mini|Gilʿad Schalit, am 18. Oktober 2011, dem Tag seiner Freilassung Gilʿad Schalit (; * 28. August 1986 in Naharija, Israel) ist ein ehemaliger israelischer Soldat im Range eines Oberfeldwebels (Rav-Samal) aus Mitzpe Hillah in West-Galiläa. Er wurde am 25. Juni 2006 durch Terroristen der Hamas in Israel entführt und anschließend über die Demarkationslinie an einen unbekannten Ort im Gazastreifen gebracht, wo er über fünf Jahre verbrachte, bis er am 18. Oktober 2011 im Rahmen eines Gefangenenaustausches freigelassen wurde.

Nach dem Bekanntwerden des Zwischenfalls drangen israelische Truppen wenige Tage später mit einer Militäroffensive in den Gazastreifen ein.BBC News: Israeli forces enter north Gaza. 29. Juni 2006 Im Oktober 2006 bestätigte das palästinensische Volkswiderstandskomitee, dass Schalit am Leben sei und ihm kein Leid geschehe.Ynetnews: PRC: No plan to kill Gilad Shalit. 5. November 2006

Am 17. Januar 2007 erklärte eine der drei an der Gefangennahme beteiligten Gruppen, die von Mumtaz Dormush angeführte Dschaisch al-Islam, dass Schalit allein von der Hamas gefangengehalten werde.Haaretz: 18. Januar 2007 Am 25. Juni 2007, dem ersten Jahrestag der Gefangennahme, verbreitete Hamas eine Audioaufnahme mit einer von Schalit gesprochenen Botschaft.Haaretz: Hamas airs 'first Shalit message'. 25. Juni 2007 Ein Besuch Schalits durch Vertreter des IKRK wurde von Seiten der Hamas stets abgelehnt.n-tv: Israel und Hamas: Waffenstillstand absurd. 18. Dezember 2008

Die Gefangennahme und Festsetzung Schalits wurde international verurteilt, zahlreiche Regierungen und Menschenrechtsgruppen forderten seine Freilassung. In Israel war das Schicksal Schalits ein gesellschaftliches und mediales Dauerthema. An den Jahrestagen der Gefangennahme fanden große Kundgebungen statt, bei denen Tausende zuletzt auch gegen die Regierung Netanjahu protestierten. Gelbe Schleifen wurden nach seiner Entführung zum Symbol für die Hoffnung der Israelis auf Schalits Befreiung.Tie a Yellow Ribbon: Israeli Mothers Hold Protest Calling for Gilad Shalit's Release. Haaretz, 29. Juni 2008. Abgerufen am 9. April 2026.

2011 einigten sich die israelische Regierung und die Hamas auf einen Gefangenenaustausch, wodurch Schalit am 18. Oktober des Jahres nach Israel zurückkehren konnte. Im Gegenzug wurden 1027 palästinensische Häftlinge freigelassen. (477 am 18. Oktober und 550 am 18. Dezember 2011)Frankfurter Allgemeine Zeitung: https://www.faz.net/aktuell/politik/soldat-gilad-schalit-hamas-kuendigt-freilassung-an-11490091.html, 11. Oktober 2011.Second stage of Shalit swap complete as 550 Palestinian prisoners released. Ha-Aretz am 18. Dezember 2011, darunter u. a. Yahya Sinwar, der spätere Chef der Hamas im Gazastreifen. Einer der maßgeblichen Hintermänner der Gefangennahme, der Palästinenser Zuher al Kesi, wurde im März 2012 bei einer gezielten Aktion der israelischen Luftwaffe getötet.Israelisches Militär tötet Entführer von Gilad Schalit. Hamburger Abendblatt am 10. März 2012 Ein weiterer Verantwortlicher, Ahmed al-Dschabari, wurde im November 2012 von einer israelischen Rakete getötet.Ahmed al-Dschabari: Das Ende des Hamas-Generals. mini|Gilʿad Schalit auf einem Poster der Hamas (2007)

Werdegang Der Israeli Gilʿad Schalit ist über seine französische Großmutter väterlicherseits zudem auch Franzose.Porträt: Gilad Shalit. In: Wiener Zeitung vom 30. Juni 2006, abgerufen am 4. August 2014Gilad Shalit, un ôtage franco-israélien. In: La Croix vom 12. Oktober 2011, abgerufen am 4. August 2014 (französisch) Er hat einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Kurz nach dem Abitur mit dem Schwerpunkt auf naturwissenschaftlichen Fächern begann er knapp ein Jahr vor seiner Gefangennahme seinen Grundwehrdienst und wurde dann zu einer Panzereinheit versetzt.dpa via Yahoo Nachrichten: , 28. Juni 2006

Gefangennahme und Ultimatum Am frühen Morgen des 25. Juni 2006 drangen militante Freischärler durch einen selbstgegrabenen Tunnel in der Nähe von Kerem Schalom auf israelisches Gebiet vor und überfielen einen dort stationierten Posten. Bei dem Zwischenfall wurden zwei Soldaten der israelischen Armee getötet und vier weitere verletzt. Schalit selbst erlitt bei dem Gefecht eine Schulterverletzung und brach sich die linke Hand und den rechten Zeigefinger.Jerusalem Post: Shalit's health better than first feared, 29. Juni 2006 Am 18. Oktober 2012, ein Jahr nach Schalits Freilassung, veröffentlichte die Hamas einen 45-minütigen Film mit Interviews der Entführer, in dem Details bekanntgegeben wurden. Sieben Hamas-Mitglieder seien per Losverfahren für die Operation ausgewählt und speziell trainiert worden, um einen israelischen Soldaten lebend zu entführen.Hamas releases film recounting details of Gilad Shalit kidnapping. Haʾaretz, 18. Oktober 2012

Zu der Aktion bekannten sich einen Tag später die Kassam-Brigaden, das Volkswiderstandskomitee und die zuvor nicht bekannte Gruppe Dschaisch al-Islam. In der Verlautbarung wurde die Freilassung aller in Israel inhaftierten weiblichen und minderjährigen palästinensischen Häftlinge im Austausch gegen Informationen über das Schicksal Schalits gefordert.CNN: , 26. Juni 2006

Nach dem Beginn der israelischen Militäroperation weiteten die Militanten am 1. Juli ihre Forderungen dahingehend aus, dass zusätzlich die Freilassung von 1000 palästinensischen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen und die Einstellung der am 28. Juni gestarteten Operation Sommerregen gefordert wurde.Reuters: FACTBOX-The crisis over Israel's captured soldier. 2. Juli 2006 Zwei Tage später wurde ein Ultimatum von 24 Stunden gestellt, wobei mit nicht näher spezifizierten Konsequenzen gedroht wurde, falls Israel die Forderungen ablehne.Reuters: Palestinian militants issue ultimatum to Israel. 3. Juli 2006 Israel wies das Ultimatum zurück und stellte heraus, dass es keine Verhandlungen zur Freilassung der Häftlinge geben werde.

Im Oktober 2008 berichtete die Zeitung Maariv, dass die israelische Armee bereits vor der Gefangennahme Schalits Geheimdienstinformationen zu einer geplanten Aktion hatte und deswegen in der Nacht des 23. Juni 2006 die zwei Brüder Mustafa und Osama Muammar in der Nähe von Rafah festgenommen sowie nach Israel gebracht hatte. Gemäß dem Artikel habe Mustafa in der folgenden Nacht dem Inlandsgeheimdienst im Verhör gestanden, dass eine Entführung geplant sei. Trotzdem war die Armee nicht gewarnt worden. Am nächsten Tag – bereits nach der Gefangennahme von Schalit und unter Anwendung „außergewöhnlicher Verhörmethoden“ – gab Mustafa dann alle Details bekannt, obwohl ihm nicht gesagt worden war, dass die Aktion bereits stattgefunden hatte. Die israelische Tageszeitung Haaretz kritisierte im Jahr 2008 diesbezüglich, dass die Gefangennahme hätte verhindert werden können, wenn die Informationen bereits 24 Stunden zur Verfügung gestanden hätten, zumal die Festnahme der Brüder um genau dieses Zeitfenster verschoben worden war. : The 24 hours that could have saved Gilad Shalit. 12. Oktober 2008

Befreiungsversuche Am 28. Juni 2006 drangen israelische Truppen bei Chan Yunis in den Gazastreifen ein, um nach Gilʿad Schalit zu suchen. Ein Sprecher der israelischen Botschaft in Washington, D.C. erklärte: „Israel hat alles getan, was es konnte, indem es alle diplomatischen Möglichkeiten ausnutzte und Mahmud Abbas die Möglichkeit gab, den entführten Israeli zurückzugeben. […] Die Operation kann sofort beendet werden, bedingt auf die Freilassung von Gilʿad Schalit.“Bloomberg: Israeli Army Enters Gaza to Find Kidnapped Soldier (update 2). 28. Juni 2006

Einen Tag später gab Brigadegeneral Miri Regev bekannt, dass die IDF „nicht überzeugt ist, dass er in Südgaza gefangen gehalten wird [… nur] dass er in Gaza gefangen gehalten wird“. Regev reagierte auf einen Bericht der Israel Broadcasting Authority, nach dem Schalit in Rafah festgehalten werde.Israel Broadcasting Authority, Today in the News. 29. Juni 2006

Die BBC meldete am 1. Juli 2006 unter Berufung auf palästinensische Quellen, dass Schalit medizinisch behandelt worden sei, dies wurde aber von palästinensischer Seite dementiert.BBC News: Israel soldier medic claim denied. 1. Juli 2006 Israelische Regierungsstellen drohten, dass „der Himmel einstürzen wird“, sollte Schalit Leid geschehen.Times of Oman: Israel: ‘Sky will fall’ if soldier is harmed. 5. Juli 2006

Die israelische Armee führte in der Folgezeit wiederholt Militäraktionen im Gazastreifen durch, um Schalit zu befreien, konnte dieses Ziel jedoch nicht erreichen. Im Verlauf der Operation Herbstwolken, die sich auf die Stadt Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen konzentrierte, warf die palästinensische Seite Israel indirekt vor, durch die Militäraktion das Leben Schalits zu gefährden. Das Volkswiderstandskomitee relativierte aber daraufhin diese Aussage dahingehend, dass die israelischen Bomben und Mörsergranaten den Aufenthaltsort Schalits treffen könnten. , 5. November 2006

Am 7. September 2007 ergriffen als palästinensische Polizisten verkleidete israelische Spezialkräfte den Palästinenser Mahawash al-Qadi in seinem Auto bei Rafah und brachten ihn nach Israel. Er gestand, bei der Beschaffung des Grundstückes für den bei der Aktion benutzten Tunnel beteiligt gewesen zu sein, konnte aber den Aufenthaltsort Schalits nicht nennen. Die Hamas verlegte Schalit sofort nach dem Vorfall an einen anderen Ort und forschte nach möglichen Kollaborateuren. Al-Qadi wurde für seine Beteiligung am Bezirksgericht von Beʾer Scheva verurteilt und kam im Zuge des späteren Gefangenenaustausches frei. Die Umstände der Verhaftung durften wegen einer Nachrichtensperre erst im Dezember 2011 in Israel publik gemacht werden, die palästinensische Presse berichtete umfassend über den Vorfall.Israel publicizes 2007 arrest of alleged Shalit kidnapping accomplice. Ha-Aretz am 14. Dezember 2011

Diplomatie mini|Plakat auf einer pro-israelischen Demonstration in Berlin (2009) mini|Schalits Eltern bei einem Solidaritätskonzert des Israel Philharmonic Orchestra

Ein Versuch des Apostolischen Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco, unmittelbar nach der Gefangennahme die Freilassung Schalits zu verhandeln, scheiterte.Jerusalem Post: Pope's rep tried for Shalit's release., 19. Juli 2006

Israel lehnte zunächst Verhandlungen mit der von Hamas geführten palästinensischen Regierung über einen Gefangenenaustausch ab. Nach dem Ende des Libanonkrieges 2006 und den Streitigkeiten zwischen Fatah und Hamas über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit kam jedoch Bewegung in die festgefahrene Situation. Über Ägypten als Vermittler führte Israel indirekte Verhandlungen mit den Palästinensern.

Israel beharrte darauf, dass zunächst Schalit freigelassen werden müsse, bevor Israel mit einem gewissen zeitlichen Abstand die palästinensischen Häftlinge entlassen werde. Am 26. Oktober 2006 wurde berichtet, dass der Führer von Hamas, Chalid Maschal, sich vorbereite, zu Verhandlungen nach Kairo zu reisen. In der Woche zuvor war der israelische Minister für Infrastruktur, Benjamin Ben-Eliezer, in Kairo gewesen und hatte die Zustimmung zu den von Ägypten ausgearbeiteten Rahmenbedingungen erteilt, ohne jedoch in Details zu gehen.Reuters: , 26. Oktober 2006

Das Volkswiderstandskomitee verlautbarte am 28. Oktober, dass alle drei an der Gefangennahme beteiligten Organisationen mit dem Vorschlag der ägyptischen Vermittler einverstanden seien, was die Freilassung Schalits und der palästinensischen Häftlinge angehe.al-Dschasira: , 31. Oktober 2006

In einem Interview mit der in Beirut erscheinenden arabischen Zeitung Al-Hayat räumte Ismail Haniya Ende Januar 2007 ein, dass die Verhandlungen über den Gefangenenaustausch mit Israel „komplex und schwierig“ seien. Ein Sprecher des Volkswiderstandskomitees schob die Schuld auf Israel, welches den ägyptischen Kompromissvorschlag nicht angenommen habe.Jerusalem Post: Haniyeh: Shalit deal needs lots of work., 27. Januar 2007