Die Feuerwehr Duisburg, bestehend aus der 1904 gegründeten Berufs- und der 1859 ins Leben gerufenen Freiwilligen Feuerwehr, der die Jugendfeuerwehr angegliedert ist, ist als kommunales Amt für den Brand- und Katastrophenschutz, sowie den Rettungsdienst in der nordrhein-westfälischen Stadt Duisburg verantwortlich. Um ihre Aufgaben zu erfüllen, stehen den 1100 hauptamtlichen und ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen 220 Fahrzeuge und Anhänger zur Verfügung, die auf sechs Feuer- und Rettungswachen, eine Hafenwache, sechs Rettungswachen, eine Rettungshubschrauberstation und 26 Ortsgruppen der Freiwilligen Feuerwehr verteilt sind. Jährlich müssen die Einsatzkräfte bis zu 100.000 Einsätze ableisten. Bekannt wurde die Feuerwehr Duisburg durch ihre Fahrzeugentwicklungen ab den 1960er Jahren, als sie entscheidend an der Entwicklung der Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugen und Wechselladerfahrzeugen beteiligt war.

Geschichte 19. Jahrhundert bis 1945 Bevor es in Duisburg zur Gründung der Feuerwehr kam, wurden Brände traditionell mit Eimern und später zusätzlich mit Handdruckspritzen gelöscht, die in den meisten Fällen ein Übergreifen der Flammen zwar verhinderten; ein Löscherfolg war nur in wenigen Fällen zu verbuchen. Hierbei war die Bevölkerung in die Löscharbeiten eingebunden. So hatte jeder Haushalt einen Löscheimer und eine Laterne bereitzuhalten, im Brandfall führten die Männer die Brandbekämpfung durch. Später stellte die Stadt Feuerspritzen, -leitern und -haken. In einigen Orten schlossen sich Gilden zusammen, welche der Bevölkerung bei Notlagen, Bränden oder Hochwassern zur Hilfe kamen und dabei auf das zur Verfügung gestellte Gerät zurückgriffen. Zu dieser Zeit regelten Feuerschutzverordnungen den vorbeugenden Brandschutz und die Löscharbeiten.Löschgruppe 201 Freiwillige Feuerwehr Duisburg: Ein Blick zurück in die Geschichte der Löschgruppe

Durch die einsetzende Industrialisierung im Ruhrgebiet im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt besonders innerhalb der Stadtmauern. Die daraus resultierenden steigenden Bevölkerungszahlen und neu entstehenden Gebäude erschwerten den Feuerschutz zusehends. Daraufhin forderten Mitglieder der Duisburger Turnvereines von 1848, inspiriert von süddeutschen Turnvereinen, im Jahr 1853 erstmals eine Feuerwehr zu gründen, die entsprechend ausgerüstet und ausgebildet war. Sechs Jahre später wurde die erste Feuerwehr in Duisburg gegründet, die bereits ein Jahr nach der Gründung eine Saugbrandspritze erhielt, dennoch fehlte es an weiteren notwendigen Ausrüstungsgegenständen. Aus diesem Grund war die Bevölkerung geteilter Meinung, was die Feuerwehr anging.

Fünf Jahre nachdem die Turnerfeuerwehr ins Leben gerufen worden war, gründete sich die erste städtische Freiwillige Feuerwehr. In den Stadtteilen Duissern (1865), Neudorf und Hochfeld (beide 1869) sowie Neuenkamp (1872) entwickelten sich ebenfalls Freiwillige Feuerwehren. Sie bestanden zumeist aus Handwerkern, die den Brandschutz vor Ort sicherstellen wollten. Im Jahr 1876 wurde die städtische Feuerwehr umstrukturiert, da die Einrichtung von Wasserleitungen eine neue Feuerlöschordnung erforderte. Die Kompanien der Innenstadt wurden zum Rettungscorps, die Kompanien Duissern und Neudorf zu Spritzenzügen. Im Jahr 1908 erfolgte die Umbenennung in Löschzug.W. Furthmann:

Die Feuerwehren waren mittlerweile für die damalige Zeit gut ausgerüstet und organisiert. Bedingt durch die dynamische Entwicklung der Stadt außerhalb der Stadtmauern vergrößerte sich das Arbeitsgebiet und die Anzahl der Einsätze für die Freiwillige Feuerwehr nahm zu. Sie rückte im Jahr 1902 zu 232 Einsätzen aus, ein Jahr später wurden rund 300 Alarmierungen gezählt.Moritz Ballensiefen; Die Duisburger Feuerwehr feiert 100-jähriges Bestehen mit einer Festwoche – Wählscheibe führte zum Einsatz, Rheinische Post, Lokalausgabe Duisburg, März 2004. Der Ruf nach einer Berufsfeuerwehr seitens der Bevölkerung wurde immer lauter. Ein Großbrand im Jahr 1903, bei dem zwei Kinder starben, gab schließlich den Ausschlag. Noch im selben Jahr wurden die Gründung der Berufsfeuerwehr und der Bau einer neuen Feuerwache beschlossen. Die bis dahin acht Freiwilligen Feuerwehren sollten jedoch erhalten bleiben und die Berufsfeuerwehr bei ihren Einsätzen unterstützen. Am 9. April 1904 traten die ersten 14 Männer der neuen Wache an der Friedenstraße ihren Dienst an. Ihr Löschzug wurde zwar nach wie vor von Pferden gezogen, dafür wurde die Alarmierung verbessert, indem die Alarmglocken der Freiwilligen Feuerwehr mit denen der Berufsfeuerwehr verbunden wurden. Zwei Jahre später vergrößerte sich das Aufgabenfeld der Berufsfeuerwehr, als diese die Aufgabe des Krankentransportes übernahm.Urs Weber: Feuerwehr Duisburg, Feuerwehr Fachzeitschrift (FFZ), Ausgabe Dezember 2005.

mini|Brand im Innenhafen um 1930 Während des Ersten Weltkrieges waren viele Mitglieder der Feuerwehr im Kriegsdienst, die im Krieg fielen oder nicht mehr der Feuerwehr beitraten. Die Geldentwertung erschwerte den Kauf von Geräten, sodass die notwendigsten Gerätschaften selbst gebaut wurden. Besonders die Freiwillige Feuerwehr litt unter den Nachwehen des Krieges, da sich anfangs nur wenige für den Dienst in der Feuerwehr begeisterten. Dabei wuchs das Duisburger Stadtgebiet durch die Eingemeindung von Ruhrort (1905), Hamborn und dem heutigen Duisburger Süden (1929) und somit das Einsatzgebiet für die Feuerwehr. Als Konsequenz wurde die Berufsfeuerwehr mehr und mehr und verstärkt, und in Ruhrort wurde im Jahr 1920 die Feuerwache 2 in Betrieb genommen. Später wurde die Wache der Freiwilligen Feuerwehr Hamborn ständig besetzt. Im Jahr 1929 bestand die Berufsfeuerwehr bereits aus 84 Mitarbeitern, die Freiwillige Feuerwehr aus 30 Löschzügen und Kompanien.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden die Wehrführer nicht mehr gewählt, sondern durch die Behörden bestimmt, des Weiteren wurde die Feuerwehr der Polizei untergeordnet. Mit dem Gesetz über das Feuerlöschwesen vom Dezember 1939 wurde die Feuerwehr neu geordnet und die Turnerwehr vom Turnverein gelöst. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sorgte dafür, dass viele Feuerwehrmänner zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Bedingt durch die Tatsache, dass Duisburg wegen seiner Rüstungsindustrie ein primäres Angriffsziel für Luftangriffe war, wurden die verbliebenen Feuerwehrleute zu zahlreichen Einsätzen gerufen. Unterstützt von Jungen der Hitlerjugend, waren die Einsatzkräfte lediglich mit Handkarren und -pumpen ausgestattet. Dabei riskierten sie oftmals ihr Leben, als sie noch während der Luftangriffe ausrückten.Ursula Sabel: Luftangriffe auf Duisburg, im Portal Lebendiges Museum Online (LeMO). Am 14. Oktober 1944 erfolgte der schwerste Luftangriff.Ausstellung des Stadtmuseums 2004/2005: Der Luftkrieg und die Stadt 1940 bis 1960. Dieser bewirkte den vollständigen Zusammenbruch der Gasversorgung und den fast vollständigen Zusammenbruch der Strom- und Wasserversorgung..

Nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sowohl die Berufs- als auch die Freiwillige Feuerwehr am 11. Juni 1945 durch den Bürgermeister neu organisiert, um eine schlagkräftige Feuerwehr aufzubauen. Unter anderem wurde die Turnerwehr nach 86 Jahren mit der städtischen Freiwilligen Feuerwehr zusammengelegt. Zunächst verlief der Wiederaufbau schleppend, da ein Großteil der Fahrzeuge und Feuerwehrhäuser zerstört war. Teilweise nutzte die Feuerwehr alte Militärfahrzeuge zum Transport von Gerätschaften und Mannschaft. Doch mit dem Wirtschaftswunder setzte eine rasante Entwicklung bei der Duisburger Feuerwehr ein. Durch die dynamische Entwicklung der Industrie und das damit erneut verbundene Bevölkerungswachstum stiegen die Anforderungen und Aufgaben. Unter anderem wurden die technische Hilfe und der Umweltschutz zu wichtigen Aufgaben der Feuerwehr. Um der Entwicklung standzuhalten, wurde bereits 1953 eine UKW-Funksprechanlage angeschafft. Zudem stellte die Feuerwehr Anfang der 1960er Jahre ein Feuerlöschboot, einen Kranwagen und ihren ersten Notarztwagen in Dienst. Außerdem wurden mit der Feuerwache Süd (1964) und der Hafenwache (1969) im Duisburger Binnenhafen neue Standorte eingerichtet. Mit der kommunalen Neuordnung 1975 vergrößerte sich das Stadtgebiet um die Städte Walsum, Homberg und Rheinhausen, sowie die Orte Rumeln-Kaldenhausen und Baerl. Die ständig besetzten Wachen der ehemaligen Städte wurden zu neuen Berufsfeuerwachen, mehrere Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr wurden zusammengelegt. Im selben Jahr wurde das Luftrettungszentrum Duisburg eröffnet, an dem der Rettungshubschrauber Christoph 9 stationiert wurde.

Die neuen Anforderungen sorgten dafür, dass ihnen der neue Fuhrpark angepasst wurde. Mit den genormten Löschfahrzeugen sah sich die Duisburger Feuerwehr nicht mehr in der Lage, eine effektive Hilfe zu leisten, und begann bereits im Jahr 1962 mit der Entwicklung eines kombinierten Fahrzeugs für Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung, womit sie Pionierarbeit auf diesem Gebiet leistete. Ende 1969 konnten drei Löschgruppen-Hilfeleistungsfahrzeuge (LF-HI) in Dienst gestellt werden, die von zwei Großtanklöschfahrzeugen, die bis zu 8000 Liter Wasser fassen konnten, ergänzt wurden. Durch die zusätzlich benötigten Geräte stiegen die Anschaffungskosten. Mithilfe eines Wechselladersystems sollte im Einsatzfall der Nachschub an Einsatzmitteln sichergestellt werden und dadurch die Fahrgestelle für Sonderfahrzeuge eingespart werden. Als zweite Kommune nach Mannheim stellte die Feuerwehr Duisburg 1970 ihren ersten Absatzkipper ein, 1974 folgte der erste Abrollkipper. Durch die Wirtschaftskrise war die Stadt Duisburg zum Sparen gezwungen. Dadurch wurde das Wechselladersystem weiter bearbeitet, sodass die Feuerwehr Duisburg-Mitte der 1980er Jahre elf Wechsellader, darunter drei allradfähige vierachsige MAN-Fahrgestelle, und etwa 40 Container besaß. Zeitgleich wurden die Löschzüge der Berufsfeuerwehr mit einheitlichen Löschfahrzeugen auf dreiachsigen Fahrgestellen ausgestattet. Die als Tanklöschfahrzeug 5000 Hilfeleistung (TLF 5000 H) bezeichneten Fahrzeuge, die die Nachfolger der LF-HI darstellten, besaßen eine umfangreiche Ausrüstung für die Brandbekämpfung und die technische Hilfe sowie einen 5000 Liter fassenden Wassertank. Die große Wassermenge wurde gewählt, weil die Mannschaft der Löschfahrzeuge von einer Gruppe auf eine Staffel reduziert wurde, der in der ersten Phase eines Löschangriffes ausreichend Wasser zur Verfügung stehen sollte, ohne eine Wasserverbindung zum Fahrzeug aufbauen zu müssen. Außerdem sorgten zwei Großbrände im Hafen dafür, dass so ein großer Tankinhalt gewählt wurde. 1984 stellte die Berufsfeuerwehr Duisburg die Weiterentwicklung des TLF 5000 H in Dienst. Das Fahrzeug verfügte über eine zusätzliche Vorderachse, um die Hinterachsen zu entlasten. Doch wegen seiner Länge von fast 10 Metern wurde nur ein neues TLF in Dienst gestellt. Ende der 1980er Jahre stellte die BF Duisburg zudem drei Vorauslöschfahrzeuge auf MAN-Fahrgestellen der Bundeswehr in Dienst. Die Fahrzeuge wurden vor allem für den schnellen Einsatz auf der Autobahn und zur Unterstützung der Tanklöschfahrzeuge angeschafft.Friedel Fiedler, blaulicht-Sonderheft Feuerwehr Duisburg, Verlag Friedel Fiedler, 1988

Im Jahr 1995 wurde im Stadtteil Duissern die neue Hauptfeuerwache eingeweiht, zwei Jahre später wurde die neue Hafenwache in Ruhrort eingeweiht. Im Jahr 2002 stellte die Feuerwehr den Rettungsdienst auf das neue Rendezvous-System um. Seitdem werden anstatt eines Notarztwagens Notarzteinsatzfahrzeuge und Rettungswagen an verschiedenen Standorten gleichzeitig alarmiert, wodurch der Notarzt flexibler einsetzbar ist. Beide treffen am Einsatzort zusammen.