Die Antikensammlung Berlin, ein Museum der Staatlichen Museen zu Berlin, ist eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen antiker Kunst. Sie beherbergt archäologische Objekte griechischer, römischer, etruskischer und zyprischer Herkunft. Hauptanziehungspunkt der Sammlung ist der Pergamonaltar, daneben Zeugnisse griechischer und römischer Architektur aus Milet (Markttor von Milet), Priene, Magnesia, Baalbek und Falerii. Darüber hinaus besitzt die Antikensammlung eine große Zahl antiker Skulpturen, Vasen, Terrakotten, Bronzen, Sarkophage, Gemmen und Edelmetallarbeiten. Die Antikensammlung Berlin stellt ihre Werke in drei Gebäuden, dem Alten Museum, dem Neuen Museum und dem Pergamonmuseum, auf der Museumsinsel in Berlin aus.

Geschichte der Sammlung Der Grundstock mini|Das Münz- und Antikenkabinett im Berliner Stadtschloss (1696) Den Grundstock der Sammlung legte der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm, der unter anderem 1671 Teile der Sammlung von Gerrit Reynst erwarb.Zur Frühgeschichte der Berliner Antikensammlung Gerald Heres: Die Anfänge der Berliner Antiken-Sammlung zur Geschichte des Antikenkabinetts 1640–1830. In: Staatliche Museen zu Berlin. Forschungen und Berichte 18, 1977, S. 93–130; Gerald Heres: Die Anfänge der Berliner Antiken-Sammlung. Addenda et Corrigenda. In: Staatliche Museen zu Berlin. Forschungen und Berichte 20, 1980, S. 101–104; Sepp-Gustav Gröschel: Die Anfänge der Antikensammlung unter Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg bis zu König Friedrich Wilhelm I., in: Saskia Hueneke, Astrid Dostert, Sepp-Gustav Gröschel u. a.: Antiken I. Kurfürstliche und königliche Erwerbungen für die Schlösser und Gärten Brandenburg-Preußens vom 17. bis zum 19. Jahrhundert (Bestandskataloge der Kunstsammlungen. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg). Akademie-Verlag, Berlin 2009, S. 15–22. Seit 1686 war Lorenz Beger kurfürstlicher Antiquar unter Friedrich III. und wurde 1688 Verwalter der „Antiquitäten-Kammer“, 1693 Leiter der gesamten „Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer“, die im Berliner Stadtschloss untergebracht war. Er trug maßgeblich zum Ausbau und zur Systematisierung der kurfürstlichen Sammlungen bei.Die Brandenburgisch-Preussische Kunstkammer. Eine Auswahl aus den alten Beständen. Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1981. In seiner Amtszeit erfolgte 1698 der Erwerb der umfangreichen Sammlung des römischen Antiquars Giovanni Pietro Bellori.Gerald Heres: Museum Bellorianum. Antikenbesitz eines römischen Archäologen im 17. Jahrhundert; Ausstellung im Alten Museum, 9. November 1973 – 13. Januar 1974. Staatliche Museen, Berlin 1973. König Friedrich Wilhelm I. zeigte wenig Interesse an der Kunst- und Antikensammlung, belegbar ist das Geschenk von Skulpturen an August den Starken von Sachsen zwischen 1723 und 1726, nicht jedoch der häufig angeführte Tausch gegen zwei Dragonerregimenter.Gerald Heres: Die Anfänge der Berliner Antiken-Sammlung zur Geschichte des Antikenkabinetts 1640–1830. In: Staatliche Museen zu Berlin. Forschungen und Berichte 18, 1977, S. 106.

Nach einer längeren Pause folgte 1742 durch König Friedrich II. der Ankauf der Sammlung des Kardinals Melchior de Polignac, zu deren bedeutendsten Stücken die Figur des „Knöchelspielenden Mädchens“ gehörte.Astrid Dostert: Die Antikensammlung des Kardinals Melchior de Polignac. Dissertation FU Berlin 2009 (Digitalisat); Astrid Fendt: Archäologie und Restaurierung. Die Skulpturenergänzungen in der Berliner Antikensammlung des 19. Jahrhunderts (= Transformationen der Antike Bd. 22). de Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-024743-5, Band 1, S. 20–26. 1747 erwarb er die schon damals berühmte Bronzestatue des sogenannten Betenden Knaben, die bis 1786 auf der Terrasse vor dem Schloss Sanssouci in Potsdam aufgestellt war.

1758 konnte der Antikenbestand durch die Erbschaft der Sammlung der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth abermals erweitert werden; darunter 265 Gemmen, Skulpturen sowie ein Fragment des „Nilmosaiks von Palestrina“.Gordian A. Weber: Die Antikensammlung der Wilhelmine von Bayreuth (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte 67). tuduv, München 1996, ISBN 3-88073-537-9; Astrid Fendt: Archäologie und Restaurierung. Die Skulpturenergänzungen in der Berliner Antikensammlung des 19. Jahrhunderts (= Transformationen der Antike Bd. 22). de Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-024743-5, Band 1, S. 26–29. 1764 erfolgte der Ankauf der Gemmensammlung Philipp von Stosch. 1766 bis 1768 wurden durch den Kunsthändler Giovanni Ludovico Bianconi Statuen in Rom erworben.Astrid Fendt: Archäologie und Restaurierung. Die Skulpturenergänzungen in der Berliner Antikensammlung des 19. Jahrhunderts (= Transformationen der Antike Bd. 22). de Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-024743-5, Band 1, S. 29–32., 1767 der „Grüne Caesar“ und ein Augustusporträt aus der Sammlung Julienne in Paris.

mini|Antikentempel im Park von Sanssouci (2004) Die Antiken dienten der Dekoration der königlichen Schlösser. 1776 ließ Friedrich II. den Großteil der Antiken in den Antikentempel im Park von Schloss Sanssouci bringen, wo sie Besuchern nach Anmeldung beim Kastellan zugänglich waren.Harry Nehls: „Dieses schöne Stück“. Das Reiterrelief Polignac im Antikentempel im Park von Potsdam-Sanssouci. In: Antike Welt 33, 2002, S. 431–435. 1790 erfolgte unter Friedrich Wilhelm II. der Erwerb weiterer sechs Statuen durch Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff in Rom.Astrid Fendt: Archäologie und Restaurierung. Die Skulpturenergänzungen in der Berliner Antikensammlung des 19. Jahrhunderts (= Transformationen der Antike Bd. 22). de Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-024743-5, Band 1, S. 32–35.

Friedrich Wilhelm III. verfügte in einer Kabinettsorder vom 1. September 1798: „.… zur Beförderung des Studiums der Alterthümer und der Kunst … die Sammlung der Medaillen und Antiken im Antiken-Tempel zu Potsdam mit den ähnlichen Sammlungen in Berlin zu vereinigen und der Akademie der Wissenschaften anzuvertrauen“.Harry Nehls: „Dieses schöne Stück“. Das Reiterrelief Polignac im Antikentempel im Park von Potsdam-Sanssouci. In: Antike Welt 33, 2002, S. 432. Die Münz- und Gemmensammlung kam noch im selben Jahr in das Antikenkabinett des Berliner Stadtschlosses, dazu 48 sonstige Antiken, 1801 wurden weitere 449 Antiken von Sanssouci nach Berlin gebracht.

1797 wurde von Aloys Hirt die Idee vorgetragen, in Berlin das erste öffentliche Museum Preußens zu errichten und dort die wichtigsten Stücke der königlichen Sammlungen zu präsentieren.Aloys Hirt: Über den Kunstschatz des Königlich-Preußischen Hauses. Eine Vorlesung gehalten bei der öffentlichen Sitzung der Akademie der schönen Künste und mechanischen Wissenschaften. Den 25. September 1797. In: Berlinisches Archiv der Zeit und ihres Geschmacks 1797, Band 2, S. 499–524 (Digitalisat); siehe Astrid Fendt: Archäologie und Restaurierung. Die Skulpturenergänzungen in der Berliner Antikensammlung des 19. Jahrhunderts (= Transformationen der Antike Bd. 22). de Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-024743-5, Band 1, S. 66–70; Astrid Fendt, Claudia Sedlarz, Jürgen Zimmer (Hrsg.): Aloys Hirt in Berlin. Kulturmanagement im frühen 19. Jahrhundert. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2014, ISBN 978-3-422-06915-2. Dieser Vorschlag wurde von König Friedrich Wilhelm III. zunächst nicht aufgegriffen. Einen Großteil der großplastischen Werke aus dem königlichen Kunstbesitz ließ Napoleon Bonaparte nach der Niederlage Preußens 1806 als Beutegut durch Dominique-Vivant Denon nach Paris bringen, wo sie im Musée Napoléon ausgestellt wurden.Astrid Fendt: Archäologie und Restaurierung. Die Skulpturenergänzungen in der Berliner Antikensammlung des 19. Jahrhunderts (= Transformationen der Antike Bd. 22). de Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-024743-5, Band 1, S. 57–64. Die Stücke kehrten 1814/15 nach Berlin zurück und erst jetzt nahmen die Planungen für ein neues Museum langsam Gestalt an. Mit Kabinettsordre vom 12. Oktober 1820 ordnete Friedrich Wilhelm III. an, Kunstwerke der Schlösser, Gärten und Galerien für das zu errichtende Museum auszuwählen. Der Erlass zum Bau eines Museums nach Karl Friedrich Schinkels Plänen erfolgte am 24. April 1823.Christoph Martin Vogtherr: Das Königliche Museum zu Berlin. Planungen und Konzeption des ersten Berliner Kunstmuseums (= Jahrbuch der Berliner Museen N.F. 39, 1997, Beiheft). Gebr. Mann, Berlin 1997, ISBN 3-7861-1972-4. Parallel erfolgten, schon mit Blick auf das neue Museum, weitere Ankäufe, so 1827 die Bronzen- und Vasensammlung des Generalkonsuls Jakob Ludwig Salomon Bartholdy und 1828 die aus 1348 antiken Vasen bestehende Sammlung des Generals Franz von Koller.Gerald Heres: Die Erwerbung der Sammlung Koller durch das Berliner Antikenkabinett. In: Listy filologické. Folia philologica 100, 2, 1977, S. 104–109.

Die Sammlung bis 1939 mini|Altes Museum (2005) Die Antikensammlung fand ein erstes Heim im von Karl Friedrich Schinkel errichteten Alten Museum am Lustgarten gegenüber dem Berliner Stadtschloss, das am 3. August 1830 eröffnet wurde. Die Sammlung bestand zunächst vor allem aus antiken griechischen und römischen, aber auch aus mittelalterlichen und neuzeitlichen Skulpturen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfolgten viele weitere Ankäufe, so unter anderem schon 1831 die aus 442 Vasen bestehende „Dorow-Magnus’sche Sammlung“ aus dem Besitz Wilhelm Dorows.Wilhelm Dorow: Einführung in eine Abtheilung der Vasensammlung des königlichen Museums zu Berlin. Berlin 1833 (Digitalisat). Durch Vermittlung des Archäologen Eduard Gerhard konnte die Vasensammlung in den Folgejahren bedeutend erweitert und zu einer der weltweit besten Sammlungen ausgebaut werden.

Zentraler Raum des Alten Museums war die Rotunde, in der durch eine Kommission unter der Leitung von Wilhelm von Humboldt eine erste Aufstellung ausgesuchter Statuen vorgenommen wurde. Die Rotunde gilt als eines der gelungensten Beispiele für Museumsarchitektur des 19. Jahrhunderts. Von der Rotunde kam man in zwei Säle mit antiken Götter- und Heroenstatuen.Wolf-Dieter Heilmeyer, Huberta Heres, Wolfgang Maßmann: Schinkels Pantheon. Die Statuen der Rotunde im Alten Museum. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2004, ISBN 3-8053-3255-6. Daran schlossen sich zwei Räume mit römischen Kaiserstatuen und Porträts, Sarkophage, Aschenkisten und Reliefs an. Die Kleinkunst war zunächst im so genannten Antiquarium im Sockelgeschoss des Museums untergebracht. Einen ersten Führer durch die Ausstellung der Skulpturen schrieb der Bildhauer Christian Friedrich Tieck, der mit Christian Daniel Rauch auch die Stücke restauriert hatte und Direktor der Sammlung war.Christian Friedrich Tieck: Verzeichniss der antiken Bildhauerwerke des Königlichen Museums zu Berlin. Berlin 1830; erweiterte Auflage Berlin 1839 (Digitalisat); 25. Auflage 1853 (Digitalisat).

1851 wurde Theodor Panofka als erster Archäologe Direktor der Sammlung für Skulpturen und Gipsabdrücke, er war seit 1836 am Museum tätig, 1855 wurde Eduard Gerhard sein Nachfolger, der bereits seit 1833 am Museum tätig war. Schon in dieser Phase legte man nicht nur Wert auf die Darstellung der Kunstwerke, sondern auch ganz besonders auf die wissenschaftliche Forschung und die Bildung, was für ein Museum in dieser Zeit ein Novum war. Ein Zeichen dieses wissenschaftlichen Anspruches war die Anlage eines systematischen Kataloges von Zeichnungen antiker Kunstwerke aus Italien und Griechenland. Diese schnell auf 2500 Blatt angewachsene große Sammlung („Gerhard’scher Apparat“) ist noch bis heute als Quelle für die Forschung von Nutzen. In den Jahren seiner Verantwortung beschränkte sich Gerhard nicht darauf, besondere Kunstwerke zu erwerben, sondern versuchte, die Sammlung in der Breite und mit Blick auf eine besondere Vielfalt der verschiedenen Kunstgattungen zu erweitern.