Gernsheim ist eine Stadt im südhessischen Landkreis Groß-Gerau und liegt am Rhein. Sie trägt seit dem 24. Februar 2003 die amtliche Zusatzbezeichnung Schöfferstadt; diese verweist auf Peter Schöffer, einen bedeutenden Sohn der Stadt.

Geographie Geographische Lage Gernsheim liegt etwa 18 km südwestlich von Darmstadt innerhalb der Oberrheinischen Tiefebene in der Mitte des Hessischen Rieds. Es befindet sich am Ostufer des Rheins – stromabwärts betrachtet zwischen seinem Ortsteil Klein-Rohrheim im Süden mit der jenseits davon gelegenen Gemeinde Groß-Rohrheim und der Gemeinde Biebesheim am Rhein im Nordnordwesten; östlicher Nachbarort ist mit Hähnlein ein Gemeindeteil von Alsbach-Hähnlein. Das Stadtgebiet von Gernsheim wird vom Winkelbach durchflossen, der hier auch in den Rhein mündet. Rechtsrheinisch erstreckt sich im Gernsheimer Stadtgebiet und im Gemeindegebiet von Groß-Rohrheim der Hammerauer Altrhein mit dem Naturschutzgebiet Hammer Aue von Gernsheim und Groß-Rohrheim.

mini|hochkant|Das Ried bei Gernsheim

Nachbargemeinden Gernsheim grenzt im Norden an die Gemeinde Biebesheim und die Stadt Riedstadt (alle Landkreis Groß-Gerau), im Osten an die Stadt Pfungstadt und die Gemeinden Bickenbach und Alsbach-Hähnlein (alle Landkreis Darmstadt-Dieburg), im Süden an die Stadt Bensheim und die Gemeinden Einhausen und Groß-Rohrheim (alle Landkreis Bergstraße) sowie im Westen an die Gemeinde Hamm am Rhein (Landkreis Alzey-Worms).

Stadtgliederung Gernsheim besteht aus den Stadtteilen Allmendfeld, Gernsheim und Klein-Rohrheim.

Aktuelle und historische Siedlungsplätze in der Gemarkung Gernsheim Burg Falkenau Hof Hammerau Gehöftgruppe Maria Einsiedel Gasthaus Waldfrieden Wasserburg Gernsheim Kloster Maria Einsiedel Schwestern von der göttlichen Vorsehung in Gernsheim

Geschichte Ortsgeschichte mini|Römischer Säulenstumpf (1. Jh. n. Chr.)

Im Ortsteil Klein-Rohrheim wurde beim Bau einer Umgehungsstraße eine Siedlung der Jungsteinzeit entdeckt. Zehn Häuser aus der Zeit um 5300 v. Chr. ließen sich nachweisen, die in regelmäßigen Abständen von 12 bis 15 m voneinander errichtet wurden. Ob sie gleichzeitig bestanden, ist noch ungeklärt. Für die älteste Bandkeramik typische Außengräben wurden ergraben, dazu Pfostenlöcher bis zu einem Meter Tiefe. Die Bauweise der Häuser ließ sich der Stufe Flomborn zuordnen, die auf die älteste Bandkeramik folgt. Daher ist eine Datierung nahe dem Übergang der beiden Stufen wahrscheinlich.N. Fröhlich, Th. Becker: Reihenweise frühe Häuser, in: Archäologie in Deutschland 05 | 2017, S. 45.

Vorläufer der heutigen Stadt Gernsheim war ein römisches Kastell aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert, das im frühen 2. Jahrhundert verlassen wurde. Fundamente dieses Gernsheimer Kastells wurden 2014 von Archäologen der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main im Bereich der Nibelungenstraße entdeckt. Bei einer Grabung im Jahr 2015 wurden zudem Reste des Zivildorfes entdeckt, das sich in der Umgebung des Kastells gebildet hatte und bis zum Ende der römischen Herrschaft im 3. Jahrhundert existiert haben dürfte.Thomas Maurer: Die Römer in Gernsheim. Eine Dokumentation mit Illustrationen. Siedlung – Straßen – Kastell, Archäologische Grabungen und Befunde. Kunst- und Kulturhistorischer Verein der Schöfferstadt Gernsheim, Gernsheim 2022. In: Hessenschau online. 11. September 2015, abgerufen am 11. September 2015.

Nach der Völkerwanderung wurde Gernsheim ein fränkischer Königshof (Ersterwähnung 852 in einer Urkunde Ludwig des Deutschen). 908 gelangte dieser in den Besitz des Klosters Lorsch (Erwähnung im Lorscher Codex) und 1232 unter die Herrschaft von Kurmainz, die bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 währte. So erklärt es sich, dass das Mainzer Rad heute im Wappen erscheint. Stadtrecht bekam Gernsheim 1356 mit einer Urkunde Karls IV.; es wurde befestigt und erhielt ein Wasserschloss als kurfürstliche Residenz.siehe auch Burg Gernsheim, Burg Falkenau

Der Ort wurde 830/50 in einer frühen fränkischen Zeit „Heim des Gerin“/Gerun genannt, mit langem e und kurzem i/u gesprochen. Schreibweisen waren 852 „Gerunesheim“, zwischen 830/50 „Gernesheim“, 871 „Gerinesheim/Kerinesheim“. In einer alten Schrift über die Stadt, dort „Gernersheim“ genannt,Historia et commentationes Academiae electoralis scientiarum et elegantiorum literarum Theodoro-Palatinae (Acta academiae Theodoro-Palatinae) (= Historia et commentationes Academiae electoralis scientiarum et elegantiorum literarum Theodoro-Palatinae. Band 2). Academia, Mannhemii 1770, S. 164.() steht in Latein: „d) der hier sehr bekannte Petri Schoifferi, perfekter und berühmter Typograph im Land hat den Ort nun Gernsheim genannt“, Gernsheim erstmals ab 1283. mini|Das Peter-Schöffer-Denkmal

Um 1425 wurde Peter Schöffer, Mitarbeiter Johannes Gutenbergs bei der Erfindung des Buchdrucks, in Gernsheim geboren. Die Stadt Gernsheim, die ihm 1836 auf dem heute nach ihm benannten Platz ein steinernes Denkmal setzte (gehauen von Johann Baptist Scholl aus Darmstadt), feiert den 1503 in Mainz verstorbenen Drucker als größten Sohn der Stadt und nennt sich heute offiziell Schöfferstadt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gernsheim durch die Schweden geplündert. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde es durch die Truppen des Generals Ezéchiel de Mélac 1689 in Brand gesetzt.

1803 kam Gernsheim im Zuge der Säkularisation des kurfürstlichen Territoriums der Mainzer Erzbischöfe zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (ab 1806 Großherzogtum Hessen). Verwaltungsmäßig gehörte Gernsheim bis 1821 zum Amt Gernsheim. Durch die Verwaltungsreform von 1821 im Großherzogtum Hessen wurde die Stadt dem Landratsbezirk Bensheim der Provinz Starkenburg zugeteilt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Gernsheim:

1832 wurde die Provinz Starkenburg in Kreise aufgeteilt; Gernsheim war nun Teil des Kreises Bensheim. Diesem gehörte es dann, nur unterbrochen durch die Aufteilung von Starkenburg in Regierungsbezirke, bis 1874 an. Von 1848 bis 1852 zählte es zum Regierungsbezirk Heppenheim. Im Zuge der 1874 im Großherzogtum Hessen nach preußischem Vorbild vorgenommenen Reform der Kreisverfassung kam es auch zu einer neuen Kreiseinteilung. Aufgrund dieser Reform gelangte Gernsheim zum Kreis Groß-Gerau, zu dem es bis heute gehört.

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Gernsheim eine große Stärkefabrik, Schiffsbau und jährlich ein Pferdemarkt.Gernsheim, Pierer’s Universal-Lexikon, Band 7. Altenburg 1859, S. 248. Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen seit 1821 das Landgericht Zwingenberg, von 1839 bis 1879 das Landgericht Gernsheim und ab 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Gernsheim. Nach dessen Auflösung 1938 fiel Gernsheim in den Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Groß-Gerau.

Im 19. Jahrhundert wurde die Stadtbefestigung geschleift, die Vorstadt erweitert, die Stadt an die Rheinschifffahrt und eine Eisenbahnlinie angeschlossen, und erste Industrieanlagen entstanden.

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs in Europa erreichten die amerikanischen Verbände Mitte März 1945 den Rhein zwischen Mainz und Mannheim. Zur Vorbereitung für deren Rheinüberquerung wurden die meisten Riedgemeinden am 25. und in der Nacht zum 26. März von der amerikanischen Artillerie beschossen. Am 26. März wurde Gernsheim dabei zu 40 % zerstört.

Der Wiederaufbau in den 1950er Jahren ging rasch vonstatten, und Gernsheim nahm eine große Zahl von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten auf, deren Nachfahren im Städtischen Museum eine Ostdeutsche Heimatstube unterhalten.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erfolgte zum 31. Dezember 1971 die Eingliederung der bis dahin selbstständigen Gemeinden Allmendfeld und Klein-Rohrheim auf freiwilliger Basis in die Stadt Gernsheim. Allmendfeld wurde 1937 gegründet, Klein-Rohrheim vor ca. 1200 Jahren erstmals schriftlich erwähnt. Für Allmendfeld und Klein-Rohrheim wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Gernsheim angehört(e):

vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Unteres Erzstift, Oberamt Starkenburg, Amt Gernsheim ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Fürstentum Starkenburg, Amt Gernsheim ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Gernsheim ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Gernsheim ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk BensheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Zwingenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Heppenheim ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1871: Deutsches Reich,Infolge Bismarcks Politik. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Groß-GerauIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011/2022 Nach den Erhebungen des Zensus 2011/Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 / 15. Mai 2022, in Gernsheim 9816/10.400 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 1648/1869 Einwohner unter 18 Jahren, 4203/3909 zwischen 18 und 49, 2103/2843 zwischen 50 und 64 und 1856/2067 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 872/1517 (8,9 %)/(14,6 %) Ausländer, von denen 425/449 aus dem EU-Ausland, 309 / 454 aus anderen europäischen Ländern und 128/285 aus anderen Staaten kamen. Die Einwohner lebten in 4268/4271 Haushalten. Davon waren 1293/? Singlehaushalte, 1255/1195 Paare ohne Kinder und 1285/1249 Paare mit Kindern, sowie 346/351 Alleinerziehende und 89/? Wohngemeinschaften. In 868/370 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2959/2018 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung 1806: 2255 Einwohner, 284 Häuser (mit Kleinrohrheim) 1829: 2893 Einwohner, 322 Häuser 1867: 3405 Einwohner, 497 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 69 evangelisch-lutherische (2,39 %), 9 evangelisch-reformierte (0,31 %), 52 jüdische (1,80 %) und 2753 katholische (85,16 %) Einwohner • 1961: 1789 evangelische (=25,18 %), 5221 katholische (=73,49 %) Einwohner • 1987: 2740 evangelische (= 33,2 %), 4691 katholische (= 56,9 %), 817 sonstige (=9,9 %) Einwohner • 2011: 2808 evangelische (= 28,6 %), 3783 katholische (= 38,5 %), 3226 sonstige (=32,8 %) Einwohner • 2022: 2290 evangelische (22,1 %), 2894 katholische (27,8 %), 5205 sonstige (=50,0 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: