Sopron [], (alte deutsche Schreibform: Oedenburg), burgenländisch-kroatisch Šopron, ist eine Stadt mit Komitatsrecht im Nordwesten von Ungarn, südwestlich des Neusiedler Sees. Sie hat heute über 60.000 Einwohner und liegt im Komitat Győr-Moson-Sopron. Das Stadtgebiet wird von der Ikva durchflossen und ragt wie ein Sporn in österreichisches Staatsgebiet.
Sopron ist eine der ältesten Städte Ungarns und liegt etwa 70 Straßenkilometer südlich von Wien und 210 km westlich von Budapest. Die Stadt gilt heute als Brücke zwischen Ungarn und seinen westlichen Nachbarn. Die Universität Sopron wurde im Jahre 1735 gegründet. Aufgrund seiner Rolle in der Reformation wurde Sopron 2016 der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Reformationsstadt Sopron. Ungarn. Im Schatten Wiens. Stadtporträt des Projekts Reformationsstädte Europas. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 9. März 2017. Zur Bedeutung Soprons in der Reformationsgeschichte und zur Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde siehe auch das des Projekts Europäischer Stationenweg. In: r2017.org/europaeischer-stationenweg, abgerufen am 19. Juli 2016.
Etymologie Eine der frühesten Erwähnungen der Siedlung stammt aus den Aufzeichnungen Geographia des Ptolemaios (* um 100, † um 175 n. Chr.) unter dem Namen (transkr. Scharbantia/Scharbantía) bzw. (transkr. Skarbantia/Skarbantía)Claudii Ptolemei Geographia I–III. 3 Bände. Hrsg. von Karl Friedrich August Nobbe. Leipzig 1843–45, Reprographischer Nachdruck, Georg Olms Verlag, Hildesheim 1966, , Band 1, S. 129, ; Band 2, S. 203, (griechische Textausgabe)., nach Quelle auch (transkr. Sakarbantia/Sakarbantía),Alfred Stückelberger, Gerd Graßhoff (Hrsg.): Ptolemaios. Handbuch der Geographie. Schwabe Verlag, Basel 2006, ISBN 3-7965-2148-7, S. 244 f. aus lateinischen Quellen oder .
Der ungarische Ortsname Sopron ist früh verschiedenartig gedeutet worden. Elemér Moór vermutete einen Zusammenhang zwischen der alten ungarischen Namensform Suprun (– erst seit Mitte des 14. Jh. setzte sich die Schreibung mit o durch –) und einem ehemaligen Flurnamen Sauprunn, den er von einer altbairischen Vorstufe Sûprun ableitete und damit die frühere Bezeichnung des Gebiets zwischen den Dörfern Fertőrákos (Kroisbach) und Balf (Wolfs) identifizierte.Elemér Moór: Westungarn im Mittelalter im Spiegel der Ortsnamen (= Acta litterarum ac scientiarum Regiae Universitatis Hungariae Francisco-Josephinae. Sectio philologica. T. 10). Hrsg. von der Sodalitas amicorum Reg. Univ. Hung. Francisco-Josephinae. Szeged Städt. Druckerei und Buchverlags-A.G., Szeged 1936, , , S. 74–77, hier S. 75 (u-szeged.hu [PDF; 11,2 MB] – Der Aufsatz wurde bereits 1933 fertiggestellt.). Der deutsche Ortsname Ödenburg gehe hingegen vermutlich auf die zu Beginn der deutschen Besiedlung hier verödet vorgefundene römische Ruinenstadt zurück.Elemér Moór: Westungarn im Mittelalter im Spiegel der Ortsnamen (= Acta litterarum ac scientiarum Regiae Universitatis Hungariae Francisco-Josephinae. Sectio philologica. T. 10). Hrsg. von der Sodalitas amicorum Reg. Univ. Hung. Francisco-Josephinae. Szeged Städt. Druckerei und Buchverlags-A.G., Szeged 1936, , , S. 74–77, hier S. 76 (u-szeged.hu [PDF; 11,2 MB] – Der Aufsatz wurde bereits 1933 fertiggestellt.).
Geschichte Das Gebiet um Sopron war bereits in der frühen Eisenzeit besiedelt. Aus der Hallstattzeit stammen die Kalenderbergurnen, die den Ort in der archäologischen Welt bekannt gemacht haben. Die Römer gründeten an der Stelle des heutigen Sopron die Siedlung Scarbantia, einen Handelsplatz an der Bernsteinstraße. Anstelle der römischen Befestigung wurden im Mittelalter die Stadtmauern erbaut. Der heutige Marktplatz war das ehemalige römische Forum.
Nach der Völkerwanderungszeit war die Stadt eine Wüstung, die nur sehr gering bewohnt war. Ende des 8. Jahrhunderts wurde die frühere Stadt Teil des Karolingerreichs, womit eine umfangreiche Siedlungs- und Christianisierungstätigkeit einher ging. Mit dem Sieg der Ungarn über die Bayern in der Schlacht von Pressburg 907 begann schließlich auch hier die magyarische Landnahme. Die Ungarn errichteten in den Ruinen der Römerstadt eine Grenzfestung.Geographisches Jahrbuch Burgenland. 2009. Vereinigung Burgenländischer Geographen, Neutal 2009, , S. 112–118. Auch Juden kamen und ließen sich nieder. Die alte Synagoge wurde vom Ende des 12. bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut.Die alte Synagoge Soproni Muzeum, abgerufen am 16. Juni 2022 1273 besetzte die Armee des böhmischen Königs Ottokar II. Přemysl die Stadt und nahm die Kinder der Stadtadligen als Geiseln mit. 1277 eroberte Ladislaus IV. Sopron zurück und erhob sie in den Rang einer königlichen Freistadt. Die Stadt wurde 1317 durch einen Brand zerstört. Durch Karl I. von Ungarn konnten 1324 Juden sich in der Stadt niederlassen. An der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert lebten etwa viertausend Menschen in der Stadt.Miklós Molnár: A concise history of Hungary. Cambridge University Press, Cambridge 2001, ISBN 0-521-66142-0 (. Eine prägnante Geschichte Ungarns). Am 25. Februar 1441 verpfändete die Herzogin von Österreich Elisabeth von Luxemburg III. die Stadt an den römisch-deutschen König Friedrich III.
Die Habsburger mini|Habsburger Burgen in Ungarn zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert Von 1459 bis 1462 war die Stadt vorübergehend habsburgisch. Der Vertrag von Ödenburg-Wiener Neustadt zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn beendete am 19. Juli 1463 (vorerst) die ersten kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Friedrich III. und dem ungarischen König seit ihrer Doppelwahl 1458/59. 1526 fiel mit Ungarn auch Ödenburg per Erbgang an die Habsburger. Ödenburg verblieb aber im ungarischen Reichsteil der Habsburgermonarchie. Im selben Jahr vertrieb die Bevölkerung die Juden aus Sopron.Die alte Synagoge Soproni Muzeum, abgerufen am 16. Juni 2022 1529, während der ersten Wiener Türkenbelagerung, konnte sich die Stadt erfolgreich gegen eine Besetzung durch die osmanischen Truppen wehren, während das Umland von den belagernden Truppen geplündert wurde. Sopron gilt als eines der Zentren der Reformation in Ungarn. Ein Feuer zerstörte im Jahr 1676 weite Teile der Stadt. Daraufhin wurde die Stadt im Barock-Stil wiederaufgebaut, was auch heute noch das Stadtbild prägt. Der Aufstand von Franz II. Rákóczi wurde von der Stadt nicht unterstützt, sie hielt der Belagerung durch die Kuruzen im Jahre 1705 stand.
Bei der zweiten Wiener Türkenbelagerung ergab sich Ödenburg im Jahre 1683 der osmanischen Streitmacht unter Kara Mustafa. Nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen Leopolds I. über die osmanische Streitmacht huldigten die Ödenburger Stadtväter dem römisch-deutschen Kaiser Leopold I. in Wien. 1753 wurde im Wald von Sopron ein Kohlebergwerk eröffnet, das in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zu einem der modernsten Bergwerke des Landes wurde. Das mittelalterliche Verteidigungssystem war im 18. Jahrhundert überholt, daher wurden an einigen Stellen die Stadtmauern abgerissen und auf den Bastionen mehrere Bastionsgärten angelegt, die noch heute zu sehen sind. Einer von ihnen befindet sich hinter dem Schloss Esterházy, vor dem sich ein 1789 erbauter Musikpavillon mit runder Kuppel befindet. In der Zeit von Joseph II. wurde Ödenburg Sitz des Komitats Ödenburg. Im 17. Jahrhundert wurden in der Geißkirche die Palatine Ungarns gekrönt. Am 8. Dezember 1625 wurde Ferdinand III. dort mit der Stephanskrone zum ungarischen König gekrönt. Die weitere Zeremonie fand auf einem Hügel vor der Stadt statt, der der einzige original erhalten gebliebene Krönungshügel Ungarns ist.
Auf Anregung István Széchenyis wurde die erste Eisenbahn in Transdanubien gebaut, die von Sopron aus nach Norden verlief und die Stadt mit dem nahen Wien verband. Nach einem Plan von 1847 sollte diese Bahnstrecke in Richtung Süden Sopron–Kőszeg–Szombathely–Rum–Zalavár–Nagykanizsa weitergeführt werden, wurde später aber in anderer Richtung gebaut.A Soprontól, Kőszeg, Szombathely, Sz. Gróth és a Balaton mel… [S 68 - Vegyes nyomtatott térképek. - No. 13.]/Kepek. In: maps.hungaricana.hu, (ungarisch) abgerufen am 15. Juni 2022.
Durch die Grenznähe wurde Sopron während der Ungarische Revolution 1848/1849, dem Unabhängigkeitskrieg gegen die Vorherrschaft der österreichischen Habsburger, früh von kaiserlichen Truppen besetzt.
1890 wurde in Sopron die erste Telefonzentrale des Landes errichtet. 1896 wurde anlässlich der Feierlichkeiten zur eintausendsten Wiederkehr der Landnahme der Magyaren unter Großfürst Árpád im Jahr 896 (Ungarisches Millennium) das Rathaus errichtet. 1900 begann der Straßenbahnverkehr in der Stadt, doch das Zweiliniennetz rentierte sich auf Dauer nicht, sodass es 1923 eingestellt wurde.Soproni villamosok. In: villamosok.hu, abgerufen am 15. Juni 2022. Die Stadt entwickelte sich dann bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gut, obwohl sich seine Entwicklung ab dem späten 19. Jahrhundert verlangsamte und sein wirtschaftliches Gewicht abnahm.
Volksabstimmung
mini|Tor der Treue (ung. Hűségkapu) errichtet 1928 als Andenken an die Volksabstimmung. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor das Königreich Ungarn zwei Drittel seines Territoriums an verschiedenen Nachbar- und Nachfolgestaaten. Sopron wurde in Folge des Vertrags von Saint-Germain der neuen Republik Österreich zugesprochen und sollte Hauptstadt des neu gebildeten Bundeslandes Burgenland werden, was ein umstrittenes Referendum verhinderte. Eine von österreichischen Zeitgenossen und Historikern bestrittene Volksabstimmung in Ödenburg sollte entscheiden, zu welchem Land Sopron und die acht umliegenden Dörfer gehören sollten. Offiziell wählten 72,8 % der Soproner Ungarn. Ein vertraulicher Bericht des ungarischen Vertreters in der Wahlkommission, Frigyes Villani, bestätigte jedoch viele Anschuldigungen der österreichischen Seite.
Sopron wurde anschließend von der Nationalversammlung der Titel („treueste Stadt“) verliehen. Am Datum der Abstimmung, dem 14. Dezember, wird alljährlich der Hűség napja (Tag der Treue) begangen. Die Ämter blieben jedoch bis zur Deportation der Ungarndeutschen im Jahr 1946 zweisprachig.
Zweiter Weltkrieg Die Stadt litt sehr unter dem Zweiten Weltkrieg. 1944 wurde sie von mehreren Luftangriffen getroffen. Die jüdische Bevölkerung der Stadt (1857 Personen) wurde im Juli 1944 fast vollzählig in das Vernichtungslager KZ Auschwitz deportiert, die meisten von ihnen wurden ermordet, nur 325 der Deportierten kehrten zurück. Vom Dezember 1944 bis zum 28. März 1945 regierten die Pfeilkreuzler das Land im Wesentlichen von Sopron aus. Die Todeszahlen der Stadtbevölkerung stiegen während der Pfeilkreuzlerherrschaft stark an. In den Massengräbern rund um Sopron wurden 2181 an Hunger und Seuchen gestorbene Arbeiter beigesetzt. Vereine und lokale Zeitungen wurden verboten und ein erheblicher Teil der Bevölkerung mussten militärisch völlig bedeutungslose Erdwälle errichten. Durch die große Einwohnerzahl, Zehntausende (nach einigen Quellen Hunderttausende) Flüchtlinge,Hiller István, Németh Alajos: A háború és a felszabadulás krónikája (Sopron, 1944–1945) / Chronik des Krieges und der Befreiung (Sopron, 1944–1945). (PDF; 8,1 MB) In: oszk.hu, 25. Oktober 2009, abgerufen am 15. Juni 2022 (ungarisch; Bearbeitungsdatum: 14. Januar 2011). Mitglieder der Pfeilkreuzler und der Militärpolizei, sowie Soldaten kam es in der Stadt zu einer Nahrungsmittelknappheit und Epidemien brachen aus. Ab dem 17. Januar 1945 hatte die örtliche Jugendorganisation der Pfeilkreuzler bereits 12-jährige Jungen „angeworben“. Schon in den Tagen vor der Flucht der Schützen am 29. März versammelten sich Dutzende junger Menschen auf den Straßen der Stadt. In der damaligen benachbarten Gemeinde (und heutigem Stadtteil) Balf befand sich 1944/45 das Lager Balf. Am 1. April 1945 besetzten Truppen der sowjetischen Roten Armee Sopron.Tóth Imre: In: sopron.hu, abgerufen am 9. März 2017.
Nach 1945