Zypern () ist eine Insel im östlichen Mittelmeer. Sie ist die drittgrößte Mittelmeerinsel nach Sizilien und Sardinien. Zypern gehört geographisch zu Asien, wird politisch und kulturell jedoch meist Europa zugeordnet.Der Große Ploetz. Freiburg i. B. 2008, S. 57. Auf 9251 km² leben etwa 1,4 Millionen Menschen (2024).
Die Insel ist seit 1974 de facto politisch geteilt. Der Süden wird von der Republik Zypern beherrscht, die völkerrechtlich weiterhin die ganze Insel umfasst (außer den britischen Militärbasen Akrotiri und Dekelia). Der Nordteil steht jedoch unter Kontrolle der Türkischen Republik Nordzypern, welche nur von der Türkei anerkannt wird, die dieses Gebiet seit 1974 völkerrechtswidrig militärisch besetzt und zusätzlich zu den etwa 40.000 stationierten festlandtürkischen Soldaten auch ein Vielfaches an festlandtürkischen Siedlern auf die Insel umgesiedelt hat. Sie entstand, nachdem griechische Putschisten den Anschluss Zyperns an Griechenland gegen den Willen des zyprischen Staatspräsidenten Makarios III. und den der griechisch-zypriotischen Bevölkerungsmehrheit durchzusetzen versuchten. Zwischen den beiden Gebieten liegt eine Pufferzone, die als „Grüne Linie“ (//) auch die Hauptstadt Nikosia teilt und von der Friedenstruppe der Vereinten Nationen in Zypern (UNFICYP) überwacht und verwaltet wird.
Die „Souveränen britischen Basen“ Akrotiri und Dekelia sind Exklaven, die völkerrechtlich als Britische Überseegebiete zum Vereinigten Königreich gehören. Für Großbritannien war die Möglichkeit einer dauerhaften Nutzung der strategisch wichtigen Insel eine Bedingung für die Entlassung Zyperns in die Unabhängigkeit im Jahre 1960. Außerdem unterhalten die Briten auf der höchsten Erhebung der Insel, dem Olympos, eine leistungsfähige Radaranlage und nahe der Exklave Dekelia die Ayios Nikolaos Station, die beide der Funküberwachung im Nahen Osten dienen und von der US-amerikanischen National Security Agency (NSA) mitgenutzt werden. Auf der Insel herrscht, wie auf Malta, Linksverkehr, ein Relikt aus der britischen Kolonialzeit, die von 1878 bis 1960 dauerte.
Die Republik Zypern ist seit dem 1. Mai 2004 Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU), und zwar mit ihrem völkerrechtlich anerkannten Territorium. De jure bedeutet das, dass auch der türkische Norden der Insel Unionsgebiet darstellt, auf dem die Republik Zypern ihr Recht jedoch nicht ausüben kann. Der Annan-Plan für die Neuordnung der politischen Situation auf der Insel stieß in seiner letzten Fassung bei den griechischen Zyprern in einem Referendum auf Ablehnung.
Geographie
Lage Zypern liegt im Nordosten des Levantischen Meeres. Die Entfernung zur Südküste der Türkei beträgt ca. 68 km, zur Westküste Syriens ca. 95 km, zur Nordküste Ägyptens ca. 325 km, zur Ostküste der griechischen Insel Rhodos ca. 394 km und zum griechischen Festland ca. 830 km.
Zypern liegt auf der Anatolischen Platte und wird geographisch zu Asien gezählt. Vom Südrand Zyperns bis nach Rhodos erstreckt sich der Zypernbogen als Plattengrenze zwischen der Anatolischen und der Afrikanischen Platte.
Größe und Gestalt Mit einer Fläche von ca. 9251 km² ist Zypern nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Insel im Mittelmeer (West-Ost-Ausdehnung ca. 230 km, Nord-Süd-Ausdehnung ca. 95 km). Zyperns Küsten sind insgesamt etwa 671 km lang.
Fünf markante Kaps bzw. Halbinseln – griechisch – prägen die Gestalt der Insel. Beginnend an der Nordostspitze der Insel sind dies (im Uhrzeigersinn): im Nordosten an der Spitze der Halbinsel Karpas: Kap Apostolos Andreas (‚Kap des Apostels Andreas‘) – griechisch , türkisch im Südosten: Kap Greko (‚Griechisches Kap‘) – griechisch , türkisch ; auch griechisch im Süden an den Spitzen der Halbinsel Akrotiri: im Osten Kap Gata (‚Katzenkap‘) – griechisch , türkisch im Westen Kap Zevgari – griechisch , türkisch im Westen an der Spitze der Halbinsel Akamas: Kap Akamas – griechisch , türkisch in der Mitte der Nordküste an den Westausläufern des Pentadaktylos: Kap Kormakitis – griechisch , türkisch
Landschaften mini|Küstenlandschaft und Pentadaktylos-Gebirge auf der Karpas-Halbinsel
An der nordöstlichen Küste entlang zieht sich die schroffe Gebirgskette des Pentadaktylos () mit zur Küste hin steil abfallenden Hängen und dem Kyparissovouno () als höchster Erhebung. Zum vulkanischen, waldreichen Troodos-Gebirge im Landesinneren gehört der Olympos (), der höchste Berg Zyperns. Das Troodos-Gebirge entstand durch die Überschiebung ozeanischer Kruste (siehe auch: Ophiolith), damit verbunden treten Chrom- und Asbest-Lagerstätten auf. Zwischen den beiden Gebirgen erstreckt sich die fruchtbare Ebene Mesaoria () mit dem Zentrum Nikosia.
Die Küste besteht aus ausgedehnten Sand- und Kiesstränden sowie aus steil abfallenden Felsküsten mit kleinen Buchten. Die beiden größten Seen liegen nahe der Küste (bei Akrotiri und Larnaka) und sind Salzseen. Auf Zypern gibt es keine natürlichen Süßwasserseen.
Klima Auf Zypern herrscht mediterranes Klima mit deutlich kontinentaler Ausprägung. Die Temperaturen sind höher als im nördlichen Mittelmeerraum und von der levantinischen Küste wehen oft heiße Wüstenwinde übers Meer. Das Mittelmeer um Zypern hat die höchsten Wassertemperaturen im gesamten Raum. Im Februar werden etwa 17 °C, im August um 28 °C erreicht.
Von Mai bis Oktober ist es trocken und vor allem im Landesinneren zum Teil sehr heiß. Nikosia hat im Juli und August eine durchschnittliche Höchsttemperatur von 37 °C, was nur 2 °C unter der Temperatur in Dubai liegt und 8 °C wärmer ist als auf Mallorca. In Extremfällen steigt das Thermometer im Zentrum der Insel im Hochsommer auf 47 °C. An den Küsten ist es während des Sommers meist am Tag 30 bis 35 °C warm, in der Nacht kühlt es auf 20 bis 23 °C ab. Der Westen der Insel um die Stadt Paphos ist 2 bis 4 °C kühler als der Osten.
Regen fällt vor allem von November bis April. Im Winter liegen die Temperaturen zwischen 15 °C und 20 °C am Tage, von Zeit zu Zeit darüber, selten darunter. Oberhalb von kann es Schnee geben, Frost ist im Flachland häufiger, an der Küste jedoch praktisch auszuschließen.
Flora und Fauna Zypern liegt im Biodiversitäts-Hotspot der Mittelmeerregion. Auf der Insel kommen eine Reihe endemischer Arten vor, wie z. B. die Zypern-Zwergohreule (Otus cyprius) und die Zyprische Wechselkröte (Bufotes cypriensis).
Vegetation und Landnutzung Zypern ist die waldreichste Insel im gesamten Mittelmeerraum. Schon in der Antike galt Zypern als die fruchtbarste unter den Inseln; sie war besonders bekannt für guten Wein und hochwertiges Olivenöl und konnte ihren Eigenbedarf an Getreide decken.Strabo, Geographika 14, 16, 4.
Nach Eratosthenes war es ehemals dicht bewaldet, sogar die Ebenen waren mit Wald bedeckt und konnten so nicht zum Ackerbau genutzt werden. Für den Bergbau wurden Teile der Wälder gerodet, um Brennstoff für die Verhüttung von Silber und Kupfer zu erhalten. Weiteres Holz wurde für den Schiffbau benötigt, nachdem Kriegsschiffe den Handel gesichert hatten. Jeder konnte den Wald roden und das so gewonnene Land steuerfrei bebauen.
Im Troodos – dem „Schwarzwald“ Zyperns – wachsen die endemischen Erlenblättrigen Eichen und Zypern-Zedern. Die Schwarzkiefer (in der östlichen Unterart pallasiana) und der Phönizische Wacholder sind am Waldaufbau beteiligt. Hier wie auf der übrigen Insel ist aber die Kalabrische Kiefer der häufigste Waldbaum, ihr Anteil an der gesamten Waldfläche macht etwa 90 % aus.Pantelas V.: The forests of bruti a pine in Cyprus. Le pin d’Alep et le pin brutia dans la sylviculture méditerranéenne. In: Options Méditerranéennes. Série B: Etudes. Nr. 1986-I. CIHEAM, Paris 1986, , S. 43–46. An den flach abfallenden Rändern des Troodos wurde die natürliche Flora größtenteils verdrängt von Apfel-, Birnen-, Pfirsich-, Mandel- und Nussbäumen sowie von Weinhängen. Im Übrigen wird das Bild der Insel von, meist gepflanzten, Zypressen, Olivenhainen und Johannisbrotbäumen geprägt.
152 Pflanzenfamilien, 668 Gattungen und ca. 1820 Arten (Blütenpflanzen) sind bekannt. Der Frühling wird geprägt von Anemonen, Narzissen, Gladiolen, Iris, Affodill, Tulpen und Klatschmohn. Viele Arten von Orchideen kommen vor. Einige davon sind endemisch. Mit den ersten herbstlichen Regenfällen sprießen unter anderem Traubenhyazinthen und das endemische Zyprische Alpenveilchen. Die ursprünglich aus Brasilien stammende, weithin kultivierte Bougainvillea blüht das ganze Jahr hindurch.
Es sind nur noch etwa 18,5 % der Insel (im Wesentlichen im Troodos und im Pentadaktylos) von Wald bedeckt. Eingriffe des Menschen, Beweidung mit Ziegen und häufige Waldbrände haben die Waldflächen vermindert. Es bestehen Bemühungen den Waldbestand durch Neubepflanzung zu vergrößern. Das Überleben neu gepflanzter Bäume wird durch Wassermangel erschwert. Einige fremde Arten wurden eingeführt (verschiedene Arten von Akazien und Eukalyptus).
Fauna mini|Hardune sind auf Zypern weit verbreitet Meeresschildkröten legen an den Küsten der Halbinseln Akamas und Karpas und von Varoscha bei Famagusta ihre Eier ab; um ihre ungehinderte Fortpflanzung zu ermöglichen, verabschiedete die zyprische Regierung ein Schutzprogramm: Für die Dauer der Eiablage werden die Strände für Menschen gesperrt.
Neben den im Mittelmeer üblichen Fischarten tummeln sich in den Küstengewässern im Osten der Insel auch Fische, die durch den Suezkanal aus dem Roten Meer ins Mittelmeer kamen, wie Flötenfische (Fistulariidae) und Kaninchenfische (Siganidae).
Auf der Insel heimisch sind zudem verschiedene Reptilienarten, darunter mehrere Echsen, von denen der Hardun die größte und auffälligste Art ist, und Schlangen wie die giftige Levanteotter.
Die Vogelwelt Zyperns umfasst 340 Arten. Die Insel ist ein Durchzugsgebiet vieler Zugvögel: 46 Arten verbringen das ganze Jahr auf Zypern, 27 der Zugvogelarten nisten auf der Insel. Die Wälder des Troodos und die Höhenlagen des Pentadaktylos sind die vogelreichsten Gebiete: Unter anderem sind hier Buchfink, Fichtenkreuzschnabel, Chukarhuhn, Nachtigall und Seidensänger zu finden. Halsbandfrankolin, Häherkuckuck, Eleonorenfalke, Steppenweihe und Teichwasserläufer sind gesuchte Arten von „Birding-Tours“. Schuppengrasmücke und Zypernsteinschmätzer sind zyprische Endemiten. Im Salzsee bei Larnaka kann man im Winter Flamingos beobachten.
Im Jahre 2004 wurde die Zypern-Maus (Mus cypriacus) entdeckt, eine Mäuseart, die schon seit mindestens 10.000 Jahren auf Zypern lebt. Sie hat einen größeren Kopf, größere Ohren, Augen und Zähne als alle anderen bisher bekannten Mäusearten.Bild der Wissenschaft. 1/2007, S. 8.
Fossilien und archäologische Funde belegen, dass auf Zypern bis in die Nacheiszeit Zwergflusspferde und Zwergelefanten lebten, die bereits in der Jungsteinzeit ausgestorben waren. Schweine, Rinder, Ziegen, Damhirsche und Wildschafe sowie Füchse und Wildkatzen wurden von den ersten Bauern mitgebracht. Die Schafe, bekannt als Zypern-Mufflon, verwilderten und leben noch im Troodos und auf der Halbinsel Akamas. Die Zypern-Mufflons wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts nahezu ausgerottet, der Bestand konnte zwischenzeitlich durch Schutzmaßnahmen gesichert werden. Die ebenfalls eingeführten Rinder verschwanden nach relativ kurzer Zeit und wurden erst im Endneolithikum wieder eingeführt.
Naturschutz Die Republik Zypern muss als Teil der EU Natura 2000 Schutzflächen ausweisen und hat mittlerweile FFH-Gebiete festgelegt. Infolge von Strukturförderungsprogrammen förderte die EU Vorarbeiten zur Ausweisung von NATURA 2000 Gebieten in der Republik Nordzypern.
BirdLife Cyprus betreut im Süden der Insel etliche Gebiete, ist stark gegen die Vogeljagd engagiert und arbeitet an der Ausweisung von FFH-Gebieten.
Bevölkerung
Benennung