mini|Roger Köppel (2019)

Roger Jürg Köppel (* 21. März 1965 in Zürich; heimatberechtigt in Küsnacht und Widnau) ist ein Schweizer Journalist, Medienunternehmer, Publizist und Politiker (SVP). Seit 2001 ist er Chefredaktor des Wochenmagazins Die Weltwoche, mit einem zweieinhalbjährigen Intermezzo als Chefredakteur bei der deutschen Tageszeitung Die Welt (2004–2006), seit 2006 auch Verleger. Von 2015 bis 2023 war er Mitglied des Nationalrats. Er vertritt rechtspopulistische Positionen und verteidigt die Politik Russlands unter Putin.

Biografie Familie Roger Köppel wurde als Sohn des gelernten Maurers und späteren Zürcher Bauunternehmers Robert Köppel und seiner Frau Margrit, geb. Zumkehr, einer Sekretärin, in Zürich geboren.Vgl. Ryser: In Badehosen nach Stalingrad. 2018, ISBN 978-3-906807-05-8, S. 23 f.Lucie Machac: «Bern verschenkt die Kernwerte der Schweiz». In: Berner Zeitung. 30. März 2015. Die Familie seines Vaters stammt aus Widnau im Rheintal, jene seiner Mutter aus Adelboden im Berner Oberland.Roger Köppel: . In: Bremgarter Bezirks-Anzeiger. 25. Mai 2018. Köppels Grosseltern mütterlicherseits waren nach Königsberg in Ostpreussen ausgewandert, wo sein Grossvater, ein gelernter Bäcker und Konditor, als Feuerwehrmann arbeitete. Hier wurde auch Köppels Mutter geboren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte die Familie in die Schweiz zurück und liess sich 1947 in Kloten bei Zürich nieder, wo der Grossvater eine Anstellung bei der Swissair fand. Köppel wuchs in Kloten auf und besuchte die dortige Sekundarschule Nägelimoos. Nachdem sich seine Eltern 1975 hatten scheiden lassen, blieb er bei der Mutter. Nach ihrem Suizid im Dezember 1978 und dem Tod seines Vaters im Folgejahr lebte er zunächst bei seinem zehn Jahre älteren Halbbruder und dessen Freundin, später bei einer Pflegefamilie in Bülach.Vgl. Ryser: In Badehosen nach Stalingrad. 2018, S. 31, 43 f. Köppel ist mit Bich Tien Ton Köppel verheiratet, die mit vier Jahren als Tochter zweier Asylsuchender aus Vietnam in die Schweiz kam. Köppel hat mit seiner Frau vier Kinder und wohnt in Küsnacht. In: Schweizer Illustrierte. 28. April 2014.. Seine Frau, ausgebildete HSG-Ökonomin und Mitarbeiterin bei der Grossbank UBS mit Kollektivunterschrift zu zweien, entschloss sich 2013 dazu, ihre Stelle zu kündigen, um Hausfrau zu sein.SaW Redaktion: Roger Köppels Gattin kündigt bei der UBS und wird Hausfrau. In: Aargauer Zeitung. 6. April 2013. Seit 2019 ist sie zeichnungsberechtigt in der Weltwoche Verlags AG. Seit 2017 wirkt sie als Verwaltungsrätin in der Köppel Holding AG.

Ausbildung und Berufsjahre Seine Matura absolvierte Köppel 1984 an der Kantonsschule Zürcher Unterland in Bülach.Vgl. Ryser: In Badehosen nach Stalingrad. 2018, S. 44. Von der militärischen Wehrpflicht wurde er dispensiert. Von 1989 bis 1995 studierte Köppel Politische Philosophie und Wirtschaftsgeschichte an den Universitäten Zürich und Stuttgart und schloss sein Studium 1995 mit einer von Georg Kohler betreuten Lizentiatsarbeit über Autorität und Mythos: Carl Schmitt und die Wiederverzauberung staatlicher Gewalt (1916–1938) ab.Vgl. Ryser: In Badehosen nach Stalingrad. 2018, S. 67. Während seines Studiums begann Köppel 1988 seine journalistische Laufbahn bei der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) und arbeitete dort rund sieben Jahre lang in unterschiedlichen Ressorts, unter anderem in der Sportredaktion und in der Filmredaktion. In einer Biografie wird Köppel vorgeworfen, eine Rezension des Filmes Jurassic Park (1993) nahezu unverändert vom Magazin The New Yorker übernommen zu haben, ohne die Quelle zu nennen..

Beim Tages-Anzeiger war er ab 1994 Kulturredaktor. Drei Jahre später wurde er zum Chefredaktor des Tages-Anzeiger-Magazins berufen; er leitete die Wochenendbeilage vom Oktober 1997 bis zum Juli 2001. Im Frühjahr 2000 wurde er stellvertretender Chefredaktor des Tages-Anzeigers und hätte Ende 2001 nach einem Harvard-Nachdiplomstudium New-York-Auslandkorrespondent für Wirtschaft und Kultur werden sollen.

Die Weltwoche mini|hochkant|Roger Köppel (2018) bei Die Weltwoche on the road

Im Juni 2001 nahm Köppel das Angebot an, die seit Jahren unter Auflagerückgängen leidende Weltwoche als Chefredaktor zu führen. Kurz darauf wurde die Weltwoche an Finanzinvestoren um den Tessiner Financier Tito Tettamanti verkauft. Das Traditionsblatt erfuhr eine inhaltliche wie auch formale Neuausrichtung. Das klassische Zeitungsformat der Weltwoche wurde in ein Zeitschriftenformat überführt. Die Redaktion wurde weitgehend ausgewechselt, da Köppel seine wichtigen Mitarbeiter beim Magazin mitnahm. Einige Autoren und Redaktoren verliessen das Blatt unter Protest.

Die Weltwoche wurde auf einen rechtskonservativen Kurs getrimmt. Mit politisch provokanten und angriffigen Artikeln und Kommentaren widersetze sie sich, so Köppel, dem «linksliberalen Publizistik-Mainstream». Ehemalige Journalisten der Weltwoche sprachen davon, dass Köppel das Blatt auf einen neoliberalen Kurs führen wolle und dafür gezielt bisherige Redaktoren durch ihm nahestehende Personen ersetze.Barbara Heuberger: . In: Klartext. 25. Januar 2002. Abgerufen am 29. Mai 2011. Köppel bezichtigte die übrigen Schweizer Medien, dem SVP-Politiker Christoph Blocher grundsätzlich ablehnend gegenüberzustehen. Vor den Parlamentswahlen 2003 plädierte Köppel ausdrücklich dafür, dass Blocher in den Bundesrat gehöre. Ausserdem lobte er die Schweizerische Volkspartei (SVP) als jene Schweizer Partei, die am ehesten eine erfolgreiche bürgerliche Politik verspreche. Die in weiten Teilen Europas an Blocher und seiner SVP geäusserte Kritik beurteilte der EU-Kritiker Köppel als falsch. Blocher sei kein Haider oder Le Pen, sondern «eine Kernfusion aus Margaret Thatcher, Ronald Reagan und Franz-Josef Strauß».. In: derStandard.at. 5. März 2008. Die Kursänderung eines der Weltwoche nachempfundenen Wochenblattes wurde im Buch Bad News von Bruno Ziauddin thematisiert. Ziauddin hatte sieben Jahre unter anderem als stellvertretender Chefredaktor an der Seite Köppels bei der Weltwoche gearbeitet.Philippe Zweifel: Inside «Weltwoche». In: Tages-Anzeiger. 28. Januar 2016.

Wirtschaftlich gelang 2003 der Weltwoche nach mehreren verlustreichen Jahren erstmals wieder ein Gewinn. Die Auflage stieg zunächst an und fiel dann noch während Köppels Amtszeit wieder. Bei Köppels Amtsantritt 2001 verzeichnete die Weltwoche eine Auflage von 78'000, die bis Ende 2003 vorübergehend bis 91'000 anstieg.. In: Die Weltwoche (PDF; 2,2 MB). Abgerufen am 8. Februar 2014. Für 2024 vermeldet die Weltwoche eine Auflage von total 38'704 verkauften Exemplaren.

Wechsel zur Welt und Rückkehr zur Weltwoche Im Frühling 2004 verliess Köppel die Weltwoche, weil er vom Axel-Springer-Verlag ein Angebot als Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt erhalten hatte. Dort arbeitete er unter der Führung des vormaligen Die Welt-Chefredakteurs und neuen Herausgebers Jan-Eric Peters. Am 20. März 2006 versuchte der aus Pakistan stammende Student Amir C. ein Attentat auf Köppel, dessen Zeitung (wie auch andere) sogenannte Mohammed-Karikaturen abgedruckt hatte.Alke Wierth: „Ein psychischer Ausnahmezustand“. In: taz. 8. Mai 2006 (Online). Der Täter starb in Untersuchungshaft durch Suizid in Berlin-Moabit.Souad Mekhennet, Claudia Sautter, Michael Hanfeld: Die Kinder des Dschihad. Die neue Generation des islamistischen Terrors in Europa. Piper, München 2006, ISBN 3-492-04933-8; aktualisierte Taschenbuchausgabe ebenda (Juni) 2015, ISBN 978-3-492-30858-8, S. 34–35 und 119.

Anfang November 2006 kehrte Köppel überraschend zur Weltwoche zurück. Als Verleger und Chefredaktor übernahm er die Aktienmehrheit der von ihm zuvor neu gegründeten Weltwoche Verlags AG. Noch vor Ende des Jahres gab er die Übernahme aller Aktien der Weltwoche Verlags AG bekannt, wobei er nie offenlegte, woher das dafür nötige Geld stammte.Roger Köppel besitzt «Weltwoche» angeblich allein. In: Basler Zeitung. 19. Januar 2012. Die Auflage der Weltwoche stieg zunächst leicht an von 82'849 im Jahr 2006 auf 85'772 im folgenden Jahr,, S. 20 (PDF; 171 kB). sank dann aber langsam auf 77'800 Exemplare im Jahr 2011. Dieser Leserschwund hat sich in den folgenden Jahren deutlich verstärkt, so dass die Auflage 2014 nur noch 58'410 Exemplare betrug., S. 34 (PDF; 790 kB). Bis 2018 sank sie weiter auf 40'924, womit die Weltwoche zwischen 2007 und 2018 über die Hälfte ihrer Auflage verlor., S. 36 (PDF; 796 kB). Gemäss WEMF-Auflagebulletin sank die total verbreitete Auflage (aus Print und Replica) bis 2023 weiter und betrug noch 39'161. Köppel ist Verwaltungsratspräsident der Köppel Holding AG und der Weltwoche Verlags AG.Roger Köppel in Moneyhouse.ch, abgerufen am 11. Dezember 2021.

Köppel unterhält für die Weltwoche seit 2009 einen YouTube-Kanal mit rund 281'000 Abonnenten (Stand: Juli 2024, ein Jahr zuvor waren es noch 165'000).YouTube-Kanal Die Weltwoche (Wochenmagazin). Seit 2018 veröffentlicht er wöchentlich fünfmal den Podcast Weltwoche Daily, auf dem er seine Sicht zu Tagesaktualitäten präsentiert. Im September 2021 wurde das Format um die Sendung Weltwoche Daily Deutschland erweitert. Auf dem Schweizer Radiosender Radio 1 hatte er eine wöchentliche Kolumne, die immer am Donnerstagmorgen ausgestrahlt wurde.«Roger gegen Roger» geht wohl weiter. In: persoenlich.com. 3. Februar 2015. Von 2010 bis 2015 diskutierte er mit Radiochef Roger Schawinski jeweils montags im Format Roger gegen Roger aktuelle Themen.Aus für die Sendung «Roger gegen Roger». In: persoenlich.com. 5. September 2015. Köppel moderiert seit 2021 die Talk-Sendung Der Pragmaticus (jeden 1. Sonntag im Monat) beim österreichischen Privatsender ServusTV.

Politik Im Februar 2015 gab er bekannt, dass er für die nationalkonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) bei der Nationalratswahl am 18. Oktober 2015 antrete. Seine Funktion als Chefredaktor und Verleger der Weltwoche wolle er weiterhin ausüben. Als Motiv dafür nannte er vor allem die damalige politische Lage der Schweiz und ihr Verhältnis zur Europäischen Union. Trotz Listenplatz 17 erhielt er am meisten Stimmen auf der SVP-Liste, er schaffte die Wahl in den Nationalrat mit der schweizweiten Rekordzahl von 178'090 Stimmen.Roger Köppel holt Schweizer Rekord. In: SRF News. 18. Oktober 2015. Im Nationalrat wurde er Mitglied der Aussenpolitischen Kommission.

Im Oktober 2019 schaffte er mit 121‘098 Stimmen die Wiederwahl in den Nationalrat. Damit erzielte er erneut das beste Resultat im Kanton Zürich, während Albert Rösti im Kanton Bern mit 128'252 Stimmen das landesweit beste Ergebnis erreichte. Die Wahl in den Ständerat verpasste er mit rund 107'500 Stimmen deutlich, worauf er sich vor dem zweiten Wahlgang zu Gunsten des FDP-Kandidaten Ruedi Noser zurückzog.Annina Häusli, Simon Binz: Wahlen 2019: Köppel zieht zugunsten von Noser zurück. In: Nau. 28. Oktober 2019.

Im März 2022 legte Köppel bei Weltwoche Daily eine vertrauliche Information offen, die das Schweizer Aussenministerium zuvor der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats mitgeteilt hatte. Die Kommissionskollegen zeigten ihn deshalb wegen Verletzung des Kommissionsgeheimnisses an, und die Bundesanwaltschaft beantragte die Aufhebung der Immunität Köppels. Er beteuerte dagegen, er habe die Information bereits aus anderen Quellen erhalten. Im August 2022 entschied die zuständige Kommission des Nationalrats, dass gegen Köppel keine Ermittlungen eingeleitet würden, allerdings solle das Büro des Nationalrats Disziplinarmassnahmen prüfen. Nach einer Anhörung von Köppel verzichtete das Büro darauf.