mini|Altes Logo DAtF, heute Kerntechnik Deutschland (KernD). Das Deutsche Atomforum e. V. (DAtF) war ein Lobbyverband von Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen, der sich für die nichtmilitärische Nutzung von Kernenergie einsetzt. Er war bis ca. 2013 als gemeinnützig anerkannt. Finanziert wurde die Arbeit des Atomforums durch Mitgliedsbeiträge, Spenden sowie Einnahmen aus Veranstaltungen und Veröffentlichungen.
Der Verein hatte rund hundert Mitglieder, vor allem Unternehmen der Energiewirtschaft. Sitz war Berlin. Es war Mitglied des europäischen Atomforums FORATOM und der Kerntechnischen Gesellschaft (KTG) und arbeitete auch mit der World Association of Nuclear Operators (Weltverband der Kernkraftwerksbetreiber) zusammen.
Schwerpunkt der Organisation war Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Kernenergie. Außerdem veranstaltete sie Kongresse und Seminare.
Organisation
Präsidenten des Deutschen Atomforums (DAtF) 1959–1973 Karl Winnacker 1973–1979 Heinrich Mandel 1979–1985 Rudolf W. Guck 1985–1995 Claus Berke 1995–1999 Wilfried Steuer 1999–2001 Otto Majewski 2001–2004 Gert Maichel 2004–2010 Walter Hohlefelder 2010–2019 Ralf Güldner
Geschichte Der Verein wurde 1959 gegründet, 1961 als Verein eingetragen und förderte seitdem als Interessenvertretung der Atomindustrie und -forschung die friedliche Nutzung der Kernenergie.kernenergie.de: abgerufen am 25. Dezember 2012
Im Jahre 2019 fusionierten das Deutsche Atomforum und der Wirtschaftsverband Kernbrennstoff-Kreislauf und Kerntechnik e. V. zum neuen Verband Kerntechnik Deutschland (KernD). Herausgeber und Redaktion laut Impressum (Stand 2023) ist die INFORUM Verlags- und Verwaltungsgesellschaft mbH.
Preise und Auszeichnungen
Karl-Winnacker-Preis Für Verdienste um die Förderung der Kernkraft verlieh das Deutsche Atomforum den mit 5000 Euro dotierten Karl-Winnacker-Preis. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Karl-Winnacker-Preis des Marburger Universitätsbundes. Preisträger 1999 Helmut Maier-Mannhart 2000 Carl Graf Hohenthal 2001 Klaus von der Brelie 2002 Dagmar Röhrlich
Kontroversen Ende 2007 wurde dem Verein der Worst EU Greenwash Award der Initiative Worst EU Lobbying Award verliehen, da es in einer Werbekampagne mittels Greenwashing versucht habe, Kernenergie als umweltschonend darzustellen.
Das Bundesamt für Strahlenschutz kritisierte den Verein für dessen Behauptung, in Deutschland gebe es einen geeigneten Standort für ein Endlager für radioaktive Abfälle.Bundesamt für Strahlenschutz (12. November 2007): . Zitat: „In seiner Pressemitteilung vom 8. November 2007 stellt das Atomforum Behauptungen auf, die der Klarstellung bedürfen“ Zum 50-jährigen Jubiläum des Atomforums kritisierte der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel den Verband als „Propagandazentrale der Atomkonzerne“; sie stehe „wie kaum eine andere Institution für das bewusste Verschweigen, Verdrängen und Verharmlosen der Gefahren, die mit der kommerziellen Nutzung der Atomenergie verbunden sind“.
Einen Tag nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima setzte sich der Verein gegen eine Revision der Laufzeitverlängerung für deutsche Kernkraftwerke ein. Präsident Ralf Güldner argumentierte, dass deutsche Reaktoren wesentlich besser gegen Naturkatastrophen geschützt seien als japanische.Handelsblatt: Deutsche Atomkonzerne in Defensive vom 13. März 2011
Die Jahrestagung Kerntechnik 2011 begann mit knapp 1300 internationalen Gästen am 17. Mai in Berlin, organisiert vom Atomforum und der Kerntechnischen Gesellschaft (KTG). (PDF) Alle Veranstaltungen mit gesellschaftspolitischem Bezug wurden aus dem Programm genommen, das Gala-Diner abgesagt. Sowohl die Rede des RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann sowie die ursprünglich geplante Rede von FDP-Generalsekretär Christian Lindner fielen aus.
Nach dem Stopp der Erkundung des Salzstocks Gorleben gab der Präsident des Vereins, Ralf Güldner, im Dezember 2012 bekannt, dass die Betreiber der Kernkraftwerke einen Finanzierungsstopp der Erkundung erwägen sowie Schadenersatz geltend machen könnten, wenn Gorleben als Endlager ausgeschlossen werde.
Bis ca. 2013 war der Verein durch die Berliner Finanzverwaltung als gemeinnützig anerkannt. Die Gemeinnützigkeit des Vereins ist vielfach kritisiert worden. Die Stuttgarter Nachrichten wiesen in einem Bericht vom 31. August 2015 darauf hin, dass das Atomforum nicht mehr gemeinnützig ist. Nach Nachfragen des Finanzamtes hat es die Gemeinnützigkeit nicht erneut beantragt. Mit Satzungsänderung vom 15. Mai 2013 wurde der Passus „Gemeinnützigkeit“ gestrichen. Seitdem präsentierte sich das Atomforum auf seiner Website als „Branchendienstleister für die externe und interne Kommunikation auf dem Gebiet der Kernenergie und Kerntechnik“ und als Interessenvertreter seiner Mitglieder.
Veröffentlichungen
Literatur
Siehe auch Kerntechnische Gesellschaft (KTG)
Weblinks
Aktuelle Website: Alte Website:
Einzelnachweise
Kategorie:Energiewirtschaftsverband (Deutschland) Kategorie:Organisation (Kernenergie) Kategorie:Kernenergiepolitik (Deutschland) Kategorie:Ehemaliger Verein (Berlin) Kategorie:Eingetragen im Lobbyregister des Deutschen Bundestags Kategorie:Verbandsgründung 1959 Kategorie:Aufgelöst 2019