagny und wird im Regionalverkehr durch TER-Züge zwischen Dijon und Nevers bedient. Der 10 km lange Train des Combes dient dem Ausflugsverkehr.

Persönlichkeiten Yves Beau (* 1959), Radrennfahrer Christian Bobin (1951–2022), Schriftsteller Sandrine Brétigny (* 1984), Fußballspielerin Bruno Cadoré (* 1954), Priester und Generaloberer des Dominikaner-Ordens Eric Decastro (* 1960), Maler Frédéric Demontfaucon (* 1973), Judoka Jérémy Dérangère (* 1975), Radrennfahrer Baptiste Domanico (* 1990), Radrennfahrer und Duathlet Claudie Haigneré (* 1957), Astronautin und Politikerin Claude Jordery (1876–1945), Politiker und Résistant Daniel Kaczorowski (* 1952), Rugbyspieler Fabrice Moreau (* 1978), Ruderer Raymond Rochette (1906–1993), Maler Anthony da Silva (* 1980), Fußballspieler

Impressionen

Siehe auch Liste der Monuments historiques in Le Creusot

Literatur Albert Maly-Motta: Das Theater im Glas-Ofen. Ein Buch in Le Creusot, Frankreich. In: Die Vierte Wand. Organ der Initiative TheaterMuseum Berlin. Ausgabe 009. Berlin, 2019, S. 88–97 (Online im Internet Archive)

Weblinks

Einzelnachweise

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