mini|Eduard VII. bei seiner Krönung 1902 rahmenlos|rechts|Unterschrift von König Eduard VII.

Eduard VII. (, gebürtig Kronprinz Albert Edward; * 9. November 1841 im Buckingham Palace, London; † 6. Mai 1910 ebenda) war vom 22. Januar 1901 bis zu seinem Tod König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, König der Dominions und Kaiser von Indien. Er war der erste britische Herrscher aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha und der älteste Sohn Königin Victorias und ihres Mannes Albert.

Leben

Herkunft und frühe Jahre mini|alt=Eduard im Matrosenanzug, Gemälde von Winterhalter (1846)|Eduard im Matrosenanzug, Gemälde von Winterhalter (1846) mini|Eduard im Jahr 1856

Prinz Albert Edward wurde am 9. November 1841 als ältester Sohn der regierenden britischen Königin Victoria und ihres Prinzgemahls Albert von Sachsen-Coburg und Gotha im Londoner Buckingham Palace geboren. Als ältester Sohn einer britischen Monarchin war er von Geburt an Thronfolger. Bereits vier Wochen nach seiner Geburt wurde ihm der Titel eines Prince of Wales verliehen, der seit dem 14. Jahrhundert traditionell – jedoch nicht automatisch – der Titel des britischen Thronfolgers ist.Allison Weir: Britain’s Royal Families: The Complete Genealogy. Revised Edition. Random House, London 1996, ISBN 978-0-7126-7448-5, S. 319. Er wurde am 25. Januar 1842 in der St George’s Chapel in Windsor Castle, auf die Namen Albert Edward getauft. Er erhielt den Namen Albert nach seinem Vater und Edward nach seinem Großvater mütterlicherseits, Prinz Edward, Duke of Kent and Strathearn.

Victoria und Albert waren entschlossen, „Bertie“, wie er im engeren Familienkreis genannt wurde, eine Ausbildung zukommen zu lassen, die ihn zu einem vorbildlichen konstitutionellen Monarchen machen sollte. Sein überaus strenger Vater bestellte Privatlehrer und Erzieher und übergab ihnen den siebenjährigen Prinzen, der jedoch von unstetem Wesen war und sich nicht als Musterschüler erwies. Ab Sommer 1859 begann er zu studieren; zunächst an der Universität Edinburgh, wo er unter der Aufsicht von Professor Lyon Playfair stand. Im Anschluss wurde er Student an der ehrwürdigen Universität von Oxford und wechselte 1861 nach Cambridge ans Trinity College, wo er in Geschichte vom renommierten Professor Charles Kingsley unterrichtet wurde. Zwischenzeitlich nahm er als Thronerbe erste offizielle Aufgaben für das Königshaus wahr und reiste 1860 nach Nordamerika. Erstmals besuchte ein britischer Thronfolger Kanada und die Vereinigten Staaten. Eduard zeigte dabei großes diplomatisches Geschick, und der Besuch wurde als außenpolitischer Erfolg gefeiert.

Während seiner Studienzeit glänzte Eduard weniger mit Leistung denn mit seinem ausschweifenden Lebensstil. Der Prinz war ein Dandy mit Vorlieben für Glücksspiel, Alkohol und junge Schauspielerinnen, dessen Liebesabenteuer kein Geheimnis blieben. Dies führte dazu, dass sein bereits schwer kranker Vater im Dezember 1861 nach Cambridge kam, um Eduard ins Gewissen zu reden und ihn zurechtzuweisen. Zwei Wochen später starb Prinzgemahl Albert. Königin Victoria verwand den Verlust ihres Gatten nie und machte ihren Sohn zeitlebens für dessen frühen Tod mitverantwortlich.

Ehe und Nachkommen mini|Hochzeit 1863

Königin Victoria arrangierte, unter Mithilfe ihrer ältesten Tochter Prinzessin Victoria, die Heirat mit Prinzessin Alexandra von Dänemark, der Tochter des späteren Königs Christian IX.

Eduard und Alexandra heirateten am 10. März 1863 in der St George’s Chapel von Windsor Castle, und Alexandra wurde zur Princess of Wales. Das junge Ehepaar bezog in London die Stadtvilla Marlborough House und mit Sandringham House in der Grafschaft Norfolk einen herrschaftlichen Landsitz. Aus der Verbindung gingen insgesamt sechs Kinder hervor:

Albert Victor, Duke of Clarence and Avondale (* 8. Januar 1864; † 14. Januar 1892) Georg, Duke of York, Prince of Wales (* 3. Juni 1865; † 20. Januar 1936), als Georg V. britischer König ⚭ Maria von Teck Louise, Princess Royal (* 20. Februar 1867; † 4. Januar 1931) ⚭ Alexander Duff, 1. Duke of Fife Victoria (* 6. Juli 1868; † 3. Dezember 1935) Maud (* 26. November 1869; † 20. November 1938) ⚭ Haakon VII. von Norwegen Alexander John (* 6. April 1871; † 7. April 1871)

Prince of Wales (1841 bis 1901) mini|Karikatur aus dem satirischen Magazin Puck vom Juni 1891. Anlässlich seiner Verwicklung in den Tranby-Croft-Skandal hält Queen Victoria dem Enfant terrible die Liste seiner Verfehlungen vor. Eduard trägt eine Schärpe mit der Aufschrift Ich deal („Ich teile [die Karten] aus“), in Anspielung auf den Wahlspruch der Fürsten von Wales Ich dien. mini|Eduard VII. im Daimler (1900) Nach dem frühen Tod ihres Gatten zog sich Königin Victoria, so weit es ging, aus der Öffentlichkeit zurück und lebte eine strenge Witwenschaft. Aus diesem Grund kamen dem Kronprinzen vermehrt öffentliche Auftritte zu, die seine Mutter vermied. Insbesondere bei Empfängen ausländischer Staatsgäste hatten seine weltgewandte Art und sein diplomatisches Geschick positive Auswirkungen. Eine aktive Rolle in der Staatsführung gestand ihm seine Mutter jedoch nicht zu. Eduard war insgesamt 59 Jahre lang Prince of Wales und galt als „ewiger Thronfolger.“

Da Eduard nur in geringem Maße von seiner Mutter in offizielle Aufgaben eingebunden wurde, hatte er ausreichend Zeit, sein Privatleben zu kultivieren. Er pflegte seine Vorlieben für Glücksspiel, Pferderennen und die französische Lebensart sowie für die Welt des Theaters, für exklusive Jagdgesellschaften, Nachtklubs und Vaudeville. Sein Landsitz Sandringham House wurde ein Zentrum des britischen High-Society-Lebens abseits der Hauptstadt, an dem erstmals auch amerikanische Dollar-Millionäre teilhaben durften.

Obwohl seine Ehe mit Prinzessin Alexandra als glücklich beschrieben wurde, hatte Eduard zeitlebens außereheliche Liebesverhältnisse und Mätressen, die seine Gattin größtenteils tolerierte. Insgesamt wurden dem Prinzen 55 außereheliche Beziehungen nachgesagt. Zu den bekanntesten zählten Jennie Churchill, Countess Daisy Greville, Lady Aylesford (siehe Aylesford-Affäre) und Hortense Schneider; die Schauspielerin Lillie Langtry war in den 1870er Jahren seine Dauer-Mätresse. Dies schlug sich auch in der Ausstattung seiner Räumlichkeiten mit praktischen Möbeln und erotischen Wandbildern nieder.„From Edward VII's salon … The somewhat gynecologically shaped chair … is a comfortable piece of equipment. The lady lay down on the top shelf, and Edward put his feet in the footholds.“ Bildtext S. 125 in Love’s picture book – The history of pleasure and moral indignation – Eroticism in a new light. Ove Brusendorff and Poul Henningsen, Translated by Elsa Gress. Thaning & Appel, Copenhagen, 1962 Seine letzte Geliebte war Alice Keppel (die Urgroßmutter von Königin Camilla, der Ehefrau des seit 2022 regierenden britischen Königs Charles III.), mit der er sich jedes Frühjahr mehrere Wochen im französischen Badeort Biarritz aufhielt.

Eduard hatte auch genügend Freiraum, um seinem ausgeprägten Kunstsinn zu frönen und als Patron der Künste und Wissenschaften zu fungieren. So half er 1883 bei der Gründung des Royal College of Music. Stets nach dem neuesten modischen Trend gekleidet war der Prinz Vorbild der gehobenen Männergesellschaften. Angeblich wegen dieses Lebenswandels hielt ihn seine Mutter bewusst so lange wie möglich von den Regierungsgeschäften fern.

Seit Eduard in Stockholm 1868 durch König Karl XV. von Schweden in die Freimaurerei aufgenommen wurde, war er ein aktiver Freimaurer. Als er 1874 als Großmeister eingesetzt wurde, gab er der englischen Bruderschaft neuen Schwung und Popularität. Etwa in dieser Zeit kam es zum Bruch mit dem Grand Orient de France. Die Zahl aktiver Logen stieg von 1200 auf über 3000. Er trat öffentlich, zu Hause und auf Auslandsreisen, als Großmeister auf und legte mit Freimaurerzeremonien Grundsteine von öffentlichen Gebäuden, Brücken und Kirchen in England und Docks in Bombay. Seine Anwesenheit sorgte für Publicity, und Berichte über jegliche Freimaurertreffen erschienen regelmäßig in der nationalen und lokalen Presse. Anlässlich seiner Thronbesteigung legte er sein Amt als Großmeister nieder. Im Jahr 1868 wurde er Ritter des schwedischen Ordens Karls XIII., der Freimaurern vorbehalten ist.Anton Frans Karl Anjou: Riddare af Konung Carl XIII:s orden 1811–1900. Biografiska anteckningar. Eskjö 1900, S. 177.

Als Prince of Wales war Eduard in zwei Gerichtsprozesse verwickelt. Im Jahr 1870 wurde er in einem Scheidungsverfahren einer Dame der Gesellschaft als Scheidungsgrund genannt, und 1891 im Tranby-Croft-Skandal war er Zeuge in einem Prozess, bei dem es um unerlaubtes Glücksspiel (Baccara) ging.

Trotz aller Verfehlungen und seines Lebenswandels erfreute sich Eduard in der Bevölkerung zeitlebens großer Beliebtheit, wozu sicherlich auch sein ungezwungener Umgang mit Menschen aus den „einfachen Bevölkerungsschichten“ beigetragen haben dürfte.

Als König (1901 bis 1910) mini|Krönungsporträt von Luke Fildes

Als Königin Victoria nach 63 Jahren Regierungszeit am 22. Januar 1901 starb, war Kronprinz Eduard mit 59 Jahren nach Wilhelm IV. der zweitälteste Thronfolger, den die britische Monarchie bis dahin hatte. Eduard war der erste britische Herrscher aus dem deutschen Adelsgeschlecht Sachsen-Coburg und Gotha und gleichzeitig der bis dahin am längsten amtierende direkte Thronerbe. Als Herrschernamen wählte er Eduard VII. Er hätte ursprünglich am 26. Juni 1902 gekrönt werden sollen; jedoch erkrankte er zwei Tage zuvor an einer Blinddarmentzündung, so dass die Krönung verschoben werden musste. Nach erfolgreicher Behandlung krönte ihn der Erzbischof von Canterbury, Frederick Temple, am 9. August in der Westminster Abbey zum britischen König. Die Krönung wurde dem Volk durch Kanonensalven im Hyde Park und im Tower mitgeteilt. In der Folgezeit belebte Eduard die prunkvollen und populären öffentlichen Auftritte eines Monarchen wieder, die in der Endphase der Regierung seiner Mutter unterblieben waren. Die Proklamation zum Kaiser von Indien auf dem Delhi Durbar fand, wie schon bei seiner Mutter, 1903 in seiner Abwesenheit statt.

In Großbritannien gab es einige Vorbehalte gegen den neuen König, dessen neunjährige Regierung aus heutiger Sicht größtenteils positiv bewertet wird. Nach seinem Amtsantritt führte Eduard sein großes außenpolitisches Engagement fort und forcierte die Annäherung an Frankreich, die er seit Jahren betrieben hatte. Diese Aussöhnung fand ihren krönenden Höhepunkt im Abschluss der Entente cordiale (1904). Dieser Ausgleichsvertrag beendete die traditionelle Rivalität beider Länder und die britische Isolationspolitik in Europa (splendid isolation). Außerdem sollte diese Verbindung ein Gegengewicht zu Deutschland und Österreich-Ungarn darstellen; allerdings absolvierte der König im Sommer 1903 nach einem Aufenthalt in Böhmen auch einen Staatsbesuch bei Kaiser Franz Joseph I. in Wien, dem 1904 ein neuerliches Treffen folgte, als sich der König zur Kur in Marienbad aufhielt.

Aufsehen erregte der Empfang einer indianischen Delegation aus dem Westen Kanadas im Jahr 1906. Als konstitutionelles Staatsoberhaupt konnte Eduard jedoch die dortige Minderheitenpolitik nicht beeinflussen, und so blieb es beim Austausch freundlicher Gesten, vor allem mit dem Delegationsführer Su-á-pu-luck (Joseph Capilano), einem Squamish-Häuptling.