Mauterndorf ist eine Marktgemeinde im Lungau und mit Einwohnern (Stand ) die viertgrößte Gemeinde des Gebietes.

Geografie Mauterndorf liegt im Tal der Südlichen Taurach. Wo diese das Gemeindegebiet nach Osten verlässt, liegt mit 1090 Meter über dem Meer der tiefste Punkt. Im Westen steigt das Land im Großen Lanschütz auf 2347 Meter an.

Die Gemeinde hat eine Fläche von Quadratkilometer. Davon sind 24 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche, 53 Prozent sind bewaldet und 15 Prozent entfallen auf Almen.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende vier Ortschaften, die zugleich die Katastralgemeinden bilden (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Faningberg () Mauterndorf (mit den Ortsteilen St. Gertrauden und Hammer) () Neuseß (mit den Ortsteilen Begöriach und Moos) () Steindorf ()

Bis Ende Jänner 1962 gehörte die Gemeinde zum Gerichtsbezirk Sankt Michael im Lungau, seit dem 1. Februar 1962 ist sie Teil des Gerichtsbezirks Tamsweg.

Nachbargemeinden

Geschichte mini|Die Brückenkeusche an der Fleischbrücke in Mauterndorf mini|Das „Putzhaus“ mit einem römischen Meilenstein an der Ecke

Zur Zeit des Römischen Reiches verlief eine wichtige Römerstraße durch Mauterndorf über den Radstädter Tauern. Heute sind im Ort Römersteine aus dieser Zeit zu sehen. Etwa an der Stelle, an der heute die Burg steht, existierte schon damals ein römisches Kastell.

1002 schenkte König Heinrich II. dem Salzburger Erzbischof Hartwig einen Landbesitz, der von Neuseß bis zum Tauernpass reichte. In dieser Schenkung inbegriffen war auch das Recht eine Maut zu erheben.MGH, DD Tom. III (Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser), Nr. 33, S. 36; SUB II, Nr. 64, S. 117f. Dies machte Mauterndorf zur ältesten Zollstätte in den Ostalpen. Der Ortsname Mauterndorf wurde allerdings erst 1144 als Mutesdorf in Lungowi erstmals erwähnt.Ignaz von Kürsinger: Lungau. Oberersche Buchhandlung, Salzburg 1853, S. 658. Nach dem Tod Hartwigs fiel Mauterndorf 1023, wie in einer Schenkungsurkunde verfügt, an das Salzburger Domkapitel und wurde 1217 von König Friedrich II. zum Markt erhoben. Der Ort war im Mittelalter der wichtigste Handelsplatz des Lungaus.

1253 erhielt das Domkapitel von Papst Innozenz IV. das Privileg auf eigenem Grund und Boden Befestigungen zu errichten.Franz Martin: Regesten der Erzbischöfe und des Domkapitels von Salzburg 1247-1343. Salzburg 1928, I/181. Da Mauterndorf der einzige größere, weitgehend zusammenhängende Besitz des Domkapitels war, resultierte daraus sicher auch der Burgbau. Da das Domkapitel allerdings in dieser Zeit in gröberen finanziellen und politischen Schwierigkeiten steckte, kann ein Baubeginn 1253 ausgeschlossen werden. Sicher ist, dass zur ersten Anlage der Burg der Bergfried, die innere Ringmauer und der Pallas zählten, diese allerdings bis 1280 sicher noch nicht bewohn- und nutzbar waren.Walter Schlegel: Die Burg Mauterndorf, vom Wehrbau zur Erlebnisburg - ein Bautrag zur Baugeschichte. In: Mauterndorf - Der königliche Markt. Peter Klammer Verlag, Mariapfarr 2017, ISBN 978-3-9502084-5-0, S. 465f. Die feierliche Weihe der Burgkapelle erfolgte jedenfalls am 27. Juli 1339.HHStA Wien, OU 27. Juli 1339.

In Mauterndorf fanden 1291/92 Gespräche mit dem Bischof von Salzburg über die Unterstützung des Landsberger Bundes statt, eines Aufstandes steirischer Adeliger gegen Herzog Albrecht I. Im 15. Jahrhundert wurde die Burganlage von Erzbischof Leonhard von Keutschach und Dompropst Burkhard von Weißpriach erweitert. Sie diente dem Domkapitel als Administrationszentrum. 1796 floh das Domkapitel vor den anrückenden Truppen Napoleons nach Mauterndorf, das so für einige Tage dessen Sitz und damit Landeshauptort war.

1806 wurde die Burg zur Staatsverwaltung eingezogen, ab 1836 befand sie sich dann im Privatbesitz.

1813 wurde Mauterndorf eine eigenständige Pfarre, 1849 begann durch das kaiserliche provisorische Gemeindegesetz die Selbstverwaltung der Gemeinde und die Einsetzung des ersten Bürgermeisters.

Im Jahr 1894 eröffnete der Endbahnhof Mauterndorf der Murtalbahn. Im selben Jahr erwarb Hermann von Epenstein, ein reicher Militärarzt aus Berlin die Burg und rettete sie vor dem Verfall. Seine Renovierungsarbeiten waren 1904 abgeschlossen. Nach dem Tod Epensteins vermachte seine Witwe Lily Epenstein den Besitz testamentarisch dem Sohn der befreundeten Diplomatenfamilie Göring, Hermann Göring, einem späteren NS-Kriegsverbrecher, der auch Taufkind Epensteins war. Nach dem Tod Lily Epensteins 1939 trat Göring das Erbe nie an und er wurde auch nicht im Grundbuch eingetragen. Trotzdem kam es nach Kriegsende zu erheblichen Rechtsstreitigkeiten. Göring hatte in jungen Jahren oft bei seinem Patenonkel im so genannten Schlossmaierhaus unterhalb der Burg gewohnt, denn ab 1898 war die Familie Göring regelmäßig zur Sommerfrische in Mauterndorf. Als Erwachsener war Hermann Göring nur mehr selten in Mauterndorf. Eine Werbetournee zum „Anschluss“ Österreichs brachte Göring am 31. März 1938 nach Mauterndorf, wo ihm 8000 Lungauer einen begeisterten Empfang bereiteten. Bereits im Vorfeld berichteten die Salzburger Zeitungen, unter anderem die Tauernpost, ausführlich über die Ahnenreihe und die Mauterndorfer Berührungspunkte Görings, eine angeblich erfolgte Ernennung zum Ehrenbürger am 15. März 1938 fand keinerlei Erwähnung.Tauernpost, Illustriertes Wochenblatt für das obere Murtal 1938, Nr. 25. Zu Kriegsende 1945 wollte Göring nach Mauterndorf fliehen, aufgrund der Entwicklung der Frontverläufe kam es aber nicht mehr dazu.Alfred Kube: Pour le mérite und Hakenkreuz. Hermann Göring im Dritten Reich. Verlag Oldenbourg, München 1986, ISBN 3-486-53121-2, S. 5–6 und 345.

1968 erwarb das Land Salzburg die Burg und renovierte sie von 1979 bis 1982 mit einem Kapital von 20 Millionen Schilling (ca. 1,5 Millionen Euro).

1997 sorgte der Amoklauf von Mauterndorf für Aufsehen.

Ehrenbürgerschaft von Hermann Göring Ab den 1960er Jahren beschäftigte eine möglicherweise bestehende Ehrenbürgerschaft des NS-Verbrechers Hermann Göring die Öffentlichkeit. Anlass war ein 1967 anlässlich 750 Jahre Markterhebung von der Gemeinde Mauterndorf herausgegebenes Heimatbuch des Kärntner Volksschuldirektors, Publizisten und Volksschriftstellers Matthias Maierbrugger (1913–1991). Darin listete der Verfasser den 1946 als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilten Hermann Göring auf,Matthias Maierbrugger: Das tausendjährige Mauterndorf. Marktgemeinde Mauterndorf 1967 der wegen der Finanzierung des Baus der Wasserleitung von Mauterndorf zum Ehrenbürger ernannt worden sei. Die Überprüfung dieser Behauptung erwies sich als schwierig, da im Gemeindearchiv keine Protokolle aus dieser Zeit vorlagen und auch in den zeitgenössischen Beiträgen der Tauern-Post jeder Hinweis auf eine Ehrenbürgerschaftsverleihung an Göring durch die Gemeinde Mauterndorf fehlt – dies ganz im Gegensatz zu Tamsweg. Auch in Zeitungsbeiträgen über den Wasserleitungsbau wird Göring mit keinem Wort erwähnt.

Kurz vor der Veröffentlichung der neuen Ortschronik von Mauterndorf Mauterndorf – Der königliche Markt (2017) wurde ein Protokoll der NSDAP-Ortsgruppe Mauterndorf vom 17. März 1938 publik, das den Beschluss einer Ehrenbürgerschaftsverleihung durch diese Ortsgruppe am 15. März festhält. Der Auftrag für die Erstellung der Ehrenbürgerschaftsurkunde erging offenbar an den Künstler Lucas Suppin. Diese wurde allerdings nicht fertiggestellt. Der Entwurf ist erhalten.Klaus Heitzmann: Zwischen juristischem Recht und Vorbildfunktion - Ehrenbürger von Mauterndorf in Mauterndorf - der königliche Markt, Peter Klammer Verlag, Mariapfarr 2017, ISBN 978-3-9502084-5-0, S. 534ff. Ob eine offizielle Verleihung jemals stattfand, erscheint aus heutiger Sicht unklar. Diese mögliche Ehrenbürgerschaft wurde Göring bis heute nicht offiziell aberkannt. Der damalige Bürgermeister von Mauterndorf Wolfgang Eder hielt 2007 eine Aberkennung nicht für sinnvoll, denn mit Görings Tod sei die Ehrenbürgerschaft ohnehin erloschen.Mauterndorf: Göring weiter Ehrenbürger. Der Standard vom 14. September 2007. Ein Rechtsgutachten schließt sich dieser Sichtweise an, und auch eine vom alliierten Kontrollrat am 12. Oktober 1946 erlassene Direktive legt fest, dass Göring als verurteilter Verbrecher aller Ehrungen verlustig geworden sei. Ebenso sei im Hinblick auf die österreichischen Verfassungs- und Rechts-Überleitungsgesetze von 1945 das Bestehen einer rechtmäßigen Ehrenbürgerschaft Görings auszuschließen.Hans Bayr: Hermann Göring in Mauterndorf - Daten und Fakten. In: Mauterndorf - der königliche Markt. Peter Klammer Verlag, Mariapfarr 2017, ISBN 978-3-9502084-5-0, S. 523ff.

Bevölkerungsentwicklung

Politik mini|Gemeindeamt Gemeinderat

Die Gemeindevertretung hat insgesamt 17 Mitglieder.

Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2004 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 10 ÖVP, 5 SPÖ, und 2 FPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2009 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 11 ÖVP, 3 SPÖ, und 3 FPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2014 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 12 ÖVP, 3 FPÖ, und 2 SPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2019 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 12 ÖVP, 3 SPÖ, und 2 FPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2024 hat die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 9 ÖVP, 5 FPÖ und 3 SPÖ.

Bürgermeister 1849–1851 Franz FuchsAngaben bis 1954: Matthias Maierbrugger: Das tausendjährige Mauterndorf. Ein Heimatbuch. Mauterndorf 1967, S. 193 1851–1857 Filipp Würler 1857–1861 Franz Fuchs 1861–1864 Jakob Mayr 1864–1867 Franz Fuchs 1867–1870 Johann Wallner 1870–1873 Karl Daubrovsky 1873–1876 Andrä Poschacher 1876–1879 Jakob Mayr 1879–1882 Konrad Müller 1882–1885 Johann Rexeisen 1885–1897 Isidor Gugg (CS) 1897–1900 Johann Waßnigg 1900–1919 Isidor Gugg 1919–1921 Josef Lettmayer 1922–1925 Isidor Gugg 1925–1938 Matthias Trattler (CS) 1938–1942 Hugo Kurz (NSDAP) 1942 Johann Gfrerer 1942–1945 Adolf Dengg (NSDAP) 1945 Michael Hohensinn (ÖVP) 1945–1954 Matthias Trattler (ÖVP) 1954–1982 Franz Fingerlos (ÖVP)Hermann Rumschöttel: Mauterndorfs Weg ins dritte Jahrtausend in Mauterndorf - der königliche Markt, Peter Klammer Verlag, Mariapfarr 2017, ISBN 978-3-9502084-5-0, S. 264ff. 1982–1991 Peter Bliem (ÖVP) 1991–2018 Wolfgang Eder (ÖVP) seit 2018 Herbert Eßl (ÖVP)

Wappen Das Wappen der Gemeinde ist: In einem gespaltenen Schild vorne in Schwarz ein silberner gestürzter, geschmiedeter Nagel, (der an die Zeit erinnert wo im Lungau noch Eisenerz abgebaut wurde) und hinten in Rot ein silbernes Tatzen-Kreuz mit größerem Längsbalken (das an die Zeit des Salzburger Domkapitels erinnert).

Gemeindepartnerschaften Die Partnerschaftsgemeinde von Mauterndorf ist Cadolzburg in Bayern.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Burg Mauterndorf mini|hochkant|Samsonumzug in Mauterndorf

Burg Mauterndorf: Die Burg sicherte ab 1253 den unter Erzbischof Leonhard von Keutschach auf einer alten Römerstraße erneuerten wichtigen Übergang über den Radstädter Tauern. Die Burg diente seit dem späten 14. Jahrhundert auch als Mautstelle. Heute befindet sich das Lungauer Landschaftsmuseum dort. Treppengiebelhäuser: Die Treppengiebelhäuser im Zentrum von Mauterndorf stehen unter Denkmalschutz. Ursprünglich gab es fünf Treppengiebelhäuser: Eines davon brannte ab und wurde normal wiederaufgebaut, sodass es jetzt nur noch vier sind. Katholische Pfarrkirche Mauterndorf hl. Bartholomäus Filialkirche St. Gertrauden Filialkirche St. Wolfgang Taurachbahn: Die Bahn ist eine Museumsbahn, die während der Sommersaison in Betrieb ist. Römertempel: In Steindorf wurde unter dem Garten eines Bauernhauses ein alter Römertempel entdeckt. Ausgrabungen davon sind noch vor dem Bauernhaus zu sehen.

Sonstige Kunstwerke