Sulfinsäure und Sulfinate 90px|Allgemeine Struktur der Sulfinsäure mit der blau markierten Sulfin-Funktion. R ist ein organischer Rest.Sulfinsäure 120px|Allgemeine Struktur von SulfinsäuresalzenSulfinateR ist eine Organylgruppe. Die funktionelle Gruppe ist blau markiert.
Sulfinsäuren sind eine Klasse von chemischen Verbindungen mit organisch gebundenem Schwefel und Sauerstoff der allgemeinen Struktur R–S(=O)–OH, dabei ist R ein Alkyl- oder Arylrest. Die Grundsubstanz Sulfinsäure besitzt die Struktur H–S(=O)–OH und ist tautomer zur Sulfoxylsäure. Die Salze der Sulfinsäuren sind die Sulfinate.
Darstellung Säuren Sulfinsäuren, die als Zwischenstufe bei der Oxidation von Thiolen auftreten, können nicht isoliert werden. Zugänglich sind Sulfinsäuren durch
Grignard-Reaktion, in der ein metallorganisches Reagenz mit Schwefeldioxid reagiert
rahmenlos|hochkant=2.6|Herstellung von Sulfinsäuren mit Hilfe von Grignard-Verbindungen
oder durch Reduktion von Sulfonylchloriden mittels Zinkstaub.
rahmenlos|hochkant=1.3|Herstellung von Sulfinsäuren durch Reduktion von Sulfonylchloriden
Ester Sulfinsäureester lassen sich gut herstellen durch Reaktion von Disulfiden mit N-Bromsuccinimid in Gegenwart des esterbildenden Alkohols. Die Reaktion mit primären Alkoholen gelingt gut, bei sekundären Alkoholen wirkt sich ein Zusatz einer kleinen Menge an Kaliumcarbonat günstig aus. Dichlormethan kann als Cosolvens dienen. Alkohole, die mit dem Halogenierungsmittel direkt reagieren, sind für diese Methode ungeeignet. Die benötigten symmetrischen Disulfide lassen sich bequem durch oxidative Kupplung von Thiolen mit Luftsauerstoff herstellen.
Eigenschaften Die niedermolekularen Vertreter sind viskose Öle, die höheren Homologen sind kristalline Stoffe, die meisten sind gut wasserlöslich. Viele Sulfinsäuren sind instabil. Alle Sulfinsäuren werden von Luftsauerstoff zu Sulfonsäuren oxidiert. Auch unter Luftausschluss disproportionieren sie allmählich.
Sulfinsäuren sind mittelstarke Säuren (pKS ≈ 2–3) und bilden stabile Salze, die Sulfinsäuresalze.Wissenschaft-Online-Lexika: Eintrag zu „Sulfinsäuren“ im Lexikon der Chemie, abgerufen am 17. Februar 2013. Weitere stabile Derivate sind beispielsweise die als cyclische Ester aufzufassenden Sultine.
Reaktionen Säuren Eine Behandlung mit Reduktionsmitteln wie nascierendem Wasserstoff – etwa aus Zink und Salzsäure – führt zu Thiolen:
rahmenlos|hochkant=1.1|Reduktion von Sulfinsäuren zu Thiolen
Mit Halogenalkanen reagieren die Sulfinsäuresalze zu Sulfonen:
rahmenlos|hochkant=1.6|Reaktion von Sulfinsäuresalzen mit Halogenalkanen zu Sulfonen
Bei der Reaktion mit Thionylchlorid entstehen aus Sulfinsäuren die Sulfinsäurehalogenide (Sulfinylhalogenide); diese sehr reaktiven Substanzen können – z. B. durch Einwirkung von Triethylamin – zu ketenanalogen Sulfinen (nach IUPAC Thioaldehydoxide und Thioketonoxide) umgesetzt werden:
rahmenlos|hochkant=2.45|Reaktion von Sulfinsäuren mit Thionylchlorid zu Thioaldehydoxide
Ester Reaktive Aromaten lassen sich nach Art der Friedel-Crafts-Reaktion sulfinylieren. Sulfinsäurester sind geeignet, die empfindlicheren Sulfinylchloride in der Friedel-Crafts-Sulfinylierung zu ersetzen. Die Reaktion vollzieht sich unter milden Bedingungen.
Einzelnachweise
Kategorie:Stoffgruppe Sulfinsauren Sulfinsauren Sulfinsäuren