Geschichte der Country-Musik 1922Erste Schallplattenaufnahmen des Genres 1924 Vernon Dalhart hat einen Nummer-eins-Hit mit The Prisoner’s Song Nov. 1925 Die Grand Ole Opry Show geht erstmals auf Sendung Aug. 1927 Die Carter Family und Jimmie Rodgers, die ersten großen Stars, werden entdeckt 1929 Die ersten Singing Cowboys im Film treten auf um 1934 Bob Wills nimmt den ersten Western Swing Titel auf um 1935 In Texas entsteht der Honky Tonk 1940 Bill Monroe entwickelt den Bluegrass Juni 1949 Hank Williams singt erstmals in der Grand Ole Opry 1953 In Memphis, Tennessee, entsteht der Rockabilly um 1955 Als Antwort auf den Rock ’n’ Roll wird der Nashville Sound kreiert um 1968 Von Kalifornien ausgehend entwickelt sich der Country-Rock ab 1970 Die Outlaw-Bewegung dominiert ab 1980 Urban Cowboy – Die Country-Musik nähert sich der Popmusik an ab 1985 Die Neo-Traditionalisten leiten eine Gegenbewegung ein ab 1990 Mit New Country werden hohe Verkaufszahlen erreicht und der Alternative Country verbindet das Lebensgefühl einer punkgeprägten Generation mit Country-Traditionen

Country-Musik, kurz auch Country [] genannt, ist eine aus den USA stammende Musikrichtung, die Anfang des 20. Jahrhunderts aus traditionellen Elementen der Volksmusik der europäischen Zuwanderervölker – insbesondere aus Irland und England – hervorging. Die ursprünglich in den südlichen Appalachen beheimatete Old-Time Music entwickelte sich durch urbane Einflüsse und Übernahme von Elementen anderer Musikgenres wie beispielsweise des Blues zur Country-Musik.

Der oft als Synonym gebrauchte Begriff Country & Western beziehungsweise C&W ist irreführend, da er suggeriert, dass es sich hierbei um ein einheitliches Genre handle. Der Begriff geht zurück auf eine Chart-Bezeichnung, unter der das amerikanische Billboard-Magazine in den 1940er Jahren Titel aus den Genres Country- und Western-Musik gemeinsam aufgelistet hat.

Die Geschichte der Country-Musik ist durch drei sich überschneidende Bewegungen geprägt: Die Traditionalisten befürworten eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen textlichen und musikalischen Themen. Die Erneuerer experimentieren mit neuen Stilvarianten, Ausdrucksformen und Instrumenten. Die Kommerzorientierten suchen die Nähe zur Popmusik, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen.

Merkmale Country-Songs sind typischerweise melodisch und harmonisch eher einfach.Barry Graves, Siegfried Schmidt-Joos: Das neue Rock-Lexikon. Rowohlt, Reinbek 1990, Band 2, S. 902. Der Songwriter Harlan Howard beschrieb die Musik in einem oft zitierten Bonmot als „three chords and the truth“ (drei Akkorde und die Wahrheit).Laurence Leamer: Three Chords and the Truth. Hope, Heartbreak, and Changing Fortunes in Nashville. HarperCollins, New York 1997. Textlich überwiegen moralische oder patriotische Geschichten aus einer ländlichen bzw. kleinbürgerlichen Perspektive „aus dem Bermuda-Dreieck von Bar, Bett und Baseballplatz – der Blues der einfachen weißen Leute“. Sexuell anstößige oder sozialkritische Inhalte sind eher selten.

Beim traditionellen Country werden hauptsächlich Saiteninstrumente wie Gitarre, Banjo, Mandoline, Kontrabass oder Fiddle (eine einfache Geige), aber auch Akkordeon, Klavier oder Mundharmonika verwendet. Im zeitgenössischen Country kommen in Anlehnung an die Instrumentierung der Rockmusik Schlagzeug sowie Elektrogitarre und -Bass hinzu.

Stilrichtungen Die Country-Musik lässt sich in Stilrichtungen unterteilen, von denen einige über viele Jahrzehnte lang aktuell sind, andere dagegen nur regionale, ethnische oder zeitweise Bedeutung besitzen. Die ursprüngliche Country-Musik vor 1920 wird als Old-Time- oder Hillbilly-Musik bezeichnet, die ab den 1990er Jahren dominierende Musik als New Country.

Die Hauptstilrichtungen

Bluegrass Der Bluegrass wird hauptsächlich mit akustischen Instrumenten im 2/4-Takt gespielt. Charakteristisch sind die Virtuosität der Musiker, der mehrstimmige Satzgesang und die schnellen Instrumentalstücke. Die typische Instrumentierung dieser Richtung besteht aus Fiddle, Banjo, Mandoline, Kontrabass und Westerngitarre. Die ursprüngliche Heimat des Bluegrass sind die Appalachen im Südosten der USA, Kentucky galt lange als bedeutendes Zentrum. So bezeichnet man Bluegrass noch oft als „Mountain Music“ oder „Old-Time Music“, obwohl sich dieser Begriff eher auf die traditionelle Volksmusik der Appalachen bezieht, aus der der Bluegrass hervorging.

Der gebräuchliche Name geht auf die Blue Grass Boys zurück, die Band von Bill Monroe, der als Urgestein der kommerziellen Bluegrass-Musik gilt. Weitere stilbildende Musiker des Bluegrass der Gründerjahre waren der Banjospieler Don Reno, The Stanley Brothers, Bobby und Sonny Osborne, Jim und Jesse McReynolds und Bands wie Hylo Brown and The Timberliners. Aus dem Bluegrass entwickelte sich in den 1960er Jahren der Newgrass, der auch moderne Stilelemente übernahm und mit der Gruppe New Grass Revival während der 1980er Jahre Furore machte. Vertreter des heutigen Bluegrass sind beispielsweise Alison Krauss, Sam Bush, Tim O’Brien, Ricky Skaggs, Rhonda Vincent und Del McCoury. Bluegrass ist in den USA nach wie vor sehr populär und auch kommerziell erfolgreich. Bluegrass-Motive sind in der modernen Country-Musik allgegenwärtig, ein typisches Beispiel hierfür sind die älteren Werke der Dixie Chicks.

Honky Tonk Der Honky Tonk entstand in den Clubs und Dance Halls rund um die texanischen Ölfelder, den sogenannten Honky-Tonk-Bars. Dort war es vielerorts so laut, dass die Instrumente elektrisch verstärkt werden mussten und ein Schlagzeug unverzichtbar war. Gespielt werden meist einfache und langsame 2/4-Takte, die durch ein spezielles Timing den typischen Groove bekommen. Die Texte befassen sich mit Alltagsproblemen und sind ungekünstelt und direkt. Sie haben mit den folkloristischen und heimatverbundenen Inhalten der traditionellen Country-Musik nur wenig gemein. Später wurde die Honky-Tonk-Musik zum Inbegriff der Stimmungsmusik der Südstaaten, in der sich fast alles um „Bier, Weib und Gesang“ dreht.

Als Stilrichtung der neo-traditionellen Countrymusik ist der Honky Tonk noch von elementarer Bedeutung und exemplarisch für die Country-Musik in Texas und Oklahoma. Seine Prägung erhielt er beispielsweise durch Hank Williams Sr., Bob Wills und Merle Haggard. Instrumental ist er gekennzeichnet durch Fiddles, Honky-Tonk-Pianos und eine breite Palette von Gitarren (Elektrobässe, elektrische Slide- und Pedal-Steel-Gitarren, vereinzelt auch Dobros). Vertreten ist der Honky-Tonk-Stil bei nahezu allen Neo-Traditionalisten, zum Beispiel David Ball, David Lee Murphy, Jeff Carson, Mark Chesnutt, Tracy Byrd oder George Strait.

mini|hochkant|Dolly Parton Nashville Sound Ab Mitte der 1950er Jahre verlor die Country-Musik gegenüber dem Rock ’n’ Roll dramatisch an Boden. Einflussreiche Produzenten – allen voran Chet Atkins und Owen Bradley – begannen daraufhin, die ungeschliffene Musik zu glätten, um sie so einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Das Ergebnis war ein weicherer Sound, der oft durch Hintergrund-Chöre verstärkt wurde. Klassische Country-Instrumente wie Fiddle oder Pedal-Steel-Gitarre wurden nur noch selten eingesetzt. Während in den 1950er und 1960er Jahren noch die Traditionalisten vorherrschten, nahm Mitte der 1970er Jahre der Country-Pop überhand und verhalf dem Nashville-Sound zum Durchbruch. Viele Traditionalisten wie George Jones oder Loretta Lynn passten sich dem neuen Umfeld an. Andererseits schwenkten viele Künstler später auf den Neo-Traditionalisten-Boom ein, unter anderem Ricky Van Shelton, Steve Wariner, Dolly Parton und Kenny Rogers. Die Urban-Cowboy-Welle war geprägt von melodiösem Country-Pop im Nashville-Sound, Streicherkulisse und dem Einsatz von Synthesizern.

Western Swing Der Western Swing wurde in den 1930er Jahren von Bob Wills und Milton Brown entwickelt. Er besteht im Wesentlichen aus einer Verbindung von traditioneller texanischer Musik mit Elementen des Blues und verschiedener Spielarten des Jazz und wurde im Laufe seiner Entwicklung von weiteren Stilrichtungen beeinflusst. Sein charakteristisches Merkmal ist die Verbindung von eigentlich eher urbanen Big Bands bzw. ihres typischen Sounds und dem eher ländlichen Cowboy-Image. Auf diese Weise entstand eine lebhafte, tanzbare Musik, die insbesondere in den großen Dance Halls von Texas und Oklahoma populär war. Der Western Swing gehörte zu den bedeutendsten Stilrichtungen der Country-Musik, hat aber seit Ende der 1940er Jahre an Bedeutung verloren. Moderne Vertreter des Western Swing sind unter anderem Asleep at the Wheel, Prairie Oyster oder Hot Club Of Cowtown.

Americana Unter Americana versteht man vor allem sozialkritische, auf American-Folk-Motiven aufbauende Musik amerikanischer Liedermacher, die teilweise kommerzielle Erfolge verbuchen konnten. Anders als der im Nordwesten der USA noch stärker verwurzelte traditionelle Folk britisch-irischer Herkunft zeigt Americana starke Einflüsse der Rock- und Südstaatenmusik. Viele Künstler dieser Szene reihen sich selbst unter die Country-Sänger ein, manche veröffentlichten immer wieder reinrassige Country-Alben. Zu letzteren zählen unter anderem Emmylou Harris, Rodney Crowell, Mary Chapin Carpenter oder Kelly Willis. Typische Songwriter sind Nanci Griffith, Rosi Flores, Shawn Mullins, Delbert McClinton oder Joe Ely. Americana wird auch als Alternative Country oder Roots Rock bezeichnet.

Regionale Stilrichtungen und Modeströmungen Bakersfield Sound Anfang der 1960er Jahre entstand im kalifornischen Bakersfield eine an Rockabilly und Honky Tonk angelehnte Variante der Country-Musik, bei der erstmals elektrisch verstärkte Instrumente vorherrschten. Gegenüber dem weichen Nashville Sound klangen die Gitarren hart und höhenbetont. Die Arrangements waren einfacher. Geprägt wurde der Bakersfield Sound von Interpreten wie Buck Owens oder Merle Haggard und ab Mitte der 1980er Jahre von Dwight Yoakam.

mini|hochkant|Tex Fletcher Western Music Als Cowboy- oder Western Music wird eine Musikrichtung bezeichnet, die – romantisch verklärt – die Eroberung des amerikanischen Westens und das Leben der Cowboys zum Inhalt hat. Sie hatte ihren Höhepunkt während der 1930er und 1940er Jahre; bekannte Vertreter waren Roy Rogers, Gene Autry, Tex Ritter, Tex Fletcher und die The Sons of the Pioneers. Typisch für die Western Music ist neben Gitarre und Fiddle das Akkordeon, daneben oft mehrstimmiger Harmoniegesang. In der Cowboymusik werden die Weite der Landschaft und der Alltag in der Prärie, insbesondere die Bindung an die Pferde besungen. Die melodiösen, oft schmachtenden Balladen färbten stilistisch stark auf den Western Swing ab.

Eine Spezialität der Cowboy-Musik ist das „Blue Yodeling“, eine amerikanische Variante des Jodelns. Einige der bedeutendsten zeitgenössischen Interpreten sind Michael Martin Murphey, Riders in the Sky oder Sons of the San Joaquin. Die Western Music hat zu allen Epochen auch auf andere Stilrichtungen abgefärbt: So war etwa die Musik von Interpreten wie Jimmie Rodgers und später Marty Robbins teilweise stark von der Cowboy-Musik inspiriert. Das der Country-Musik wurde wesentlich von der Western Music geprägt: selbst Vertreter der New-Country-Generation, die inhaltlich wenig mit dem Thema zu tun haben, treten im Cowboy-Outfit auf.