mini|Salzgittersee, September 2005

Der Salzgittersee ist ein 2,1 km langer und 0,8 km breiter See im Westen des Salzgitteraner Stadtteils Lebenstedt, Niedersachsen. In dem 75 ha großen künstlich geschaffenen See befindet sich eine 25 ha große Insel, die über eine Brücke zu erreichen ist. Der See ist ein zentrales Freizeit- und Naherholungsgebiet der Stadt Salzgitter.

Geschichte Vorgeschichte und Planung Die ersten Überlegungen zur Schaffung eines Erholungsgebietes in der Niederung der kleinen Flüsse Fuhse und Flote (auch Flothe, ein Nebenfluss der Fuhse) stammen aus der Vorkriegszeit und reichen bis in die Mitte der 1930er-Jahre zurück. Erste wasserwirtschaftliche Planungen sahen westlich des damaligen Dorfes Lebenstedt die Anlage eines Sees vor, der sowohl der Hochwasserregulierung der Fuhse und Flote als auch der Nutzung als Badesee dienen sollte. Vorgesehen war eine Anbindung an die Fuhse durch Zu- und Abfluss. Diese Planungen wurden jedoch vor dem Zweiten Weltkrieg nicht umgesetzt.

Erst Ende der 1950er-Jahre rückte das Vorhaben im Zuge der städtebaulichen Entwicklung des Stadtteils Salzgitter-Lebenstedt erneut in den Fokus. Ab etwa 1958 zeichnete sich eine Erweiterung Lebenstedts nach Südwesten ab, wodurch die Flussniederung zunehmend in eine zentrale Lage des Stadtgebiets rückte. In diesem Zusammenhang begannen erst ab 1958 erste konkrete Planungen, 1959 folgten die Vermessungsarbeiten des Fuhsetales.

Eine wesentliche Grundlage für die Wiederaufnahme des Projekts bildeten die im Gebiet vorhandenen Kiesvorkommen. Bereits Bohrungen aus dem Jahr 1941 zur Erkundung von Trinkwasservorkommen hatten Hinweise auf die Mächtigkeit der Kieslager sowie auf einen ausreichend starken Grundwasserstrom geliefert. Weitere Untersuchungen in den Jahren 1958 und 1959 bestätigten die Eignung des Materials sowohl für eine wirtschaftliche Nutzung als auch für die Anlage eines Sees.

Das Studium der geologischen und wasserrechtlichen Unterlagen führte 1959 zu der Erkenntnis, dass der Bau eines Sees nach dem Nassbaggerverfahren technisch durchführbar und wirtschaftlich vertretbar war. Ein Gutachten des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung bestätigte zudem die Eignung des Gebiets zur Anlage eines reinen Grundwassersees.

Die Entwicklung des Salzgittersees war dabei nicht ausschließlich wasserwirtschaftlich und rohstoffökonomisch motiviert, sondern auch Teil einer kommunalpolitischen Strategie zur Verbesserung der sozialen, freizeitbezogenen und gesundheitlichen Infrastruktur einer durch Krieg, Industrialisierung und Zuwanderung stark belasteten Stadt.

Um die Finanzierung des Projektes zu ermöglichen, wurde der Steine und Erden GmbH (später FELS-Werke, ein damaliges Unternehmen der Salzgitter AG) die wirtschaftliche Ausbeutung des Kiesvorkommens im zukünftigen Gebiet des Sees übertragen. An der Westseite des Sees wurden ein Kies- und ein Betonwerk errichtet, in denen der ausgebaggerte Kies weiterverarbeitet wurde. Die Kiesgewinnung, die zum Ende nur noch am Nordufer betrieben wurde, wurde 1976 endgültig eingestellt. Hierzu wurden zwischen Stadt und Unternehmen entsprechende Vereinbarungen zur Kiesgewinnung getroffen.

Bau und Erweiterungen Der erste Spatenstich zur Aufnahme der Nassbaggerarbeiten fand am 5. Oktober 1960 statt. Der erste Bauabschnitt umfasste eine Wasserfläche von rund zehn Hektar sowie einen etwa 700 bis 850 Meter langen Badestrand. Im Zuge der Bauarbeiten wurden Bodenbewegungen von rund 2,5 Millionen Kubikmetern vorgenommen. Bereits am 27. Mai 1963 konnte eine Teilfläche des bis dahin 34 Hektar großen Sees für den Bade- und Wassersportbetrieb freigegeben werden.

In den folgenden Jahren wurde die geplante Größe des Sees aufgrund der hohen Nachfrage stetig erweitert. Bereits am 25. Februar 1961 beschloss der Rat der Stadt Salzgitter eine erste Erweiterung der geplanten Wasserfläche auf 34 Hektar. In der Anfangsphase existierten mehrere inoffizielle Bezeichnungen für das Gewässer, darunter „Fuhsesee“, „Neuer See“ und „Lebenstedter See“. Um Missverständnisse zu vermeiden, beschloss der Rat der Stadt Salzgitter am 7. Februar 1962 offiziell die Bezeichnung „Salzgittersee“.

1967 rechnete man schon mit einer Wasserfläche von 42 Hektar. Am 23. August 1967 beschloss der Rat eine Erweiterung auf 42 Hektar Wasserfläche, am 5. September 1968 folgte der Beschluss zur Erweiterung auf 50 Hektar. Als endgültiges Planungsziel wurde seit April 1972 eine Fläche von 75 Hektar angegeben. Die vorgesehene Endgröße wurde bis Mitte der 1970er-Jahre erreicht. Die Fertigstellung der Wasserfläche erfolgte am 3. Februar 1975, die Kiesgewinnung endete am 26. September 1976.

Da es sich beim Salzgittersee um einen reinen Grundwassersee handelt, wurde die Erweiterung der Wasserfläche begrenzt. Nach Berechnungen und Pegelbeobachtungen galt eine Größe von etwa 75 Hektar als Obergrenze, um ein Gleichgewicht zwischen Verdunstung, Grundwasserzufluss und Niederschlägen sicherzustellen.

Die Fuhse wurde zwischen 1964 und 1971 in zwei Schritten nach Westen verlegt, sodass sie den See nicht mehr durchfloss. Damit besitzt der Salzgittersee keinen oberirdischen Zufluss und wird lediglich von einem starken Grundwasserstrom mit einer Förderrate von etwa 16 Litern pro Sekunde gespeist, der parallel zur Flote im kiesigen Untergrund verläuft.

Parallel zur Erweiterung der Wasserfläche erfolgte der Ausbau des umliegenden Erholungsgebiets in mehreren Bauabschnitten. Dazu zählten unter anderem die Gestaltung der Insel, der Ausbau von Freizeit- und Sportanlagen sowie Maßnahmen zur Geländemodellierung und Bepflanzung. Das beim Nassbaggerverfahren anfallende Aufspülmaterial wurde zur Geländeformung genutzt; dabei entstanden Aufspülhöhen von bis zu fünf Metern.

Die bei der Ausbaggerung des Sees aufgeschüttete 25 Hektar große Insel wurde 1974 durch eine Pylonbrücke mit dem westlichen Ufer verbunden. 1976/77 wurde in der Nähe zur Brücke eine Eissporthalle erbaut. Insgesamt wurden rund um den Salzgittersee 20 Hektar Fläche zum Spielen, zur Freizeitgestaltung und Erholung geschaffen.Festschrift der Stadt Salzgitter zum 50. Jahrestag des ersten Spatenstichs zum Salzgittersee. Auch Erinnerung zum 100. Geburtstag von Karl Nestvogel, der als Leiter des Tiefbauamtes der Stadt Salzgitter die Planungen und den Bau des Salzgittersees maßgeblich vorangetrieben hatte. Herausgegeben durch die Stadt Salzgitter im Jahr 2010

Rekultivierung und Landschaftsgestaltung Die Gestaltung des Geländes rund um den Salzgittersee steht in engem Zusammenhang mit der früheren Kiesgewinnung im Nassbaggerverfahren. Nicht verwertbare Abraummassen wurden auf angrenzende Flächen gespült und führten dort zu Geländeaufhöhungen von bis zu fünf Metern. Diese bildeten die Grundlage für die spätere landschaftliche Modellierung des Erholungsgebietes.

Die Rekultivierung der aufgespülten Flächen erfolgte durch gezielte Begrünung sowie die Verwendung standortgerechter Vegetationsformen. Bestehende Pflanzbestände, insbesondere auf der Ostseite des Sees, wurden in die Gestaltung einbezogen und ergänzt.

Finanzierung und Kosten Die bis zum 20. Oktober 1975 angefallenen Kosten für den Bau des Salzgittersees beliefen sich auf rund 13,37 Millionen Deutsche Mark. Davon entfielen etwa 6,9 Millionen DM auf die Herstellung der Wasserflächen einschließlich Nebenkosten sowie rund 0,24 Millionen DM auf die Anlage der Sandstrände. Für Grünflächen und Wege wurden rund 1,9 Millionen DM aufgewendet.

Weitere Kosten in Höhe von etwa 4,57 Millionen DM entfielen auf Brücken, Parkplätze, sanitäre Anlagen und sonstige Infrastruktureinrichtungen. Zusätzlich wurden rund 1,02 Millionen DM für weitere Maßnahmen berücksichtigt, darunter Aufwendungen im Zusammenhang mit der Umlegung der Fuhse sowie Abschreibungen und Leitungsinfrastruktur.

Für den vollständigen Ausbau des Erholungsgebiets wurden in späteren Planungsständen Gesamtkosten von rund 39 Millionen DM veranschlagt. Davon entfielen etwa 7 Millionen DM auf die Herstellung der Wasserfläche und rund 32 Millionen DM auf Sport-, Freizeit- und Grünanlagen.

Entwicklungen seit 2015

Neubauten und frühere Maßnahmen Im Jahr 2015 wurde in der Reppnerschen Bucht am Nordufer ein Neubau mit Café eröffnet. Diese Maßnahme stellte eine der ersten baulichen Veränderungen im Rahmen der langfristigen Weiterentwicklung des Erholungsgebiets dar.Hallo Wochenende: Café del Lago am Salzgittersee: Von Null auf Hundert mini|Promenade (Nordostufer)

Promenadenplanung am Ostufer Nach dem Beschluss des Rates der Stadt Salzgitter 2016 begann die Planung einer Promenade am Ostufer des Salzgittersees.Hallo Wochenende: Eine Promenade für den Salzgittersee Zudem fanden 2018 und 2019 Beteiligungsprozesse mit den Bürgern statt, um weitere Entwicklungsmöglichkeiten rund um den See zu sammeln und zu planen.

Ziel- und Strukturkonzept 2024 Am 17. Dezember 2024 beschloss der Rat der Stadt Salzgitter ein Ziel- und Strukturkonzept für die zukünftige Entwicklung des gesamten Freizeit-, Sport- und Erholungsgebiets am See. Das Konzept wurde vom Büro Amsel Kollektiv aus Braunschweig erarbeitet. Ziel ist es, den Salzgittersee als frei zugängliches Erholungsgebiet weiterzuentwickeln, seine Sport-, Freizeit- und Erholungsfunktionen zu stärken und ihn als bedeutenden Baustein der Stadtentwicklungsplanung zu positionieren. Dabei werden auch die Anbindung angrenzender Quartiere sowie Aspekte der Erreichbarkeit und Mobilität berücksichtigt.

Im Rahmen des Konzepts wird der See erstmals gesamträumlich betrachtet und in fünf Themenbereiche gegliedert, denen jeweils spezifische Nutzungen und Qualitäten zugeordnet sind. Diese umfassen die Bereiche Stadt und Sport, Fluss und Landschaft, Inselpark, Wasser und Wind sowie Sand und Sonne.

Zur weiteren Konkretisierung der Planungen ist die Auslobung eines freiraum- und landschaftsplanerischen Wettbewerbs vorgesehen, der unter anderem den Bereich vom Parkplatz am Café del Lago bis zum Wassersportzentrum umfasst.

Maßnahmen ab 2025 Im Jahr 2025 begannen unter anderem Bauarbeiten zur Erneuerung des Korrosionsschutzes der Pylonbrücke zur Insel. Zusätzlich wurden durch den Städtischen Regiebetrieb (SRB) Ausbesserungsarbeiten am westlichen Außenring des Fuß- und Radwegenetzes in Auftrag gegeben.

Weitere Maßnahmen sind auf Grundlage der vorliegenden Planungen auch für die Jahre 2026 und 2027 vorgesehen.

Paläontologische Funde Aus dem Gebiet rund um den Salzgittersee stammen mehrere paläontologische Funde, darunter Zähne und Knochen eiszeitlicher Großsäuger wie Mammut, Wollnashorn und Riesenhirsch. Diese Überreste deuten darauf hin, dass während der letzten Eiszeiten steppenartige Lebensräume in der Region vorherrschten. Hinweise auf die geologische Entwicklung des Gebietes lassen sich zudem bei Wanderungen durch Lichtenberg und den Salzgitter-Höhenzug nachvollziehen.

Im Salzgittersee wurde 2025 zudem ein außergewöhnlich gut erhaltener Stoßzahn eines Wollhaarmammuts entdeckt. Das etwa 80 cm lange Fundstück stammt nach Einschätzung des Museums Schloss Salder vermutlich von einem sechs bis sieben Jahre alten Jungtier, das in der letzten Eiszeit (etwa 110.000–10.000 v. Chr.) in der Region lebte. Die wissenschaftliche Begutachtung erfolgt durch das Staatliche Naturhistorische Museum Braunschweig. Der Stoßzahn wurde nach dem Auffinden in einer Wasserwanne gelagert, um ein Austrocknen und damit verbundene Schäden zu vermeiden. Nach Abschluss der Konservierung, voraussichtlich 2026 oder 2027, soll der Fund in die Dauerausstellung des Museums Schloss Salder aufgenommen werden.

Beschreibung

Lage und Größe Der Salzgittersee ist ein künstlich angelegter Baggersee im südöstlichen Niedersachsen, der sich unmittelbar an den westlichen Rand der Bebauung von Salzgitter-Lebenstedt anschließt. Der nach der Stadt Salzgitter benannte See liegt im Niederungsbereich der Fuhse, die hier mit ihren Zuflüssen Flote und der am Ortsrand fließenden Schölke eine Auenlandschaft formte.