mini|hochkant=1.8|Ehemaliges Stammesgebiet der Nakota, benachbarter Stämme und heutige Reservate

Die Dakota, Dakhóta (auch: Dakȟóta – „Freunde, Verbündete“) sind die mittlere Dialekt- und Stammesgruppe der Sioux aus der Sioux-Sprachfamilie. Ursprünglich lebten die Sioux-Stämme im Gebiet westlich der Großen Seen, jedoch wurden später große Gruppen der Sioux von den Anishinabe (Chippewa oder Ojibwe) nach Süden und Westen verdrängt. Auf der Wanderung in ihre neuen Jagdgründe teilten sich die Sioux in drei große regionale Stammesgruppen, die sich im Dialekt und teilweise auch in ihrer Lebensweise und Kultur unterschieden – den im Osten zurückgebliebenen Dakota bzw. Östlichen Dakota, den westwärts auf die Plains gezogenen Lakota (die seitdem auch als Teton oder Thítȟuŋwaŋ – „Bewohner der Prairie, d. h. der Ebenen“ bekannt sind), sowie den nun als Westliche Dakota (seltener: „Mittlere Dakota“) bezeichneten Dakota (da sie zwischen den Dakota im Osten und den Lakota im Westen lebten).

In der historischen Literatur sowie Fachliteratur wurden und werden die Westlichen Dakȟóta (Yankton und Yanktonai) fälschlicherweise als Nakotada nur unter den Assiniboine und Stoney das Autonym Nakota (Nakoda) üblich ist und die Yankton/Yanktonai sowie die Santee-Dakota sich beide als Dakota bezeichnen, werden die Yankton/Yanktonai zur Abgrenzung von den Dakota (Östliche Dakota) als Westliche Dakota bezeichnet, daher ist es heute umstritten, den Begriff „Nakota“ als Bezeichnung für die Yankton/Yanktonai zu gebrauchen bezeichnet.

Die Sprecher der einzelnen Dialekte hatten keine Schwierigkeiten, einander zu verstehen. Während Dakhótiyapi (Santee-Sisseton) und Lakȟótiyapi heute noch von vielen Sioux gesprochen wird, ist die Dialektvariante des Dakȟótiyapi (Yankton-Yanktonai) nahezu ausgestorben.

Umstrittene Bezeichnung als Nakota Früher wurden unter dem falschen Sammelbegriff Nakota neben den Westlichen Dakȟóta (Yankton und Yanktonai) auch die sprachlich verwandten Assiniboine (Nakhóta, Nakhóda oder Nakhóna) sowie Stoney (Nakhóda oder Nakhóta, eine Assiniboine-Splittergruppe) gezählt – jedoch hatten sich Letztere bereits 1640 von der Wazikute Band der Upper Yanktonai abgespaltet und waren größtenteils nach Norden auf die Prärieprovinzen von Kanada westlich des Lake Winnipeg gezogen. Dort bildeten sie die Cree-Assiniboine (Nehiyaw-Pwat) oder Iron Confederacy, eine mächtige Militär- sowie Handels-Konföderation der dominierenden Woodland und Plains Cree sowie der Assiniboine, Stoney und später der Manitoba Saulteaux/Westliche Saulteaux (Plains Ojibwe) (den Erzfeinden der Sioux-Völker), was nun zu immer wieder auftretenden Kämpfen und Konflikten zwischen Sioux und Assiniboine führte. Die Sioux bezeichneten die nun feindlichen Assiniboine daher als Hohe („Rebellen“).

Mitte des 18. Jahrhunderts trennten sich die nordwestlichsten Bands der Assiniboine von diesen und entwickelten zusammen mit zugezogenen Lakota eine neue Stammesidentität als Stoney (auch als Stoney Nakoda Nation oder Iyärhe Nakoda bezeichnet), blieben jedoch Mitglied der Cree-Assiniboine-Allianz. Einige Stoney behaupten daher, sie verstünden die Lakota besser als die benachbarten Assiniboine und bezeichnen sich als Rocky Mountain Sioux. Da die Assiniboine oft Stone oder Rocky Sioux genannt wurden, manche der Stoney sich Iyarhe Nakodabi – ‘Rocky Mountain Sioux’ nanntenAlberta Online Encyclopedia und beide sich als Nakhóda bezeichneten, wurden sie oft verwechselt oder gar als ein Volk behandelt.

Im Jahr 1978 unternahmen Douglas R. Parks, A. Wesley Jones, David S. Rood und Raymond J. DeMallie in den Sioux- und Assiniboine-Reservaten eine systematische linguistische Untersuchung der verschiedenen Dialekte und Sprachen, um eine präzise Dialektologie der Sioux-Sprachen zu entwickeln. Als Ergebnis stellten sie fest, dass beide, die Santee-Dakota (Östliche Dakota) und die Yankton/Yanktonai (Westliche Dakota), sich selbst als „Dakota“ bezeichnen bzw. bezeichneten. Hingegen ist das Autonym „Nakota (Nakoda)“ nur unter den Assiniboine und den Stoney üblich; jedoch wurden deren Erkenntnisse in der Akademischen Literatur (insbesondere wenn es sich nicht um linguistische Fachliteratur handelte) sowie in der populärwissenschaftlichen Literatur selten reflektiert oder aufgenommen.

Heute bezeichnen sich die untersuchten Sioux-Gruppen in ihrer Muttersprache folgendermaßen: Dakhóta oder Dakhód – die Santee-Dakota oder Östliche Dakhóta; meist als Dakota bezeichnet Dakȟóta oder Dakȟód – die Yankton und Yanktonai oder Westliche Dakȟóta; meist fälschlich als Nakota bezeichnet Lakȟóta oder Lakȟól – die Teton-Sioux (diese Bezeichnung ist nicht mehr gebräuchlich); heute daher meist als Lakota bezeichnet Nakhóta, Nakhóda oder Nakhóna – die Assiniboine, die wahren Nakota Nakhóda oder Nakhóta – die Stoney, die wahren Nakota

Očhéthi Šakówiŋ oder die Sieben Ratsfeuer der Sioux Die Sioux bildeten eine lose Allianz von drei regionalen Dialekt- und Stammesgruppen, die sie Oceti Sakowin oder Očhéthi Šakówiŋ („Das Feuer der sieben Stämme“, „Die sieben Ratsfeuer“) nannten, da sie aus sieben Otonwepi (bluts- sowie sprachverwandte Untergruppen; Singular: Otonwe bzw. Tȟuŋwaŋ) bestanden.Beginning Dakota - Lesson One: The Dakota People Zu den Očhéthi Šakówiŋ gehörten (von Ost nach West) die vier Otonwepi der Östlichen Dakota (Mdewakanton, Wahpekute, Sisseton und Wahpeton), die zwei Otonwepi der Westlichen Dakota (Yankton und Yanktonai) sowie als größte Otonwe/Tȟuŋwaŋ die Lakota/Teton selbst:

1. (Östliche) Dakota oder Dakhóta (auch: Santee-Sisseton oder Santee) Santee (Isáŋyathi – ‘Knife Makers’) oder „Upper Council of the Dakota“, „Upper Sioux“ Mdewakanton oder Mdewakaŋtoŋwaŋ / Bdéwákhathuŋwaŋ (‘Dwellers of the Spirit Lake/Sacred Lake’ – „Bewohner/Volk des/am Bdé Waḳaŋ / Mde Waḳaŋ, d. h. Mille Lacs Lake“) Wahpekute oder Waȟpékhute (‘Shooters Among the Trees’ – „Schützen im Laubwald“, nomadisierende Gruppe, daher fehlt der Namenszusatz Tȟuŋwaŋ bzw. Othúwahe – „Dorf“ oder „Siedler“) Sisseton oder „Lower Council of the Dakota“, „Lower Sioux“ Sisseton oder Sisíthuŋwaŋ (‘Dwellers in the Swamps’, ‘Fish Ground Dwellers’, ‘Marsh Dwellers’, ‘People of the Marsh’) Wahpeton oder Waȟpéthuŋwaŋ (‘Dwellers Among the Leaves’) 2. Westliche Dakota oder Dakȟóta (auch: Yankton-Yanktonai), früher fälschlich als Nakota bezeichnet (dem Autonym der feindlichen Stoney und Assiniboine) Yankton oder Iháŋktȟuŋwaŋ (‚People of the End [of the Village]‘, ‚Village at the End‘) Yanktonai oder Iháŋktȟuŋwaŋna (‚People of the End [of the Little Village]‘, ‚Little Dwellers at the End‘, ‚Little Village at the End‘) 3. Lakota oder Thítȟuŋwaŋ / Teton („Bewohner der Prairie, d. h. der Ebenen“)

Die Mdewakanton waren bis zum Aufstand der Östlichen Dakota 1862 in Minnesota die führende Otonwe / Tȟuŋwaŋ der Očhéthi Šakówiŋ, mussten aber als Folge der Niederlage, bei der sie große Verluste an Menschen und Kampfkraft erlitten, ihre Stellung innerhalb der Allianz an die größte Óšpaye/Oyate (Stamm) der Lakota, den Oglala, abtreten.

Ursprünglich zählten die Assiniboine (und deren enge Verwandte, die Stoney) ebenfalls zu den Sioux-Völkern, hatten sich jedoch bereits Mitte des 17. Jahrhunderts mit den zahlreicheren Woodland und Plains Cree verbündetet und eine starke Handels- und Militärallianz gegründet, die bald als Cree-Assiniboine bzw. Cree-Konföderation oder Iron Confederacy („Eiserne Konföderation“) bezeichnet wurde, die verbündeten Stämme bezeichneten diese Allianz nach den zwei dominierenden Völkern einfach als Nehiyaw-Pwat (in Cree: Nehiyaw – „Cree“ und Pwat oder Pwat-sak – „Sioux (Feinde)“). Bereits im 17. Jahrhundert berichteten die europäischen Händler und Reisenden, dass die Assiniboine als Zweitsprache das Cree nutzen – viele Cree Bands sprachen ebenfalls Assiniboine. Als mächtige Zwischenhändler im Pelzhandel gelangten diese daher auch an europäische Waffen und diese bessere Waffenausrüstung gestattete der Cree-Assiniboine-Konföderation die Expansion nach Westen, Süden und Norden, wobei sie militärisch gegen die Chipewyan im Norden und die Dakota im Süden (1670–1700) vorgingen. Spätestens als Anfang des 18. Jahrhunderts sich west- und südwestwärts gezogenen Bands der Manitoba Saulteaux/Westliche Saulteaux (Plains Ojibwe) (Erzfeinde der Sioux-Völker) der Cree-Assiniboine-Konföderation anschlossen und nun gemeinsam gegen benachbarte Stämme vorgingen, betrachteten die Sioux (Östliche Dakota, Westliche Dakota und Lakota) die Assiniboine und Stoney nicht mehr zu den Očhéthi Šakówiŋ / Oceti Sakowin zugehörig – da diese nun zu ihren Feinden zählten, wurden sie einfach als Hohe („Rebellen“) bezeichnet.

Sozio-politische Gliederung der Westlichen Dakȟóta Die Westlichen Dakȟóta umfassten zwei Otonwepi (bluts- sowie sprachverwandte Untergruppen; Singular: Otonwe bzw. Tȟuŋwaŋ) – die Yankton und Yanktonai, die wiederum mindestens drei Óšpayepi/Oyate (Stämme) umfassten (Yankton, Upper Yanktonai und Lower Yanktonai), die in zahlreiche separate Thiyóšpaye (Bands) aufgeteilt waren. Jede Thiyóšpaye wurde durch einen eigenen Ithacha / Itháŋčhaŋ (Ältester) und einen diesen beratenden Stammesrat – bestehend aus den Anführern der Okhódakichiye (Krieger- bzw. Militärgesellschaften), den Akíčhita/Akichita (wörtlich: „Krieger, Soldat“, fungierten als Lagerpolizei) sowie zudem Waphíya wičhášta (Heiliger Mann) und Phežúta Wičhášta (Heiler oder Geistheiler). Daneben gab es auch noch Kriegsführer (Blotahuŋka), der die Krieger im Krieg anführte. Die einzelnen Bands (meist ca. 50 bis zu 100 Personen) wiederum unterteilten sich nochmals in mehrere Wicoti (Lokalgruppen) (engl. local bands), die sich aus einer bzw. mehreren Großfamilien (engl. extended families) zusammensetzten und gemeinsam ein Wichóthipi (Lager (Camp)) bildeten; somit waren deren Angehörige durch Blut, Heirat und Adoption miteinander verbunden. Die kleinste organisatorische Einheit bildete die Thiwáhe (Kernfamilie), die meist ein Thípi („Behausung“, mit dem Begriff wurde sowohl das Erdhaus als auch das Tipi bezeichnet) oder zwei benachbarte Tipis bewohnte und somit einen gemeinsamen Tiohnake (Haushalt) bildete.