mini|Palmenhaus im Botanischen Garten Potsdam
Der Botanische Garten Potsdam wurde 1950 auf dem Gelände des ehemaligen Terrassenreviers am Nordrand der Parkanlage Sanssouci angelegt. Das Gesamtareal umfasst eine Fläche von etwa 5 ha.Wegweiser durch die Gewächshäuser, S. 5. In den für die Öffentlichkeit zugänglichen Gewächshäusern und Freilandflächen werden fast 9.000 Pflanzenarten in Kultur erhalten. Die Universität Potsdam nutzt den Botanischen Garten als Bildungs- und Forschungseinrichtung. Die denkmalgeschützten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stehen unter der Verwaltung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
Geschichte Lage und Nutzung mini|Lage im Park Sanssouci Das Gelände wurde schon lange vor der Anlage des Botanischen Gartens gärtnerisch genutzt, es diente der Kultivierung von heimischen und vor allem südländischen Früchten und Gemüsesorten für die königliche Tafel und dem Verkauf durch die Hofgärtner sowie von Blumen zur Ausschmückung der Schlossanlage. Die von West nach Ost verlaufende Maulbeerallee teilt den Botanischen Garten in zwei Areale. Auf der Südseite, dem Gelände der ehemaligen Hofgärtnerei von Sanssouci, stehen die Institutsgebäude und Gewächshäuser mit Freilandflächen. Auf der Nordseite liegt der als „Italienischer Fruchtgarten“ angelegte sogenannte Paradiesgarten, der heute der Potsdamer Universität als Lehr- und Schaugarten dient.
Die ehemalige Hofgärtnerei von Sanssouci Die gärtnerische Nutzung der südlich der Allee liegenden Fläche geht bis in die Zeit Friedrichs II. zurück. Nach dem Bau des Schlosses Sanssouci entwickelte sich nach Westen ein immer größer werdendes Gartenrevier, auf dem Orangerien und Treibhäuser unter anderem für Kirschen, Wein, Feigen und Aprikosen errichtet wurden. Der für die Weinbergterrassen zuständige Hofgärtner Philipp Friedrich Krutisch war der erste Betreuer dieser Orangerieanlage, die ab 1748 dem ersten „Orange-Gärtner“ Johann Hillner und ab 1790 dessen Sohn Anton Hillner übertragen wurde. Nach dem Tod Hillners 1817 übernahm Ludwig Sello die Aufgaben im Orangerierevier, das nun mit dem Terrassenrevier vereinigt wurde. Sein Sohn und Nachfolger Hermann Sello baute die Gärtnerei nach 1840 weiter aus, die sich schließlich von den westlich an das Schloss Sanssouci grenzenden Neuen Kammern bis zum Knick der Maulbeerallee erstreckte, und legte im Auftrag Friedrich Wilhelms IV. nach Plänen des Gartendirektors Peter Joseph Lenné den italienisierenden Paradiesgarten auf der Nordseite der Maulbeerallee an.
Über die Bepflanzung der Freiflächen und Gewächshäuser gibt es nur dürftige Informationen. Einen Hinweis geben die Auszeichnungen, die Hermann Sello für Früchte, Blumen und Blattschmuckpflanzen auf den Jahresausstellungen des Berliner Gartenbauvereins erhielt, in dem er von 1841 bis 1859 Ausschussmitglied für bildende Gartenkunst und später auch für Gehölzzucht war. Zu den prämierten Pflanzen aus seinem Revier gehörten unter anderem „verschiedene Kürbissorten, Riesenerdbeeren, Feigen, Maiskolbensortimente, verschiedene blühende Calceolarien, neugezüchtete Epiphyllum, Pfirsiche, Aprikosen und Melonen“. Über die Kulturen der nachfolgenden Leiter des Terrassenreviers – Hofgärtner Ludwig Brasch, von 1876 bis 1887, und Hofgärtner Adolf Wundel, von 1887 bis 1895 – liegen kaum Informationen vor.Nichts gedeiht ohne Pflege, S. 292.
Paradiesgarten mini|Der Paradiesgarten nördlich der Maulbeerallee, Plan von Gustav Meyer, um 1850
Der zum ehemaligen Terrassenrevier gehörende Paradiesgarten, auch Paradiesgärtlein oder Paradeisgärtl, erstreckt sich über eine Fläche von etwa 2,5 ha.Peter Joseph Lenné. Parks und Gärten im Land Brandenburg, S. 233. Die Anlage steht in enger Verbindung mit dem Bau des nordöstlich angrenzenden Orangerieschlosses auf dem Bornstedter Höhenzug, das im Stil der italienischen Renaissance ab 1851 errichtet wurde. Zur Verschönerung der unmittelbaren Umgebung beauftragte Friedrich Wilhelm IV. seinen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné bereits 1841 mit der Ausarbeitung von Plänen für einen umfriedeten Nutzgarten in der Art eines italienischen Gartens, den Hofgärtner Hermann Sello zwischen 1841 und 1845 anlegte. Er bepflanzte das Gartenareal im südlichen Abschnitt mit Wein, Mais, Kürbis, Artischocken und weiterem Gemüse zwischen bereits vorhandenen Maulbeerbäumen, die er mit Weinfestons verband sowie einigen Beetanlagen für Blattpflanzen und Blumen. Der leicht abschüssige nördliche und östliche Bereich erhielt eine Bepflanzung mit Laubgehölzen und eine Rasenpartie. Dem Gesamtkonzept lagen die Beschreibungen des römischen Senators und Literaten Plinius d. J. über dessen Landgüter Tuscum und Laurentinum zu Grunde, sodass die Architekten Ludwig Persius und Ludwig Ferdinand Hesse das Areal mit Kleinarchitekturen, wie dem 1845/1846 errichteten Brunnenhäuschen, dem sogenannten Atrium oder auch Stibadium, und der 1846 gebauten Wasserkaskade bereicherten. Die Wegeführung wurde ebenfalls nach dem antiken Vorbild zum Teil mit von Wein berankten Pergolen überdeckt. mini|Eingang zum Paradiesgarten an der Maulbeerallee Entlang der Maulbeerallee im Süden sowie am Auffahrtweg zum nordwestlich liegenden Drachenhaus und weiter zum Belvedere auf dem Klausberg ließ Ludwig Persius den Garten zwischen 1842 und 1844 mit einer Sandsteinpergola einfrieden, die um 1900 durch eine Sandsteinmauer mit hölzernem Laubengang ersetzt wurde. Den Haupteingang an der Maulbeerallee gestaltete er 1844 nach dem Vorbild des von Plinius beschriebenen Stibadiums in Tuscum mit einer von vier Terrakottasäulen getragenen Pergola und einer Marmorwanne mit Wasserspeiermaske. Beidseitig dieser sogenannten Bagnerole ließ er Hermen aufstellen, die dort heute nicht mehr platziert sind. Der 1857 geschaffene Eingang an der Nordwestecke, am heutigen Kronprinzenweg, entstand nach Entwürfen von Friedrich August Stüler und wurde ebenfalls von heute nicht mehr erhaltenen Hermen flankiert, die der Bildhauer Eduard Stützel schuf.
Die Gartenanlagen nach dem Ende der Monarchie Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie wurden die Garten- und Parkanlagen 1919 der „Kronverwaltung“ im Preußischen Finanzministerium in Berlin unterstellt,Preußisch Grün, S. 106. ab 1923 bis 1927 „Preußische Krongutsverwaltung“,Preußisch Grün, S. 109. dann „Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten“.Preußisch Grün, S. 112. Die ehemaligen königlichen Gartenanlagen waren nun als Kunst- und Kulturgut unter konservatorischen Gesichtspunkten zu pflegen und zu erhalten. Das Terrassenrevier leitete seit 1896 (von 1896 bis 1897 kommissarisch) Gartendirektor Friedrich Kunert. Er war neben Georg Potente der zweite Gartendirektor in Sanssouci und für den pflanzenkultivierenden Bereich zuständig. Er publizierte zahlreiche Aufsätze in Gartenzeitschriften, unter anderem über ein Pfirsichtreibhaus, Topfobst- und Rosenkultur.Clemens Alexander Wimmer, in: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Die preußischen Hofgärtner. Berlin 1996, S. 63. Unter seiner Leitung entstanden noch während der Kaiserzeit zwischen 1908 und 1912 ein Palmenhaus und vier weitere Gewächshäuser, die zum Teil heute noch erhalten sind und besichtigt werden können. Auch wurden einige Fruchthäuser, den Interessen Wilhelms II. folgend, zur Blumenkultivierung umgenutzt, zu denen neben Orchideen, Nelken, Rittersternen und weiteren Blumen ein eigenes Veilchenhaus gehörte.
Mit dem Ruhestand Kunerts erhielt Paul Kache ab dem 1. Oktober 1929 bis 1945 als dessen Nachfolger Amt und Aufgabe. Unter ihm bekam der Paradiesgarten 1937 ein anderes Aussehen. Nach Plänen des Gartenbauinspektors Heinz Scheffler entstand eine Gartenanlage in der Art eines Schaugartens mit südlichen Nutzpflanzen, Blatt- und Wasserpflanzen an einem neugeschaffenen Teich mit Bachlauf in der Mitte des Gartens und Sommerblumen, wodurch die Gestaltung der Anlage von Hermann Sello verloren ging.
Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg stand der Park Sanssouci ab dem 27. April 1945 unter der Kontrolle des Bevollmächtigten der Roten Armee, Oberstleutnant der Garde Jewgeni Fjodorowitsch Ludschuweit,Preußisch Grün, S. 118. und war bis zum 4. Juni 1946 für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Die Verwaltung der Potsdamer Anlagen oblag der brandenburgischen Provinzialregierung.Preußisch Grün, S. 118. Noch im ersten Nachkriegsjahr wurden Teile der ehemaligen Hofgärtnerei zu einer Außenstelle des Botanischen Gartens Moskau, der botanischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion, dessen Aufbau in Potsdam Wolfgang Müller-Stoll in Zusammenarbeit mit dem Leiter des Terrassenreviers, Obergärtner Joseph Seidelmann, führten. 1950 gingen die ehemalige Hofgärtnerei und der Paradiesgarten als Botanischer Garten an die 1948 gegründete „Brandenburgische Pädagogische Hochschule“, die 1951 in Pädagogische Hochschule Potsdam umbenannt wurde und 1971 den Beinamen „Karl Liebknecht“ erhielt. An der Landeshochschule leitete Müller-Stoll viele Jahre das Botanische Institut. Seit 1991 gehört der Botanische Garten zu der am 15. Juli desselben Jahres gegründeten Universität Potsdam.
Heutige Nutzung der Anlage als Botanischer Garten Seit der Gründung des Botanischen Gartens steht das Areal nicht mehr im Funktionszusammenhang zur Parkanlage Sanssouci, sondern wird von der Universität Potsdam als Bildungs- und Forschungseinrichtung genutzt. Als Teil der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät in Potsdam-Golm sind auf dem Gelände an der Maulbeerallee das Institut für Biochemie und Molekulare Physiologie, das Institut für Ökologie und Naturschutz und das Institut für Systematik und Didaktik der Biologie untergebracht.Lt. Informationstafel am Eingang Maulbeerallee. Jährlich erhalten hier rund 250 Studierende (Stand 2008) des Fachbereichs Botanik Kenntnisse in der Biosystematik, Morphologie, Bioökologie und Geobotanik.
Ein Teil des Gartenbereichs steht Forschungszwecken zur Verfügung, wobei der Naturschutz, bzw. botanische Artenschutz eine wichtige Rolle spielt. Auf einigen Beeten werden geschützte, vom Aussterben bedrohte Wildpflanzen aus der einheimischen Region in Kultur erhalten und für die Wiederauswilderung zur Verfügung gestellt. In diesem Zusammenhang kooperiert der Potsdamer Botanische Garten unter Leitung des brandenburgischen Landesumweltamtes mit dem Botanischen Garten Berlin, dem spreewälder Heidegarten Langengrassau in der Gemeinde Heideblick und dem Botanischen Verein von Berlin und Brandenburg. Zudem beteiligt er sich am nationalen und internationalen Austausch von Pflanzenmaterial zwischen Botanischen Gärten, Universitätseinrichtungen und vergleichbaren öffentlichen Forschungsinstitutionen basierend auf den Vereinbarungen des internationalen Naturschutzvertrages, der Biodiversitätskonvention (CBD).
Der am 10. März 1998 gegründete „Freundeskreis des Botanischen Gartens der Universität Potsdam e. V.“ unterstützt den Botanischen Garten mit finanziellen Mitteln und beteiligt sich an Führungen und Veranstaltungen, um der Öffentlichkeit botanische und gärtnerische Kenntnisse in Verbindung mit dem biologischen Artenschutz zu vermitteln sowie die ökologische und kulturelle Bedeutung von Pflanzen darzustellen. Für Schüler und Vorschüler wird von der Biologiedidaktik ein erlebnisorientierter Unterricht im „Grünen Klassenzimmer“ angeboten, der direkt im Garten Kenntnisse über Pflanzen und Insekten vermittelt.
Gewächshäuser und Kalthaus