Coswig (Anhalt) ist eine Stadt im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Geographie mini|Ansicht vom gegenüberliegenden Elbufer auf Stadt und Schloss

Coswig liegt am nördlichen Ufer der Elbe im Süden des Höhenzugs Fläming.

Im Norden des Stadtgebiets, eingebettet in ein Waldgebiet nahe dem Ortsteil Zieko, befindet sich der Silbersee, der als regionales Naherholungs- und Angelgewässer genutzt wird.

Stadtgliederung Zu Coswig (Anhalt) gehören folgende 16 Ortschaften:Hauptsatzung der Stadt Coswig (Anhalt)

Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn (von Norden beginnend): Wiesenburg/Mark, Lutherstadt Wittenberg, Oranienbaum-Wörlitz, Dessau-Roßlau.

Geschichte Das mesolithische Grab von Coswig, die einzige bekannte Brandbestattung der Mittelsteinzeit in Deutschland, wurde 2001 nahe der Elbe am Rand eines jungbronzezeitlichen Gräberfelds entdeckt. Die Grablegen der jungsteinzeitlichen Kugelamphorenkultur (KAK) (3000 bis 2800 v. Chr.) fanden sich inmitten eines dicht belegten Gräberfeldes der eisenzeitlichen Hausurnenkultur (700 bis 500 vor Chr.) Schon vor einiger Zeit war man im Hochuferbereich der Elbe auf eine Abfallgrube der Kugelamphorenkultur gestoßen. Die beiden Kugelamphoren-Körpergräber waren nicht durch die eisenzeitlichen Bestattungen gestört.

Vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert mini|Ansicht von Coswig, 1860 Am heutigen Standort wird bereits 1187 eine Burg Cossewiz erwähnt. Ob vor dieser Zeit schon eine slawische Siedlung existierte, ist nicht belegt. Als Oppidum wird Coswig im Jahre 1215 bezeichnet und galt in jener Zeit als die wichtigste Stadt der anhaltinischen Askanier nördlich der Elbe.

Bereits im 16. Jahrhundert wurde Coswig von Wörpen aus durch eine Wasserleitung mit Trinkwasser versorgt. In dieser Zeit spielten die Weberei, das Töpferhandwerk sowie die Landwirtschaft (u. a. Hopfenanbau) wirtschaftlich die bedeutendste Rolle.

Im Schmalkaldischen Krieg wurde die Stadt durch spanische Truppen weitgehend zerstört. Im Dreißigjährigen Krieg hielt sich Wallenstein auch in Coswig auf.

mini|Schloss Coswig mini|hochkant|Schloss Coswig auf einem Deckelhumpen von 1676 im Landesmuseum Württemberg

Coswig war von 1603 bis 1793 Teil des Fürstentums Anhalt-Zerbst. Das in der Stadt befindliche Schloss wurde 1667 bis 1677 durch den holländischen Architekten Cornelis Ryckwaert erbaut und diente bis ins 19. Jahrhundert als Witwensitz. Während im Bauschmuck des nördlich gelegenen Hauptflügels auf ältere Renaissance-Formen zurückgegriffen wurde, nahm die Gesamtanlage zeitgenössische Einflüsse der französischen Barockarchitektur auf. Ab 1874 wurde das Schloss teilweise in ein Gefängnis umgebaut und zu diesem Zweck der Südflügel um zwei Geschosse aufgestockt. Bis zur Märzrevolution diente das Justizamt Coswig als Eingangsgericht, danach die Kreisgerichtskommission Coswig, die ab 1863 zum Kreisgericht Zerbst gehörte. Ab 1879 bestand das Amtsgericht Coswig.

20. und 21. Jahrhundert In der NS-Zeit war das im Schloss untergebrachte Gefängnis mit 900 (statt vorgesehener 300) Personen stark überbelegt, darunter viele aus politischen Gründen. Dazu kamen die 850 Häftlinge des Außenlagers Griebo, von denen etwa 300 aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen starben. Während des Zweiten Weltkrieges mussten hunderte Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern in Rüstungsbetrieben Zwangsarbeit verrichten. Am 14. November 1944 kamen bei einer Explosion im Werk der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff AG (WASAG) 94 Menschen ums Leben.

Im Jahr 1987 feierte die Stadt ihr 800-jähriges Bestehen.

Am 2. Juli 2007 wurde die Stadt mit allen Mitgliedsdörfern der Verwaltungsgemeinschaft Coswig (Anhalt) aufgrund einer Gebietsreform vom Landkreis Anhalt-Zerbst in den Landkreis Wittenberg eingegliedert.

Das Schloss wurde 2006 verkauft, die neue Eigentümerin Magnolia Albertazzi plant seitdem, hier ein Kulturzentrum einzurichten. Die im 19. Jahrhundert hinzugefügten Obergeschosse des Südflügels wurden zurückgebaut, um den ursprünglichen Zustand des Schlosses wiederherzustellen.Neues Leben in alten Mauern. Mitteldeutsche Zeitung vom 14. September 2008

Verwaltungszugehörigkeit 1603 Fürstentum Anhalt-Zerbst 1797 Fürstentum Anhalt-Bernburg 1806 Herzogtum Anhalt-Bernburg 1863 Herzogtum Anhalt, Kreis Coswig 1865 Herzogtum Anhalt, Kreis Zerbst 1918 Freistaat Anhalt, Kreis Zerbst 1945 Provinz Sachsen, Kreis Zerbst 1946 Provinz Sachsen-Anhalt, Kreis Zerbst 1947 Land Sachsen-Anhalt, Kreis Zerbst 1952 Bezirk Halle, Kreis Roßlau 1990 Land Sachsen-Anhalt, Kreis Roßlau 1994 Land Sachsen-Anhalt, Kreis Anhalt-Zerbst 2007 Land Sachsen-Anhalt, Kreis Wittenberg

Eingemeindungen Erste Eingemeindungen auf dem Gebiet der jetzigen Stadt Coswig (Anhalt) gab es bereits am 1. Juli 1950. Sechs Gemeinden mussten damals ihre Selbstständigkeit aufgeben. Am 1. Januar 1964 folgte die Umgliederung Pülzigs. Am 1. Oktober 1965 fand mit der Eingemeindung Buros nach Klieken die letzte dieser Maßnahmen zur DDR-Zeit statt.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt

Mit der Eingliederung Lukos nach Thießen begann die zweite Eingemeindungswelle am 1. Mai 1999.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 Schließlich folgten nur noch Eingliederungen in die Stadt Coswig (Anhalt): am 1. Januar 2004 ZiekoStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004, am 1. Januar 2008 WörpenStBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2008, im Jahr 2009 insgesamt elf ehemalige GemeindenStBA: Gebietsänderungen am 01.01.2009StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009 und im Jahr 2010 weitere drei Orte.Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt betreffend den Landkreis Wittenberg (GemNeuglG WB) vom 8. Juli 2010 (PDF).

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Bräsen 1. Januar 2010 Buko 1. Januar 2009 Buro 1. Oktober 1965 Eingemeindung nach Klieken Cobbelsdorf 1. Januar 2009 Düben 1. März 2009 Göritz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Serno Grochewitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Serno Hundeluft 1. Juli 2009 Jeber-Bergfrieden 1. Juli 2009 Klieken 1. März 2009 Köselitz 1. Januar 2009 Krakau 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Ragösen Luko 1. Mai 1999 Eingemeindung nach Thießen Möllensdorf 1. Juli 2009 Pülzig 1. Juli 19501. Januar 1964 Eingemeindung nach Möllensdorf, Umgliederung nach Cobbelsdorf Ragösen 1. Juli 2009 Senst 1. Januar 2009 Serno 1. Januar 2009 Stackelitz 1. Januar 2010 Thießen 1. September 2010 Wahlsdorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Wörpen Weiden 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Jeber-Bergfrieden Wörpen 1. Januar 2008 Zieko 1. Januar 2004

Bevölkerung Jahr Einwohner1990 9.7642005 8.5322010 13.2872015 12.1842020 11.521 Jahr Einwohner2021 11.4942022 11.2792023 11.2732024 11.1292025 11.007

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der deutliche Anstieg der Bevölkerungszahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Religion 18 % der Bevölkerung gehören der evangelischen Landeskirche an, 4 % der römisch-katholischen Kirche.

Für die 2270 evangelischen Christen gibt es sechs Kirchengemeinden mit insgesamt 22 Kirchen. Jeweils nur eine Kirche haben die Gemeinden St. Nicolai in der Kernstadt, St. Jakobi (Ragösen) und St. Petri (Thießen). Fünf Kirchen gehören zur Epiphaniasgemeinde Weiden: St. Bonifatius (Hundeluft) sowie die Dorfkirchen Grochewitz, Serno, Stackelitz und Weiden. Mit St. Johannes (Buko), St. Petri (Düben), St. Pauli (Luko), St. Johannes (Zieko), der Komtureikirche Buro und der Kreuzkirche Klieken gehören sechs Kirchen zur Hoffnungsgemeinde Zieko. Zur Martinsgemeinde Wörpen gehören nicht weniger als acht Dorfkirchen: St. Pauli (Köselitz), St. Jakobus (Pülzig), St. Petri (Senst), St. Martin (Wörpen), die Gustav-Adolf-Kirche Göritz sowie die Dorfkirchen Cobbelsdorf, Möllensdorf und Wahlsdorf.

Den 500 Katholiken stehen die Kirchen St. Michael (Coswig) und Mariä Himmelfahrt (Hundeluft) zur Verfügung, die beide zur Pfarrei Heilige Familie in Roßlau gehören.Katholische Gemeinde Coswig (Anhalt)

Des Weiteren gibt es eine neuapostolische Kirche; die Gemeinde hat 170 Mitglieder.Neuapostolische Gemeinde Coswig (Anhalt)

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Coswig (Anhalt) besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD 16,0 % 3 31,2 % 9 CDU 24,2 % 7 24,6 % 7 Freie Wählergemeinschaft (FWG) 10,2 % 3 14,7 % 4 Bürger repräsentieren Coswig (BrC) – – 10,3 % 3 SPD 11,4 % 3 7,3 % 2 Die Linke 9,9 % 3 3,3 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 4,1 % 1 2,4 % 1 Gegenwind Fläming – – 2,3 % 1 Einzelbewerber Markus Lehmann – – 2,1 % – FDP – – 1,2 % – Einzelbewerber Holger Ruhl – – 0,7 % – Bürgervertretung Coswig (Anhalt) 12,3 % 3 – – Freie Wähler 7,3 % 2 – – Einzelbewerber Günther Lutze 2,0 % 1 – – Heimatverein Kliekener Aue 1,5 % – – – Bürger-Neuanfang 1,1 % – – – Insgesamt 100 % 26 100 % 28

Bei der Wahl 2019 entfielen auf die AfD fünf Sitze, von denen zwei unbesetzt blieben, weil die Partei nur drei Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister 2000–2017: Doris Berlin (parteilos) 2017–2024: Axel Clauß (parteilos) seit 2024: André Saage (SPD)

Doris Berlin war von 2000 bis 2017 hauptamtliche Bürgermeisterin von Coswig. Sie wurde in der Bürgermeisterwahl am 16. Februar 2014 mit 100 % der gültigen Stimmen für ihre dritte siebenjährige Amtszeit bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 16. Februar 2014

Berlin trat am 30. Juni 2017 in den Ruhestand.Coswig braucht ein neues Stadtoberhaupt. In: Mitteldeutsche Zeitung. 18. Januar 2017. In der Bürgermeisterstichwahl am 7. Mai 2017 wurde Axel Clauß (parteilos) mit 71,8 % der gültigen Stimmen zu ihrem Nachfolger gewählt.Stichwahl der Bürgermeisterwahl in der Stadt Coswig (Anhalt) am 7. Mai 2017. Endgültiges Ergebnis.

André Saage (SPD) wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 17. März 2024 mit 54,2 % der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt. Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.

Wappen mini|Stadtwappen Blasonierung: „Im blauen mit zwölf goldenen Sternen bestreuten Schild eine Frauengestalt in langem, silbernem Kleid, golden gekrönt, in der Rechten einen goldenen Stechhelm, die Linke einen Schild haltend. Der Schild gespalten, vorn in silber ein roter golden bewehrter Adler am Spalt, hinten neunmal schwarz-golden geteilt, belegt mit einem grünen Rautenkranz.“

Das Wappen wurde vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch 1994 nach korrigierter (im 19. Jahrhundert war der anhaltische Stammschild seitenverkehrt dargestellt) historischer Vorlage gestaltet und ins Genehmigungsverfahren geführt.

Flagge Die Flagge der Stadt Coswig (Anhalt) ist rot-blau gestreift mit aufgelegtem Wappen.

Städtepartnerschaft Coswig (Anhalt) unterhält seit 1993 eine Partnerschaft mit der Stadt Stadtallendorf in Hessen.

Sehenswürdigkeiten mini|Klosterhof mit Stadtmuseum mini|Schloss, Luftaufnahme (2015) mini|Rathaus mini|Silbersee bei Zieko

Evangelische Nicolaikirche, ältestes Gebäude der Stadt, prägt das Stadtbild Coswigs