mini|Im Hochwasser-Entlastungsgebiet des Weserwehrs entwickelt sich durch rückschreitende Erosion eine neue Abflussrinne durch ein Kleingartengebiet, die Wehranlage wird linksseitig umströmt, Blick Richtung Nord mini|Blick Richtung Osten auf die heutige Karl-Carstens-Brücke (Vordergrund), den Hochwasserabfluss der Weser nach dem Durchbruch der Verwallung. Oben links die alte Schleuse mit dem Krafthaus, Blick Richtung Ost Der Weserdurchbruch im März 1981 ereignete sich in der nordwestdeutschen Stadt Bremen und war ein räumlich vergleichsweise eng begrenztes Hochwasserereignis. Durch seine Intensität und die umfänglichen städtebaulichen Umgestaltungen, die es nach sich zog, nimmt es jedoch eine fortbestehende Bedeutung in der Stadtgeschichte ein. Die Überschwemmung wird als ein Ereignis im Rahmen einer allgemeinen Hochwasserlage angesehen, die zu jener Zeit den Lauf von Ober- und Mittelweser sowie einige ihrer Quell- und Nebenflüsse dominierte. Auf rund 60 Meter brach zum Beispiel ein Deich am 14. März 1981 im Bereich Wardenburg an der Hunte.Bericht in der Nord-West-Zeitung Am 15. März 1981 gab es infolge starker Schneeschmelze und lang anhaltender Regenfälle ein Hochwasser in Minden. In Bremen traf das Hochwasser an einer Flussbiegung auf das Weserwehr, das damals nur zwei Wehrklappen hatte und suchte sich stattdessen ein neues Bett. Im Zuge dessen entstanden zwei Deichbrüche unmittelbar ober- und unterhalb des Wehres am linken Flussufer. Über 120 Kleingärten wurden zerstört und zudem landschaftliche Schäden verursacht. Die Parzellen lagen zwar in einem Überschwemmungsgebiet und die Flut hielt sich auch in dessen Rahmen, doch kaum jemand hatte damit gerechnet, dass eine Überschwemmung derartigen Ausmaßes „von oben“ – also als Binnenhochwasser – zu erwarten wäre. Sämtliche Deichbaumaßnahmen waren bis dahin darauf ausgerichtet gewesen, die Kleingärtner vor Sturmfluten aus der Unterweser zu bewahren.
Unter dem Eindruck des Weserdurchbruches entwarfen die zuständigen Behörden ein neues Hochwasserleitkonzept für die betroffenen Bereiche, das in den darauffolgenden Jahren sukzessive umgesetzt wurde. Verlegungen, Erweiterungen und Neuanlagen von Deichen, Straßen und Gewässern veränderten das Stadtbild teilweise nachhaltig. Eine wesentliche Folge war der Neubau des Weserwehrs.
Eine Flut „von oben“ Geographische Verortung mini|Gewässer und Deiche damals und heute Im Wesentlichen betraf der Weserdurchbruch 1981 den südlichen Bremer Ortsteil Habenhausen, der dem Stadtteil Obervieland zugeordnet ist. Es kam allerdings auch zu landschaftlichen Schäden in anderen Ortsteilen. Habenhausen – ein damals noch nahezu ausschließlich von Wohnbebauung geprägtes Viertel – wird im Osten und Norden von der Weser begrenzt. Der Fluss beschreibt um den Ortsteil herum eine enge Biegung nach Westen, in der das Weserwehr liegt. Der alte, 1981 noch bestehende Bau wurde zwischen 1906 und 1911 errichtet, um den Gezeiten eine künstliche Grenze zu setzen und gleichzeitig durch eine Staustufe der Binnenschifffahrt einen Mindestwasserstand zu sichern. Er trennt die Mittel- von der Unterweser. Innerhalb dieses scharfen Flussknicks öffnet sich ein weites Gebiet mit Grünlandflächen und Kleingartengebieten, das heutzutage etwa ein Fünftel der Fläche Habenhausens einnimmt. In diesem Areal waren die schwersten Zerstörungen infolge der Flut zu verzeichnen. Das Gebiet ist von der Weser nur durch niedrige Sommerdeiche abgeschirmt; erst unmittelbar vor der regulären Wohnbebauung weiter südlich schützt ein Winterdeich die Häuser.
Mit der Werderbrücke (heute offiziell Karl-Carstens-Brücke, umgangssprachlich als Erdbeerbrücke bezeichnet) verfügt Habenhausen seit 1971 über eine lange Verbindung gen Norden in den zum Stadtteil Hemelingen gehörenden Ortsteil Hastedt. Am südlichen Fuß der Brücke befand sich 1981 ein markanter Knick im Winterdeich, auf den das Hochwasser mit voller Strömungsintensität drückte. Diese Stelle wurde später begradigt.
Das zweite bedeutende Gewässer Habenhausens ist der damals 2,7 Kilometer lange Werdersee. Er wurde zwischen 1953 und 1960 in Ost-West-Ausrichtung nach Plänen von Wilhelm Hübotter südlich des Stadtwerders als Flutrinne angelegt und endete 1981 etwa 180 Meter westlich der Brücke. Es war vorgesehen, dass der See Habenhausen vor schützen sollte, falls an der weiter nördlich nahezu parallel fließenden Weser die Sommerdeiche brechen, indem er das Wasser aufnimmt. Darüber hinaus sollte er Hochwasser aufnehmen, das über das nach der Sturmflut 1962 errichtete Wehr Kleine Weser fließt oder – wie beim Weserdurchbruch – seinen Ausgangspunkt östlich im als Überfüllungsgebiet ausgewiesenen Weserknick bzw. in der Mittelweser hat.
Vorboten und hydrometeorologische Situation Am 13. November 1980 wurde im linken Sektor des 1911 in Betrieb genommenen Bremer Weserwehrs eine routinemäßige Spülung der Wehrkammer durchgeführt. Dabei kam es zu einem Defekt, als der Sektor auf Grund fortgeschrittener Korrosion der Verriegelungskonstruktion die obere Endlage durchschlug und die Dichtungen zerstörte.„Keine neuen Schäden am Weserwehr“. In: Weser Kurier, 37. Jahrgang, № 65, 18. März 1981, Seite 11. Er konnte unmittelbar nach dem Schadensfall zurückgestellt werden, wodurch ein Auslaufen der Staustufe verhindert wurde. Bis zum 24. Dezember gleichen Jahres erneuerte man die beschädigten Dichtungen teilweise; eine Notverriegelung machte eine Steuerung des Sektors jedoch nach wie vor unmöglich. Als Folge trat ein schwerwiegendes Problem ein: Je mehr Wasser weserabwärts floss, desto stärker wurde fortan das funktionierende rechte Wehrfeld belastet, während gleichzeitig der Abfluss aber auch desto stärker abgebremst wurde. Berechnungen zufolge konnten nur noch 1.500 m³ Wasser pro Sekunde regulär abfließen.
In den ersten Märztagen des darauffolgenden Jahres strömte maritime Polarluft nach Deutschland und brachte leichte Regen- oder Schneefälle. Zu dieser Zeit lag die Höhe der Schneedecke im Harz geringfügig über dem langjährigen Mittel. Zwischen dem 6. und dem 11. März zogen mehrere Tiefausläufer in nordöstlicher Richtung über Deutschland hinweg, wodurch zunächst tropische Warmluft und ab dem 10. März abermals maritime Polarluft herbeigeführt wurde. Dabei traten teilweise lang anhaltende Regenfälle auf, die vom 9. bis zum 11. März besonders ergiebig waren (zum Beispiel im Raum Hameln oder mit 96 mm auf dem Kahlen Asten und 131 mm im Sankt Andreasberger Ortsteil Oderbrück) und zusammen mit einer raschen Schneeschmelze in den Mittelgebirgen – beispielsweise im Weserbergland und in der Rhön – die Weser- und Allerzuflüsse aus den Mittelgebirgen schnell zum Anschwellen brachten. Begünstigt durch die gestiegenen Temperaturen taute auch der Schnee im Harz fast vollständig ab. Die von den Bergen zuströmenden Wassermengen überschritten die vorgehaltenen Hochwasserspeicherräume der Eder- und der Diemeltalsperre; auch drei Stauseen im Westharz liefen über. Obgleich die Scheitelwelle der Fulda jener der Werra deutlich vorauslief, kam es bereits an der Oberweser zu beträchtlichen Überschwemmungen. Die Flut passierte den Weser-Pegel Hannoversch Münden am 12. März und erreichte am 14. März die Pegel in Vlotho und Porta Westfalica. Dabei stieg bereits der Weser-Pegel bei Intschede kontinuierlich an. Auch der Mittelweserraum war von der Hochwasserlage betroffen, insbesondere flussabwärts der Einmündung der ebenfalls Hochwasser führenden Aller, und ließ den Abfluss der Weser so stark anschwellen, dass die Bruchwiesen bei Thedinghausen überschwemmt wurden. Zunächst provozierte dies noch keine Pressemeldungen, da diese unbewohnten Gebiete des Öfteren zumindest teilweise unter Wasser standen. Zwischen dem 12. und 14. März brachten von Westen nach Osten ziehende Tiefausläufer weiteren Regen. Erst ab dem 15. März fiel bei deutlich gesunkenen Temperaturen nur noch wenig Niederschlag.Tonn, Rainer: „Das Märzhochwasser 1981 im Westharz“. In: Wasser & Boden, 33. Jahrgang, № 12, 1981, Seiten 574–581Deutscher Wetterdienst (Hrsg.): „Monatlicher Witterungsbericht“. In: Amtsblatt des Deutschen Wetterdienstes, 29. Jahrgang, № 3, 1981, Offenbach am Main. mini|200px|Erste Meldung über die drohende Gefahr An einigen Stellen oberhalb Bremens gerieten jedoch alsbald auch die Winterdeiche in Gefahr und am 12. März informierte der Weser-Kurier in einer kleinen, 18-zeiligen Meldung unter der Überschrift „Flutwelle gefährdet die Kleingärten“ erstmals über ein drohendes Hochwasser in der Hansestadt.„Flutwelle gefährdet die Kleingärten“. In: Weser Kurier, 37. Jahrgang, № 60, 12. März 1981, Seite 15. Daraufhin begannen im Stadtgebiet diverse Kleingärtner, ihre in den amtlich ausgewiesenen Überfüllungsgebieten gelegenen Häuschen zu räumen. Am einige hundert Meter flussaufwärts des Weserwehres am linken Ufer verlaufenden Sommerdeich wurde ab 1.300 m³ Wasser pro Sekunde mit seiner Überspülung gerechnet. Weseraufwarts bei Intschede waren es schon 1.500 m³ Wasser pro Sekunde am 13. März, was eine Flutung der dahinterliegenden Kleingartengebiete Hastedter Bulten und Fresenbulten zur Folge gehabt hätte, bevor das Wasser planmäßig über die Flutrinnen Werdersee und Kleine Weser zurück in den Fluss hätte geleitet werden können.„Hochwasser erwartet“. In: Weser Kurier, 37. Jahrgang, № 61, 13. März 1981, Seite 9. Zunächst blieb diese jedoch aus, wurde dann von Experten auf die frühen Morgenstunden des 14. März terminiert, ereignete sich allerdings abermals nicht. Am Weserwehr war unterdessen auf Grund des außergewöhnlich hohen Wasserstandes kaum noch ein Niveauunterschied zwischen dem Pegel der Mittel- und dem der Unterweser erkennbar.
Der Durchbruch mini|Aufgenommen vom Hastedter (rechten) Weserufer, zeigt dieses nach Süden gerichtete Foto im Hintergrund den geborstenen Sommerdeich, durch den das Wasser aus den Kleingartengebieten zurück in den Fluss strömt. Am rechten Bildrand ist die Karl-Carstens-Brücke zu erkennen.