mini|Triumph des Osnabrücker und Nürnberger Friedens, allegorische Darstellung, Friedensgöttin Pax im Triumphwagen, Kriegsgott Mars in Ketten, 1649
Der Nürnberger Exekutionstag oder Friedensexekutionskongress diente der Klärung von Fragen, die bei der Beendigung des Dreißigjährigen Krieges durch den Westfälischen Frieden in Osnabrück und Münster offengeblieben waren. Er fand zwischen April 1649 und Juli 1650 in der Reichsstadt Nürnberg statt. Die Ergebnisse wurden im Nürnberger Reichs-Friedens-Rezess bzw. Friedensexekutionshauptrezess vom festgeschrieben, später kurz als „Nürnberger Frieden“ bezeichnet. Behandelt wurden insbesondere Probleme der Demobilisierung, Zahlung von Satisfaktionsgeldern und des Truppenabzuges aus den besetzten Gebieten. Unter Vorsitz der Hauptverhandler Pfalzgraf Karl Gustav für Schweden und Ottavio Piccolomini für den Kaiser wurde die neue Friedensordnung sichergestellt und feierlich inszeniert.
Vorgeschichte und Voraussetzungen Auftakt Die Hoffnung auf eine rasche Demobilisierung nach den Friedensverhandlungen von Münster und Osnabrück erfüllte sich nicht. Die Verträge hatten die Umsetzung ihrer Bestimmungen, darunter die Truppenabzüge und Restituierungen, nur unpräzise geregelt. Während Frankreich keine Gelder gefordert hatte und seine Truppen im fortgesetzten Krieg gegen Spanien benötigte, beharrten die Vertreter Schwedens für die Abdankungen der Truppen auf eine vertraglich zugesicherte Militärsatisfaktion. Der Verbleib der Streitkräfte bedeutete angesichts der noch schwelenden Konflikte eine andauernde Kriegsgefahr und belastete die betroffenen Reichskreise auch nach Friedensschluss durch Einquartierungen und Übergriffe. Am 15. Juni 1648 hatte Schweden in Osnabrück zwar das Angebot der Reichsstände über die von Christina von Schweden geforderten 5 Millionen Reichstaler für die Abdankung der schwedischen Truppen in Deutschland angenommen, allerdings ohne die mit diesem Angebot verbundenen Bedingungen zu akzeptieren. Da die Bestimmungen nicht schnell in direkten kaiserlich-schwedischen Gesprächen zu regeln waren, war ein weiterer größerer Kongress notwendig. Er startete im April 1649 noch rechtzeitig vor Beginn der nächsten Feldzugssaison in der Reichsstadt Nürnberg.
Gegen den Willen des Nürnberger Rats und wahrscheinlich auf Betreiben des Kurfürsten Maximilian von Bayern wurden der Exekutionstag und damit die hauptsächlichen Kosten des Treffens der Reichsstadt Nürnberg aufgebürdet, nachdem die Zusammenkunft vor allem auf schwedischem Drängen in einer Stadt in der Oberpfalz hätte stattfinden sollen.
Frage der Kosten der Demobilisierung Unter dem verschleiernden Begriff „Militärsatisfaktion“ versteckte sich die Frage, wer die Demobilmachungskosten der etwa 60.000 auf Reichsboden befindlichen schwedischen Soldaten aufbringen solle. Das Königreich Schweden leistete sich seit Jahrzehnten einen für seine finanziellen Verhältnisse völlig überdimensionierten Militärapparat, der bisher vor allem mit lokalen Kontributionen, Unterstützung protestantischer Reichsstände und französischen Subsidien unterhalten wurde. Die Armee Schwedens bestand zu gut zwei Dritteln aus fremden Söldnern, die durch vertragliche Vereinbarung nicht mit dem Kriegsherrn, sondern mit dem Obrist ihres Regiments (als Kriegsunternehmer) Soldat geworden waren, wobei ihnen nicht nur Recht auf Auszahlung der Soldrückstände beim Vertragsende zustand, sondern oft auch zusätzlich das Recht auf ein erhebliches Abdankungsgeld in Höhe eines mehrfachen Monatssoldes. Blieb davon etwas aus, war Schlimmstes zu befürchten. In der Summe kam dabei eine schwindelerregende Summe zustande, welche die finanziellen Kapazitäten Schwedens überstieg. Ein Friedensschluss ohne Finanzierung der schwedischen Demobilmachung durch Dritte war faktisch ein Ding der Unmöglichkeit.
Im Westfälischen Frieden hatte Schweden bereits durch den Erwerb West-Pommerns, Bremen-Verdens und Wismars die Anerkennung seines Anspruchs auf die „satisfactio coronae“ durchgesetzt, eine Entschädigung in Form von Territorium für den Einsatz zugunsten der protestantischen Sache und ihrer deutschen Verfechter. Auf dem Exekutionstag sollte es um die Umsetzung der „satisfactio militum“, der Abfindung für die Streitkräfte, gehen.
Nicht verhandelt wurden in Nürnberg die Entschädigung und Abdankung der Bayerischen Reichsarmada des Kurfürsten, die vollständig vom Bayerischen Reichskreis erbracht werden sollten und zu einem der längsten und wichtigsten Kreistage in der Geschichte des Bayerischen Reichskreises führte. Die Tagung in Wasserburg dauerte vom 23. November 1648 bis zum 15. April 1649, bei der es um die in Münster festgelegte Bezahlung der kaiserlichen und bayerischen Truppen ging. Die effektiv zu entrichtenden Beträge für die ursprünglich veranschlagten 125 Römermonate wuchsen während der Verhandlungsdauer mit den bevorstehenden Winterquartier als sogenannte Interimsverpflegung weiter an.
siehe Demobilmachung nach dem Dreißigjährigen Krieg
Verhandlungen Auf dem Exekutionstag trafen sich Gesandte aus Schweden, Spanien und Frankreich, mit Gesandten des Kaisers und mit zahlreichen Gesandten der Reichsstände. Hauptverhandlungsführer waren Pfalzgraf Karl Gustav auf schwedischer und Feldmarschall Ottavio Piccolomini auf kaiserlicher Seite. Die Verhandlungsdelegationen tagten im Großen Saal des Nürnberger Rathauses. Zwischen dem Auftakt im April 1649 und dem Abschluss im Juli 1650 wurde die Arbeit der Gesandten von zahlreichen Banketten und Feiern begleitet. Mehr als ein Jahr wurde in Nürnberg darüber verhandelt, wie unter anderem die Truppenabzüge und Abdankungen, die Räumung besetzter Gebiete und Plätze sowie als zentrale Voraussetzung die Geldzahlungen des Heiligen Römischen Reiches an Schweden abzulaufen hatten.
mini|Reichsstadt Nürnberg, sogenannter Steckenreiter, ein Dukaten von 1650 auf den Nürnberger Exekutionstag Die schwedische Position in diesen Verhandlungen war, dass ein Abzug ihrer Truppen erst nach einer vollständigen Restitution der Reichsstände erfolgen könne, die des Kaisers war konträr.Philipp Strobl: Das Regiment Ranfft in Kärnten 1651 S. 5.
Der schwedische Verhandlungsführer Karl Gustav legte am 12. Mai 1649 eine Liste vor, auf der alle von den kaiserlichen und schwedischen Truppen besetzten Festungsorte verzeichnet waren. Er schlug vor, die Garnisonen zunächst um jeweils ein Drittel zu reduzieren. Sobald man verlässliche gegenseitige Nachricht vom Abzug erhalten habe, solle man mit dem zweiten und schließlich dem letzten Drittel fortfahren und so in drei Terminen zum vollständigen Abzug der Truppen gelangen.
Als erstes Verhandlungsergebnis wurde im September 1649bei Endres der 28. August 1649. im Großen Saal des Nürnberger Rathauses der Interimsrezeß unterschrieben, der jedoch vom Kaiser und Kurfürst Maximilian von Bayern abgelehnt wurde. Maximilian von Bayern pochte bei der pfälzischen Restitution auf den Erztruchsessentitel und das Führen des dazugehörigen Wappens. Schweden aber unterstützte die Kurpfalz. Maximilian, der wegen der finanziellen Not seines Landes bereits seine Armee abgedankt hatte und damit kein militärisches Druckmittel mehr besaß, gestand schließlich zu, dass Karl Ludwig von der Pfalz den Erztruchsessentitel bis zum Erhalt eines neuen Erzamts führen dürfe, dafür aber eine Verzichtserklärung auf die Oberpfalz unterschreiben müsse.Antje Oschmann: Der Nürnberger Exekutionstag 1649–1650. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges in Deutschland. Aschendorff, Münster 1991, ISBN 3-402-05636-4, S. 272–273.
Dieser Kompromiss brachte jedoch nicht den erhofften Durchbruch. Nach einem halben Jahr der Verhandlungen drängte das Problem der Winterquartiere für die schwedische Armee. Ursprünglich hatte man geglaubt, in sechs bis acht Wochen den Exekutionstag abschließen zu können. Zusätzlich wurden auch noch alte Restitutionsfälle aufgegriffen, die schon in Münster als unlösbar beiseite geschoben worden waren, wie z. B. der Streit um das Reformationsrecht in dem pfälzischen Kondominat Weiden-Parkstein und in dem ehemaligen böhmischen Lehen Pleystein in der Oberpfalz oder um die Restitution der früheren Reichsstadt Eger.
Gesandte beim Exekutionstag Im zeitgenössischen Flugblatt von 1650 werden die unterschreibenden Gesandten namentlich aufgezählt, ebenso in der Darstellung des Friedensmahles bei Caspar Merian.Kaspar Merian nach Joachim von Sandrart Schwedisches Friedensmahl. Die beiden Hauptgesandten Ottavio Piccolomini und Pfalzgraf Karl Gustav unterschrieben nach den anderen Gesandten separat. An der gemeinsamen Unterzeichnung am 26. Juni 1650 nahmen teil: Als kaiserliche Bevollmächtigte Isaak Volmar und Johann Krane, begleitet vom Legationssekretär Erasmus Constantin Sattler und Volmars Sekretär Hans Jacob Oexlin Als schwedische Bevollmächtigte Alexander Erskein und Bengt Gabrielsson Oxenstierna (1623–1702), begleitet vom Legationssekretär Bartholomäus von Wolffsberg und dem Schreiber Johann Hütner Für Kurmainz: Sebastian Wilhelm Meel (um 1597–1666),Meel Europeana.AT-OeStA/AVA Adel RAA 270.1Sebastian Wilhelm Meel museum digital. begleitet vom Sekretär Veit Hettinger Für Kurköln: Franz Egon von Fürstenberg-Heiligenberg (1626–1682) Für Kurbayern: Johann Georg Oexle (1605–1675)Oexle museum digital. Für Kursachsen: August Adolf von Trandorff (1600–1656)Trandorf Trandorf LEO-BW.Bernd Warlich: Trandorf [Drandorff], August Adolf Freiherr von veröffentlicht am 14. August 2010. In: Der Dreißigjährige Krieg in Selbstzeugnissen, Chroniken und Berichten. Für Kurbrandenburg: Matthaeus von Wesenbeck (1600–1659) Für den Deutschen Orden: Johann von Giffennat.museum-digital.de bei museum digital als Giesen erwähnt im Gegensatz zu Unterzeichnerliste des Flugblatts bei bavarikon. Für das Hochstift Bamberg: Cornelius Gobelius (1611–1654) Für das Hochstift Basel: Johann Franz Hettinger Für Pfalz-Neuburg: Simon del'Abrique und Wolfgang Michael Silbermann (1606–1657) Für Sachsen-Altenburg: Wolfgang Conrad von Thumbshirn (1604–1667)Thumbshirn auf Ponitz,Wolfgang Konrad von bei Internetportal Westfälische Geschichte. und für den Coburger Landesteil August Carpzov (1612–1683) Für Sachsen-Weimar und Sachsen-Gotha: Georg Achatz Heher (1601–1667) Für Brandenburg-Kulmbach und -Ansbach: Lorenz Eyselein (1619–1678)Eyselein museum digital. Für Braunschweig-Wolfenbüttel: Polycarp Heylandt (1614–1662) Für die Fürstentümer Calenberg und Lüneburg: Otto Otto von Mauderode Für das Herzogtum Württemberg: Valentin Heider Für Nassau-Saarbrücken: Karl Johann Roeder von Diersburg Für die Grafschaft Lippe: Bernhard Becker Für die Grafen von Schwarzburg: Johann Adam Sengel [von Sengelau]Sengel museum digital Sengel tripota. Für die Reichsstadt Nürnberg: Burckhard Löffelholz von KolbergLoeffelholz von Colberg, Burckhard von In: Deutsche Biographie. und Tobias Oelhafen von Schöllenbach, begleitet vom Sekretär Salomon Burger Für die Reichsstadt Köln: Franciscus Grassart und Hermann Halveren Für die Reichsstadt Frankfurt: Zacharias StenglinZacharias Stenglin Hessische Biografie. Für die Reichsstadt Colmar: Johann Balthasar Schneider und Daniel Bir Für die Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber: David Frisch Für die Reichsstadt Heilbronn: Johann Jacob Frisch und August Friedrich HeuchelinTeilnehmerliste an der Unterzeichnung des Friedensvertrages in Nürnberg für Heilbronn August Friedrich Heuchelin (Nr. 37) StadtA HN. Für die Reichsstadt Schweinfurt: Johann Höfel Für die Reichsstadt Weißenburg in Bayern: Johann Georg Roth
Weitere Gesandte und Delegationsteilnehmer, die nicht an der Unterzeichnung, aber am Friedensmahl im Herbst 1649 teilnahmen, waren:
Als Vertreter der Kaiserlichen: Hans Christoph Ranfft von Wiesenthal (1599–1660) ObristRanfft von Wiesenthal museum digital.Philipp Strobl: Das Regiment Ranfft in Kärnten 1651 – eine Mikroanalyse von Veteranen des Dreißigjährigen Krieges, Wien, 2013 S. 11–12 Porträt bei Österreichischer Nationalbibliothek.