Kladderadatsch war eine deutschsprachige politisch-satirische Zeitschrift, die von 1848 bis 1944 regelmäßig wöchentlich herausgegeben wurde. Der Name der Zeitschrift ist hergeleitet vom lautmalerischen Berliner Ausdruck Kladderadatsch, der etwa bedeutet „etwas fällt herunter und bricht mit Krach in Scherben“. Der Zeitschriftentitel machte den Ausdruck so populär, dass er zum politischen Schlagwort wurde, das ironisch gebraucht – vor allem von August Bebel – den Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft charakterisierte.Otto Ladendorf: Historisches Schlagwörterbuch. 1906. textlog.de

Geschichte mini|hochkant|links|Türken-Nummer – Berlin, 68. Jahrgang, Nummer 44 (31. Oktober 1915) mini|hochkant|Fürst v. Bismarcks Lesetisch, auf dem auch stets der Kladderadatsch lag; aus Fürst Bismarck in Friedrichsruh von C. W. Allers (1892) Gründer von Kladderadatsch war der liberale Berliner Humorist David Kalisch, Sohn eines jüdischen Kaufmanns und bekannter Autor leichter Komödien; Verleger war der Verlagsbuchhändler Heinrich Albert Hofmann, später firmierte der Verlag als A. Hofmann und Comp.Anzeige zum Kladderadatsch. In: Vossische Zeitung. 3. Januar 1918, Morgen-Ausgabe, S. 5. Die erste, vollständig von Kalisch verfasste Ausgabe erschien am 7. Mai 1848 mit einer Auflage von 4.000 Stück und war noch am selben Tag ausverkauft. Anlässlich der Feier des Erscheinens der tausendsten Nummer schuf der niederschlesische Komponist Rudolf Bial im Jahr 1866 den Kladderadatsch-Jubiläums-Marsch. Die Zeitschrift vertrat später eine national-liberale Gesinnung und unterstützte Bismarcks Politik.

mini|links|Karikatur zur Anpöbelung Bernhard von Bülows durch Adolf Brand im Zusammenhang mit der Eulenburg-Affäre: Kladderadatsch, Jg. 70. Nr. 43 (27. Okt. 1907), S. 170. (Name auf dem Mantel falsch Brandt geschrieben.) Online bei UB Heidelberg Die Popularität des Witzblatts, dem in der preußischen Hauptstadt eine Monopolstellung zukam, rief schon im Gründungsjahr parodistische Imitationen hervor wie Ausgeßeuchnet. Erstes reaktionäres Extrablatt des Kladderadatsch, den Neujahrs-Pladderadatsch und die Fastnachts-Zeitung in Art des Kladderadatsch. In Leipzig erschien während des Deutsch-Französischen Krieges 1870 ein Kladderadatsch auf dem Kriegsschauplatze. Die Redaktion selbst gab zahlreiche Sondernummern und von 1850 bis 1887 jährlich den Humoristisch-satyrischen Volkskalender heraus. Ein weiteres Nebenprojekt des Verlegers Hofmann war seine Humoristische Eisenbahn- und Reise-Bibliothek, die Schultze und Müller an den Rhein, in den Harz und in europäische Metropolen schickte.Ursula E. Koch: Der Teufel in Berlin. Von der Märzrevolution bis zu Bismarcks Entlassung. Illustrierte politische Witzblätter einer Metropole 1848–1890. c. w. leske Verlag, Köln 1991, S. 142 ff.

Von 1872 bis 1884 benutzten der KSCV als Dachverband wie auch einzelne Corps, Altherrenvereine und eine große Zahl anderer Korporationen das in akademischen Kreisen sehr beliebte Satireblatt Kladderadatsch als Veröffentlichungsorgan. Die Jungletten nahmen sich den Kladderadatsch zum Vorbild ihrer eigenen Zeitschriften.Wolfgang Krischke: Aufbruch der Zivilgesellschaft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Januar 2025, S. N4.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem Einbruch der Auflage. 1923 verkaufte der Hofmann-Verlag das Magazin an den Konzern des Industriellen Hugo Stinnes. Die Inhalte wurden zunehmend rechtsgerichteter und denunzierten gemäßigte Politiker der Weimarer Republik. Bereits ab 1923 unterstützten die Herausgeber Adolf Hitler und den Nationalsozialismus. Die Karikaturen wurden zunehmend antisemitisch.

Im September 1933 wurde Hermann Göring karikiert, der Versuchstiere mit dem Hitlergruß grüßt und von diesen mit demselben zurückgegrüßt wird.„Heil Göring“. Kladderadatsch, September 1933 Hintergrund der Karikatur war ein NS-Gesetz vom August 1933, das Tierversuche aus Tierschutzgründen verbot.

Die Einstellung des Kladderadatsch erfolgte kriegsbedingt:

Mitarbeiter

Sondernummern des Kladderadatsch Kladderadatsch in London. Humoristische Schilderungen der Industrie-Ausstellung (8 Lieferungen, 1851) Bismarck-Album des Kladderadatsch (300 Zeichnungen von Wilhelm Scholz, 1890, 27. Auflage 1900) Online-Edition Ein Kriegsgedenkbuch aus dem Kladderadatsch in Ernst und Humor aus den Jahren 1870 und 1871 von Johannes Trojan und Julius Lohmeyer (1891) Im tollen Jahr. 1. Jahrgang des Kladderadatsch 1848, mit Anmerkungen und Erläuterungen (1898)

Siehe auch Die Weltbühne Simplicissimus Ulk Berliner Wespen

Literatur

Max Ring: David Kalisch, der Vater des Kladderadatsch und Begründer der Berliner Lokalposse. E. Staude, Berlin 1873, . Kladderadatsch: humoristisch-satirisches Wochenblatt. Die Kriegsnummern des Kladderadatsch. Hofmann, Berlin 1895, . Rudolf Hofmann: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848–1898. Hofmann & Comp, Berlin 1898. Digitalisiert von Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2020. (URN urn:nbn:de:kobv:109-1-15414987. ) Bismarck-Album des Kladderadatsch 1849–1898. Mit Zeichnungen von Wilhelm Scholz u. a. 31. Auflage. Hofmann, Berlin 1915, . Johannes Trojan: Am Pranger. England-Album des Kladderadatsch, von der Zeit des Burenkrieges bis zur Gegenwart. Zeichnungen von Gustav Brandt (…), Texte von Johannes Trojan u. a., Hofmann, Berlin 1915, . Christian Gehring: Die Entwicklung des politischen Witzblattes in Deutschland. Leipzig 1927, (Philosophische Dissertation Universität Leipzig 1929). Ingrid Berck: Der aussenpolitische Kampf des „Kladderadatsch“ im ersten Reichsjahrzehnt 1870/1880 unter besonderer Berücksichtigung der Orientkrisis: Ein Beitrag zur Erforschung des Politischen Witzblattes im 19. Jahrhundert. o. O. 1945, (Dissertation Universität Heidelberg, Philosophische Fakultät, 1945) Liesel Hartenstein (Hrsg.): Facsimile-Querschnitt durch den Kladderadatsch. Vorwort: Hans Rothfels. Scherz, München 1965 (Facsimile-Querschnitte durch alte Zeitungen und Zeitschriften. 5) Klaus Schulz: Kladderadatsch. Ein bürgerliches Witzblatt von der Märzrevolution bis zum Nationalsozialismus 1848–1944 (= Bochumer Studien zur Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Band 2). Brockmeyer, Bochum 1975, (Dissertation Universität Bochum, Abteilung für Philologie, 1975). Kladderadatsch (= Die bibliophilen Taschenbücher, Band 3, Reprint des Jahrgangs 1848). Harenberg Kommunikation, Dortmund 1978, ISBN 3-921846-03-X. Helmuth Rogge: Die Kladderadatsch-Affäre. In: Historische Zeitschrift. Band 195, 1962, S. 90–130. Ingrid Heinrich-Jost (Hrsg.): Kladderadatsch: die Geschichte eines Berliner Witzblattes von 1848 bis ins Dritte Reich. Leske, Köln 1982, ISBN 3-921490-25-1. Ursula E. Koch: Der Teufel in Berlin. Von der Märzrevolution bis zu Bismarcks Entlassung. Illustrierte politische Witzblätter einer Metropole 1848–1890. Leske, Köln 1991, ISBN 3-921490-38-3, S. 131–142. Frank Zeiler: Verfassungsbildsatiren zwischen Republikfeindschaft, Vernunftrepublikanismus und Republiktreue. Eine Darstellung der Bildbeiträge zur Weimarer Verfassung in den Satiremagazinen Kladderadatsch, Simplicissimus, Der Wahre Jacob und Lachen Links. In: Jahrbuch der Juristischen Zeitgeschichte. Band 17, 2016, S. 397–435. (freidok.uni-freiburg.de) Bücher, die die Welt noch braucht. Anzeigen und Rezensionen des Kladderadatsch von 1872 bis 1907, zusammengetragen, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ulrich Goerdten. Edition Schwarzdruck, Gransee 2018, ISBN 978-3-935194-95-2.

Weblinks

Kladderadatsch (1848–1944), von der Universitätsbibliothek Heidelberg vollständig digitalisierte Jahrgänge 1852–1876, lückenhaft.

Einzelnachweise

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