mini|Deutschsprachiges Etikett von Free Beer v3.0 aus Bozen mini|Nahaufnahme einer Flasche Free Beer „St Austell“ (version 3.2) mit englischsprachigem Etikett und ausgeschenktem Bier mit Schaumkrone (2007) mini|Abgefüllte Free-Beer-Flaschen mit verschiedenen Rezept- und Labelvarianten, welche seit 2005 gebraut wurden mini|Superflex Workshop: „Free Beer Factory“ bei der Taipei Biennial 2010 in Taipeh, Taiwan (2010) Workshop: „FREE BEER factory“, Superflex Sep.7, Tue.1500-1700, Venue: GOOGLE OFFICE, TFAM, Superflex inaugurates their work for TB10 with a free workshop. Learn to brew your own beer. Limited space available, RSVP. (englisch, 2010)

Free Beer, ursprünglich Vores Øl – An Open Source Beer (Dänisch für Unser Bier), ist ein Bier, dessen Rezept und Markenelemente unter einer Creative-Commons-Lizenz frei verfügbar ist. How can a beer be “free”? The recipe and the FREE BEER brand is published under a Creative Commons Attribution-ShareAlike license auf freebeer.org (englisch)

Ende 2004 entwickelten Studenten der IT-Universität Kopenhagen zusammen mit der dänischen Künstlergruppe Superflex das Free-Beer-Konzept, um zu zeigen, wie das Open-Source-Konzept außerhalb der digitalen Welt angewendet werden kann.Pamela Licalzi O’Connell: Pass Over a Frosty Mug of Home Brew Version 1.0. In: New York Times vom 13. Juni 2005 (englisch). Es zeigt aber auch umgekehrt die Verbindung der uralten Tradition, Kochrezepte frei auszutauschen, mit der Kultur der FOSS-Bewegung, welche versucht die gleiche Tradition für die „Rezepte“ von Software, den Quelltexten, zu etablieren. Es gilt als erstes Bier, für das Rezept und Markenelemente unter eine Open-Source-Lizenz gestellt wurden. Später folgten viele Brauer (auch kommerzielle größere Brauereien) dem Beispiel und stellten Bierrezepte öffentlich und unter freie Lizenzen.

Konzept Im Dezember 2004 wurde das Open-Source-Bier-Konzept von Studenten der IT-Universität Kopenhagen zusammen mit der dänischen Künstlergruppe Superflex erstmals im Internet vorgestellt. Zuvor hatten sie in der Mensa ihrer Universität die ersten 100 Liter ihres dunklen Bieres gebraut, abgefüllt und etikettiert.Henrik Moltke's flicker stream „Students at IT University, Copenhagen, Superflex and the Yoda of home brewing, Kjeld Erlandsen, making the first batch of Vores Øl (our beer), the predecessor of FREE BEER“ (13. Dezember 2004) Rezept und Markenelemente des Bieres, wie Schriftzug und Etikett, wurden unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike 2.5 veröffentlicht. Rezept und Marke können nach eigenen Wünschen abgewandelt werden und auch der Verkauf des Bieres ist unter Einhaltung der Lizenzbestimmungen zugelassen. Der Slogan des ersten freien Bieres Vores Øl (dänisch: ‚Unser Bier‘) war ursprünglich ein Werbeslogan der dänischen Bierbrauerei Carlsberg von 1994, IdéPrisen Arnold, Produkt/titel: Vores Øl „Kollektivet“, Annoncør: Carlsberg Bryggerierne (dänisch) welcher übernommen wurde. Weil reine Kochrezepte nicht Urheberrechtschutzwürdig sind, anders als Software, ist die Wirksamkeit des share-alike/copyleft Lizenzansatzes vorsichtig zu betrachten und wurde auch noch nicht vor Gericht getestet.

Das Bier soll nach der Zubereitung einen Alkoholgehalt von etwa 6 % besitzen. Im Gegensatz zu üblichen Bieren ist als Zusatz noch Guaraná enthalten, welches durch den Koffeingehalt zusätzlich eine aufmunternde Wirkung erreichen soll. Die Einbringung von Guarana in das Bier geht auch auf ein vorheriges Superflex Projekt von 2003 zurück, „Guaraná Power“,„Guaraná Power“ on superflex.net „In 2003, SUPERFLEX initiated a collaboration with a guaraná farmers' cooperative from Maués in the Brasilian Amazon in order to produce the Guaraná Power soft drink. The farmers have organised themselves.“ (englisch) in welchem Superflex eine brasilianische Guarana-Bauern-Kommune über Fair Trade unterstützte.

Das Konzept wird unter der Bezeichnung Free Beer weiterentwickelt und als Open-Source-Bier eingeordnet, benutzt also damit Elemente zweier Bewegungen, der Free-Software- wie auch der Open-Source-Bewegung. Die Verwendung des Namens „Free Beer“ wurde möglicherweise von dem Vorschlag von Richard Stallman beeinflusst, welcher empfahl, anstatt eines Open-Source-Biers ein Free-Software-Movement-Bier zu produzieren.Richard Stallman on free beer „HM: – so if you could pretend that you were reviewing the idea of a free beer? RMS: I love the idea as long as I don’t have to drink it“ (2005, englisch) Der Name Free Beer ist eine Anspielung auf die Unterscheidung bei freier Software und Freeware zwischen free as in freedom (frei wie in Freiheit) und free as in beer (frei wie in Freibier, hier also kostenlos). Dadurch, dass das Rezept unter einer freien Lizenz steht, ist das Bier „frei wie in Freiheit“, aber nicht zwingend kostenlos, also nicht „frei wie in Freibier“ (nach der Definition von freier Software).FAQ bei freebeer.org, Frage „Why beer?“ (englisch)

Das für „Free Beer“ entwickelte kunterbunte Artwork und Labeldesign („keine Farbe zweimal“) bricht mit üblichen Einfärbungsschemata für Produkte und spielt damit auf die künstlerische Befreiung der 1960er an und soll den Freiheitsaspekt des Konzepts unterstreichen.

Durch die freie Einsehbarkeit des Rezepts und dessen CC-BY-SA-Lizenz, welche die Wiederveröffentlichung von Rezeptvariationen vorsieht, konnte der Brauvorgang und die Zusammensetzung in den Jahren seit der Erstveröffentlichung kontinuierlich verbessert werden, was durch die aktuelle Versionsnummer 4.1 abgebildet ist.

Versionen Version Codename Datum Brauerei/Anmerkung FREE BEER version 6.0 „The Atlantic Brew“ 30. Oktober 2017 Summerskills Brauerei in Devonport (Plymouth)FREE BEER 6.0 – The Atlantic Brew auf freebeer.org (Oktober 2017) FREE BEER version 4.1 25. August 2010 Brauerei in Huntington Beach, Kalifornien Monday, August 16, 2010 FREE BEER version 4.1 Artspace at artspace.org.nz Oktober 2008 Steam Brewing Company in Auckland City-Newton, Auckland, Neuseeland FREE BEER version 4.0 SKANDS September 2008 Skands-Mikrobrauerei in Brøndby, Dänemark FREE BEER version 3.5 Hops & Barley März 2008 Von der Hops & Barley Mikrobrauerei Berlin-Friedrichshain, Deutschland.FREE BEER macht sich schön für die re:publica von Nicole (9. März 2008) FREE BEER versão 3.4 Germania November 2007 Arnaldo Ribero und Germania Brauerei in São Paulo, Brasilien FREE BEER version 3.3 Linghzi November 2007 in Zusammenarbeit mit „Everything Mushroom“, Knoxville, Tennessee FREE BEER version 3.2 St Austell Juli 2007 „St Austell Brewery“ in Cornwall, England FREE BEER version 3.0 Skands Juni 2006 Skands-Mikrobrauerei in Brøndby, Dänemark (und weiteren) FREE BEER version 2.1 Apollo August 2006 Apollo-Mikrobrauerei in Kopenhagen FREE BEER version 2.0 Apollo 2005 Apollo-Mikrobrauerei in Kopenhagen FREE BEER version 1.5 Samvirke ? zum Brauen zu Hause geeignet; für 25 Liter FREE BEER version 1.1 FREE BEER 20. Mai 2005 Erstmals unter dem Namen „Free Beer“ ausgeschenkt auf der Volksbühne BerlinSuperflex auf arthurmag.com (englisch) Von Jens Balzer in der Berliner Zeitung (vom 24. Mai 2005) FREE BEER version 1.0 Vores Øl Dezember 2004 Studenten der IT-Universität mit Superflex in Kopenhagen

Derivate mini|Das „White House Honey Ale“, ein „Free Beer“ da die veröffentlichte Rezeptur als Arbeit der US-Administration in der Public domain ist (2012). mini|Open Source Bier-Mate-Mixgetränk „Mier“ von Metamate auf dem „EHSM – the frontiers of open source and DIY“-Meeting beim DESY (2014).

Die Idee eines „offene/freien“ Bieres selbst wurde ebenfalls von anderen Brauereien aufgegriffen und umgesetzt, teilweise mit eigenen Labels und Rezepten. Beispielsweise im Sommer 2007 lancierte die studentische Organisation project 21 auf project21.ch für nachhaltige Entwicklung zusammen mit Wädi-Brau-Huuswadi-brau-huus-freebeer auf ratebeer.com (englisch) auf freebeer.ch in der Schweiz (Zürich) ein „FreeBeer“ mit eigenem Rezept und Design. im Tages-Anzeiger am 3. März 2008

Die Flying-Dog-Brauerei (USA/Frederick) kreierte im Juli 2007 ein Open-Source-Bier namens „Collaborator Doppelbock – Open source beer“, jedoch ohne eine konkrete Lizenz anzugeben. auf opensourcebeerproject.com auf opensourcebeerproject.com

Im März 2009 wurde für ein Wikipedia-Meeting zur Cebit in Hannover ein freies Rotbier namens „HannoverWikiRed“ durch die Stadtbrauerei HBX gebraut.HannoverWikiRed: Open-Source-Bier angestochen auf Heise.de (9. März 2009)

Die neuseeländische Brauerei Yeastie Boys produzierte Ende 2011 ein Digital IPA und gewann damit 2012 einen Gold Award der Brewers Guild of New Zealand. Das Rezept wurde unter einer CC-SA-BY 3.0 veröffentlicht.digital-ipa-recipe auf yeastieboys.tumblr.com (englisch)

Seit 2012 existiert auch ein Open-Source-Mate-Bier namens „Mier“ unter CC-BY-NC-SA,, Berliner Zeitung vom 13. März 2012 auf mier.metamate.cc (englisch)metamate.cc: auf mier.metamate.cc welches beispielsweise 2014 auf dem „EHSM – the frontiers of open source and DIY“-Meeting beim DESY ausgeschenkt wurde. Momentan ist es auf dem deutschen Markt nicht mehr kommerziell verfügbar; das Mier-Rezept wurde dagegen kommerziell erfolgreich auf dem tschechischen Markt umgesetzt.Mier – failure attempt to CC license as mass market consume good beim cccamp15 von Fabricio do Canto (15. Aug 2015) auf cizice.ubizona.eu

Im August 2012 war eine Petition auf der Plattform „We the people“ erfolgreich und die Barack-Obama-Administration veröffentlichte die Rezeptur eines im Weißen Haus gebrauten Honey Ales in die Public domain.Ale to the Chief: White House Beer Recipe auf whitehouse.gov (1. September 2012, englisch)

Während des Hackathon Litoral 2015 in Argentinien/Paraná (Entre Ríos) braute eine Gruppe eine Abwandlung des Yeastie-Boys-Digital-IPA-Rezepts mit argentinischem Malz und Hopfen und stellte Label und Rezept unter CC.

Im Februar 2016 „open-sourcete“ die BrewDog-Brauerei alle ihre Bierrezepte für die Öffentlichkeit. im Scottish Business News Network (Februar 25, 2016)BrewDog’s open-source revolution is at the vanguard of postcapitalism von Paul Mason im The Guardian (29 Februar 2016)

Rezeption Das „Free Beer“-Konzept wurde seit der Erstveröffentlichung vielfach von der Presse und in Fachbüchern rezipiert, das Konzept wurde auch vielfach von Brauereien und Einzelpersonen aufgenommen und zu abgefülltem Bier umgesetzt (siehe Galerie).

Die politische Botschaft fand auch positiven Zuspruch in der Open-Source- und Free-Software-Community, beispielsweise durch Richard Stallman oder Lawrence Lessig. Es wurde auch auf (Open-)Technologiekonferenzen und -Meetings präsentiert, diskutiert, gebraut und ausgeschenkt, beispielsweise der Isummit 2008 oder den RMLL 2011, 2012 und 2014 Meetings in Frankreich. auf 2012.rmll.info auf 2014.rmll.info Als Ergebnis des FSCONS 2008 wurde auch ein CC-BY-SA E-Book mit dem Artwork und dem Titel „Free Beer“ erstellt.Free Beer 1.0 auf lulu.com (2009) Thursday, November 26, 2009 auf fscons.org (2009) Free Beer wurde auch im Kontext vieler Kunstausstellungen und Museen präsentiert, z. B. bei der Art Basel Miami Beach 2006, dem Van Abbemuseum 2007 oder der Taipei Biennial 2010 (gesponsert von TTL2010 Taiwan Tobacco and Liquor Corp. 5000 Bottles of “Free Beer Taiwan” in Taipei Biennial 2010). Auch im Kontext von politischen Anti-Copyright-Aktionen wurde Free Beer als Beispiel für einen positiven Einfluss von offenem Wissen auf die Gesellschaft verwendet.

Galerie

Literatur Daniel Steinmaier: Computernerds zwischen Freiheit und Freibier. In: Süddeutsche Zeitung, 1. März 2008, Online Studenten brauen Open-Source-Bier. Spiegel Online, 20. Juli 2005, Online Rhys Blakely: Welcome to the future: open source beer. The Times Online, Online (englisch) Pamela Licalzi O’Connell: Pass Over a Frosty Mug of Home Brew Version 1.0. New York Times, Online (englisch) Clark Boyd: ‘Free’ Danish beer makes a splash. British Broadcasting Corporation (BBC), Online (englisch)