Saudi-Arabien (veraltet auch Saudisch-Arabien, , Königreich Saudi-Arabien) ist eine absolute Monarchie in Vorderasien. Es liegt auf der Arabischen Halbinsel und grenzt an deren Anrainerstaaten (siehe Abschnitt „Landesgrenze“ unten), an das Rote Meer und den Persischen Golf. Das Land besteht in seinen heutigen Grenzen seit 1932. Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Riad, die zweitgrößte ist die Hafenstadt Dschidda.

Zwei der drei heiligsten Stätten des Islam, die al-Harām-Moschee mit der Kaaba in Mekka und die Prophetenmoschee in Medina, liegen in Saudi-Arabien. Der Islam hanbalitischer Rechtsschule in der speziellen Ausprägung des Wahhabismus ist in Saudi-Arabien Staatsreligion. Das öffentliche Religionsbild im Land ist fundamentalistisch und es herrscht eine konservative Auslegung des islamischen Rechts. Saudi-Arabien stützt und finanziert die Verbreitung des islamistischen Neofundamentalismus. So wurden die Auffassungen der Terrororganisation Islamischer Staat stark durch die saudi-arabische Auslegung des Islam geprägt, deren besonders gewalttätige Fortsetzung sie sind.Saudi-Arabien: Der Terror frisst seine Väter. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Dezember 2015Unser Freund, der Kopf-ab-Saudi. In: Spiegel Online, 24. November 2015

1992 wurde der Absolutismus als Staatsform in der Grundordnung festgeschrieben. Bis heute wird das Land autoritär regiert, Meinungsfreiheit ist nicht gegeben. Täglich kommt es zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien; regelmäßig werden Strafen wie Amputation, Steinigung, Auspeitschung und die Todesstrafe vollzogen, letztere auch für Homosexualität (siehe auch: Homosexualität in Saudi-Arabien). Obwohl seit der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Mohammed bin Salman die gesellschaftlichen Restriktionen etwas reduziert wurden, liegt laut dem Global Gender Gap Report das Land immer noch auf einem der weltweit letzten Plätze bezüglich der Frauenrechte.

Durch seine Armee ist Saudi-Arabien die größte Militärmacht im Nahen Osten. Ihre Militärintervention im Jemen seit 2015 gilt als destabilisierend und mitursächlich für die dortige humanitäre Katastrophe. Trotz der vielfältigen Kritik an Innen- und Außenpolitik halten die meisten Regierungen der westlichen Welt ihre guten Beziehungen zu Saudi-Arabien aufrecht, da ihre Länder von dessen Öl abhängig sind. Saudi-Arabien ist durch seine Ölexporte eines der reichsten Länder der Welt; nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (kaufkraftbereinigt) stand es 2021 weltweit auf Rang 29. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zählt Saudi-Arabien zu den Ländern mit sehr hoher menschlicher Entwicklung.

Geographie Die Arabische Halbinsel besteht größtenteils aus einem ausgedehnten Hochland. Im Westen bildet das Plateau einen steilen Randabbruch, der parallel zur Küste des Roten Meeres verläuft. Im Nordwesten gibt es praktisch keine Küstenebene. Die höchsten Gipfel liegen im Südwesten im Asir-Gebirge. Höchster Berg ist wohl der Dschabal Ferwaʿ mit 3002 Metern.

Östlich des Randabbruchs fällt das unwirtliche Hochland allmählich bis zu den flachen Wassern des Persischen Golfes ab, dessen Küste von Sümpfen und Salzflächen gesäumt ist. Das Hochland besteht überwiegend aus einer weiten Sandwüste und Landstrichen aus nacktem vulkanischem Gestein. Ein breites Wüstenband, „das Leere Viertel“ Rub al-Chali, erstreckt sich über den gesamten Süden des Landes.

Landesgrenze An Saudi-Arabien grenzen Jordanien (744 km gemeinsame Grenze), Irak (814 km), Kuwait (222 km), Katar (60 km), die Vereinigten Arabischen Emirate (457 km), Oman (676 km) und der Jemen (1458 km). Saudi-Arabien und der Inselstaat Bahrain sind durch den 26 km langen King Fahd Causeway über Brücken, Dämme und eine künstliche Insel miteinander verbunden.

Im Norden, Nordosten und Süden grenzt Saudi-Arabien an Nachbarländer, im Osten und Westen ist es vom Roten Meer und dem Persischen Golf begrenzt. Saudi-Arabien hat insgesamt 4431 Kilometer Landgrenze, der längste Abschnitt ist die Grenze zum Jemen.

Die Grenze zum Jemen wurde in den Jahren 2003 und 2004 durch Sperranlagen gesichert, was zu diplomatischen Verstimmungen zwischen beiden Staaten führte. Auch mit anderen Nachbarstaaten kam es zu Grenzkonflikten, so beispielsweise mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (1974) und mit Kuwait (1975). Zwischen 1981 und 1983 wurde die Neutrale Zone zwischen Saudi-Arabien und dem Irak aufgeteilt, 1971 kam es bereits zur Aufteilung der zweiten Neutralen Zone nördlich von al-Hasa zwischen Saudi-Arabien und Kuwait.

Am Bau der Grenzanlagen und der Grenzsicherung ist EADS,welt.de jetzt Airbus Group, beteiligt. Für die Ausbildung des Personals wurden Polizeibeamte aus Deutschland ins Land geschickt.welt.de

Klima und Geologie mini|Einheimische Familie bei einem Picknick in der Wüste am Fuß des Dschebel Tuwaiq, die Männer beim Gebet

In Saudi-Arabien herrscht vorwiegend heißes und trockenes Klima. Das kontinentale Klima im Landesinneren weist zum Teil beträchtliche Temperaturunterschiede auf, vor allem zwischen Tag und Nacht. Im Sommer sind tagsüber Maximalwerte von 50 °C möglich, im Winter kann nachts der Gefrierpunkt unterschritten werden. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 28 °C. Der größte Teil der spärlichen Jahresniederschlagsmenge fällt zwischen Dezember und Februar. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 59 mm (zum Vergleich in Deutschland: 700 mm).Stand 2018. Average precipitation in depth (mm per year) auf data.worldbank.org

Geologisch liegt Saudi-Arabien auf der Arabischen Platte, die sich nach Osten neigt. Im Westen ragt sie mit dem bloßgelegten präkambrischen Gestein des Arabischen Schildes, teilweise überdeckt von jüngerem Vulkangestein, steil aus der Tihama-Ebene am Roten Meer. Während die nördlichen Landschaften, wie die des Hedschas, eher eine Gebirgs- und Hügelkette entlang der Küste bilden, wird das südlicher gelegene Asir ähnlich dem Jemen durch den über weite Strecken mehr als 1000 Meter hohen Randabbruch geprägt. Von dieser küstenparallelen Kante fällt das Land sanft nach Osten ab. Von West nach Ost bilden zunächst die ausgedehnten Geröllwüsten, im Westen von vielen Lavafeldern (Harrat) oder Basaltgeröll überdeckt, die monotone Landschaft. Weiter nach Osten haben sich jüngere Schichten erhalten, die jeweils mit einer Steilkante beginnen die älteren Schichten zu überlagern. Die größte dieser Steilkanten sowohl in Höhe als auch Ausdehnung ist die Abbruchkante des Dschebel Tuwaiq (Tuwaiq Escarpment), dessen Schichten dem Jura entstammen und dem auf der Westseite unmittelbar ein Sandstreifen vorgelagert ist. Im zentralen Bereich tragen diese Sandstreifen Namen wie (von Norden nach Süden) Nafud as-Sirr, Nafud Qunaifidha und Nafud ad-Dahi. Auf der Ebene östlich des Tuwaiq befinden sich die Orte um die Brunnen von Chardsch und die Hauptstadt Riad, während weiter nördlich die Orte des Qasim westlich der nördlichen Tuwaiq-Ausläufer liegen, die schließlich unter den Sanden der Großen Nafud abtauchen. Diese Ebene, die einen großen Teil der Landschaft Nadschd ausmacht, wird wiederum im Osten durch einen Steilabbruch, dem Buwaib, dessen Schichten der Kreidezeit angehören, über weite Strecken begleitet. Auf dessen Ebene verläuft der Dahna-Sandstreifen, der die gesamte zentrale Landschaft nach Osten begrenzt. Dieser ist an einigen Stellen über 100 Kilometer breit und speist die Rub al-Chali im Süden mit Sand von der Großen Nafud-Wüste (an-Nafud al-Kabir) im Norden. Weiter nach Osten folgen weitere teilweise gestufte Ebenen, über die sich Geröllwüsten auf im Wesentlichen Kalksteingrund erstrecken. Im Osten nehmen dann ausgetrocknete ehemalige Seebecken und Salzflächen zu, bis man die Küste erreicht, die sich in geologischen Zeiträumen gemessen langsam aus dem Persischen Golf erhebt. Zusammen mit dem allmählichen Rückgang des Niederschlages seit einer kurzen Feuchtphase vor wenigen tausend Jahren – etwa zu Beginn des Neolithikums (Neolithisches Subpluvial) –, bedingt dies eine allmähliche Verlandung und Austrocknung entlang der Arabischen Küste des Persischen Golfs. Im Norden und Süden des Landes prägen die beiden großen Wüsten der Großen Nafud und des Rub al-Chali die Landschaft. Beide erreichen im Westen das Hochland des westlichen Randgebirges. Das zentrale Tuwaiq Escarpment umfasst wie ein gewaltiger nach Westen offener Bogen den Arabischen Schild, von dem er in der Regel durch die schmalen Sandfelder getrennt ist.

Wasser Saudi-Arabien besitzt Wadis, aber wenig Flüsse und einige kleine Seen.Al-Asfaar Lake östlich von Hofuf und Dumat Al Jandal Lake nahe der Stadt Dumah Al Jandal. Saudi-Arabien hatte einen Vorrat von 500 km³ an fossilem Wasser unter seinen Wüsten. In den letzten Jahrzehnten wurde dieser Vorrat angebohrt und als Trinkwasser für die von 4 Millionen auf fast 35 Millionen angestiegene Bevölkerung sowie für eine in der Wüste betriebene Landwirtschaft weitgehend aufgebraucht. Mit der Landwirtschaft sollte die Abhängigkeit des Landes von Nahrungsmittelimporten verringert werden.Saudi Arabia's Great Thirst auf NationalGeographic.com Durch die kaum vorhandenen Niederschläge kann eine Grundwasserneubildung jedoch nicht oder nur in sehr geringem Umfang erfolgen. Die Landwirtschaft verbrauchte 2020 rund zwei Drittel des genutzten Wassers, 80 Prozent davon stammen aus fossilen Wasserquellen.Saudi-Arabien erhöht seine Wasserproduktion deutlich auf gtai.de Zuvor wurde die Landwirtschaft in der Wüste erheblich eingeschränkt.What California can learn from Saudi Arabia’s water mystery auf revealnews.org 2018 trat ein Anbauverbot für wasserintensive grüne Futterpflanzen in Kraft, worauf sich der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft bis 2020 nahezu halbierte, von 21,2 Mrd. m³ auf 10,7 Mrd. m³. Man bemüht sich, den Anstieg des kommunalen Verbrauchs zu bremsen, unter anderem durch Sanierung der häufig undichten Leitungen und Ausbau der Abwasserbehandlungsanlagen.

2018 kamen rund 50 % des Trinkwassers aus den Meerwasserentsalzungsanlagen, die überwiegend von der staatlichen Saline Water Conversion Corporation (SWCC) betrieben werden, 40 % aus den nicht erneuerbaren fossilen Wasservorräten und 10 % aus Oberflächenwasser der gebirgigen Landesteile.Desalination in Saudi Arabia: An attractive investment opportunity. ArabNews.com

Seit den 1980er Jahren wurden 302 Wehre und Talsperren mit einem Stauvolumen von insgesamt 1,4 Mrd. m³ gebaut, überwiegend im gebirgigen Südwesten des Landes. Davon dienen 275 der Wiederauffüllung des Grundwassers, 25 als Trinkwasserreservoirs und 2 für die Landwirtschaft.Shakhawat Chowdhury, Muhammad Al-Zahrani: Characterizing water resources and trends of sector wise water consumptions in Saudi Arabia. In: Journal of King Saud University – Engineering Sciences, 2013 Weitere Talsperren, auch mit privater Beteiligung, sind geplant.Saudi Arabia Launches Bids For the Construction of Dams. 2022, auf aawsat.com

Flora und Fauna

In den meisten Teilen des Landes ist die Vegetation auf niedrige Gräser und kleine Sträucher beschränkt. In verstreuten Oasen wachsen Dattelpalmen. Die arabische Oryxantilope war charakteristisch für die Wüsten der Arabischen Halbinsel. Die Tiere wurden allerdings bis 1972 durch die Jagd ausgerottet. Heute leben sie aufgrund von Auswilderungsprogrammen wieder in geringer Zahl in ihren ursprünglichen Lebensräumen. Eine Population lebt im Westteil Saudi-Arabiens, in einem riesigen, eingezäunten Wildreservat, dem Mahazat-as-Sayd-Schutzgebiet. Zur heimischen Fauna Saudi-Arabiens zählen auch verschiedene Gazellen, Arabische Wölfe und Nubische Steinböcke. Mantelpaviane leben im Asir-Nationalpark in den Bergen im Südwesten des Landes. Einige Großtiere Arabiens, wie der Gepard und der Strauß sind heute ausgestorben, andere wie der Leopard sehr selten geworden. Auch einige Vogelarten sind vom Aussterben bedroht.