Kleestadt (im lokalen Dialekt: Kläscht)Darmstädter Echo, Montag, 22. August 2016, S. 22 ist ein Stadtteil von Groß-Umstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geographie Kleestadt liegt am nördlichen Rand des Odenwaldes, ca. 7,5 km östlich von Dieburg. Das Haufendorf liegt auf einer Höhe von etwa 4 km nordöstlich des Stadtkerns von Groß-Umstadt. Der Stadtteil Kleestadt besteht aus der Gemarkung Kleestadt.

mini|links|hochkant=3|Panorama der Untermainebene von den letzten Odenwald Ausläufern (Binselberg) auf Klein-Umstädter Gemarkung mit zentralem Blick auf Kleestadt und in die östliche Dieburger Bucht (Gersprenzniederung) bis zur Skyline von Frankfurt, begrenzt am Horizont vom Taunus

Geschichte mini|hochkant=1.7|Torhaus (ehem. Rathaus) mini|Kirche und Torhaus mini|Alter Brückenstein über den Kleestädter Bach oberhalb des Friedhofes

Ortsgeschichte Die älteste bekannte Erwähnung von Cletstat datiert um 1222. In historischen Dokumenten späterer Zeit ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Cletestat (um 1250); Clettestat (um 1250); Clestad (1274); Cletstad (um 1290); Clepstat (1319); Clestad (1346); Cletstadt (1432); Cletstat (1482); Kletstat (1495); Cloestadt (1516); Cletstat (1544); Clettstadt (1554); Clesstatt (1616); Kleestadt (17. Jahrhundert).

Der Ort gehörte ursprünglich zur „Zent Umstadt“ und dem Kloster Fulda, wurde zusammen mit anderen Dörfern der Umgebung 1374 an die Herrschaft Hanau verpfändet und gehörte, nachdem die Kurpfalz in dieses Pfandgeschäft mit eingestiegen war, ab 1427 zum Kondominat Umstadt. Bei einem Vergleich zwischen der Landgrafschaft Hessen, der Kurpfalz und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg gelangte der Ort schließlich 1521 insgesamt an Hanau und wurde dort dem Amt Babenhausen zugeschlagen.Willi Alter (Hrsg.): Pfalzatlas. Textband I. Speyer: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 1964, S. 426: und Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230 (205); anders: : 1402 verpfänden Gottfried und Eberhard von Eppstein das Dorf Kleestadt für 1000 Gulden. 1425 verkauft Gottfried von Eppstein das Dorf mit Zustimmung seines Bruders Eberhard für 3000 Gulden Reinhard von Hanau, wovon 1000 Gulden Konrad Krieg erhalten soll.1432 gehört Kleestadt zum Burg Breuberg. 1521 wird Kleestadt der Herrschaft Babenhausen [gemeint ist: Amt Babenhausen] einverleibt. Grundbesitzer im Dorf sind unter anderen die Familien derer von Eppstein und die Propstei Neuenberg des Klosters Fulda.

Mitte des 16. Jahrhunderts führte Graf Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg die Reformation ein.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg. Aufgrund der Intestaterbfolge fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg dagegen an den Sohn der einzigen Tochter von Johann Reinhard III., Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Umstritten zwischen den beiden Erben war die Zugehörigkeit des Amtes Babenhausen und seiner Dörfer zu Hanau-Münzenberg oder zu Hanau-Lichtenberg. Es kam fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, als Hessen-Kassel mit schon sorgsam in Hanau stationiertem Militär den größten Teil des Amtes Babenhausen besetzte, auch Kleestadt. Die Auseinandersetzung konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 mit einem Vergleich beendet werden, dem so genannten Partifikationsrezess. Kleestadt wurde darin Hessen-Kassel zugesprochen. Im Jahr 1807 kam das Amt Babenhausen infolge der Napoleonische Kriege unter französische Verwaltung, durch einen Staatsvertrag mit Frankreich 1810 dann aber an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Kleestadt:

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden zum 1. Januar 1977 die bis dahin selbständigen Gemeinden Groß-Umstadt, Dorndiel, Heubach, Kleestadt, Klein-Umstadt, Richen und Semd durch das Landesgesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt zur neuen Stadt Groß-Umstadt zusammengeschlossen. Für Kleestadt sowie für die übrigen eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Kleestadt angehört(e):

vor 1521: Heiliges Römisches Reich, Kondominat Umstadt ab 1521: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau, Amt Babenhausen 1736–1773: Strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel ab 1773: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Babenhausen ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau, Amt BabenhausenDurch den Reichsdeputationshauptschluss. ab 1806: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonische Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Babenhausen (Militärverwaltung) ab 1810: Heiliges Römisches Reich, Großherzogtum HessenDurch Staatsvertrag mit Frankreich., Fürstentum Starkenburg, Amt Babenhausen ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Babenhausen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DieburgTrennung zwischen Justiz (Landgericht Umstadt) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Stadt Groß-UmstadtAm 1. Januar 1977 als Ortsbezirk zur Stadt Groß-Umstadt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Kleestadt 1413 Einwohner. Darunter waren 54 (3,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 600 Einwohner unter 18 Jahren, 312 waren zwischen 18 und 49, 312 zwischen 50 und 64 und 270 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 585 Haushalten. Davon waren 147 Singlehaushalte, 165 Paare ohne Kinder und 204 Paare mit Kindern, sowie 57 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 111 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 393 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1829: 556 Einwohner, 98 Häuser • 1867: 562 Einwohner, 97 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 532 lutheranische (= 95,68 %), 9 jüdische (= 1,62 %) und 15 katholische (= 2,70 %) Einwohner • 1961: 675 evangelische (= 80,26 %), 145 katholische (= 17,24 %) Einwohner

Politik Für Kleestadt besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Kleestadt) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 62,19 %. Dabei wurden gewählt: drei Mitglieder der SPD, zwei Mitglieder der CDU, ein Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen und ein Mitglied der BVG (Bürgervereinigung Groß-Umstadt e. V.). Der Ortsbeirat wählte Marina Glorius (SPD) zur Ortsvorsteherin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Kleestadt

Kirche

Eine Kapelle bestand in Kleestadt vor 1482, an der ab diesem Jahr auch ein Kleriker tätig war. Das Patrozinium der Kapelle lag bei Maria. Die Kapelle war bis 1560 eine Filialkirche von Groß-Umstadt und wurde dann zu einer eigenen Pfarrei. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Montat. Das Patronatsrecht lag bei den Grafen von Hanau-Lichtenberg, die hier Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation einführten. Kleestadt wurde lutherisch.

Regelmäßige Veranstaltungen August: KerbDarmstädter Echo, Montag, 22. August 2016, S. 22 alljährliches Dorffest

Persönlichkeiten Eliza Frankenstein (1830–1919), deutschamerikanische Landschaftsmalerin August Lambert (1916–1945), in Kleestadt geborener Offizier und Pilot der Luftwaffe

Literatur Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains (= Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29). 1966, S. 123. Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg. 1940, S. 169 ff. Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 383 ff. Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform (= Darmstädter Archivschriften 2). 1976, S. 126. Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein. Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter. Wiesbaden: Historische Komm. für Nassau, 2000, S. 372–374, 378–379. ISBN 3-930221-08-X. Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen. Kreis Offenbach (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). 1987, S. 257 ff. Paul Wagner: Die Eppsteinschen Lehnsverzeichnisse und Zinsregister des 13. Jahrhunderts nach dem eppsteinischen Lehenbuche. Mit Beiträgen zur ältesten Geschichte des Hauses Eppstein (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 8). Wiesbaden 1927, S. 28 f.

Weblinks

Stadtteile In: Webauftritt der Stadt Groß-Umstadt.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Geographie (Groß-Umstadt) Kategorie:Grafschaft Hanau-Lichtenberg Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Ersterwähnung im 13. Jahrhundert Kategorie:Gemeindeauflösung 1977