mini|Klatschmohn- und Kornblumenfeld im Nordosten der Bellnhäuser Gemarkung, Westabdachung der Lahnberge (Juni 2024) Bellnhausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Fronhausen im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Ein gleichnamiger Stadtteil von Gladenbach liegt nicht weit entfernt.

Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Bellnhausen erfolgte unter dem Namen Bedelnhusen im Jahr 1254 in einer Urkunde des Klosters Haina.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort 1634 und 1636 durch kaiserliche Truppen geplündert.

1750 erfolgte der Bau eines Steges über die Lahn, 1759 Errichtung einer Zollstelle. 1842 wurde der Lahn–Steg durch eine breitere Holzbrücke ersetzt, 1877 eine neue Steinbrücke über die Lahn gebaut.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erfolge am 1. Juli 1974 durch Landesgesetz der Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Bellnhausen, Erbenhausen, Fronhausen mit Sichertshausen, Hassenhausen, Holzhausen und Oberwalgern zur neuen Großgemeinde Fronhausen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Fronhausen wurden Ortsbezirke gebildet.

Im Jahr 2004 feierte Bellnhausen sein 750-jähriges Bestehen mit einer Fotoausstellung, einem Osterfeuer, Grenzgängen und einer Festwoche.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Bellnhausen angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Lohra (Gericht Lohra bestand aus den Orten Lohra, Nanzhausen, Willershausen, Rodenhausen, Seelbach, Rollshausen, Altenvers, Raimarshausen, Weiboldshausen, Kirchvers, Oberwalgern, Holzhausen, Stedebach und Damm) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gericht Lohra 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Gericht Lohra ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Gericht Lohra ab 1686: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt FronhausenDie Zugehörigkeit des Amtes Fronhausen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Fronhausen 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Ebsdorf ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Fronhausen ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis MarburgVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung zwischen Justiz (Justizamt Fronhausen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde FronhausenAm 1. Juli 1974 als Ortsbezirk zur Gemeinde Fronhausen. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Fronhausen

Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Fronhausen war als Gericht in erster Instanz für Bellnhausen zuständig. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Fronhausen.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte () Das Amtsgericht Fronhausen wurde 1943 geschlossen. Es wurde zunächst als Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg geführt und 1948 endgültig aufgelöst. Sein Gerichtsbezirk wurde dem Amtsgericht Marburg zugeteilt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Bellnhausen 425 Einwohner. Darunter waren 15 (3,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 60 Einwohner unter 18 Jahren, 165 zwischen 18 und 49, 126 zwischen 50 und 64 und 87 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 189 Haushalten. Davon waren 54 Singlehaushalte, 57 Paare ohne Kinder und 63 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 33 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 129 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1467: 14 Hausgesesse • 1577: 31 Hausgesessene • 1630: 28 Hausgesessene (6 zweispännige, 10 einspännige Ackerleute, 12 Einläuftige). • 1681: 28 hausgesessene Mannschaften • 1744: 250 Einwohner • 1838: 278 Einwohner (Familien: 44 nutzungsberechtigte, 6 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 6 Beisassen) • 1886: 300 Einwohner • 1925: 341 Einwohner • 1939: 340 Einwohner • 1950: 480 Einwohner • 1961: 368 Einwohner • 2011: 435 Einwohner

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: alle Einwohner evangelisch-lutherisch • 1885: 300 Einwohner, davon 283 evangelische (= 94,33 %), kein katholischer, 17 andere Christen (= 5,67 %) • 1961: 321 evangelische (= 60,34 %), 40 römisch-katholische (= 7,52 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1744: Erwerbspersonen: vier Strumpfweber, ein Bäcker, ein Schneider, ein Drechsler, zwei Zimmermeister, 12 Leineweber, ein Maurer, zwei Schmiede, zwei Schäfer, ein Wirt, 38 Korbmacher, 10 Tagelöhner. • 1838: Familien: 40 Ackerbau, 3 Gewerbe, 7 Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 88 Land- und Forstwirtschaft, 56 Produzierendes Gewerbe, 24 Handel und Verkehr, 23 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik Für Bellnhausen besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Bellnhausen. Der Ortsbeirat Bellnhausen besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 73,71 %. Alle Kandidaten gehörten der Liste „Unser Dorf Bellnhausen“ an. Der Ortsbeirat wählte Lothar Mann zum Ortsvorsteher.

Sehenswürdigkeiten Sehenswert in Bellnhausen sind die alte Steinbrücke und das Bürgerhaus sowie der 1853 vom Bergmann Gustav Lentz in den Fels gehauene Felsenkeller.

Die Bellnhäuser Kirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut.

Verkehr Bellnhausen wurde neben der Landwirtschaft über Jahrhunderte durch die Lage am Frankfurter WegFrankfurter Weg auf www.kreuzstein.eu, einer wichtigen Fernhandelsstraße von Frankfurt am Main nach Bremen über Kassel geprägt. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. verlor diese für den Ort an Bedeutung, da der Fernverkehr durch die Main-Weser-Bahn jetzt durchs benachbarte Fronhausen (Lahn) geprägt wurde. Heute liegt der Ort an der Bundesstraße 3, die bis 1994 noch mitten durch den Ort verlief. Durch den Rückbau der alten B 3 hat der Ort seinen Charakter als Fachwerkdorf mit idyllischen Ecken wieder zurückerhalten,, Landkreis Marburg-Biedenkopf, abgerufen am 5. Februar 2014. auch der Lahntalradweg führt über die alte Lahnbrücke und weiter auf der alten B 3 zum Nachbarortsteil Sichertshausen in Richtung Gießen.

Im Hauptort Fronhausen an der Lahn hält die Main-Weser-Bahn, mit teilweise umsteigefreier Verbindung bis Frankfurt.

Literatur

Weblinks

Web der Gemeinde Fronhausen

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ortsbezirk von Fronhausen Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Ort an der Lahn Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974