mini|hochkant=0.5|Wappen der früheren Gemeinde Rassach Rassach ist ein Ort in der Weststeiermark. Er war bis 31. Dezember 2014 eine Gemeinde mit 1413 Einwohnern (Stand 2014) im Bezirk Deutschlandsberg (Gerichtsbezirk Deutschlandsberg). Im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform wurde Rassach ab 1. Jänner 2015 mit den Gemeinden Stainz, Stallhof, Stainztal, Marhof und Georgsberg zusammengeschlossen,Steiermärkische Gemeindestrukturreform. die neue Gemeinde führt den Namen Stainz weiter. Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG.§ 3 Abs. 2 Z 5 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014, , S. 2.
Geografie Rassach liegt in der Weststeiermark und besteht aus vier Katastralgemeinden. Das Gebiet wird vom Saubach durchflossen, eine wichtige Erhebung ist der Frauenkogel mit 404 Metern.
Nachbarorte
Geschichte Während der Römerzeit lag die damalige Provinzhauptstadt Flavia Solva, heute Wagna, nicht weit von Rassach entfernt. Aus dieser Zeit sind auf dem Gemeindegebiet 37 Hügelgräber (Tumulus), im Volksmund „Heidenkögl“ bzw. „Heidenkogel“ genannt, erhalten. 1984 wurden vier der meist durch Raubgrabung und sonstigen Zerstörungen beschädigten Hügel wissenschaftlich untersucht, wobei man zwei Bestattungsformen, einfache Brandschüttung und die Bestattung in Steinkisten, feststellte. Nach den Zerstörungen während der Völkerwanderungszeit siedelten sich in der Region ungefähr ab dem 6. Jahrhundert slawische Gruppen an, die das Reich Karantanien gründeten. Slawen wie auch später die Baiern siedelten sich vermutlich zunächst um Lasselsdorf und in Graschuh sowie in Herbersdorf im Schutz von kleineren, bewaldeten Hügeln an. Schon nach den Siegen über die Awaren mit der Gründung der Awarenmark zu Beginn des 9. Jahrhunderts begann eine erste Kolonisation durch Siedler aus dem Frankenreich, Ende des 9. Jahrhunderts ging das östliche Karantanien zwar über mehrere Jahrzehnte durch die Ungarneinfälle an die Ungarn verloren, nach 955 begann die endgültige bairischen Kolonisation, 970 wurde die Karantanische Mark erstmals urkundlich erwähnt.Brigitta Mader: Die Alpenslawen in der Steiermark. Eine toponomastisch-archäologische Untersuchung. Schriften der Balkankommission, Linguistische Abteilung Band 31. Österreichische Akademie der Wissenschaften ÖAW, Philosophisch-historische Klasse. Verlag der ÖAW, Wien 1986, ISBN 3-7001-0769-2, S. 9–10.
Aus der Zeit slawischer Besiedelung stammen einige Ortsnamen. Der Name Rassach ist 1285 als Rassowe, 1318 als Rassaw, Raschawe, 1340 als Rassauwe, Rassawe dokumentiert. Er wird auf dem aus anderen Zusammenhängen erschlossenen Wortstamm *Hrast-(/ov) zurückgeführt, zu (slowenisch hrast ‚Eiche‘). Lasselsdorf ist belegt 1139 als Lazlausdorf, um 1145 Lauzlavs-, Lazlawis-, 1147 Ladazlawistorf und wird auf den Personennamen „Ladislav“ zurückgeführt. Dieser Name stammt ebenfalls aus dem Slawischen und bedeutet „Macht und Ruhm“, vgl. polnisch „władza“ (Herrschaft, Macht, Gewalt) und „slawa“ (Ruhm). Der Name Graschuh wird aus *Gradьčane, Gradčane von „Grad-“ ‚Burg‘ abgeleitet.Brigitta Mader: Alpenslawen. S. 36 (Graschuh), S. 53 (Lasselsdorf), S. 82 (Rassach). Der Ortsname Tomberg im Norden von Rassach wurde 1432 als Tanperg geschrieben und wird damit von Tannen abgeleitet (ein mit Tannenbäumen bewachsener Berg).Fritz Lochner von Hüttenbach: Steirische Ortsnamen. Zur Herkunft und Deutung von Siedlungs-, Berg-, Gewässer- und Flurbezeichnungen (= Grazer Vergleichende Arbeiten. Band 21). Verlag Leykam, Graz 2008, ISBN 978-3-7011-0116-0, S. 153. Andere Schreibweisen, welche diese Deutung belegen, sind 1373 Tamperch, 1465 am Tan bei Stainz, 1475 Tonberg, 1753 Tamberger hart.Bezirkstopographie: Helmut-Theobald Müller (Hrsg.), Gernot Peter Obersteiner (wissenschaftliche Gesamtleitung): Geschichte und Topographie des Bezirkes Deutschlandsberg. Steiermärkisches Landesarchiv und Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg, Graz-Deutschlandsberg 2005, ISBN 3-901938-15-X. In der Reihe: Große geschichtliche Landeskunde der Steiermark. Begründet von Fritz Posch †. Zweiter Teilband Bezirkslexikon. S. 348.
Ein Hinweis auf die Besiedlungsgeschichte befand sich auch noch im 21. Jh. in der Katastralgemeinde Graschuh: Die „Bauerngmoa“ (im Grundbuch: „Bauerngmein“).Bezirksgericht Stainz. Grundbuch der Katastralgemeinde 61212 Graschuh, Einlagezahl 65. Dieses Grundstück umfasste 2323 m² und stand im gemeinsamen Eigentum der Besitzer mehrerer (teilweise ehemaliger) Bauernhöfe in Graschuh und der benachbarten KG 61219 Kothvogl. Die Eigentumsanteile waren grundbücherlich nicht Personen zugeordnet, sondern mit dem Eigentum an den Liegenschaften dieser Bauernhöfe (den im Grundbuch so genannten „Stammliegenschaften“) verbunden. Diese Eigentumsverteilung beruhte auf einer Urkunde aus dem Jahr 1882. Die Bezeichnung ist ein Beleg dafür, dass es sich bei diesem Gebiet um den Rest eines dörflichen Allgemeingutes (Allmende) handelte, solche Gebiete wurden im bayrischen Sprachgebrauch als „G(e)mein“ bezeichnet. Sie bestanden bei vielen Orten, die im 12. oder 13. Jh. entstanden und sind Hinweise auf eine planmäßige Besiedelung eines Gebietes, deren Rahmenbedingungen durch eine Obrigkeit festgelegt wurden. Ab dem Spätmittelalter wurden diese Gemeinschaftsbereiche allerdings meist wegen Unstimmigkeiten unter den Berechtigten aufgeteilt oder ihr Gebiet neuen Hofstätten (Keuschen, Huben) zugewiesen.Walter Brunner: Die Gmein im steirischen Altsiedelland. In: Gerhard Pferschy: Siedlung, Macht und Wirtschaft. Festschrift Fritz Posch zum 70. Geburtstag (= Veröffentlichungen des steiermärkischen Landesarchives. Band 12). Graz 1982, keine ISBN, S. 45–50. Dies belegt auch den am Ende relativ geringen Umfang der Liegenschaft. Das Teilungsverfahren darüber wurde 2018 beendet.Kundmachung der Agrarbezirksbehörde für Steiermark vom 3. Juli 2018 über den Abschluss des Verfahrens. Grazer Zeitung. 27. Stück, ausgegeben am 6. Juli 2018. Jahrgang 214, Graz 2018, , S. 305.
1285 wird erstmals ein Wehrbau genannt, der sich in oder um Rassach befand. Die Besitzer der Anlage waren zu dieser Zeit die Brüder Heinrich und Albert von Rassowe, sogenannte „niedere Ritter“, die keine eigene Burg besaßen und als Ritter in den Krieg zogen.
Bereits im 12. Jh. hatten auch die Herbersdorfer, die Dienstmannen der Wildoner waren, einen Wehrbau gegründet. Das befestigte Haus wurde im 16. Jh. zu einem Schloss ausgebaut. 1648 erwarb das Stift Stainz diesen Bau, Schloss Herbersdorf, zu dem auch zwei Meierhöfe gehörten. Nach der Aufhebung des Stiftes Stainz 1785 verfiel das Schloss Herbersdorf, seine Abtragung wird für den Beginn des 19. Jh. angenommen. Reste der Schlossmauern und Gewölbe sind in Gebäuden naheliegender Bauernhöfe (vlg. Derrisch (ehem. Schlossbauer), Schlossseppl, Schlossweber) dokumentiert. Statuen aus dem Schloss befinden sich in der Umgebung, so vor einer oder (Marienstatue) am Hauptplatz von Stainz.Werner Murgg, Bernhard Hebert: Mittelalterliche und Frühneuzeitliche Wehrbauten im Bezirk Deutschlandsberg: Aufnahme der Bodendenkmale. Mit Zeichnungen von Stefan Karl. Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich BMÖ. Band 10, Jahrgang 1994. Hrsg.: Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie ÖGM, Wien 1994, , S. 67–68. 1840 wurde das Gelände des früheren Schlosses zusammen mit der Herrschaft Stainz von Erzherzog Johann gekauft. mini|Lage der früheren Gemeinde Rassach im Bezirk Deutschlandsberg mit den Gemeindegrenzen bis Ende 2014 1809 gab es erstmals eine Volksschule in Rassach (auf www.volksschule.rassach.at, abgerufen am 10. Mai 2012), 1821 bis 1822 folgte der erste Schulbau, in dem 85 Schüler unterrichtet wurden. 1850 wurde die Gemeinde Rassach aus der gleichnamigen Katastralgemeinde gegründet.
Während des nationalsozialistischen Juliputsches im Jahr 1934 kam es auch in Lasselsdorf zu einem Zwischenfall. Am Nachmittag des 25. Juli waren gegen 16:00 Uhr sechs Nationalsozialisten beim Bauernhof des Florian Graf, eines ehemaligen Nationalrats der Christlichsozialen Partei erschienen, um die dort verwahrten Waffen der Heimwehr zu rauben. Als dieser die Herausgabe der Waffen verweigerte, erhielt er ebenso wie sein Knecht, der ihm beistehen wollte, einen Schuss in die oberen Extremitäten. Nur dem Flehen der Gattin Grafs verdankten es die beiden schwer verletzten Männer, dass sie anschließend einen Arzt aufsuchen durften und nicht stattdessen in den Arrest mitgenommen wurden, wo sie vermutlich verblutet wären.Gerald M. Wolf: „Jetzt sind wir die Herren …“ Die NSDAP im Bezirk Deutschlandsberg und der Juli-Putsch 1934 (= Grazer zeitgeschichtliche Studien, Band 3). StudienVerlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2008, ISBN 978-3-7065-4006-3, S. 149, Fußnote 324.
Am 1. Jänner 1968 wurden die Gemeinden Graschuh, Herbersdorf, Lasselsdorf und das bis dahin kleinere Rassach zur neuen Gemeinde Rassach vereinigt,Gesetz vom 18. Dezember 1967 über Gebietsänderungen von Gemeinden, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 29. Dezember 1967, 26. Stück, Nr. 138. S. 188. welche ihrerseits bis 2014 bestand.
Bevölkerung Bevölkerungsstruktur Rassach hatte laut Volkszählung 2001 1.338 Einwohner. 97,7 % davon hatten die österreichische Staatsbürgerschaft. Zur römisch-katholischen Kirche bekannten sich 91,1 % der Einwohner, 4,5 % waren ohne religiöses Bekenntnis.
Bevölkerungsentwicklung Die Bevölkerungszahl von Rassach blieb über mehr als ein Jahrhundert relativ stabil. Einem leichten Wachstum zwischen den Jahren 1869 und 1890 folgte ein kontinuierlicher Rückgang der Bevölkerung bis 1939, der bis knapp unter die Bevölkerungszahl von 1869 führte. Seitdem steigt die Bevölkerung wieder kontinuierlich und erreichte in den Jahren nach 2000 den bisher höchsten Stand.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Ortsbild und Denkmäler Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Stainz
Der Ortskern von Rassach ist ein Straßendorf, das sich ein geschlossenes, trotz einiger Neubauten bemerkenswertes Ortsbild bewahrt hat. Die Häuser sind vom Typ des weststeirischen Steilgiebelhauses, die Stadel teilweise mit Ziegelornamenten. Die Kapelle am nördlichen Ortsausgang stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Kapelle am südlichen Ortsausgang (Schmidjosl-Kapelle, mit gewölbter Vorhalle und Glockenturm) vom Ende des 18. Jahrhunderts.Kurt Woisetschläger, Peter Krenn: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz). Topographisches Denkmälerinventar, herausgegeben vom Bundesdenkmalamt. Wien 1982, ISBN 3-7031-0532-1, S. 390–391. mini|hochkant|Köck-Kapelle im Ortszentrum von Rassach Im Garten eines Privathauses in Herbersdorf steht eine barocke Madonnenstatue („Maria auf der Mondsichel“, sogenannte „Hartschiebl-Marienstatue“). Sie wird in die Jahre um 1730 datiert und ist im Stil des Bildhauers Johannes Matthias Leitner gehalten. Die Statue wird derselben Werkstatt zugeschrieben wie die beiden Statuen bei der Riegelanderlkapelle im gleichen Ort. Es wird vermutet, dass sie zu der Statuengruppe am östlichen Ende des Hauptplatzes von Stainz gehört haben und damit vielleicht vorher Teil der Gartengestaltung des Schlosses Herbersdorf gewesen sein könnte.Winfried Bräunlich, Dieter Weiss: Zeichen am Weg. Religiöse Kleindenkmäler in den Gemeinden Georgsberg, Rassach, Stainztal und Stallhof. Simadruck Deutschlandsberg. Stainz 2012. S. 77 (Riegelanderlkapelle) und S. 95 (Hartschiebl-Marienstatue).
Für Gebiet von Rassach sind 68 Kapellen, Bildstöcke und Wegkreuze dokumentiert.Bräunlich, Weiss: Zeichen. S. 61–119. Der 1990 errichtete Steinbauer-Bildstock in Lasselsdorf (Haus Nr. 55) trägt Heiligenbilder des Künstlers Toni Hafner (Hl. Maria, Hl. Franziskus, Hl. Christophorus, Hl. Barbara).Bräunlich, Weiss: Zeichen. S. 88.