mini|Blumenteppich am Eingang: Parterre und Festhaus in der Flora (2018)

Die Flora ist der Botanische Garten der Stadt Köln. Er zeigt im Freien und in Gewächshäusern mehr als 10.000 heimische und exotische Pflanzenarten. Mittelpunkt der 1864 eröffneten Anlage ist das ebenfalls Flora genannte Festhaus.

Die gärtnerisch gestaltete Anlage zeigt in vielen Themengärten, wie sich Gartenkunst und das Verständnis von Landschaftsgärtnerei über 150 Jahre verändert haben. Die Flora besitzt einen großen Bestand an exotischen Gehölzen, die bereits im Gründungsjahr gepflanzt worden sind. Nach mehreren Erweiterungen hat der im Stadtteil Riehl gelegene Botanische Garten heute eine Fläche von über 11 Hektar.

Entstehungsgeschichte Aktiengesellschaft Flora mini|Historistisch: Flora 1864 Da der alte Kölner Botanische Garten am Dom für den Bau des Hauptbahnhofs weichen musste, wurde 1862 mit der Planung eines neuen Botanischen Gartens in Riehl begonnen. Am 5. September 1862 gründeten Kölner Bürger in Eduard von Oppenheims Kölner Wohnung ein „Comitee zum Bau eines Botanischen Zier- und Lustgartens“.Sandra Scherreiks: Grüne Hölle oder schillerndes Paradies?. 2005, S. 82; books.google.de Mitglieder waren Kölner Wirtschaftsführer, darunter Adolph vom Rath, Jakob von Kaufmann-Asser, August Neven DuMont und Richard Voigtel. Am 8. September 1862 fand die notarielle Beurkundung der Satzung statt, am 13. April 1863 genehmigte König Wilhelm I. diese Statuten. Die mit einem Grundkapital von 100.000 Talern ausgestattete Flora AG wurde am 6. März 1863 gegründet,Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2. 1991, S. 148. die Gattin des Königs, Königin Augusta, übernahm die Schirmherrschaft. Vor den Toren der Stadt erwarb die Flora AG für 22.130 Thaler das 22 Morgen umfassende, zur Bürgermeisterei Longerich gehörende Pilgram’sche GrundstückHiltrud Kier, Ulrich Krings: Stadtspuren, Denkmäler in Köln. Band 30. 2001, S. 42. mit einer Grundfläche von 5,6 Hektar. Das Areal lag benachbart zum 1860 eröffneten Kölner Zoo, weil Riehl sich in dieser Zeit als Naherholungsgebiet für die Kölner Stadtbevölkerung etablierte, für das sich die Bezeichnung „De jolde Spetz“ (Die goldene Spitze) einbürgerte.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 29.

Gartenanlage des Historismus Für den Gesamtentwurf der Flora war der aus Bonn stammende, damals 73-jährige preußische Königliche Generalgartendirektor Peter Joseph Lenné gewonnen worden. Er schuf 1862 einen Plan, in dem er den sogenannten „gemischten deutschen Stil“ der Gartenkunst zu einem einheitlichen Bild im Geiste des damals hochmodernen Historismus weiterentwickelte.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 61 f. Lenné verband typische Gartenkunst europäischer Länder zu einem historistischen Gesamtkunstwerk: das Parterre zwischen dem Haupteingang und dem Palmenhaus ist vom französischen Barockgarten inspiriert, die fünfstufige Wasser-Kaskade mit den parallelen Laubengängen folgt dem Beispiel des italienischen Renaissance-Gartens. Die weitere Anlage ist im Stil eines englischen Landschaftsparks modelliert.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 48 ff. Die Außenanlagen Lennés führte dessen Schüler Julius Niepraschk aus, der auch bis zu seinem Tod 1890 im Vorstand der Flora AG als Gartendirektor tätig war.Sandra Scherreiks: Grüne Hölle oder schillerndes Paradies? 2005, S. 83.

Palastartiger Wintergarten Mittelpunkt der neuen Anlage wurde der sogenannte Glaspalast, ein von dem Architekten Max Nohl geschaffener palastartiger Wintergarten aus Eisen und Glas, der sich an den Beispielen des Pariser Jardin d’hiver oder des Londoner Crystal Palace orientierte.Gerd Bermbach: Flora und Botanischer Garten in Riehl. In: Joachim Bauer, Carmen Kohls: Köln unter französischer und preußischer Herrschaft. In: Werner Adams, Joachim Bauer (Hrsg.): Vom Botanischen Garten zum Großstadtgrün – 200 Jahre Kölner Grün. S. 76 f. (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Band 30).

Das Bauwerk verbindet Elemente der Neorenaissance mit denen des Romanischen Rundbogenstils und nimmt einige Anklänge an die damals populäre Maurische Architektur. Der aus Eisen und Glas bestehende Bau besaß eine Länge von 57 Metern, war 22,50 Meter breit und 18 Meter hoch. Das ebenfalls Flora genannte Gebäude diente als Palmenhaus, wurde dabei gleichzeitig aber auch für festliche Bälle genutzt.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 68 ff.

Ausstellungsgelände Am 14. August 1864 wurde die Flora mit einem Konzert und Feuerwerk eröffnet. Eine Woche zuvor war sie mit einer neuen Omnibuslinie an den öffentlichen Nahverkehr angebunden worden.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2. 1991, S. 149. Um das Gelände attraktiv zu halten, wurden weitere Gebäude errichtet: 1865 wurde anlässlich der Internationalen Landwirtschafts-Ausstellung eine Orangerie mit einer Länge von 53 Metern erbaut, die damit fast genauso lang war wie das Festhaus. Das 1869 eröffnete Aquarium befand sich in einer künstlichen aus Lavastein errichteten Grotte. Es galt als Sensation und war nach den Aquarien im Londoner Zoo und im Kristallpalast und zeitgleich mit dem in Berlin eröffneten eines der ersten in Europa.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 93 f. Das Festhaus und die Orangerie wurden um 1871 durch einen Gebäudegang miteinander verbunden, in denen eine Kaisersaal genannte Aula und eine künstliche Tropfsteinhöhle eingebunden waren. 1875 entstand ein maurischer Kiosk, 1888 im Stil des Rokoko der Kaiserpavillon. 1898 wurde an das Festhaus ein im neobarocken Stil gehaltener Konzertsaal angebaut. Er erweiterte die Räumlichkeiten der Flora deutlich und machte sie mit 2457 Personen Fassungsvermögen zum größten Saal Kölns.Opernhaus am Rudolfplatz (1898): 1800 Plätze; Gürzenich: 1100 Plätze. Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 118 f.

Im 19. Jahrhundert wurde die Flora auch als Ausstellungsgelände genutzt; 1875 und 1888 fanden Gartenbau-Ausstellungen statt, 1889 eine Industrie-Ausstellung. Für die „Deutsche Kunstausstellung“ am 5. Mai 1906 wurden im Parkgelände mehrere von namhaften Architekten wie Peter Behrens entworfene Ausstellungsgebäude zur Verdeutlichung verschiedener Strömungen des Jugendstils als temporäre Gebäude errichtet und 1907 wieder abgetragen. Einzig der „Frauenrosenhof“ von Joseph Maria Olbrich wurde als Sandsteinbau massiv gemauert.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 132 ff.

Übernahme durch die Stadt 1890 schrieb die Flora AG erstmals rote Zahlen und konnte sich in den folgenden Jahren aus den Defiziten nicht mehr lösen. Dazu trug bei, dass die Handelsgärtnerei wegen erstarkter Konkurrenz eingestellt werden musste. Gleichzeitig hatte die Anlage selbst den Reiz des Neuen verloren und entsprach nicht mehr dem Zeitgeschmack. Das Unternehmen versuchte, zusätzliche Konzertveranstaltungen und Festlichkeiten anzubieten und hoffte, 1898 mit dem Bau des Konzertsaales ein neues Geschäftsfeld zu erschließen. Das Aquarium musste 1907 aus finanziellen Gründen aufgegeben werden. Dennoch war die Schuldenlast 1907 so drückend geworden, dass die Stadt Köln Aktien der Gesellschaft im Wert von 500.000 Mark erwerben und die Gesellschaft jährlich bezuschussen musste.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 148 f., 161, 168 1919 übernahm die Stadt Köln gegen die Pachtzahlung von 10.000 Mark jährlich die formal weiter bestehende Flora AG vollständig bis zum 31. Dezember 1949. Die Stadt erhielt damit ein Unternehmen, das sich in einem heruntergewirtschafteten Zustand befand und zusätzlich von den englischen Besatzungstruppen beschlagnahmt worden war.Sandra Scherreiks: Grüne Hölle oder schillerndes Paradies? 2005, S. 86. Offiziell heißt die Anlage seit 1919 daher „Botanischer Garten der Stadt Köln“.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 168 f.

Der Botanische Garten Zwischen 1912 und 1914 ließ die Stadt Köln nördlich unmittelbar angrenzend an die Flora, aber zunächst durch eine Mauer getrennt, einen neuen Botanischen Garten auf einer Fläche von 4,7 Hektar anlegen. Dieser sollte den 1887 von Otto Wilhelm Thomé gegründeten Botanischen Garten am Vorgebirgstor ersetzen, der wegen des Ausbaus des Güterbahnhofs deutlich verkleinert werden musste.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 154 ff. Der Botanische Garten am Vorgebirgstor lieferte 1912 mit einer Fläche von 1,5 ha rund 1.400.000 Pflanzen für den Schulunterricht an Kölner Schulen. Der am 30. Mai 1914 eröffnete „Botanische Garten“ wurde zum 1. Januar 1920 mit der Flora vereint. Die Stadt hatte die gesamte Anlage auf 30 Jahre unter der Voraussetzung gepachtet, dass die Verwaltung der Flora auf die Direktion des Botanischen Gartens übergehe.Martin Schwarzbach: Naturwissenschaften und Naturwissenschaftler in Köln zwischen der alten und der neuen Universität 1798–1919. 1985, S. 153.

Der neue Botanische Garten wurde der Städtischen Handels-Hochschule Cöln und nach deren Neugründung 1919 der Kölner Universität angegliedert und sollte vor allem der wissenschaftlichen Arbeit dienen. Für die Neuanlage in Riehl sprach auch die unmittelbare Nähe zur Flora, deren Nutzung für Lehrzwecke frühzeitig angestrebt wurde. Durch die Fusion der Flora mit dem Botanischen Garten erlosch offiziell auch ihr Name. Erster Direktor der Anlage wurde Peter Hans Heinrich Esser.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 156 f., S. 168 f.

Obwohl der neugeschaffene Botanische Garten eine wissenschaftliche Zweckbestimmung hatte, gestaltete Peter Esser die Flächen auch nach ästhetischen Gesichtspunkten und ließ sich dabei von der angestrebten Verbindung mit der Flora leiten. Der Haupteingang des Gartens in der Verlängerung der Bodinusstraße führt zu rechtwinkligen Beeten, die sich nach Süden in einer lang gestreckten Achse zur Flora hin öffnen. Optischer Orientierungspunkt im Norden ist die genau in der Flucht der Gartenanlage, hinter einem Teich aufragende Felsengruppe des Alpinums, über die sich ein künstlicher Wasserfall ergießt.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 156 f.

Zwischen 1914 und 1920 diente der Wintergarten als Truppenquartier für britische Soldaten, die unter anderem im Wintergarten einen Tennisplatz eingerichtet hatten. Erst 1926 wurde die Anlage wieder für die Öffentlichkeit zugänglich; bis 1934 blieb ihr im Palmenhaus das schlichte Flora-Restaurant geöffnet. Durch die neue Ausrichtung auf wissenschaftlich-botanische Forschung und Lehre wurden zahlreiche Beispiele der historistischen Gartenerbauung abgetragen: das französische Parterre wurde auf seine Randlinien reduziert, der Kaiserpavillon und der maurische Kiosk abgerissen und viele Skulpturen, Säulen und die meisten Schmuckvasen ausgeräumt. Der Frauen-Rosenhof wurde zu einem Klostergarten aus dem 9. Jahrhundert umgestaltet.Stephan Anhalt, Gerd Bermbach: Die Kölner Flora, Festhaus und Botanischer Garten. Köln 2014, S. 169 ff., S. 173 ff. Die „Flora AG“ wurde 1941 liquidiert, einer Kriegszerstörung am 31. Mai 1943 fiel die gesamte Gartenanlage zum Opfer, lediglich das Außenmauerwerk und die eisernen Innenstützen des Wintergartens blieben erhalten.Wolfram Hagspiel, Hiltrud Kier, Ulrich Krings: Köln. Denkmälerverzeichnis. 1984, S. 10.

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