Die Universität Regensburg (UR) ist eine 1962 gegründete und in Regensburg angesiedelte bayerische Volluniversität mit rund 20.000 eingeschriebenen Studierenden.
Überblick mini|hochkant=.65|SiegelDas Siegel der Universität wird für offizielle Urkunden benutzt und ist nicht mit dem Logo zu verwechseln. der Universität Die Universität Regensburg ist eine Volluniversität mit 12 Fakultäten, 199 Lehrstühlen und einem breiten Spektrum von Studiengängen. Aufgrund ihrer geographischen Lage im Südosten Deutschlands versteht sich die Universität Regensburg als Brücke zwischen Ost und West; Ausdruck dieses Selbstverständnisses sind Einrichtungen wie das Europaeum, das Institut für Ostrecht, das Bohemicum (Zentrum für Tschechische Studien) und das Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS); zum 1. Januar 2017 wurde das IOS in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Lehrerbildung: etwa ein Drittel aller Studierenden ist für Lehramtsstudiengänge immatrikuliert. Die Brückenfunktion kommt auch im Siegel der Universität zum Ausdruck, das auf einer historisierenden Darstellung der Steinernen Brücke in Regensburg beruht.
Als ihre zentrale Aufgabe begreift die Universität Regensburg eine verantwortungsbewusste Ausübung von Forschung und Lehre, die sowohl der wissenschaftlichen Freiheit als auch den großen Fragen und Problemen unserer Zeit Rechnung trägt.Neujahrsempfang des Präsidenten 2020, auf uni-regensburg.de Ein wesentliches Ziel des Bildungsauftrages liegt laut dem Leitbild der Universität in der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, darunter vor allem interkulturelle Kompetenz, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit und verantwortliches Handeln in der Gesellschaft.
Fakultäten und Studiengänge Die Universität ist in zwölf Fakultäten gegliedert: Katholische Theologie Rechtswissenschaft Wirtschaftswissenschaften Medizin (mit angeschlossenem Universitätsklinikum und weiteren Krankenhäusern in der Stadt und im Umfeld) Informatik und Data Science (Standort Bajuwarenstraße) Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften Humanwissenschaften Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften Mathematik Physik Biologie und Vorklinische Medizin Chemie und Pharmazie
In der Fakultät für Physik wird im Rahmen des Elitenetzwerkes Bayern seit dem Sommersemester 2015 zusätzlich zu den konventionellen Studienabschlüssen in Verbindung mit der Universität Erlangen ein für Bewerber aller Universitäten nach dem zweiten oder dritten Fachsemester offener „Forschungsstudiengang Physik“ angeboten, der über einen Bachelor- und Master-Grad in ca. sieben Jahren direkt (und besonders schnell) zur Promotion führt.Der Forschungsstudiengang Physik An der am 6. März 2020 gegründeten Fakultät für Informatik und Data Science werden seit dem Wintersemester 2023/2024 der Bachelorstudiengang Informatik sowie der Bachelorstudiengang Data Science angeboten. Im Dezember 2024 vergab die Fakultät für Informatik und Data Science erstmals einen Doktortitel.
International Real Estate Business School An der Universität angesiedelt und im Vielberth-Gebäude untergebracht ist die IREBS (International Real Estate Business School), die ein eigenes Institut für Immobilienwirtschaft sowie eine eigene Immobilienakademie beherbergt. Die IREBS umfasst acht rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Lehrstühle und Professuren sowie elf Honorar- und Gastprofessuren. An den Standorten Kloster Eberbach (Eltville), Frankfurt, Berlin, München, Düsseldorf, Hamburg und Wien bietet die IREBS Weiterbildung von Führungsnachwuchs- und Fachkräften an. In dem Ranking Real Estate Academic Leadership (REAL) wurde die IREBS im Jahr 2021 in Deutschland führend, in Europa an Platz 2 und weltweit an Platz 17 der Immobilien-Institute eingeordnet.
Geschichte mini|Präsidial- und Verwaltungsgebäude mini|Universität Regensburg – Campus Vorgeschichte und Gründung Mit dem Start des Lehrbetriebes der Universität Regensburg zur Mitte des 20. Jahrhunderts ging für die Stadt Regensburg eine schon 600 Jahre früher gehegte Absicht stark verspätet in Erfüllung: Bereits 1487 hatte Herzog Albrecht IV. von Bayern, der damals die in finanziellen Nöten befindliche Reichsstadt Regensburg in Besitz genommen hatte, gemeinsam mit dem Rat der Stadt eine Petition beim Papst eingebracht, mit der die Gründung einer Universität zu Regensburg verfügt werden sollte. Trotz des päpstlichen Einverständnisses scheiterte das Vorhaben an damaligen wirtschaftlichen Möglichkeiten und an der Vertreibung des bayerischen Herzogs durch den Kaiser aus der unter kaiserlichem Schutz stehenden Stadt Regensburg.
Der Plan einer Universitätsgründung blieb in den folgenden Jahrhunderten angesichts der langsamen wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt eine Wunschvorstellung. Die Gründung der Universität begann erst viel später mit dem Beschluss des Bayerischen Landtags vom 10. Juli 1962.(Mittelbayerische Zeitung vom 11. Juli 1962): In Regensburg sollte eine Universität mit voll ausgebautem Forschungs- und Lehrbetrieb entstehen. Als vierte Landesuniversität Bayerns sollte die neue Universität vor allem zwei Aufgaben erfüllen: die Entlastung der bereits bestehenden bayerischen Hochschulen und die Erschließung von „Begabungsreserven“ in der Region Ostbayern. Zum Gründungsrektor wurde Götz Freiherr von Pölnitz ernannt, der aber 1965 wegen seiner Verstrickungen in den Nationalsozialismus zurücktreten musste.
Dem Beschluss zur Gründung der Universität Regensburg waren nach Ende des Zweiten Weltkriegs Abschätzungen vorausgegangen, die ergaben, dass wegen der Kriegsschäden und der verminderten Zahl von Mitarbeitern die bestehenden Universitäten in München, Erlangen und Würzburg einen ordnungsgemäßen universitären Lehrbetrieb nicht gewährleisten konnten. Auch die beiden staatlichen, bayerischen philosophisch, theologischen Hochschulen in Regensburg und Bamberg, die bisher für die Ausbildung von Priesteramtsstudenten zuständig gewesen waren, konnten keine Abhilfe schaffen, wurden aber vom Kultusministerium aufgefordert, jährlich 3000 Studierende verschiedener Fachrichtungen für die ersten Semester aufzunehmen. Daraus erwuchs in beiden Städten der Wunsch, mittels dieser provisorischen Lösungen die erhofften Gründungen von echten Volluniversitäten in beiden Städten zu erreichen und dann die beiden philosophisch-theologischen Hochschulen in die neuen Universitäten einzugliedern. Ergänzt wurden die Pläne für Regensburg durch Bemühungen des städtischen Universitätsbeauftragten Franz Schmidl, weil er sich bereits früh für die Einrichtung einer medizinischen Fakultät eingesetzt hatte. Für sein Engagement wurde er später mit der Albertus-Magnus-Medaille und mit den Bürgermedaillen der Stadt Regensburg ausgezeichnet. Am Ende der Diskussionen wurde 1948 vom Kultusministerium wegen der knappen Staatsfinanzen vorgeschlagen, eine gemeinsame Universität Bamberg-Regensburg zu gründen, mit theologischen Fakultäten an beiden Orten, mit den Geisteswissenschaften und der Medizin in Regensburg, und mit den Rechts-, Wirtschafts- und Naturwissenschaften in Bamberg.
mini|Universität Regensburg – Mensa Nach 1948 erhöhte ein neu gegründeter Regensburger Universitätsverein mit Denkschriften und Veranstaltungen den Druck auf die örtlichen Abgeordneten erheblich. Die Forderungen zum Bau der 4. Landesuniversität in Regensburg und Bamberg wurden verstärkt und es gab Angebote für eine garantierte Finanzierung durch ein neu gegründetes Kuratorium der oberpfälzischen Wirtschaft. Den Forderungen zum Bau einer Universität schlossen sich weiterhin an: Industrie- und Handelskammern, die benachbarten Städte und Landkreise und Elternbeiräte in Regensburg und weiteren Städten. Widerstand kam weiterhin von den bestehenden bayerischen Universitäten und auch von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Beide wollten die knappen finanziellen Mittel eherfür den Wiederaufbau zerstörter Institute in München verwenden, und nicht für die Gründung von auf zwei Städte verteilte Miniatur-Universitäten. Ein Gegner dieser Lösung war zunächst auch die Evangelische Kirche, die sich durch die Neugründung zweier katholischer Fakultäten benachteiligt sah. Auf der politischen Bühne im Bayerischen Landtag in München war ein weiterer Gegner die SPD, weil sie meist geneigt war, Vorschläge des erzkonservativen bayerischen Kultusministers Alois Hundhammer mehrheitlich abzulehnen. So kam es im Januar 1950 im Landtag zur Vertagung einer Abstimmung, die aber später gar nicht mehr stattfand. Erst im Oktober 1952 wurde ein neuer Vorschlag gemacht für die Gründung einer einzigen Universität in Regensburg, mit einer auf 10 Jahre verteilten und besser zu bewältigen Baufinanzierung. Auch dieser Vorschlag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Noch im gleichen Jahr stellte die philosophisch-theologischen Hochschule in Regensburg ihre Ausbildung von Studienanfängern ein. Damit war die Gründung der Universität Regensburg zunächst gescheitert.
Als sich einige Jahre später 1959 zeigte, dass die bayerischen Universitäten überfüllt waren, wurde die Neugründung einer Universität in Regensburg erneut von Josef Engert angeregt. Er wurde dabei unterstützt vom im Oktober 1959 gewählten neuen Oberbürgermeister Schlichtinger, der den bereits thematisch erfahrenen Franz Schmidl erneut zum ehrenamtlichen Universitätsbeauftragten der Stadt bestellte. Auch der frühere Universitätsbauverein erwachte zu neuem Leben, rekonstruierte sich im Juni 1960 und wurde dann durch die fachliche Stellungnahme des inzwischen angerufenen deutschen Wissenschaftsrates im November 1960 bestätigt. Der Wissenschaftsrat empfahl im süddeutschen Raum eine Universität zu gründen, um eine Entlastung der Universität in München zu erreichen. Diese Empfehlung hatte weitere zustimmenden Resolutionen von Elterbeiräten und Landräten zur Folge und auch vielbeachtete zustimmende Stellungnahmen des Universitätsbauvereins und sogar des Psychiaters und Philosophen Karl Jaspers, der sich gern öffentlich zu solchen politischen Fragen äußerte.
mini|Hans-Lindner-Hörsaal mit Holzvertäfelung im Stile der Gründungszeit Im März 1962 berief Oberbürgermeister Schlichtinger einen wissenschaftlichen Gründungsbeirat, der die geistige Planung einer einzigen vierten Landes-Universität vorlegen und damit Fakten schaffen sollte noch ehe der Landtag in München über die Gründung entschieden hatte. Um die Entscheidung des Landtags noch eindeutiger vorzuprägen, war es Schlichtinger bereits am 23. März 1961, gelungen, in einem interfraktionellen Antrag mit 71 Unterschriften die positive Einstellung der Abgeordneten zum Bau der vierten Landes-Universität in Regensburg deutlich zu machen. Am 10. Juli 1962 nahm der Bayerische Landtag die Anträge zum Bau der Universität Regensburg mit nur 10 Gegenstimmen an. Zusätzlich wurde vereinbart, die technische Fakultät in Erlangen und die medizinische Akademie in Augsburg nicht zu tangieren. In den darauf folgenden Jahren wurde die Universität nach und nach aufgebaut, bis im Sommer 1967 Franz Mayer zum ersten Regensburger Rektor gewählt wurde und am 6. November 1967 der Lehrbetrieb beginnen konnte. Anfangs zählte die Regensburger Universität 661 Studierende und 35 Professoren an drei Fakultäten. Dabei konnten die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät sowie die Philosophische Fakultät bereits den vollen Studienbetrieb gewährleisten. Die 1923 gegründete Philosophisch-theologische Hochschule Regensburg, zuvor bischöfliches Lyzeum, wurde Teil der Regensburger Universität und bildete den Grundstock für den Aufbau der Theologischen Fakultät. Ebenso eingegliedert wurde die 1958 gegründete Pädagogische Hochschule Regensburg, die zuvor zur Universität München gehörte.
Hans Schwemmer war der erste immatrikulierte Student der Universität Regensburg.
Ab der Gründung mini|Zentralbibliothek auf dem Campus der Universität Regensburg