Der Libanonkrieg 2006 war eine Eskalation im Nahostkonflikt. Im Folgenden werden die Ereignisse chronologisch dargestellt:
Juli 12. Juli 2006 mini|Karte des Grenzabschnitts, in welchem der Zwischenfall stattfand Am Morgen des 12. Juli feuerten im Südlibanon stationierte Hisbollah-Kämpfer Katjuscha-Raketen ab, wobei sie auf die israelische Stadt Shlomi (andere Schreibweise: Schelomi) und die von Israel besetzten Schebaa-Farmen abzielten. Der militärische Flügel der Hisbollah startete außerdem vom Libanon aus einen Grenzangriff auf zwei israelische Militärfahrzeuge. Dabei nahmen Guerilla-Einheiten der Hisbollah zwei israelische Soldaten gefangen und töteten drei weitere.Report of the Secretary-General on the United Nations Interim Force in Lebanon UN Security Council, S/2006/560, 21. Juli 2006 (PDF; S. 1, Abs. II)Lebanon - UNIFIL - Background. UNIFIL, SG/SM/10570, SC/8781, media briefing, 20. Juli 2006Wie der Krieg ausbrach – Eine Rekonstruktion. n-tv, 6. August 2006 Nach Bekanntwerden der Gefangennahme drangen israelische Streitkräfte mit Bodentruppen in den Südlibanon vor, um die Milizionäre der Hisbollah zu verfolgen und die entführten Soldaten zu befreien. Von Seiten der Hisbollah wurde erklärt, Ziel der so genannten Operation Truthful Promise („Wahres Versprechen“) sei die Befreiung aller „Gefangenen aus israelischen Gefängnissen“.Iran and the Recent Escalation on Israel’s Borders (2): Reaction in Iran, Lebanon, and Syria. MEMRI, Special Dispatch Series - No. 1205, 14. Juli 2006 Mit der Operation Just Reward („Gerechter Lohn“, israelische BezeichnungIsrael for rules change in south Lebanon. UPI, 14. Juli 2006) begann Israel daraufhin eine großräumige Offensive gegen die vom Libanon aus operierende Hisbollah. Die israelische Luftwaffe flog mehr als 100 Luftangriffe auf Hisbollah-Stellungen und Waffenlager sowie auf Straßen und Brücken, die dazu benutzt werden könnten, die entführten Soldaten zu transportieren.Israeli warplanes hit Beirut suburb. CNN, 14. Juli 2006 Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte, Israel betrachte die libanesische Regierung als verantwortlich für das Schicksal der Soldaten. Auch würden die Angriffe der Hisbollah, die zwei Minister in der libanesischen Regierung stellte, als eine Aggression des Staates Libanon gewertet.Libanon: Israel spricht von Krieg. In: Focus, 12. Juli 2006 Dan Chalutz, Generalstabschef des israelischen Heeres, drohte, sollten die verschleppten Soldaten nicht freigelassen werden, durch die Zerstörung der Infrastruktur „die Uhr im Libanon um 20 Jahre zurückzudrehen“. In: Financial Times Deutschland, 13. Juli 2006 (kostenpflichtig) Israelische Medien berichteten, die Armee bereite die Mobilisierung tausender Reservisten für eine große Offensive im Libanon vor.
13. Juli 2006 mini|Flughafen von Beirut, Aufnahme ist aus dem Jahr 2004 Die israelische Luftwaffe bombardierte Straßen, Brücken, den Beiruter Flughafen und vermutete Stellungen der Hisbollah im Süden des Landes, wohl um zu verhindern, dass die entführten Soldaten weiter von der Grenze weggebracht werden. Dabei wurden mehr als 70 libanesische Zivilisten getötet. Israelische Kriegsschiffe feuerten am Abend zum zweiten Mal Raketen auf die Landebahn des Beiruter Flughafens ab. Haaretz, 15. Juli 2006 Am Abend des 13. Juli beschossen nach israelischen Angaben Hisbollah-Milizionäre die israelische Stadt Haifa mit Raketen. Die Hisbollah dementierte dies und die Behauptung, sie hätte dabei iranische Waffen eingesetzt. Die Hisbollah beschoss die Städte Nahariya und Safed sowie eine Reihe in der Nähe liegender Ortschaften mit Katjuscha-Raketen. Bei diesen Angriffen wurden zwei Zivilisten getötet und 29 verletzt.
mini|Karte mit den israelischen Ortschaften, die durch die Hisbollah angegriffen wurden.
14. Juli 2006 Ab dem 14. Juli wurde der Libanon durch Israel mit einer vollständigen Blockade abgeriegelt. Zunächst wurde der Seezugang durch die Marine und der Luftzugang durch wiederholte Bombardierung des Beiruter und anderer Flughäfen blockiert, um zu verhindern, dass über den Luftweg aus Syrien, Iran oder anderen Staaten die Hizbollah Waffennachschub erhält. Die israelische Luftwaffe übernahm die Kontrolle des libanesischen Luftraumes. Danach wurden die Hauptverkehrswege zu Lande – etwa die Straßenverbindung über die Region Mdeiredsch nach Syrien – und Versorgungseinrichtungen durch Bombardements unterbrochen oder zerstört. Reuters, 14. Juli 2006spiegel.de vom 14. Juli 2006: Israel zerstört Libanons Infrastruktur Am selben Tag griff die Hisbollah mit rund 100 Katjuscha-Raketen mehrere nordisraelische Orte an (die Städte Nahariya, Safed, Chatzor, Rosch Pinnah, Qirjat Schmonah und die Siedlungen Mattat, Sasa, Peqiʿin, Beit Jan, Biria, Biranit, Kabri, Gescher haZiv, Saʿar und Ben Ami). Dabei wurden 30 Menschen verletzt. In der Stadt Meron starben dabei zwei Zivilisten.Hizbullah droht Israel mit „offenem Krieg“. In: FAZ, 15. Juli 2006 Die INS Chanit, ein israelisches Kriegsschiff der Saʿar-5-Klasse, wurde vor Beirut mit einer Küsten-See-Rakete chinesischer BauartComputerised weaponry and high morale. The Guardian, 11. August 2006 beschossen und schwer beschädigt; Associated Press, 14. Juli 2006 dabei wurden vier Seeleute getötet. Haaretz, 20. Juli 2006 Strittig ist, ob es von einer Katjuscha-Rakete oder, wie von israelischer Seite verlautbart, von einer C-802-Rakete aus iranischer Produktion oder von einer Drohne getroffen wurde. Ehud Olmert bekräftigte gegenüber den Vereinten Nationen drei Forderungen, die Israel erfüllt sehen will: Die Hisbollah müsse die beiden entführten israelischen Soldaten freilassen, ihre Raketenangriffe beenden und der Libanon die UN-Resolution 1559 erfüllen (Auflösung aller paramilitärischen Milizen im Libanon).Israel verteidigt Vorgehen im Libanon. In: Salzburger Nachrichten, 14. Juli 2006 Der Sprecher des Weißen Hauses betonte am 14. Juli, dass die USA keinen Druck auf Israel zur Durchsetzung eines Waffenstillstands mit dem Libanon ausüben werden. Basler Zeitung, 14. Juli 2006 Die libanesische Regierung signalisierte Verhandlungswillen, wies aber jede Verantwortung für die Entführung der Soldaten zurück und distanzierte sich von der Hisbollah, die damals zwei Minister im Kabinett stellte. Informationsminister Ghazi al-Aridi forderte nach einer Krisensitzung eine sofortige Waffenruhe. Der Führer der Drusen, Walid Dschumblat, beschuldigte den Iran und Syrien, mit den Angriffen der Hisbollah auf Israel den Libanon destabilisieren zu wollen. WorldNetDaily:, 29. Mai 2006 Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah kündigte einen „offenen Krieg“ gegen Israel an.Four Israeli troops missing after warship hit. CNN, 15. Juli 2006
15. Juli 2006 Am Samstag, dem 15. Juli, weitete die israelische Armee ihre Offensive im Libanon weiter aus. Beschossen wurden Straßen und Brücken im ganzen Land, die als Hochburg der Hisbollah geltenden südlichen Stadtteile und Vororte von Beirut (u. a. Haret Hreik), Treibstofflager wie das bei Sidon im Süden des Landes und die libanesischen Luftstützpunkte bei Rayak im Osten und Koleyat im Norden des Landes.20 Tote bei israelischem Luftangriff im Südlibanon. DerStandard.at, 15. Juli 2006 Neu waren Luftangriffe auf das Hauptwohngebiet der christlichen Maroniten, die als überwiegend antisyrisch und prowestlich eingestuft werden. Am Nachmittag wurden Hafenanlagen in der dicht mit Hochhäusern bebauten und nahezu ausschließlich von Christen bewohnten Bucht von Jounieh beschossen. Nach Angaben des Militärs wurden bis zu diesem Zeitpunkt etwa 150 Ziele im Libanon angegriffen, davon rund ein Dutzend in direktem Zusammenhang mit der Hisbollah. Offiziell bestätigt wurde von libanesischer Seite, dass das Hauptquartier der Hisbollah in Beirut bei einem Luftangriff zerstört wurde. Auch der Grenzübergang zwischen dem Libanon und Syrien bei Masnaa wurde angegriffen. Dabei starben drei Menschen.As the bombs rain down, a refugee crisis unfolds on the streets of Beirut. The Guardian, 17. Juli 2006 Darauf folgende Berichte, dass Israel nun auch Syrien angegriffen habe, wurden von beiden Staaten dementiert. Reuters, 15. Juli 2006 Die Hisbollah setzte ihre Raketenangriffe auf Städte im Norden Israels fort und traf dabei unter anderem Ziele in Tiberias. Großbritannien entsandte für eine mögliche Evakuierung sechs Kriegsschiffe, darunter einen Flugzeugträger, in den Nahen Osten und verlegte Chinook-Hubschrauber nach Zypern. Frankreich schickte zwei Kriegsschiffe und ein ziviles Fährschiff. Zwei Hercules-Transportflugzeuge der italienischen Luftwaffe flogen zwischen dem 15. und dem 16. Juli von der syrischen Hafenstadt Latakia insgesamt 460 Zivilisten verschiedener Nationalität aus, die zuvor mit Bussen aus dem Libanon gebracht worden waren.(Beleg fehlt)
16. Juli 2006
mini|Botschaftsangehörige verlassen den Helikopter auf Zypern. Bei ihrem Angriff auf Haifa tötete die Hisbollah insgesamt neun Menschen durch Raketen, davon acht Eisenbahner, als sie das Zugdepot Haifa troff, wobei sie 23 weitere verletzte.8 killed in rocket attack on Haifa. Ynetnews, 16. Juli 2006. OÖ Nachrichten, 16. Juli 2006 Der zugehörige Bahnhof Haifa Merkas – haSchmonah (der Acht) erhielt ein Mahnmal und Namenszusatz in Andenken an die Acht ermordeten unter den Eisenbahnern.Erica Gaston, “July 16 Attack Kills Eight Workers in Railroad Hangar” (4. August 2006), auf: Northern Israel, showing locations struck by Hezbollah rockets that are described in this report, Human Rights Watch (HRW; Hrsg.), New York City: 2006/2007. Der Libanon warf unterdessen den USA vor, diese würden ein Statement des UN-Sicherheitsrates blockieren. Al Jazeera, 16. Juli 2006 Auf dem Gelände der US-Botschaft in Beirut traf ein militärisches Vorauskommando ein, um die Abreise der Amerikaner vorzubereiten. Das Team wurde laut CNN mit Kampfhubschraubern aus Zypern eingeflogen.Financial Times Deutschland, 16. Juli 2006 (kostenpflichtig) Bei einem israelischen Angriff auf Aitarun wurden acht Kanadier libanesischer Herkunft getötet, die in den Ferien ihre Verwandten im Libanon besucht hatten. Dies teilte der kanadische Außenminister Peter MacKay im Fernsehsender CTV.Israelischer Angriff: Kanadier im Libanon getötet. Spiegel Online, 16. Juli 2006
17. Juli 2006
Am 17. Juli 2006 unterbreiteten UN-Vermittler der libanesischen Hisbollah einen Vermittlungsvorschlag, der die Militäraktionen in Nahost beenden soll. Dabei wurden sie von der EU unterstützt. Netzeitung, 17. Juli 2006 Bei weiteren israelischen Luftangriffen starben im Libanon mindestens 33 Menschen, davon mindestens 21 Menschen bei einem Angriff auf ein Dorf nahe dem südlibanesischen Hafen Tyrus. Erstmals beschoss die israelische Luftwaffe die Innenstadt von Beirut. Im Hafen von Beirut starben dabei nach libanesischen Angaben zwei Menschen. Swissinfo, 17. Juli 2006Israel greift Hafen von Beirut an Nachrichten.ch, 17. Juli 2006 Haaretz, 17. Juli 2006 Die Hisbollah feuerte am Morgen mehrere Raketen auf den Norden Israels ab und griff die 56 km südlich der Grenze im Norden Israels liegende Stadt Atlit mit Katjuscha-Raketen an. Es wurden keine Opfer gemeldet. Associated Press, 17. Juli 2006 Eine Rakete traf Afula (ca. 50 km von der libanesischen Grenze entfernt). So weit ins israelische Hinterland war bis dahin keine Rakete der Hisbollah geflogen.Israel bombardiert erneut Ziele im Libanon – Hisbollah-Raketen treffen Stadt bei Nazareth (tagesschau.de-Archiv)tagesschau.de, 17. Juli 2006 Der israelische Armeesender meldete, Israel plane die Einrichtung einer Art Sicherheitszone im Libanon an der Grenze zu Israel. Es solle verhindert werden, dass sich Hisbollah-Kämpfer näher als einen Kilometer der israelischen Grenze näherten. Die Armee sei mit Planierraupen in den Süden Libanons vorgedrungen mit dem Ziel, verlassene Hisbollah-Stellungen zu zerstören und eine Sicherheitszone zu errichten. Reuters, 17. Juli 2006