zentriert|151px|August Bebel August Bebelwird erster Vorsitzenderder neu gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. zentriert|188px|Mount Washington Cog Railway Die Mount Washington Cog Railway auf den Mount Washington in New Hampshire, die weltweit erste Zahnradbahn, wird eröffnet. zentriert|350px|Seeschlacht von Hakodate In der Seeschlacht von Hakodate besiegt Japan zu Beginn der Meiji-Restauration die abtrünnige Republik Ezo. 1869 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1317/18 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1861/62 (10./11. September) Baha'i-Kalender 25/26 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1274/75 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2412/13 (südlicher Buddhismus); 2411/12 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr der Erde-Schlange 己巳 (am Beginn des Jahres Erde-Drache 龙辰) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1231/32 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4202/03 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1247/48 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1285/86 (12./13. April) Japanischer Kalender Meiji 2 () (ab 11. Februar) Jüdischer Kalender 5629/30 (5./6. September) Koptischer Kalender 1585/86 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1044/45 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1284/85 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2179/80 (Jahreswechsel April) Syrien: 2180/81 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1925/26 (April)
Ereignisse
Politik und Weltgeschehen
Schweiz
1. Januar: Emil Welti wird Bundespräsident der Schweiz.
31. Oktober: Bei den Schweizer Parlamentswahlen 1869 können die Freisinnigen (bzw. Radikal-Liberalen) zwar zulegen, verfehlen aber die absolute Mehrheit, während die gemäßigten Liberalen zugunsten der Demokraten und Katholisch-Konservativen einbüßen. Die Wahlen sind erstmals von der Herausbildung förmlicher Wahlprogramme geprägt, die Auswirkungen auf die politische Willensbildung in der gesamten Schweiz haben. Die Wahlkämpfe beschränken sich nicht mehr auf Rivalitäten innerhalb der Kantone und die noch immer lose organisierten politischen Gruppierungen begnügen sich nicht mehr damit, sich lediglich der Treue ihrer Anhänger zu versichern. Hauptgrund dieser Entwicklung ist die bevorstehende Revision der schweizerischen Bundesverfassung, die die Eidgenossenschaft polarisiert. Dabei stehen sich die Anhänger einer Totalrevision im zentralistischen Sinne und die föderalistisch gesinnten Befürworter einer Teilrevision gegenüber. Das neu gewählte Parlament tritt erstmals am 6. Dezember zusammen.
Norddeutscher Bund
30. Januar: Nach einer Rede Otto von Bismarcks im Preußischen Abgeordnetenhaus, in der er die Worte bösartige Reptilien verwendet, wird hinterher der Begriff Reptilienfonds geprägt. 15. März: In Preußen wird der Judeneid, den Juden in Rechtsstreitigkeiten mit Nichtjuden in einer von christlicher Seite vorgeschriebenen, häufig diskriminierenden Form zu leisten hatten, abgeschafft. 3. Juli: Die jüdische Emanzipation wird durch das Gesetz, betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung abgeschlossen. 7. August: In Eisenach wird auf Initiative von August Bebel und Wilhelm Liebknecht der Gründungskongress zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) eröffnet, aus der die deutsche SPD hervorgeht. Bebel wird zum Vorsitzenden gewählt. Mitte August: Moabiter Klostersturm
Österreich-Ungarn
9. bis 13. März: Mit der Parlamentswahl in Ungarn 1869 in Transleithanien wird der Ungarische Reichstag nach dem Klassenwahlrecht neu besetzt. Es ist die erste Wahl in Ungarn innerhalb Österreich-Ungarns. Die wichtigsten Themen sind die Legitimierung des österreichisch-ungarischen Ausgleichs von 1867 und die Stabilisierung der neuen Doppelmonarchie. Das Ergebnis der Wahl ist ein Sieg der Deák-Partei von Ferenc Deák, die 235 der 420 Sitze gewinnt. 13. Mai: Per Gesetz wird die kaiserlich-königliche Landwehr als Landstreitkraft der cisleithanischen Reichshälfte der Österreich-Ungarischen Doppelmonarchie gegründet. 14. Mai: In Cisleithanien wird mit dem Reichsvolksschulgesetz die achtjährige Schulpflicht eingeführt, die Höchstzahl von Schülern pro Klasse auf 80 begrenzt und der Kirche die Schulaufsicht entzogen.
mini|links|hochkant|Plakat zur Tabor-Kundgebung bei Vižmarje 17. Mai: Der fünfte Tabor bei Vižmarje bringt den Höhepunkt der Tabor-Bewegung der Jungslowenen. Rund 30.000 Menschen nehmen teil, darunter auch der bis dahin zurückhaltend gebliebene Altslowene Janez Bleiweis, der öffentlich die Schaffung eines einheitlichen slowenischen Verwaltungsgebiets fordert. 21. Juni: In Wien nimmt das Reichsgericht seine Tätigkeit auf, das Verfassungsgericht in Österreich-Ungarn. 13. Dezember: Der Gumpendorfer Arbeiterbildungsverein hält eine Protestkundgebung vor dem Reichsratsgebäude in Wien ab. In der Folge werden die verantwortlichen Organisatoren, unter ihnen Heinrich Oberwinder, Johann Most und Andreas Scheu, unter dem Vorwurf des Hochverrats festgenommen und im Wiener Hochverratsprozess 1870 trotz fehlender Beweise wegen ihrer „staatsgefährdenden“ Gesinnung angeklagt.
Spanien
15. bis 18. Januar: Bei den Wahlen zu den Cortes erhalten die Progressisten im Bund mit den gemäßigten Demokraten eine Mehrheit. Am 11. Februar tritt eine Verfassunggebende Versammlung (Cortes Constituyentes) zusammen. 6. Juni: Die Demokratische Verfassung der Spanischen Nation (Constitución democrática de la nación española), die eine konstitutionelle Monarchie vorsieht, wird von den Cortes beschlossen. 16. Juni: Nach dem Sturz der Königin Isabella II. im Jahr zuvor und dem Inkrafttreten einer neuen spanischen Verfassung wird von den Cortes für eine Übergangszeit Francisco Serrano Domínguez zum Regenten gewählt, der allerdings nur eingeschränkten politischen Einfluss hat. Ministerpräsident wird Juan Prim, der Führer der Progressisten, der damit die eigentlichen Regierungsgeschäfte übernimmt. Weiterhin sucht man nach einem Kandidaten für den spanischen Thron, der auf eine Mehrheit im Parlament hoffen kann.
Weitere Ereignisse in Europa
Im März und April erreicht die Belgische Eisenbahnkrise ihren Höhepunkt. Die französische Compagnie des Chemins de fer de l’Est will seit dem Vorjahr zwei Bahnstrecken im Osten Belgiens übernehmen. Die belgische Regierung vermutet, dass die französische Regierung damit indirekt Einfluss in Belgien erwerben will, und legt dem Parlament einen Gesetzentwurf vor, wonach ausländische Gesellschaften belgische Eisenbahnen nur mit Genehmigung des Staates kaufen oder finanzieren dürfen. Das Gesetz tritt am 23. Februar in Kraft. Frankreich verlangt eine Rücknahme des Gesetzes und verdächtigt Preußen, hinter dem belgischen Widerstand zu stehen. Nach längeren Verhandlungen und Interventionen, an denen auch Preußen und Großbritannien beteiligt sind, lenkt Frankreich am 27. April schließlich ein. Der französische Kaiser Napoleon III. unternimmt den Versuch, ein Bündnis mit Österreich-Ungarn und Italien herzustellen. Der Dreibundplan, den sich Frankreich und Österreich-Ungarn bereits verständigt haben, wird dem König von Italien am 20. Mai vorgelegt. Im Herbst tauschen die drei Monarchen Briefe über das Verhandlungsergebnis aus. Napoleon III. und Franz Joseph I. sichern einander zu, vor Verhandlungen mit einer fremden Macht den jeweils anderen zu konsultieren. Nur Napoleon verspricht sofortige Hilfe im Kriegsfall. König Viktor Emanuel II. bleibt bei seinem Wunsch nach einem Dreibund, die Unterzeichnung könne aber nur nach einer Lösung der römischen Frage erfolgen. Danach werden die Verhandlungen zum Dreibund ergebnislos eingestellt. Sommer/Herbst: Nach einer neuerlichen Verschärfung der britischen Contagious Diseases Acts wehren sich erstmals Frauen aller Schichten gegen die Erlasse, die Prostituierte kriminalisieren und Polizeibeamten weitgehende Rechte einräumen, Frauen und Mädchen, die scheinbar oder tatsächlich der Prostitution nachgingen, aufzugreifen, sie zu internieren und anzuordnen, dass sie sich einer gynäkologischen Untersuchung zu unterziehen haben, dabei die Kunden aber unbehelligt lassen. Eine von 140 Frauen unterzeichnete Petition zur Abschaffung der Contagious Diseases Acts zählt zu den Gründungsdokumenten des modernen Feminismus. Leitfigur der Kampagne ist Josephine Butler.
Amerika
26. Februar: Der US-Kongress schlägt einen Zusatzartikel zur US-Verfassung vor, um das Wahlrecht der männlichen Afroamerikaner zu schützen, der am 3. Februar 1870 als 15. Zusatzartikel ratifiziert wird.
mini|links|hochkant|Ulysses S. Grant im Weißen Haus mini|Feierlichkeiten zu Grants Amtseinführung 4. März: Ulysses S. Grant beginnt seine Tätigkeit als 18. US-Präsident. Er löst Andrew Johnson ab. Vizepräsident während seiner ersten Amtszeit ist Schuyler Colfax. März: Ely Samuel Parker wird als erster Indigener zum Leiter des Bureau of Indian Affairs ernannt. 12. April: In der am 5. Februar verhandelten Rechtssache Texas v. White stellt der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten fest, dass Texas seit seinem Eintritt in die Union immer Teil der Vereinigten Staaten war, obwohl es sich im Bürgerkrieg der Konföderation angeschlossen hat. Des Weiteren stellt das Gericht fest, dass es nach der Verfassung einem Bundesstaat nicht möglich ist, durch einseitige Erklärung die Abspaltung von den Vereinigten Staaten herbeizuführen. Das von Salmon P. Chase verfasste Urteil wird seitens vieler Texaner deshalb in Frage gestellt, da Chase selbst als Kabinettsmitglied Lincolns eine führende Rolle in der Union innehatte. Auch nach Rechtskraft des Urteils bleibt es umstritten. Frauenwahlrecht außerhalb Europas/Frauenwahlrecht in den Vereinigten Staaten mit Puerto Rico: Das Wyoming-Territorium führt das Frauenwahlrecht ein. Der Montana Gold Rush endet. Red-River-Rebellion in Kanada
Japan
4. Mai: Die mehrtägige Seeschlacht von Hakodate zwischen Schiffen des japanischen Kaisers Meiji und Schiffen der abgespaltenen Republik Ezo beginnt. Sie endet am 10. Mai mit einem entscheidenden Sieg der Kaiserlich Japanischen Marine. 18. Mai: Die Festung Goryōkaku kapituliert vor den kaiserlichen Truppen. 20. Juni: Hijikata Toshizō wird als einer der letzten gegen die Meiji-Restauration kämpfenden Generale in der Schlacht getötet. 27. Juni: Die seit dem Vorjahr abgespaltene Republik Ezo unter Präsident Enomoto Takeaki kapituliert und wird in das Kaiserreich Japan eingegliedert.
Afrika
Nachdem nahe dem Oranjefluss in Südafrika Diamanten im Muttergestein gefunden werden, setzt ein Goldrausch ein. Innerhalb kurzer Zeit entsteht der Ort New Rush, das heutige Kimberley.
Wirtschaft Finanzkrisen und Goldrausch
mini|Die beiden Finder mit ihren Frauen und dem Goldklumpen 5. Februar: Bei Moliagul im Central Goldfields Shire des australischen Bundesstaats Victoria finden zwei Bergleute den bislang größten Goldklumpen der Welt, den sie Welcome Stranger nennen. 24. September: Spekulationen durch James Fisk und Jay Gould auf dem amerikanischen Goldmarkt und Gegenmaßnahmen der Regierung führen zu einer Finanzkrise, die als zweite den Namen „Schwarzer Freitag“ erhält.
Messen und Ausstellungen
mini|links|Ansicht der Gartenbauausstellung, Farblithographie von Julius Schöpel 2.–12. September: In Hamburg findet auf dem Gelände des Stintfangs und des Alten Elbparks die Internationale Gartenbauausstellung 1869 statt, die erste Internationale Gartenbauausstellung auf deutschem Boden. Die gärtnerische Planung wird von Friedrich Jürgens durchgeführt, die Ausstellungshallen stammen von Martin Haller. Aussteller aus 11 Nationen beteiligen sich.
Patente
23. März: Carl Graebe und Carl Liebermann melden ein Patent zur Herstellung von Alizarin an. Die Entwicklung der technischen Synthese für das als Farbmittel verwendete Erzeugnis führt in der Folge zum Erliegen des Anbaus von Färberkrapp.