mini|Künstlerhaus Föhren/Rheinland-Pfalz (2024) Künstlerhaus ist im Deutschen eine Bezeichnung mit fünf unterschiedlichen Bedeutungsschwerpunkten, teils in Mischformen, und setzt das Vorhandensein eines oder mehrerer atelierartiger Räume oder Werkstätten voraus.

Definitionsvarianten Unter einem Künstlerhaus versteht man: ein Bauwerk, welches sowohl Wohnräume als auch ein Atelier oder eine Werkstatt umfasst und durch den Künstler oder Architekten selber oder für ihn errichtet wurde (vgl. Rubenshaus oder Palazzo Zuccari)Ernst Seidl (Hg.): Lexikon der Bautypen. Funktionen und Formen der Architektur. Stuttgart: Philipp Reclam jun. Verlag, 2006, ISBN 978-3-15-010572-6, das Geburts-, Eltern- oder Wohnhaus/Residenz mit Atelier eines Künstlers und oft zugleich seine Hauptwirkungsstätte während eines bedeutenden Lebensabschnittes (Max Liebermanns Atelier im Palais Liebermann neben dem Brandenburger Tor in Berlin oder auch seine Sommervilla am Wannsee; Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg; Lenbachhaus in München; Münterhaus in Murnau; Claude Monets Domizil in Giverny), ein Gebäude oder zusammenliegende Baukörper mit einer Anzahl von Ateliers/Werkstätten, die meist von einer Vielzahl von Künstlern privat angemietet werden (Bateau-Lavoir, in dem Picasso in seinen frühen Pariser Jahren tätig war; La Ruche in Paris), zahlreiche im deutschsprachigen Raum als Künstlerhaus bezeichnete Einrichtungen/Gebäude, teilweise auch mehrere solcher Einrichtungen bzw. Gebäude in derselben Stadt in unterschiedlicher Trägerschaft, z. B. durch Vereine oder Stiftungen: diese Gebäude dienen als Arbeits- und Begegnungsstätte für Kulturschaffende in den Bereichen wie Bildende Kunst und Kunsthandwerk, Literatur und Musik, teils Darstellende Kunst und sind mit Ateliers, Werkstätten und Kommunikationsräumen unterschiedlichster Art und zuweilen mit Gästewohnungen für begrenzte Künstleraufenthalte ausgestattet. Solche Häuser öffnen sich meist gezielt der umgebenden Wohnbevölkerung und übernehmen oft eine innerörtliche und auch überörtliche - und Identitätsfunktion für den Stadtteil oder den Ort. Gebäude und Einrichtungen, die professionellen Künstlern aus unterschiedlichen Ländern meist in Verbindung mit einem Arbeitsstipendium für eine begrenzte Zeit ein Atelier oder eine Werkstatt und eine Atelierwohnung zur Verfügung stellen, damit die Teilnehmer möglichst in einem international geprägten Umfeld kreativ arbeiten können. Diese Art der Förderung wird als Artist in Residence bezeichnet (Villa Romana in Florenz). Solche Einrichtungen werden oft über Stiftungen finanziert.

Begriffsabweichungen Von diesen fünf Charakterisierungen des Künstlerhauses sind zu unterscheiden: die Künstlerkolonie: dieser Begriff ist historisch mit außerstädtischen Zusammenschlüssen assoziiert. Gleichwohl übernehmen gegenwärtig eine größere Anzahl von Einrichtungen diese Bezeichnung für sich, die im eigentlichen Sinne als Künstlerhaus bezeichnet werden könnten und ein räumliches und kreatives Zusammenwirken verschiedener Künstler in städtischem Rahmen ermöglichen. das Kunsthaus: ein solches dient im Sinne eines Ausstellungshauses oder eines Kunstmuseums der Präsentation von Kunstobjekten, nicht jedoch deren Herstellung. das Kunst-Haus im Sinne eines Hauses oder Gebäudes als Kunst stellt im Wesentlichen in seiner äußeren Erscheinung die künstlerische Tätigkeit des Architekten oder des Künstlers in den Vordergrund. Kennzeichnend dafür sind exemplarisch eine Reihe von Gebäuden Antoni Gaudís in der Formsprache des Modernisme, oder die schiefwinkligen, teils dekonstruktivistischen Gebäude Frank O. Gehrys oder auch die organische Form- und verspielte Farbsprache Friedensreich Hundertwassers in seinen Entwürfen, z. B. beim Hundertwasser-Haus in Wien.

Geschichte Künstlerhäuser entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts in verschiedenen deutschen Städten. Sie wurden konzipiert von Künstlervereinen, die eine Verbesserung der Vermittlung und Vermarktung von Werken ihrer Mitglieder suchten und für diesen Zweck geeignete Räumlichkeiten einrichteten. Hier konnten einerseits regelmäßige Ausstellungen zu optimalen Bedingungen gefördert, auf der anderen Seite gesellige Zusammenkünfte und Veranstaltungen organisiert werden. Die ersten Künstlerhäuser entstanden 1844 in Stuttgart mit der Glocke und in 1848 gegründet mit dem Malkasten in Düsseldorf. Auch die Künstler in Hannover verfügten bereits seit 1856 über eigene Räumlichkeiten im Museum für Kunst und Wissenschaft, das später den Namen Künstlerhaus erhielt. In der bayerischen Landeshauptstadt München beschäftigte sich ab dem Jahre 1850 der Künstlerunterstützungsverein mit Plänen für ein Künstlerhaus.Siegfried Kett: Das Nürnberger Künstlerhaus, Nürnberg 1992, Verlag Nürnberger Presse, ISBN 3-920701-89-5, S. 9.

Liste von Künstlerhäusern Die hier gegebene Auflistung hat nur exemplarischen Charakter:

In Deutschland Ort Name Gegründet Bemerkung Ahrenshoop Künstlerhaus Lukas Bad Ems Internationales Künstlerhaus Schloß Balmoral Bamberg Internationales Künstlerhaus Villa Concordia Berlin Ateliergebäude Bleibtreustraße 7 1897 Umbau 1932 Ateliergebäude Kantstraße 149 1892 Wohnungen und Ateliers Atelierhaus Eisenacherstraße 103 vor 1903 Ateliers im Hinterhaus, später zu 15 Atelierwohnungen umgebaut. 1981 Abriss begonnen und besetzt, bis heute bewohnt (Stand: Februar 2019) Atelierhaus Lützowstraße 82 1890 Ateliers im Hinterhaus, ab 1907 abschnittsweise zur Fabrik umgebaut, in den 1940ern zerstört Atelierhaus des Vereins Berliner Künstlerinnen 1911 Bethanien Künstlerhaus St. Lukas 1890 BremenKünstlerhaus Bremen 1992 Frankfurt am Main Künstlerhaus Mousonturm 1988 Gelsenkirchen Künstlersiedlung Halfmannshof 1931 Dortmund Künstlerhaus Dortmund Dresden Künstlerhaus Dresden-Loschwitz 1898 Duisburg Künstlerhaus Baerl ehemalige Schule, die vier Künstlern Raum bietet. Künstlerhaus Goldstraße 1980 Ateliergebäude, welches elf Künstlern Raum bietet. Künstlerhaus Rumeln-Kaldenhausen ehemalige Schule, die vier Künstlern Raum bietet. Düsseldorf Wunderbau vor 1875 Ateliergebäude, welches einundzwanzig Künstlern Raum bot. 1943 zerstört. Künstler Atelier-Haus 1907/1908 Wurde gestiftet vom Verein der Düsseldorfer Künstler mit Ateliers und Werkstätten für professionelle Künstler gegen eine geringe Miete. Atelierhaus Franz-Jürgens-Straße 12 1936/37 Das als „Künstlergemeinschaftshaus mit 12 Ateliers und einem Ausstellungsraum“ konzipierte Gebäudeensemble, entstanden zur Reichsausstellung Schaffendes Volk von 1937, befindet sich im Eigentum der Stadt Düsseldorf und ist Bestandteil einer bis heute bestehenden „Künstlersiedlung“ in Düsseldorf-Golzheim. Eckernförde Schleswig-Holsteinisches Künstlerhaus 1998 Edenkoben bei Heidelberg Künstlerhaus Edenkoben Feldafing bei München Künstlerhaus Villa Waldberta Föhren bei Trier Künstlerhaus ANNAMALT 1997Das Künstlerhaus in Föhren/Rheinland-Pfalz ist auch als Graffitihaus bekannt. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit über das Graffiti an der Hausfassade entschied das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in einem Grundsatzurteil, dass es sich bei der Gestaltung um Kunst im Sinne von § Art. 5 Abs. 3 Saz 1 GG handelt 1997 von ANNAMALT (Malerin) und Edward Naujok (Bildhauer, Konzeptkünstler) konzipiert und gestaltet. Seit dem Tod von Edward Naujok 2016 führt ANNAMALT das Künstlerhaus mit eigenem Atelier und vielen Veranstaltungen fort. Gladenbach bei Marburg Künstlerhaus Lenz Grimma bei Leipzig Denkmalschmiede Höfgen 1976 Hannover Künstlerhaus Hannover Hamburg Künstlerhaus Hamburg 1977 Künstlerhaus Sootbörn Karlsruhe Künstlerhaus Karlsruhe vor 1907 Kempten Künstlerhaus Kempten 2004 Krefeld Künstlerhaus Krefeld Leipzig Künstlerhaus (Leipzig) 1900 1943 zerstört Mannheim Künstlerhaus zeitraumexit 2000 Marktoberdorf Künstlerhaus Marktoberdorf 2001 MeinersenKünstlerhaus Meinersen1989 München Künstlerhaus am Lenbachplatz 1900 Künstlerhaus der Landeshauptstadt München1980 Neumünster Künstlerhaus Stadttöpferei Neumünster 1987 Nürnberg Künstlerhaus Nürnberg Regensburg Künstlerhaus Andreasstadel 2004 siehe Salzstadel (Stadtamhof) Rheda-Wiedenbrück Künstlerhaus Wiedenbrück Saarbrücken Saarländisches Künstlerhaus Lauenburg/Elbe Künstlerhaus Lauenburg 1986 Schöppingen nahe Münster Stiftung Künstlerdorf Schöppingen Stuttgart Künstlerhaus Stuttgart 1978 Weimar Künstlerheim Weimar 1887 1945 zerstört Wiepersdorf südlich Berlins Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf Wustrow Künstlerhof Schreyahn

In Österreich Ort Name Gegründet Bemerkung Bregenz Künstlerhaus Bregenz 1984 Klagenfurt Künstlerhaus Klagenfurt Salzburg Künstlerhaus Salzburg 1885 Wien Künstlerhaus Wien 1868 Graz Künstlerhaus Graz 1952

In der Schweiz Ort Name Gegründet Bemerkung Boswil Künstlerhaus Boswil 1954 LuzernAtelierhaus Blaesi1938Wohnatelier von August Blaesi Zürich Atelierhaus Wuhrstrasse 1953/1954 Baugenossenschaft Maler und Bildhauer, 8 Wohnungen und 12 Ateliers

Sonstige Staaten Staat Ort Name Gegründet Bemerkung Frankreich Paris Bateau-Lavoir 1892 1970 ausgebrannt, 1978 renoviert La Ruche 1902 Gebäude ursprünglich für die Weltausstellung Paris 1900 errichtet

Literatur Melanie Klier: KünstlerHäuser. Prestel Verlag, München 2006, ISBN 978-3-7913-3525-4. Gérard-Georges Lemaire (Texte); Jean-Claude Amiel (Fotografien): Künstler und ihre Häuser. Knesebeck Verlag, München 2004, ISBN 3-89660-208-X.

Einzelnachweise

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