mini|hochkant=1.5|Olympiapark mini|hochkant=1.5|Karte des Olympiaparks München mini|Logo mini|Olympiaberg und Olympiasee im Olympiapark mini|Olympiagelände zur blauen Stunde
Der Olympiapark in München ist ein Stadtpark im Stadtviertel Oberwiesenfeld des Münchner Stadtbezirk 11 Milbertshofen-Am Hart und war der Austragungsort der XX. Olympischen Spiele 1972. Er ist einer der größten Parks der Stadt und bis heute finden sportliche, kulturelle, gesellschaftliche oder religiöse/weltanschauliche Veranstaltungen beziehungsweise Gottesdienste auf dem Gelände statt. Betrieben wird das Olympische Gelände im Norden Münchens von der Olympiapark München GmbH (OMG), einer hundertprozentigen Beteiligungsgesellschaft der Landeshauptstadt München.
Bis zum November 2015 fanden im 85 Hektar großen Park über 11.500 Veranstaltungen mit mehr als 200 Millionen Besuchern statt.http://www.muenchen.de/aktuell/200-millionste-besucher-olympiapark.html Seit den Sommerspielen 1972 waren die Bauten des Olympiaparks Austragungsort von 31 Weltmeisterschaften, 12 Europameisterschaften und fast 100 deutschen Meisterschaften. Hinzu kommen zahlreiche weitere Events wie Konzerte, Messen, Ausstellungen etc.Der Olympiapark feiert seinen 40. Geburtstag, muenchen.de, Artikel vom 20. August 2012.
Lage und Gliederung
Das Gesamtgebiet wird im Osten durch die Lerchenauer Straße, im Norden durch die Moosacher Straße begrenzt, im Westen bilden die Landshuter Allee bis zum Willi-Gebhardt-Ufer die Grenze. Von dort verläuft die Grenze auf der Rückseite des Bundeswehrverwaltungszentrums bis zur Tusnelda-Lang-Brumann-Straße und mit dieser zur Ackermannstraße. Die Südgrenze des Gebietes verläuft erst die Ackermannstraße entlang und anschließend um eine Kleingartenanlage und eine Gated Community herum zur Winzererstraße. Schließlich schließt die Winzererstraße bis zur Lerchenauer Straße das letzte Stück der Ostgrenze. Der Mittlere Ring/Georg-Brauchle-Ring teilt das Gelände in zwei Hälften: Olympisches Dorf nördlich, Olympiagelände und Olympiapark südlich des Georg-Brauchle-Ringes. Außerhalb dieses Umgriffs liegen die Olympia-Pressestadt und das Olympia-Einkaufszentrum westlich der Landshuter Allee und der ehemaligen Bahnlinie zum stillgelegten Bahnhof München Olympiastadion.
Überörtliche Beziehungen bestehen sowohl in Nord-Süd-Richtung als auch radial. In Nord-Süd-Richtung bildet das Olympiagelände den südlichen Endpunkt einer keilförmigen Grün- und Kaltluftschneise, die sich nach Norden über die Eggarten-Siedlung, und den Lerchenauer See der Dreiseenplatte, den Feldmochinger Anger bis Panzerwiese, Hartelholz und Korbinianiholz bis zur Stadtgrenze und Schleißheim fortsetzt. In radialer Ost-West-Richtung verläuft der Grüngürtel zwischen dem Schlosspark Nymphenburg und dem Englischen Garten entlang dem Nymphenburg-Biedersteiner Kanal.Organisationskomitee für die Spiele deer XX. Olympiade München 1972 e.V.: Die Spiele – Band 2 Die Bauten. ProSport 1974, S. 34
Eine offizielle Gliederung innerhalb dieses Geländes existiert nicht.
Die Bezeichnung Olympiapark für den Teil des Gesamtgeländes südlich des Mittleren Rings hat sich im alltagssprachlichen sowie auch im halbamtlichen Gebrauch weitgehend durchgesetzt. Häufig findet sich auch der Begriff Olympiagelände für das gesamte Areal. Ein amtlicher Name für das Gesamtgebiet existiert nicht, vielmehr wird hier in vier verschiedene Bereiche unterschieden:
mini|links|Sondermarkenblock der Deutschen Bundespost zu den Olympischen Spielen 1972 Olympiagelände, Areal der Sportstätten wie Olympiastadion und Olympiahalle mit Olympiaturm
Olympisches Dorf, unterteilt in olympisches Männerdorf und olympisches Frauendorf (gewöhnlich Olympiadorf oder einfach Oly’dorf genannt)
Olympia-Pressestadt, heute Wohngebiet mit Olympia-Einkaufszentrum. Die Olympia-Pressestadt und das Olympia-Einkaufszentrum befinden sich im Stadtbezirk Moosach.
Olympiapark, südlich des Olympiageländes anschließender Park mit Olympiaberg und Olympiasee
Geschichte mini|Zeppelin LZ 126 über dem Oberwiesenfeld vor dem Knorr-Bremse-Gebäude (1924) mini|Bau der Untergrundbahn vor dem Fernsehturm (März 1968) mini|Bauabschnitt Olympiahalle (1970) mini|Olympisches Dorf im Bau (1971) mini|hochkant|Olympiahalle, Olympia-Schwimmhalle und Olympiaturm (2021)
Das wie die gesamte Münchner Schotterebene flache Oberwiesenfeld war aus einem Landsitz namens Wiesenfeld hervorgegangen und wurde seit dem späten 18. Jahrhundert als Truppenübungsplatz mit Artillerie-Schießplatz genutzt. Im 19. Jahrhundert kamen Manövergelände der Kavallerie, eine Militärschwimmschule am Nymphenburg-Biedersteiner Kanal, die bayerischen Eisenbahntruppen, die ersten militärischen Luftschiffer und seit 1902 die Prinz-Leopold-Kaserne des Königlich Bayerisches 1. Schwere-Reiter-Regiments „Prinz Karl von Bayern“ hinzu.
Situation vor der Olympia-Bewerbung Bis 1938 befand sich dort nördlich des Nymphenburg-Biedersteiner Kanals der 1929/31 eröffnete Verkehrsflughafen München-Oberwiesenfeld, während sich in Süd-Osten zwischen Melcherstraße, Lerchenauer Straße und Winzererstraße der Sportplatz des FC Teutonia von 1921 bis Mitte der 1930er Jahre befand. Nach der Verlegung des Verkehrsflughafens auf den im Oktober 1939 neu eröffneten Flughafen München-Riem wurde das Gelände des Flughafens bis Kriegsende von der Luftwaffe genutzt. Von 1945 bis 1957 wurde der Flugplatz durch die US-Armee als Airfield R.74 verwendet, während der Rest des Geländes rund zehn Jahre lang teilweise brach lag. Auf einer Teilfläche zwischen Schwere-Reiter-Straße, Nymphenburg-Biedersteiner-Kanal und Winzererstraße entstand in dieser Zeit einer der drei Münchner Trümmerschuttberge, deren Material aus der stark kriegszerstörten Stadt herangefahren wurde. Die Halde auf dem Oberwiesenfeld wurde 56 Meter hoch und enthielt 10.000.000 Kubikmeter Schutt. Außerdem wurden ab 1946 entlang des Nymphenburg-Biedersteiner-Kanals und im Bereich der heutigen Ackermannstraße und der Winzererstraße über 300 Kleingärten und 1951 an der Straßenbahn-Wendeschliefe Ecke Schwere-Reiter-Reiter- und der heutigen Ackermannstraße ein Fußballstadion eröffnet und 1952 errichteten der russische Flüchtling Väterchen Timofej mit seiner Partnerin Natascha als Schwarzbau ohne Baugenehmigung die – 2023 abgebrannte – Ost-West-Friedenskirche. Von 1957 bis kurz vor Beginn der Bauarbeiten zu den Olympischen Spielen wurde der nördliche Teil des Feldes von Sportfliegern im Rahmen der Allgemeinen Luftfahrt genutzt. Das letzte Flugzeug startete im März 1968.Strunz, Köhnlechner, Lottes: Der Tiefbau für die Bauten bei den Spielen der XX. Olympiade München 1972. Herausgegeben durch die Olympia-Baugesellschaft mbH. Engelhard-Druck, Nördlingen (ohne Jahresangabe). S. 7. Der südliche-östliche Teil (im Bereich Lerchenauer Straße) wurde zwischen 1954 und 1967 durch die jährliche Baumaschinenmesse (Bauma) belegt.
Die Eigentumsverhältnisse waren aufgrund der militärischen Nutzung zwischen Stadt, Freistaat Bayern und Bund zersplittert, was eine Bebauung in der Nachkriegszeit verhindert hatte. Unmittelbar angrenzend lagen überwiegend Industrieflächen und Arbeiterviertel: insbesondere das Hauptwerk von BMW und die Unternehmenszentrale im Nordosten und das Gaswerk Moosach im Nordwesten. Im Stadtentwicklungsplan 1963 war zur Kompensation der Belastung durch Industrie und die der Aufwertung der Arbeiterviertel ein Ausbau zur Naherholung mit Sportanlagen zur aktiven Sportnutzung vorgesehen.Spieker 2022, S. 27f. Im Zuge des Stadtentwicklungsplans war ein komplexer Grundstückstausch zwischen den Eigentümern vorbereitet, aber noch nicht abgeschlossen wurden. Seit 1963, bereits vor Vergabe der Olympischen Spiele nach München, war das spätere Olympia-Eissportzentrum, das 1972 für Boxveranstaltungen umgenutzt wurde, als Eisstadion am Oberwiesenfeld zwischen 1965 und 1967 errichtet worden. Daneben entstand als zweites vorolympisches Bauwerk der Fernsehturm. Ein Bebauungsverfahren für ein Großstadion auf dem Gelände lief seit Anfang der 1960er Jahre, im Juni 1964 wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Im Januar 1965 wurden zwei Entwürfe von Rüdiger Henschker und Wilhelm Deiss ausgezeichnet, die Architekten wurden von der dafür gegründeten Münchner Stadion GmbH aufgefordert zusammen eine gemeinsame Planung auszuarbeiten. Auf der Grundlage dieses Entwurf und einer kurzfristig ergänzten Grobplanung für Sporthalle und Schwimmhalle ging München in die Bewerbung nach Rom. Beide Architekten des Münchner Stadions versuchten noch bis 1967 ihren Entwurf in das dann laufenden Beratungen für die Olympischen Bauten einzubringen und wurden schließlich finanziell abgefunden.Spieker 2022, S. 28 ff.
Vergabe und Planung Nachdem 1966 das Internationale Olympische Komitee die Spiele an München vergeben hatte, wurden die Pläne für die städtebauliche Neuordnung des Oberwiesenfeldes konkret. Als Konzept wurde das Motto „Olympische Spiele im Grünen und der kurzen Wege“Architekten-Wettbewerb für die XX. Olympischen Spiele 1972 in München – Abschnitt B Aufgabe und sondere Angaben. Abgedruckt in: Fritz Auer: Ein Zeltdach für München und die Welt. Allitera Verlag 2022, ISBN 978-3-96233-322-5, S. 13–19, 18 gewählt, gleichzeitig wollten die Verantwortlichen den damaligen Idealvorstellungen einer bürgernahen Demokratie nahekommen. Durch den Einsatz namhafter Landschaftsarchitekten und erstmaliger pflanzensoziologischer Aufnahmen vor Baubeginn – beispielsweise an der Regattastrecke OberschleißheimStrunz, Köhnlechner, Lottes: Der Tiefbau für die Bauten bei den Spielen der XX. Olympiade München 1972. Herausgegeben durch die Olympia-Baugesellschaft mbH. Engelhard-Druck, Nördlingen (ohne Jahresangabe). S. 50. – sollte erstmals die Natur und ökologische Gesichtspunkte eine Wertschätzung bei einem solchen Großereignis erfahren, so dass die künstlich geschaffene Landschaft das Olympiagelände dominierte. Die Idee selbst, eine Sportstätte in einem Grüngelände zu errichten, war zwar nicht neu, so verfolgte man bei der Anlage des Flensburger Volksparks in den zwanziger Jahren ein ähnliches Konzept, aber in der konsequenten, durchgehenden Gestaltung für eine Stätte der Olympischen Spiele war sie völlig neu. So unterschied sich die Spielstätte deutlich von den Aufmarschplätzen der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Auch die Architektur des Olympiastadions, das Dach einem Spinnennetz nachempfunden, hob sich von vielen bisher errichteten, oft monumental-neoklassizistisch geprägten olympischen Spielstätten hervor. In diesem Sinn fiel auch das bis heute wegweisende graphische Erscheinungsbild aus, für das der visuelle Gestalter bzw. Grafikdesigner Otl Aicher an führender Stelle verantwortlich zeichnete. Das erstmals bei Olympischen Spielen verbindlich festgelegte Farbschema sollte mit seiner Fröhlichkeit und Frische positive, einladende Emotionen bei Besuchern und Athleten wecken. Auch die eingesetzten, bis zur letzten Konsequenz stilisierten Piktogramme waren nach Tokio ein in diesem Umfang erstmaliger Versuch, internationale Kommunikation ohne Sprache möglich zu machen. Rot, als eine oftmals missbrauchte Farbe totalitärer Staaten, galt bei dem graphischen Team um Aicher als Tabu. Die bewusste optische Abwesenheit von staatlichen Sicherheitsorganen wurde durch ein von Aicher entworfenes ziviles, bürgernahes Erscheinungsbild der Beamten erreicht. Auch hierin wollten sich die Planer der Spiele von 1972 deutlich von den staatspolitisch missbrauchten, durch Sicherheitskräfte und militärische Präsenz geprägten Berliner Olympischen Spielen unterscheiden. Ebenso sollte der Fackellauf, eine erstmals 1936 eingeführte Institution, an der nun Frauen und Behinderte teilnahmen, die Distanz Westdeutschlands zum Nationalsozialismus verdeutlichen.
Errichtung der Anlagen