mini|Die Regenbogenflagge ist das Symbol für Pride mini|Barke mit dem Motto des fünfzigjährigen Jubiläums der Stonewall Riots in New York City, 2019 LGBT-Pride, auch Gay-Pride oder einfach nur Pride, ist ein englischer Begriff, der aus der amerikanischen Lesben- und Schwulenbewegung stammt und international übernommen wurde. Er beschreibt den selbstachtenden und damit stolzen Umgang mit der eigenen sexuellen Identität. Stolz wird dabei im Sinne eines gegenüber anderen gezeigten Selbstwertgefühls verwendet,Vgl. Stolz, Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841, S. 307. das heißt, so zu sein, wie man ist, sich nicht vor anderen verstecken oder sich für andere verstellen zu wollen und gegebenenfalls für seine Rechte einzutreten.

Pride wird auch als Kategorie oder Namenszusatz für Publikationen und Veranstaltungen verwendet, die dieses Selbstbewusstsein politisch oder kulturell öffentlichkeitswirksam ausdrücken. Am bekanntesten sind die Pride-Paraden, bei denen in Demonstrationszügen Sichtbarkeit für LGBT geschaffen werden soll. Auch Filmfestivals, Partys, Sit-ins, Mahnwachen und Community-Veranstaltungen finden im Sinne von Pride statt. Durch den Begriff sind auch die Mad-Pride- und die Disability-Pride-Bewegung inspiriert. Die Regenbogenflagge ist das gängigste Symbol für Pride.

Bedeutung Pride soll das Gefühl ausdrücken, wenn LGBT-Personen selbstbewusst mit ihrer sexuellen Orientierung und ihrer sexuellen Identität umgehen und ihr „Anderssein“ (gemessen an der Heteronormativität) akzeptieren, anstatt es als Last zu sehen. Pride sei dabei eine Reaktion auf die Heteronormativität der Gesellschaft, in der alle sexuellen Orientierungen außer Heterosexualität als etwas angesehen würden, für das man sich zu rechtfertigen und zu schämen habe. So kam es zu Redewendungen wie „Gay is good.“ Dieses Empowerment war eine Voraussetzung für die Emanzipationsbewegung.Andreas Speck: Kollektive Identitäten: Falle oder Mittel zum Empowerment?, War Resisters International, 1. Januar 2001. Der Begriff soll dabei nicht Hochmut ausdrücken, sondern ein Gegenteil zu Scham bilden, in die nicht-heterosexuelle Menschen oft gezwängt würden, und Selbstachtung ausdrücken.

Scham und Stolz sind stark mit der Selbstwertregulation und der Interaktion mit der Umwelt verbunden. „Gefühle des Stolzes verbinden uns mit anderen Menschen, lassen uns kompetent, geliebt und bewundert erscheinen. Wir fühlen uns als ein Mitglied der Gesellschaft, als dazugehörig, wollen uns zeigen. Im Gegensatz dazu isolieren Schamgefühle uns von anderen, wir fühlen uns inkompetent, schwach, schmutzig und klein. Aufgrund dieser Scham/Stolz-Achse entscheiden wir, ob wir unserem persönlichen Ich-Ideal näher gekommen sind, ob wir die Diskrepanz zwischen Ideal und Ich vermindern konnten.“Jens León Tiedemann: Die intersubjektive Natur der Scham, 2007, Dissertation an der Freien Universität Berlin, FB Erziehungswissenschaft und Psychologie; Kapitel 1.6. Scham und Stolz – die zwei Selbstwert-Regulierer (PDF; 98 kB), S. 25 ff.

Pride findet je nach gesellschaftlichem Kontext unterschiedliche Auslebungen und Ausdrucksformen.Jörg Hutter: Von der Sodomie zu Queer-Identitäten – Ein Beitrag zur Geschichte der homosexuellen Identitätsentwicklung, in: Setz, Wolfram (Hrsg.), Karl Heinrich Ulrichs zum 175. Geburtstag. Die Geschichte der Homosexualitäten und die schwule Identität an der Jahrtausendwende, Verlag rosa Winkel, Berlin 2000, S. 141–175. Nikki Sullivan analysiert das Lied I Am What I Am, das zu einer Hymne der LGBT-Bewegung wurde, als Ausdruck von Pride.Nikki Sullivan: A critical introduction to queer theory. Edinburgh University Press, 2003, ISBN 0-7486-1597-0, S. 29. In dem Lied geht es darum der zu sein, der man ist, seine eigene, individuelle Persönlichkeit und dass man dafür keine Entschuldigung braucht.

Ein berühmter Ausspruch, der sowohl durch das Statement selbst als auch durch die Umstände Gay Pride beinhaltet, ist Klaus Wowereits „Ich bin schwul, und das ist auch gut so.“ Die Thematisierung war notwendig geworden, um einer sich abzeichnenden Thematisierung durch Medien oder gar einer Enthüllungskampagne zuvorzukommen.Rede vor den Delegierten des Nominierungsparteitages der SPD, 10. Juni 2001; ausgestrahlt in: WDR 2 MonTalk, 11. August 2003, wo Wowereit auch die Beweggründe erklärte. Sie sind auch in der Biographie nachzulesen. „Ist das Bekenntnis ‚Ich bin schwul!‘ noch als Bitte um Anerkennung zu lesen, so liegt im Nachsatz ‚und das ist auch gut so!‘ auch eine Absage an diese Bitte.“Manfred Weinberg: , Gutso.doc, (MS Word; 110 kB), 20. Mai 2003, culturalgenderstudies.zhdk.ch.

Studien Martin Dannecker befragte zwischen 1971 und 1974 Männer aller Altersklassen (d. h. das Ereignis fand ca. zwischen 1930 und 1970 statt), wie sie sich gefühlt haben, als sie sich zum ersten Mal sicher waren, schwul zu sein (Inneres Coming-out). Dieselbe Frage wurde schwulen Jugendlichen zwischen 1998 und 2001 per Papierfragebogen und Internet gestellt. Mehrfachnennungen waren jeweils möglich. Dabei zeigte sich, dass Gefühle von Angst und Sorge noch immer eine Rolle spielen, aber positive Gefühle heute eine größere Bedeutung haben. Im neuen Sample zeigte sich auch, dass wenn man positive und negative Antworten summierte, bei Teilnehmern über 20 Jahren die negativen Antworten überwogen und bei Teilnehmern bis 20 Jahre die positiven. Möglich wurde dies durch die Errungenschaften der Lesben- und Schwulenbewegung.Niedersächsisches Ministeriums für Frauen, Arbeit und Soziales (Hrsg.): , 2001, Untersuchung wurde durchgeführt von: Schwul-lesbische Forschungsgruppe am Institut für Psychologie – Sozialpsychologie – der Ludwig-Maximilians-Universität München (SLFM) unter Federführung von Ulrich Biechele, Günter Reisbeck und Heiner Keupp + Wie fühltest du dich, als du dir zum ersten Mal sicher warst, schwul zu sein? Dannecker(1971/74)(%) SLFM(1998/2001)(%) fürchtete mich vor der Zukunft 34 43 war beunruhigt 45 38 war froh 11 26 war glücklich 17 26 war stolz 4 22 dachte, Sex mit Männern ist falsch 25 11 fühlte mich schuldig 16 8

Veranstaltungen mini|Gay Games 2006 Seit Beginn der neuen Schwulen- und Lesbenbewegung ab 1969 werden in englischsprachigen Ländern auch Veranstaltungen, die offen dieses Selbstwertgefühl zeigen, offen homosexuelles Leben zeigen oder thematisieren, immer wieder als Gay Pride bezeichnet. So wurde 1970 in London die erste Demonstration Gay Pride March genannt und in New York wurde Gay Pride und Pride Week als Sammelbezeichnung für die Veranstaltungen rund um den Christopher Street Gay Liberation Day March verwendet. Durch Lektüre und internationale Kommunikation und Tourismus entwickelte sich Gay Pride zu einem Internationalismus und wird für viele Veranstaltungen – zumindest als internationaler Zusatzname – verwendet. So gibt es etwa den San Francisco Pride, den Cologne Pride oder den Moscow Pride.

Auffälligste und publikumswirksamste Veranstaltungen sind Demonstrationen, die sogenannten Pride-Paraden. Von Beginn an gibt es oft auch weitere Veranstaltungen, meist in den Tagen vor der Parade. Dabei handelt es sich um ein unterschiedliches Spektrum von Vorträgen, Kongressen, Ausstellungen, Kulturveranstaltungen, Partys und auch Gottesdiensten, sofern diese nicht, wie beispielsweise in Bayern 2006 durch die katholische Kirche, von der Religionsgemeinschaft untersagt werden.CSD-Gottesdienste bayernweit verboten, queer.de, 24. April 2006. Üblicherweise dauern solche Veranstaltungsreihen 3 Tage, eine Woche, 2 Wochen oder einen Monat lang und werden entsprechend Gay Pride Days, Gay Pride Week(s), Gay Pride Month oder Pride Month genannt. Auf der nördlichen Welthalbkugel finden sie meist im Mai bis August statt, in der südlichen Hemisphäre oft von September bis Mai.

Es finden auch Filmfeste, Ferienwochen, Sportveranstaltungen, Bälle und anderes statt. Kommerz sollte nach der Meinung vieler nicht im Vordergrund stehen, sondern maximal als Mittel zum Zweck genutzt werden, etwa als Sponsorenwerbung bei Veranstaltungen. Auf jeden Fall sollte es nicht der Hauptantrieb oder gar alleiniger Antrieb für solche Veranstaltungen sein. Starke Gegner einer Kommerzialisierung der Parade haben in Berlin den Transgenialen CSD ins Leben gerufen.

Die Organisation InterPride beantwortet die Frage, was eine Pride-Veranstaltung sei, wie folgt:

Übersetzungen Gay bedeutet ursprünglich lebenslustig und wird jetzt im Englischen auch für die Bedeutungen homosexuell (männlich wie weiblich) und schwul verwendet. So ist beispielsweise die Bezeichnung „gay women“ korrekt und wird immer wieder verwendet, im Gegensatz zur „schwulen Frau“ in der heutigen deutschen Sprache. Somit ist derzeit eine reine Übersetzung als „schwuler Stolz“ und „Schwulenparade“ nicht immer sachlich korrekt.

Zusätzlich hat der Sachverhalt des Stolzes in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedliche Wertigkeiten, auch wenn meist ein philosophischer Diskurs um Hochmut, Stolz, Ehre, Demut, Scham etc. stattfindet, und die jeweiligen Begriffe haben aus semasiologischer Sicht einen unterschiedlichen Umfang und unterschiedliche Konnotation. Tendenziell wird im englischsprachigen Raum mit positiverer Wertung von pride gesprochen, als im deutschen Sprachraum von Stolz.Benjamin Marius Schmidt und Gesa Ziemer: , ith-z.ch, 19. Jänner 2004, Version: 1. März 2006. Diese Wertung im Englischen zeigt sich auch in der Verwendung innerhalb verschiedener Namen, wie beispielsweise Pride of Africa, Pride of Baltimore, Pride of America, New Jersey Pride, PRIDE FC, Pride Air, Pride Park und das Pride Park Stadium oder Pee Dee Pride, die es im Deutschen nur in Übersetzungen gibt. Die spanisch- bzw. portugiesischsprachige Community konnte sich direkt mit dem Begriff des Stolzes (Orgullo / Orgulho) anfreunden, kennt als Übersetzung von Gay Pride Orgullo gay / Orgulho gay und so gibt es in mehreren Ländern Demonstrationen mit Namen wie Marcha del Orgullo LGTB / Parada do Orgulho LGBT. Im Französischen wird Stolz als Fierté bezeichnet, enthält aber nicht die Bedeutung von Hochmut (Orgueil). Gay Pride wird mit Fierté gaie übersetzt und es gibt seit 2001, nachdem Pride aus markenrechtlichen Gründen nicht mehr verwendet wird, den La Marche des fiertés lesbiennes, gaies, bi et trans.

Gay Pride bedeutet wörtlich übersetzt meist homosexueller Stolz oder zielgruppengerechter lesbisch-schwuler Stolz, manchmal auch nur schwuler Stolz. Es wird jedoch eher selten auf diese Art übersetzt, meist nur als wörtliche Erklärung oder zur Hervorhebung. Eine Gay-Pride-Parade ist in dem Sinn eine „Parade homosexuellen/lesbisch-schwulen Stolzes“ oder auch eine „Parade von stolzen Schwulen und Lesben“. Die Übersetzung „homosexuelle/schwule Stolz-Parade“ hätte eine vom Sinn abweichende Konnotation. Die Bedeutung treffender gibt „Parade homosexueller/lesbisch-schwuler Selbstachtung“ wieder. Als Kompositum gebildete Veranstaltungsnamen mit diesem Begriff werden selten ins Deutsche übersetzt. Im deutschen Sprachraum hat sich als neben dem Internationalismus der Begriff Christopher Street Day (CSD) etabliert, in Österreich ist es die Regenbogenparade.

Wenn der Sachverhalt bezeichnet werden soll, so ist es manchmal aus onomasiologischer Sicht zielführender zusammen mit den Begriffen homosexuell, schwul-lesbisch, transgender oder queer die Begriffe Selbstbewusstsein, Selbstwert, Selbstwertgefühl oder Selbstachtung zu verwenden. Auch können die Begriffe der Personengruppe zugeschrieben werden, also beispielsweise „die Selbstachtung der Schwulen und Lesben“.