Die Division 1 Féminine oder kurz D1F (ab 2024/25: Première Ligue) ist die höchste Spielklasse im französischen Frauenfußball. Sie wurde 1992 eingerichtet, trug bis 2002 die offizielle Bezeichnung Championnat National 1 A (N1A) und umfasste von Beginn an stets zwölf Mannschaften. Bisher haben ihr Teams aus 61 Vereinen angehört, am längsten die ASJ Soyaux, der Juvisy FCF (als einziger in sämtlichen Spielzeiten bis 2017), Paris Saint-Germain, der Montpellier HSC, Olympique Lyon und Stade Saint-Brieuc. Seit Beginn der Saison 2019/20 engagiert sich mit dem Chemieunternehmen Arkema erstmals ein Namenssponsor in dieser Liga.
mini|300px|Langjähriges Logo der Division 1 Féminine rechts|500px
Organisatorisch und sportrechtlich unterstand sie bis 2024 dem Landesverband FFF, seither dem neu geschaffenen Ligaverband LFFP (Ligue Féminine de Football Professionnel). Die siegreiche Mannschaft wird als französischer Frauenmeister der betreffenden Saison mit einem Wanderpokal ausgezeichnet. Vor der Gründung der Liga wurde bereits seit 1974/75 eine Meisterschaft in Endrundenturnierform ausgespielt.Fédération Française de Football (Hrsg.): 100 dates, histoires, objets du football français. Tana, o. O. 2011, ISBN 978-2-84567-701-2, S. 121
Im europäischen Vergleich erfolgte die Schaffung der Liga erst relativ spät. 2013 belegte die D1F aufgrund der Erfolge ihrer Vertreterinnen in der UEFA Women’s Champions League zum ersten Mal den ersten Rang in der UEFA-Fünfjahreswertung – vor der deutschen und der schwedischen höchsten Spielklasse; seit der Saison 2018/19 liegt Frankreich bezüglich dieses „Klubkoeffizienten“ in Europa durchgehend an der Spitze.siehe die Liste der Frauen-Verbands-Klubkoeffizienten seit 2003/04 bei uefa.com Trotz solcher Entwicklungen, die im Wesentlichen allerdings auf den Erfolgen eines einzigen Klubs (des „Serienmeisters“ Olympique Lyon) beruhen, nimmt die D1F in Frankreich vom medialen wie vom Zuschauerinteresse, aber auch von den wirtschaftlichen Kennzahlen (Vereinsbudgets, Spielerinneneinkommen, Transfersummen, Sponsoring) her gegenüber der ersten Liga der Männer nur eine nachgeordnete Position ein.
Geschichte der Meisterschaften Die Titelkämpfe und -träger aus den Anfangsjahrzehnten des 20. Jahrhunderts hat die FFF bis in die Gegenwart nicht anerkannt. Die sich daran anschließenden, offiziellen und bisher vier Jahrzehnte umfassenden französischen Meisterschaften nach dem Zweiten Weltkrieg lassen sich in wenige Abschnitte unterteilen, in denen jeweils eine oder zwei Frauschaften dominierten.
Insgesamt weist die Geschichte des französischen Frauenfußballs in diesen vier Jahrzehnten erst elf unterschiedliche Meistervereine auf – und wenn man berücksichtigt, dass es in Toulouse und Lyon zu Vereinswechseln der erfolgreichen Teams zum größeren örtlichen Klub gekommen war, sogar nur neun. Den am längsten anhaltenden Erfolg (siehe dazu auch die „Ewige Tabelle“ weiter unten) kann freilich der Juvisy FCF für sich reklamieren, denn seit 1992 gab es nur drei Spielzeiten, in der er nicht zu den besten drei Teams Frankreichs gehörte – das war 2010/11 und 2015/16, als die Frauen aus der 15.000-Einwohner-Gemeinde jeweils lediglich Vierte der Abschlusstabelle wurden, sowie 2016/17 mit einem fünften Rang. 2017 fusionierte Juvisy mit dem Paris FC und konnte deshalb seine Erfolgsgeschichte nicht weiter fortschreiben.
Vorgeschichte bis Mitte des 20. Jahrhunderts Frauen spielten in Frankreich bereits vor dem Ersten Weltkrieg Fußball, und Landesmeisterinnen gab es damals ebenfalls schon, wenngleich sich diese sportlichen Aktivitäten schwerpunktmäßig auf Paris konzentrierten. Zwölf der 15 Titel gewann Fémina Sport, und auch die anderen Meister (zweimal En Avant sowie Les Sportives) kamen aus der Hauptstadt.Siehe die Liste der FSFSF-Meister bis 1932 bei rsssf.org, in der allerdings die erste Austragung 1917/18 fehlt. Weil weder die 1919 gegründete FFF noch ihr Vorgänger Comité Français Interfédéral (CFI) Frauenvereine aufzunehmen bereit waren, hatten diese mit der Fédération des Sociétés Féminines Sportives de France (FSFSF) einen eigenen Verband gegründet, der den Spielbetrieb organisierte. Diese Frühgeschichte fand in der ersten Hälfte der 1930er Jahre ein Ende.Ausführlich dokumentiert werden diese „Pionierjahre“ des Frauenfußballs in Frankreich insbesondere bei Prudhomme-Poncet, Histoire du football féminin, 2003, S. 21–175, außerdem bei Grégoire-Boutreau Au bonheur des filles, 2003, S. 10–29. Breuil, Histoire du football féminin en Europe, 2011, S. 17–128, ordnet die französische Entwicklung bis Anfang der 1950er Jahre in den gesamteuropäischen Kontext ein, Paul Dietschy (Histoire du football. Perrin, Paris 2014, 2. erw. Aufl., ISBN 978-2-262-04712-2, S. 603–611) in den globalen.
In den folgenden mehr als drei Jahrzehnten wirkten sich tiefgreifende soziale, ökonomische und politische Veränderungen auch auf den Frauenfußball aus. Vorrangig waren dies in den 1930ern die zunehmende Ablehnung dieser Sportart in weiten Teilen der französischen Gesellschaft, die wachsende Konkurrenz durch andere Freizeitangebote für junge Frauen und die materiellen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise (Genaueres siehe hier). Ab 1940 und unter deutscher Besetzung des Landes beförderte das kollaborierende Vichy-Regime ein Geschlechterrollenbild, das zwar körperlich-sportlicher Betätigung von Frauen gegenüber positiv eingestellt war, nicht jedoch dem Fußball, der offiziell als „schädlich für die Frauen“ gebrandmarkt und 1941 verboten wurde.Prudhomme-Poncet, Histoire du football féminin, 2003, S. 179ff. Diese Entwicklungen wirkten über die Befreiung Frankreichs und die erste Wiederaufbauphase fort. Selbst in den 1950er Jahren wurden, anders als in anderen Staaten westlich des Eisernen Vorhangs, in stärker durch den Katholizismus geprägten Gesellschaften wie der französischen noch nicht einmal zaghafte Schritte zu einer Reinstallierung des Frauenfußballs unternommen.Breuil, Histoire du football féminin en Europe, 2011, insbesondere S. 133–136; ähnlich Prudhomme-Poncet, Histoire du football féminin, 2003, S. 179ff., die allerdings eine einzelne, lokale Frauenfußballepisode vom Ende der 1940er erwähnt. Diese erfolgten erst mit dem sozialen und Einstellungswandel zwanzig Jahre nach Kriegsende.
Legalisierung des Frauenfußballs und Meisterschaftsendrunden Nachdem es seit Mitte der 1960er Jahre auch in Frankreich zu einer Wiederbelebung des Frauenfußballs kam, dauerte es noch bis zum März 1970, ehe der Landesverband FFF dessen Ausübung legalisierte (Näheres dazu siehe hier), und weitere vier Jahre, bis er eine offizielle französische Meisterschaft ins Leben rief. Für deren erste Endrunde (1974/75) hatten sich in regionalen Vorentscheidungen acht Frauenteams qualifiziert: FC Bergerac, SC Caluire Saint-Clair, ARC Cavaillon, FC Metz, Arago Sport Orléans, Stade Reims, FC Rouen und FC Vendenheim. Den Titel gewannen in dieser Debütsaison die Frauen aus Reims.Eine Übersicht sämtlicher Meisterschaftsendrunden ab 1974 sowie aller Abschlusstabellen der Liga bis 2003 gibt Grégoire-Boutreau, Au bonheur des filles, 2003, auf S. 242–250, der zudem auf S. 50–91 sämtliche französischen Landesmeister ausführlich vorstellt.
Stade Reims, das in sämtlichen acht Endspielen bis 1982 vertreten war und fünf davon gewann, sowie die AS Étrœungt (bei vier Finalteilnahmen dreimal siegreich) dominierten diesen ersten Zeitabschnitt. Diese beiden waren im übrigen die einzigen Landesmeister, die der höchsten Liga Frankreichs über Jahrzehnte nie angehört hatten; Étrœungt unterhält schon seit Mitte der 1980er kein Frauenteam mehr,siehe die Vereinsübersicht auf der Site der FFF während Reims 2014 wieder ein solches aufbaute, dem 2019 der Aufstieg in die D1F gelang. Interessanterweise spielten Teams aus der Hauptstadtregion in dieser Zeit keine Rolle. Dies änderte sich mit dem Beginn der fußballerischen Dominanz der VGA Saint-Maur; deren Frauen brachten es zwischen 1983 und 1990 auf sechs Meistertitel, unterbrochen lediglich von je einem Erfolg der ASJ Soyaux, die vier weitere Endspiele verlor, und von CS Saint-Brieuc. Saint-Maurs letzte Finalteilnahme (1991) ging mit dem Beginn der Vormachtstellung des FC Lyon und des Juvisy FCF einher, die sich bis 1998 nahezu im Wechsel den Meistertitel sicherten – sowohl in den letzten Jahren, in denen dieser noch in einer Mischung aus Gruppenspielen und einer Finalrunde im K.-o.-Modus ausgespielt wurde, als auch im 1992 eingeführten reinen Ligabetrieb. Die Meisterschaften vor Einführung der Liga (1974–1992) Saison Meister Vizemeister ErgebnisFinale Halbfinalistinnen(1979/80 bis 1981/82 und 1986/87: Halbfinalgruppen-Zweite) 1974/75 Stade Reims Arago Sport Orléans 5:0 FC Rouen, FC Bergerac 1975/76 Stade Reims FC Rouen 4:1 / 4:0 FC Bergerac, AS Pusignan 1976/77 Stade Reims SC Caluire Saint-Clair 4:0 / 0:1 FC Bergerac, AS Étrœungt 1977/78 AS Étrœungt Stade Reims 1:0 / 1:1 AS Romagnat, SC Caluire Saint-Clair 1978/79 AS Étrœungt Stade Reims 2:0 / 1:2 Olympique Marseille, FC Lyon 1979/80 Stade Reims AS Soyaux 2:0 Olympique Marseille, Stade Quimper 1980/81 AS Étrœungt Stade Reims 1:1, 5:4 i. E. FC Lyon, ASJ Soyaux 1981/82 Stade Reims AS Étrœungt 2:1 SC Caluire Saint-Clair, ASJ Soyaux 1982/83 VGA Saint-Maur FCF Hénin-Beaumont 1:1, 7:6 i. E. US Cannes-Bocca, ASJ Soyaux 1983/84 ASJ Soyaux VGA Saint-Maur 1:0 FCF Hénin-Beaumont, AS Muret 1984/85 VGA Saint-Maur FC Lyon 2:0 EC Tours, FCF Hénin-Beaumont 1985/86 VGA Saint-Maur ASJ Soyaux 5:1 Omnium Sports Monaco, ASPTT Strasbourg 1986/87 VGA Saint-Maur ASJ Soyaux 3:0 FC Le Neubourg, FC Lyon/OS Monaco (ex aequo) 1987/88 VGA Saint-Maur FCF Hénin-Beaumont 1:1, 3:2 i. E. CS Saint-Brieuc, JS Poissy 1988/89 CS Saint-Brieuc ASJ Soyaux 2:2, 5:4 i. E. JS Poissy, Racing Flacé-Mâcon 1989/90 VGA Saint-Maur JS Poissy 3:0 Juvisy FCF, FC Lyon 1990/91 FC Lyon VGA Saint-Maur 1:1, 4:2 i. E. JS Poissy, Juvisy FCF 1991/92 Juvisy FCF CS Saint-Brieuc 3:2 FCF Hénin-Beaumont, FC Lyon
Die Gründung einer französischen Liga Zur Gründung der Frauenliga kam es, weil seit der zweiten Hälfte der 1980er Jahre die Unzufriedenheit mit dem bisherigen Meisterschaftsmodus bei allen Beteiligten wuchs. Die Spitzenvereine und die leistungsstarken Spielerinnen beklagten, dass sie in der ersten Hälfte einer Saison auf regionaler Ebene gegen häufig sehr leistungsschwache Gegner nahezu nie gefordert wurden und diese Partien auch für Zuschauer kaum attraktiv waren, so dass die Einnahmen häufig nicht einmal die Fahrtkosten bei Auswärtsspielen abdeckten.Grégoire-Boutreau, Au bonheur des filles, 2003, S. 124 Bereits 1982 hatte der Trainer der AS Étrœungt, Daniel Bertrand, das Wettbewerbsformat als „lachhaft“ und die erste Meisterschaftsphase als reinen Zeitverlust kritisiert.Zitat aus dem Artikel „L’étonnant défi de l’AS Étrœungt“ in Le football au féminin, No. 1, Éd. Nouveauté, Paris 1983, S. 17 Auch aus Verbandskreisen kam zunehmend Kritik, wenngleich in der männerdominierten FFF ein „absolutes Desinteresse an Themen des Frauenfußballs“ herrschte.Zitat von Marilou Duringer nach Grégoire-Boutreau, Au bonheur des filles, 2003, S. 224. Aber sowohl der 1987 zum Nationaltrainer berufene Aimé Mignot als auch die kämpferische Pionierin Marilou Duringer sahen angesichts einer stagnierenden Leistungsentwicklung der Frauennationalelf, die sich noch für kein Kontinentalturnier hatte qualifizieren können, den einzigen Ausweg in einer „Konzentration in der Spitze“. 1991 – Frankreich fehlte wiederum bei der Europa- wie bei der Weltmeisterschaftsendrunde – beschloss der FFF-Bundesrat dann die Einführung der Liga unter Amateurbedingungen ab 1992, deren zwölf Teilnehmer in einer einzigen Gruppe (poule unique) den französischen Meister ermitteln sollten.Prudhomme-Poncet, Histoire du football féminin. 2003, S. 284 f. Dies geschah somit deutlich später als insbesondere in Skandinavien, aber auch in Belgien oder der Schweiz und kurz nach Deutschland und England.Breuil, Histoire du football féminin en Europe, 2011, S. 272–275.